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Coronavirus grassiert in vielen Ländern: Ihre Rechte als Reisender

Stand:

Der Coronavirus breitet sich in China und in zahlreichen anderen Ländern aus: Wir erklären die Rechte von Urlaubern, die deswegen ihre Reise nicht antreten oder sie abbrechen wollen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Gefahren durch den Coronavirus geben Ihnen nicht pauschal das Recht, eine Reise zu stornieren. Entscheidend sind die Situation an Ihrem Urlaubsort und Auswirkungen auf Ihre Reise.
  • Wir machen die Erfahrung: Reiseveranstalter räumen bei Pauschalreisen schon von sich aus freiwillig das Recht ein, die Reise zu stornieren oder umzubuchen und kontaktieren Urlauber.
  • Lufthansa und British Airways haben Flüge nach China vorerst ausgesetzt. Einige Fluggesellschaften räumen bei einzeln gebuchten Flügen nach China stattdessen freiwillig das Recht ein, diese kostenfrei zu stornieren oder umzubuchen.
Eine Frau trägt eine Atemmaske und sitzt in einem Flugzeug.
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Die Presse ist voller Meldungen über den Coronavirus. Die Anzahl der erkrankten Menschen steigt. Immer mehr Reisende haben deshalb Angst um ihre Gesundheit und wollen insbesondere Pauschalreisen nach Asien nicht antreten. Einige Regionen in Südkorea, Iran und Japan sowie in Europa auch Italien sind inzwischen stärker betroffen.

Doch Vorsicht: Ein kostenfreier Rücktritt (Stornierung) ist nur bei Pauschalreisen möglich – und selbst für China sicher auch nur, wenn sie in die chinesische Provinz Hubei gehen.


Hinweis zu Corona: Wer Kontakt zu Coronakranken hatte oder eine Reise in ein Risikogebiet unternommen hat UND nun Symptome hat, sollte sich testen lassen. Mehr zu Vorsichtsmaßnahmen haben wir in einem separaten Text zusammengefasst.


Die Ausbreitung gefährlicher Krankheiten wie jetzt beim Coronavirus ist ein unvermeidbares, außergewöhnliches Ereignis (so genannte "höhere Gewalt") - wie auch Erdbeben, Hurrikan oder Feuer. Ein solches Ereignis muss die Pauschalreise erheblich erschweren, gefährden oder beeinträchtigen, dann können Sie kostenfrei zurücktreten.

Entscheidend ist die Situation vor Ort

Auf eine subjektive Einschätzung kommt es dabei aber nicht an. Wer aus Angst zurücktritt, kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen. Entscheidend ist eine objektive Einschätzung der Lage vor Ort.

Stärkstes Indiz für höhere Gewalt, für das Vorliegen einer Gefährdung der Reisenden also, sind die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes und daraus folgende Reisewarnungen, an denen sich regelmäßig die Gerichte orientieren. Eine solche Reisewarnung wegen des Coronavirus liegt weiterhin nur für die chinesische Provinz Hubei vor, denn nur dort droht nach Ansicht des Auswärtigen Amts eine konkrete Gefahr für Leib und Leben.

Durch die mit dem Coronavirus einhergehenden behördlichen Vorsichtsmaßnahmen (z.B. Ein- und Ausreiseverbote) in den besonders betroffenen Ländern wie China, Südkorea, Iran und Italien kann es aber auch zu einer erheblichen Erschwerung oder Beeinträchtigung der Reise kommen, die zu einer kostenfreien Stornierung berechtigt. Ob eine solche vorliegt, lässt sich pauschal nicht beantworten und hängt von der konkreten Reise und der Situation vor Ort, in den Reisezielen in den jeweiligen Ländern ab.

Sollten die Voraussetzungen für höhere Gewalt noch nicht vorliegen, kann auch eine wesentliche Änderung der Reise eine kostenfreie Stornierung begründen. Das ist der Fall, wenn Sie z.B. wesentliche Sehenswürdigkeiten einer Reise durch die mit dem Coronavirus verbundenen Sicherheitsmaßnahmen nicht besichtigen können (derzeit sind etwa Teile der verbotenen Stadt in Peking und der Chinesischen Mauer gesperrt).

Für China wird man derzeit wohl davon ausgehen können, dass Reisen generell nicht wie vereinbart durchführbar sind.

Empfehlung: Nehmen Sie frühzeitig mit dem Reiseveranstalter Kontakt auf

Ungeachtet der rechtlichen Einschätzung raten wir dazu, bei einer anstehenden Reise in betroffene Regionen umgehend mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen. Reiseveranstalter reagieren unseren Informationen nach durchaus sensibel auf die Situation und räumen auch ohne Vorliegen bzw. Nachweis der gesetzlichen Voraussetzungen von sich aus kostenfreie Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten ein.

So bietet etwa DER Touristik nach einer Pressemitteilung vom 30. Januar 2020 ein Sonderkündigungs- und Umbuchungsrecht für Asien-Reisen an. "Dieses gilt mit einer Frist von 15 Werktagen vor Abreise für alle zwischen dem 1. Februar und 31. März 2020 bei den Veranstaltern Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen gebuchten Reisen nach China, Indonesien, Japan, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam im Reisezeitraum 1. April bis 30. August 2020, wenn unsere Kunden aufgrund des Virus nicht mehr reisen möchten."

Freiwillige Angebote, umzubuchen oder zu stornieren, machen auch zahlreiche Fluggesellschaften. Lufthansa etwa bietet für alle Flüge von/nach Festland-China kostenfrei Umbuchungen und eine Rückerstattung an. Flüge von/nach Peking, Shanghai, Nanjing, Shenyang und Qingdao sind bis zum 28. März ausgesetzt. British Airways hat die Flüge von/nach Beijing und Shanghai bis zum 17. April 2020 ausgesetzt.

Individualreisende sind auf freiwillige Angebote angewiesen

Mit den freiwilligen Angeboten der Fluggesellschaften haben auch Individualreisende eine Handhabe, die wegen höherer Gewalt ansonsten kein rechtliches Instrument haben und regelmäßig auf einem Schaden selbst sitzen bleiben, wenn sie die Reise absagen oder abbrechen. 

Ob Ihnen mit der Annullierung eines Fluges zusätzlich Entschädigungszahlungen nach der Fluggastrechteverordnung zukommen, hängt davon ab, ob sich das Flugunternehmen seinerseits auf höhere Gewalt berufen kann. Da das pauschal schwer zu beurteilen ist, empfiehlt es sich, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Dabei unterstützt Sie auch unsere kostenlose Flugärger-App. Mit der Entschädigungszahlung könnten ggf. die Schäden durch bereits gebuchten Reiseleistungen wie Hotel, Ausflüge oder Mietwagen abgedeckt werden, die Sie nicht wegen höherer Gewalt kostenfrei stornieren können.