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Binäre Optionen: EU-Behörde verbietet Vertrieb an Kleinanleger

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Binäre Optionen sind hochriskant und höchstens etwas für professionelle Anleger.
  • Zum Schutz von Kleinanlegern hat die Europäische Wertpapier- und Marktregulierungsbehörde ein Verbot für den Vertrieb von binären Optionen bekannt gegeben.
  • Die Anbieter von binären Optionen sitzen meist im Ausland, oft fehlen auf Webseiten Impressum und Kontaktangaben.
  • Das kann es schwer machen, das eigene Recht durchzusetzen. Bei den Verbraucherzentralen melden sich Betroffene, die ihr Geld nicht zurückbekommen.
Glücksrad
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ESMA verbietet Vertrieb der hochriskanten Geldanlage an Kleinanleger

Die Europäische Wertpapier- und Marktregulierungsbehörde ESMA (European Securities and Markets Authority) hat am 27.03.2018 zum Schutz von Kleinanlegern ein Verbot für den Vertrieb von binären Optionen an Kleinanleger bekannt gegeben. Die Behörde reagiert damit auf häufige und hohe Verluste von Kleinanlegern. Die Maßnahmen der ESMA treten laut eigenen Angaben in einem Monat in Kraft.

Bereits im Januar teilte die ESMA mit, dass sie ein Verbot der Vermarktung, des Vertriebs und des Verkaufs von binären Optionen an Kleinanleger prüfe. Nun erschien die offizielle Mitteilung der Behörde. Schon 2016 hatte die Behörde vor den Finanzprodukten gewarnt – ebenso wie die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Beim Anbieter "Option888" ist die BaFin mittlerweile tätig geworden und hat die Einstellung des Geschäfts verfügt.

Binäre Optionen: Bei hochriskanten Termingeschäften droht der Totalverlust

Aus Sicht der Verbraucherzentralen sind binäre Optionen höchstens etwas für professionelle oder institutionelle Anleger, nicht aber für Privatanleger. Es droht immer der Verlust des gesamten eingesetzten Geldes. Aufgrund der Risiken sollten Sie von binären Optionen trotz der teilweise aggressiven Werbung lieber Abstand nehmen. Binäre Optionen sind nichts weiteres als eine Wette - und wer dabei falsch liegt, verliert sein Geld.

Verbraucher beschweren sich bei den Verbraucherzentralen außerdem zunehmend über Broker von binären Optionen. Die Marktwächter haben den Markt stichprobenartigen untersucht. Die Geschäftspraktiken sind teils dubios, die Firmen im Ausland (zum Beispiel Zypern oder die Schweiz) nicht greifbar. Es kann sein, dass Verbraucher eingezahlte Einlagen und möglicherweise auch ihren Gewinn nicht zurückerhalten.

So funktionieren binäre Optionen

Eine Binäre Option kann als Basiswert eine Einzelaktie, Indizes wie den Dax, Rohstoffkurse oder Wechselkurse haben. Konkret könnte die binäre Option zum Beispiel vorsehen, dass der Dax bis zum Ende der nächsten Stunde den Wert von 12.000 Punkten erreicht, der Goldkurs bis zum Tagesende den Wert von 1.300 Punkten oder der Wechselkurs vom Dollar zum Euro bis zum Monatsende die Parität von 1:1.

Falls der Basiswert bis zum Laufzeitende den vorgegebenen Kurs bzw. Preis erreicht, erhalten die Anleger von binären Optionen in der Tat hohe Renditen von durchaus 70 bis 90 Prozent, in Einzelfällen sind sogar Renditen von mehreren hundert Prozent möglich. Wird der vorgegebene Kurs dagegen nicht erreicht, ist das eingesetzte Kapital, je nach Ausgestaltung, ganz oder zumindest zum großen Teil verloren.

Unlautere Werbung

Oft wird Seriosität mit unlauteren Mitteln vorgegaukelt. So fand das Marktwächter-Team falsche Forenbeiträge und vermeintliche Nachrichtenartikel im Design renommierter Nachrichtenportale. Verbraucher berichteten auch von unerlaubten Werbeanrufen (Cold Calls) der Broker.

Die wollen oft erst einmal Geld sehen: Zum Teil konnte erst gegen eine obligatorische Einlage von circa 250 Euro ein Tradingkonto eröffnet werden. Ein Anbieter wirbt zum Beispiel mit einer "Geld-zurück-Garantie für Ihren ersten Trade!", die jedoch an Bedingungen geknüpft ist.

Zudem sind die schlecht übersetzten Geschäftsbedingungen der recherchierten Broker oft verwirrend und die Regelungen zur Auszahlung der Beträge unklar. Betroffene haben den Verbraucherzentralen gemeldet, dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen haben, auch wenn sie ihr Konto - ohne je damit zu traden - wieder kündigten.


Sitz im Ausland wird bei Konflikten zum Problem

Weil fast alle Anbieter im Ausland sitzen, können Verbraucher ihr Recht nur schwer durchsetzen. "Die Rückforderung einbezahlter Einlagen müsste im Zweifelsfall über einen langen Rechtsweg eingeklagt werden. Viele Broker sind gar nicht greifbar", sagt Beate Weiser. Auf den Webseiten fehlen oft Impressum und Kontaktangaben. Etliche AGB sind in Deutschland nach Auffassung des Marktwächters rechtswidrig.


Typische Merkmale von binären Optionen

  • Zum vereinbarten Zeitpunkt wird dem Anleger entweder alles oder nichts gezahlt.
  • Tritt die Erwartung des Anlegers nicht ein, dass der Basiswert bis zum Laufzeitende eine bestimmte Höhe erreicht, verliert er sein gesamtes eingesetztes Kapital.
  • Die Risikohinweise sind zwar auf den meisten Webseiten zu finden, jedoch nur kleingedruckt in der Fußzeile der Webseiten.
  • Von Anlegern wurden zudem Nutzungsgebühren verlangt - unabhängig von der tatsächlichen Nutzung irgendeiner Leistung.

Binäre Optionen gleichen daher mehr einem Glücksspiel als einer Geldanlage.