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Weltweite Corona-Reisewarnung: Pauschalreisen kostenlos stornierbar

Stand:

Das Coronavirus breitet sich in zahlreichen Ländern aus. Wir erklären die Rechte von Urlaubern, die ihre Reise nicht antreten oder sie abbrechen wollen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit der weltweiten Reisewarnung wegen des Coronavirus können Sie kurz bevorstehende Pauschalreisen ins Ausland kostenlos stornieren.
  • Zahlreiche Länder haben Einreisebeschränkungen erlassen.
  • Damit haben auch viele, die Reiseleistungen einzeln selbst gebucht haben, nun die Chance Geld zurückzubekommen – zumindest dann, wenn sie nach deutschem Recht gebucht haben.
Eine Frau trägt eine Atemmaske und sitzt in einem Flugzeug.
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Um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen, haben viele Länder ihre Grenzen geschlossen oder Reisebeschränkungen erlassen. Die Folgen und rechtlichen Möglichkeiten für Reisende sind unterschiedlich.

  1. Das Auswärtige Amt hat eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Diese Reisewarnung gilt bis mindestens zum 14. Juni. Außenminister Heiko Maas stellt ab dann individuelle Reisehinweise für verschiedene Länder in Aussicht. Eine endgültige Entscheidung darüber hat das Bundeskabinett aber noch nicht getroffen. (Stand: 03.06.2020)
  2. Es gelten Einschränkungen in allen Bundesländern. Mehr dazu lesen Sie in unserer Übersicht.

Auch die Einreisebestimmungen zahlreicher anderer Länder ändern sich derzeit kontinuierlich. Die deutschen Auslandsvertretungen informieren darüber auf ihren Internetseiten.

Ein kostenfreier Rücktritt (Stornierung) der gesamten Reise bei kurz bevorstehenden Pauschalreisen ins Ausland ist mit der Reisewarnung möglich.

  1. Damit haben Sie einen Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises.
  2. Sie müssen sich nicht mit einem Gutschein oder einer Umbuchung zufriedengeben.

Auch wenn es zwischendurch solche Überlegungen gab: Die Bundesregierung hat am 20. Mai beschlossen, Pläne für Zwangsgutscheine bei Pauschalreisen aufzugeben. Damit ist klar: Gutscheine können Sie zwar freiwillig akzeptieren. Sie dürfen aber genauso gut auf Auszahlung bestehen.

Falls Sie Ihr Ziel nicht erreichen können, weil Sie nun Deutschland ohne wichtigen Grund nicht mehr verlassen können bzw. auch innerhalb Deutschlands nicht mehr reisen und Unterkünfte nicht mehr touristisch nutzen sollen, brauchen Sie nach unserer Ansicht auch einzeln gebuchte Leistungen, wie zum Beispiel Hotels, nicht bezahlen. Zumindest wenn für die Buchung deutsches Recht gilt. Anders ist es dann, wenn Sie direkt beim Anbieter im Ausland gebucht haben. Dann kann das Recht des dortigen Landes statt des deutschen gelten.

Alle unsere Verbraucher-Informationen zu Corona finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.


Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Stornierung?

Es ist rechtlich noch nicht genau geklärt, wann ein unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand (früher: "höhere Gewalt") vorliegen muss, der eine kostenfreie Stornierung ermöglicht. Es dürfte aber wohl darauf ankommen, ob zum Zeitpunkt der Reise die unabwendbaren, außergewöhnlichen Umstände vorliegen und mit welcher Wahrscheinlichkeit davon zum Zeitpunkt der Stornierung ausgegangen werden konnte.

Schon jetzt liegen die Voraussetzungen für eine kostenfreie Stornierung aller Pauschalreisen bis 14. Juni vor. Außenminister Heiko Maas hat bewusst klar gestellt, dass die weltweite Reisewarnung Sicherheit gibt. Ein vom vzbv in Auftrag gegebenes Gutachten (siehe roter Infokasten) sieht sogar eine Möglichkeit, Auslandsreisen bis Ende August 2020 kostenfrei zu stornieren.

Reisen Sie erst nach dem 14. Juni 2020, laufen Sie bei einer frühen Stornierung Gefahr, dass Sie nicht unter den beschriebenen Schutz fallen und vertraglich vereinbarte Stornierungskosten zahlen müssen. Wenn allerdings die touristische Infrastruktur zum und im Reiseland eingeschränkt ist oder durch das Coronavirus noch immer eine Gefahr ausgeht, fallen keine Stornokosten an. Auch hierüber gibt das Gutachten (siehe roter Infokasten) weiter Aufschluss. Wir raten deshalb sich mit den Vor- und Nachteilen einer frühen Stornierung genau zu beschäftigen:

  1. Wer, wenn irgend möglich, verreisen will, kann abwarten, erfährt im Zweifel aber erst sehr kurzfristig, ob die Reise tatsächlich stattfindet. Lassen Sie sich, besonders bei teuren Reisen, im Zweifel unabhängig beraten, bevor Sie größere Zahlungen dafür vornehmen.
  2. Wer nicht mehr verreisen will und mit einer Stornierung wartet, läuft Gefahr, dass sich die Stornoentgelte erhöhen, falls zum Reisezeitpunkt keine unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände mehr vorliegen, die zum kostenlosen Rücktritt vom Reisevertrag berechtigten. Außerdem wird wohl kurz vor Antritt der Reise in vielen Fällen eine Restzahlung fällig, die Sie je nach Situation zum Reisezeitpunkt ganz bzw. teilweise wieder zurückverlangen müssten. Bei frühzeitiger Stornierung gehen Sie andererseits das Risiko ein, schon gezahlte bzw. einbehaltene Stornoentgelte (bei unklarer Rechtslage) wieder zurückverlangen zu müssen, falls sie zum Reisezeitpunkt zur kostenlosen Stornierung berechtigt wären.

Diejenigen, die frühzeitig unter Hinweis auf den Coronavirus stornieren oder bereits storniert haben, sollten unserer Ansicht nach Stornierungsgebühren zurück erhalten, wenn zum Reisezeitpunkt immer noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt und/oder dann andere Indizien für einen unabwendbaren, außergewöhnlichen Umstand vorliegen. Es ist aber nicht gesagt, dass Ihr Reiseveranstalter das auch so sieht. Darum kann es zu Streit darüber kommen.

Gutachten zur Stornierung von Pauschalreisen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat zur Stornierung von Pauschalreisen ein Gutachten vom Reiserechtler Prof. Klaus Tonner eingeholt. Dem Gutachten nach könnten Verbraucher kostenlos Auslands-Pauschalreisen stornieren, die bis Ende August 2020 stattfinden sollen. Der Einschätzung des Reiserechtlers nach könnten Sie also die Restzahlung für solche Reisen zurückhalten. Dies gilt unabhängig von der globalen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die nur bis zum 14. Juni 2020 gilt.

Beachten Sie: Hierbei handelt es sich um eine (allerdings nicht vereinzelte) Rechtsauffassung. Auch ist sie unter anderem von einer Prognose darüber abhängig, ob und wie eine gebuchte Reise eingeschränkt sein wird. Diese Prognose kann sich jederzeit ändern. Es bleibt abzuwarten, wie die Gerichte mehrheitlich darüber urteilen werden.

Die Voraussetzung einer kostenlosen Stornierung sei aufgrund von Äußerungen hochrangiger Politiker gegeben, wonach ein Auslandsurlaub in diesem Sommer wohl nirgendwo möglich sein werde. Zu beachten ist, dass sich diese Einschätzung jederzeit ändern kann. Bitte wenden Sie sich auf jeden Fall an eine Verbraucherzentrale vor Ort oder holen Sie sich rechtlichen Rat ein. Das Gutachten gibt betroffenen Reisenden lediglich eine gute Argumentationshilfe zur Durchsetzung ihrer Rechte. Mehr zum Gutachten im Auftrag des vzbv finden Sie hier.

Was ist zu tun, wenn noch Restzahlungen ausstehen?

Viele Reisende, deren Reisen erst in einigen Wochen oder Monaten anstehen, fragen, ob sie vor dem Hintergrund des Coronavirus und auch einem möglichen Insolvenzrisiko eine Restzahlung vornehmen sollen. Das ist eine wichtige Frage, falls Sie noch nicht kostenlos stornieren können (siehe oben) oder an den Reiseplänen selbst möglichst lange festhalten möchten.

Nach unserer Ansicht brauchen Sie den Restpreis, der in diesen Tagen für eine bald anliegende Pauschalreise oder eine einzeln gebuchte in Deutschland gelegene Unterkunft fällig wird, nicht zu zahlen.

Hintergrund ist, dass nach wie vor unklar ist, ob Reisen in den nächsten Wochen wie vereinbart durchgeführt bzw. Unterkünfte erreicht und für einen Urlaub genutzt werden können. Derzeit schließen die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts, Einreiseverbote in viele Staaten, das Abraten bzw. Verbote, innerhalb Deutschlands zu reisen, sowie das Verbot, Unterkünfte touristisch zu nutzen, Reisen praktisch aus. Ob und wann diese Einschränkungen tatsächlich entfallen, ist nicht absehbar. Zumindest Reisen, die in den nächsten Wochen (etwa bis Mitte Juni) stattfinden sollen, sind dermaßen gefährdet, dass Sie die Zahlung des Restpreises unserer Auffassung nach verweigern können.

Geht es nach dem bereits erwähnten Gutachten (siehe roter Infokasten), können Auslands-Pauschalreisen, die noch bis Ende August stattfinden sollen, kostenlos storniert werden.

Vor diesem Hintergrund haben Reiseveranstalter und Eigentümer von Ferienunterkünften kein Recht zum Rücktritt vom Vertrag, obwohl sich das viele für den Fall vorbehalten, dass der vereinbarte Preis nicht oder nicht vollständig zu den genannten Terminen gezahlt wird. Die Anbieter dürfen auch keine Mahn-, Inkassokosten oder für den Fall eines Rücktritts vorgesehene Stornoentgelte verlangen.

Falls der Anbieter dies anders sieht und auf den Zahlungen besteht, Sie aber an den Reiseplänen möglichst lange festhalten möchten, wird es leider komplizierter. Dann werden Sie um eine Zahlung nach Mahnung durch den Reiseveranstalter nicht umhinkommen, um eine (unserer Ansicht nach unberechtigte) Stornierung durch den Veranstalter zu vermeiden.

Für Reisen, die erst später stattfinden sollen, und je nachdem, wie sich die Lage weiter entwickelt, kann die Antwort auf die Frage der Restpreiszahlung anders lauten.

Wenn Sie für eine Reise, die erst später stattfinden soll, die fälligen Beträge nicht zahlen, laufen Sie Gefahr, Mahnkosten zu zahlen. Außerdem kann der Anbieter - allerdings nur unter Fristsetzung und nach entsprechender Androhung - vom Vertrag zurücktreten und Schadenersatz verlangen.

Empfehlung: Nehmen Sie frühzeitig mit dem Reiseveranstalter Kontakt auf

Ungeachtet der rechtlichen Einschätzung raten wir dazu, bei einer anstehenden Reise umgehend mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen. Reiseveranstalter reagieren selbst auf die neueren Entwicklungen. Viele Reisen sind bereits abgesagt. Gleiches gilt für Fluggesellschaften und die Flüge. Der Flugverkehr ist mittlerweile stark eingeschränkt. So fliegt Lufthansa nur noch einen Bruchteil des bisherigen Programms.

Aber erwarten Sie nicht zu viel: Gleichzeitig erhalten wir immer mehr Beschwerden, dass die Unternehmen (auch vor dem Hintergrund der Vielzahl der Anfragen) erst gar nicht reagieren, Stornierungs- oder andere Rechte der Verbraucher kategorisch ablehnen und nur Gutscheine oder Umbuchungsmöglichkeiten anbieten. In diesem Fall müssen Sie Ihre Forderungen weiter verfolgen und dranbleiben. Gerne können Sie sich auch an die Verbraucherzentralen wenden.

Eine Frage des Einzelfalls?

Warum meinen wir, dass Sie kostenlos stornieren können, wenn das Auswärtige Amt die folgenden Sätze schreibt? "Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären."

Dies ist kein Widerspruch. Tatsächlich ist die Frage, ob die Umstände vorliegen, grundsätzlich im Einzelfall für jede einzelne Reise zu beurteilen. Es sind Anhaltspunkte zu sammeln, die darlegen, dass die Durchführung der Pauschalreise (oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort) erheblich beeinträchtigt wird.

Das ist auch der Ansatz in dem erwähnten Gutachten (siehe roter Infokasten), das wegen der Berichte und offiziellen Mitteilungen u.a. des Außenministers Heiko Maas von einer erheblichen Beeinträchtigung bis Ende August ausgeht.

Dies haben die (letztlich entscheidenden Gerichte) bei einer Reisewarnung in der Vergangenheit regelmäßig angekommen. Wir gehen davon aus, dass die Gerichte dies vor dem Hintergrund und angesichts der Erklärung des Coronavirus zur Pandemie weltweit annehmen werden – selbst wenn für einzelne Länder noch keine Einreisebeschränkungen gelten sollten und in diesen Ländern keine Maßnahmen getroffen wurden. Vor dem Hintergrund der nunmehr ausgesprochenen Ausgangsbeschränkungen in den einzelnen Bundesländern dürfte dies aktuell außer Frage stehen.

Die Fragen, ob, wann und zu welchen Bedingungen Reisen kostenfrei storniert werden können – wie auch viele andere Frage im Zusammenhang mit dem Coronavirus auch – dürften in Zukunft aber noch Gerichte beschäftigen.

Lassen Sie sich, gerade bei teuren Reisen, im Zweifel unabhängig beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Die Situation für Individualreisende

Mit der Schließung der Grenzen haben auch Individualreisende eine bessere Handhabe, die wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände ansonsten kein rechtliches Instrument haben und regelmäßig auf einem Schaden selbst sitzen bleiben, wenn sie die Reise deshalb absagen oder abbrechen.

Wenn Sie die individuell gebuchte Unterkunft wegen der Grenzbeschränkungen nicht nutzen können, müssen Sie unserer Ansicht nach auch nicht dafür bezahlen. Viel spricht dafür, dass dies auch gilt, wenn die Unterkunft nicht erreichbar ist oder nicht touristisch genutzt werden soll.

Achtung: Grundlage ist deutsches Recht. Etwas anderes kann gelten, wenn Sie eine Unterkunft direkt beim Eigentümer im Ausland gebucht haben und das dortige Recht greift. Das ist etwa der Fall, wenn Sie direkt beim niederländischen Betreiber eines Ferienparks in Holland gebucht haben.

Entsprechendes gilt für Flugreisen, die Sie aufgrund von Ein- bzw. Ausreisebeschränkungen nicht antreten können. Werden die Flüge von den Fluggesellschaften abgesagt, haben Sie die Wahl zwischen der Erstattung des Flugpreises, wenn Sie den Flug nicht mehr antreten wollen, oder einem Ersatzflug zu einem späteren Zeitpunkt (der Sie nichts zusätzlich kosten darf).

Auch wenn die Airline den Flug trotz der Reisebeschränkungen durchführt, muss nach unserer Ansicht der Flugpreis erstattet werden, wenn Sie einem Einreiseverbot unterliegen.

Ob Ihnen mit der Annullierung eines Fluges zusätzlich Ausgleichszahlungen nach der Fluggastrechteverordnung zukommen, hängt davon ab, ob sich das Flugunternehmen seinerseits auf unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände berufen kann. Einreiseverbote etwa als Grund für die Annullierung können die Airlines von der Pflicht zu Ausgleichszahlungen entlasten. Unterstützungsleistungen, Flugpreiserstattung oder Ersatzflug und Betreuungsleistungen (z.B. Verpflegung oder Hotelzimmer) muss die Airline aber ohne Möglichkeit der Entlastung auch bei außergewöhnlichen Umständen gewähren. Diese Ansprüche des Fluggasts bleiben deshalb auch in Zeiten von Corona bestehen. Über unsere kostenlose Flugärger-App können Sie schnell und bequem einen Antrag an die Airline stellen.

Was ist mit Reisen in Deutschland?

Die Voraussetzungen für eine kostenlose Stornierung sind dieselben wie bei einer Reise ins Ausland.

Zur Beurteilung, ob unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die zum kostenfreien Rücktritt von einem Pauschalreisevertrag berechtigen, können die Äußerungen des Auswärtigen Amtes bzw. anderer zuständiger Behörden herangezogen werden. Behördliche Warnungen sind ein wichtiges Indiz, aber keine Voraussetzung für das Rücktrittsrecht. Vielmehr reicht nach unserer Ansicht ein Sicherheitshinweis, in dem von Reisen in ein bestimmtes Gebiet abgeraten wird.

Unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände liegen derzeit nach mehreren Entscheidungen vor:

  1. Mit der Aufforderung des Bundesgesundheitsministeriums, Reisen im Inland zu unterlassen,
  2. mit den ausgesprochenen Zugangsbeschränkungen, wie etwa dem Beschluss der Landesregierung Schleswig-Holsteins, ab dem 18. März 2020 Reisen aus touristischem Anlass in das Bundesland zu untersagen, sowie
  3. mit den aktuell von den Bundesländern ausgesprochenen Ausgangsbeschränkungen.

Soweit Übernachtungsangebote im Inland behördlich angeordnet nur noch zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden, wie dies erstmalig am 16. März 2020 Gegenstand der Vereinbarung der Bundesregierung und den Bundesländern war, sind Reiseveranstalter von sich aus bereits gezwungen, zahlreiche innerdeutsche Reisen abzusagen. Der Reisepreis ist dann in jedem Fall zu erstatten. Entsprechendes gilt für die Anbieter der Übernachtungsangebote, wenn diese von Individualreisenden gebucht wurden.

Nach der Vereinbarung sollen zudem "Reisebusreisen" verboten werden, für die vielfach auch die Regelungen des Pauschalreiserechts greifen. Auch mit deren Absage ist der Reisepreis zu erstatten.

Forderung nach Lösung im Sinne der Kunden

Unabhängig von der jeweiligen Rechtslage und egal, ob es um eine Pauschal- oder individuell gebuchte Reise geht, müssen Verbraucher die Möglichkeit zur transparenten und kulanten Umbuchung haben, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Auch Gutscheine sind eine gute Alternative, wenn sie von der Bundesregierung mit einem Insolvenzschutz abgesichert werden.

Wenn die Bundesregierung Reiseanbietern Staatshilfen anbietet, muss zu den Bedingungen gehören, dass betroffenen Verbrauchern eine kulante Regelung angeboten wird.

240.000 Urlauber nach Deutschland zurückgeholt

In einer "Luftbrücke" genannten Aktion hat das Auswärtige Amt Zehntausende Reisende nach Deutschland zurückgeholt. Als der Linienverkehr an vielen Flughäfen weltweit schon eingestellt worden ist, sind dabei insgesamt rund 240.000 deutsche Urlauber transportiert worden. Damit dürften nun die meisten Bundesbürger, die nach Deutschland zurück wollten, wieder hier sein. Die deutschen Botschaften weltweit kümmern sich weiter um die noch verbliebenen Einzelfälle

Jeder, der noch im Ausland reist, sollte sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen. Erster Ansprechpartner für eine Rückkehr nach Deutschland sind Ihr Reiseveranstalter oder Ihre Airline. Fragen Sie dort nach, ob diese eine Rückreise nach Deutschland für Sie organisieren. Nehmen Sie außerdem Kontakt zur deutschen Botschaft im Land auf, in dem Sie sich aufhalten.

Da eine Coronaerkrankung ein Krankheitsfall ist, sind aber eventuell Ihre Auslandskrankenversicherung / bei entsprechender Mitgliedschaft der ADAC für eine Rückholung zuständig, falls Sie selbst erkrankt sind.

Hilft mir eine Reiserücktrittskostenversicherung?

Wegen Corona helfen diese Versicherungen oft nicht (mehr).

Eine Reiserücktrittskostenversicherung tritt grundsätzlich nicht ein, wenn es Krisen im Reiseland gibt. Vielmehr geht es bei der Reiserücktrittskostenversicherung um Fälle, in denen Sie selbst krank oder durch bestimmte Ereignisse (z.B. Tod von Verwandten, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit) verhindert sind und nicht wie geplant reisen können.

Aber: Da die WHO Corona inzwischen offiziell als "Pandemie" einstuft, kann wohl auch dann eine Erstattung schwierig sein, falls Sie selbst an Corona erkrankt sind und eine Reise nicht antreten können oder abbrechen müssen. Denn einige Versicherer sehen vor, dass "Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien" nicht versichert sind.

Schauen Sie im Zweifel in die Bedingungen Ihres Versicherungsvertrags. Und lassen Sie sich, gerade bei teuren Reisen, gegebenenfalls unabhängig beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Was ist mit Stornierungen von Tickets bei der Deutschen Bahn?

Die Deutsche Bahn fasst die Situation für bis zum 13. März erworbenen Fahrkarten so zusammen:

  • Wer wegen des Coronavirus seine Reise innerhalb Deutschlands verschieben möchte, kann seine Tickets noch bis zum 31. Oktober flexibel für die gebuchte Strecke nutzen. Bei Sparpreisen und Super-Sparpreisen ist die Zugbindung aufgehoben.
  • Tickets für Reisen bis 4. Mai konnten Sie kostenfrei in einen Reisegutschein umwandeln lassen. Der Gutschein ist drei Jahre gültig. Die Bahn verzichtete in diesen Fällen auf die sonst üblichen Stornierungskosten von 19 Euro.
  • Eine City-Option der Fahrkarten ist die Ausnahme: Diese Nahverkehrsverbindungen sind nicht von der Sonderkulanz erfasst. Im Zweifel müssten Sie sich für die neue Reise also Nahverkehrstickets separat kaufen.
  • Unabhängig von den nun geltenden Sonderkulanzen haben Reisende mit Flextickets grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Fahrkarte bis vor dem Reisetag kostenfrei erstatten zu lassen.

Ausführliche Informationen finden Sie auf den Serviceseiten der Bahn.

Bei Fragen oder Problemen wenden Sie sich an die Kundenservice-Kanäle der Deutschen Bahn, die zum Beispiel hier zusammengefasst werden: https://www.bahn.de/p/view/hilfe/bahn_de/telefon.shtml. Dort kann es, so die Bahn, derzeit aber zu längeren Bearbeitungszeiten kommen.

Reisende mit Papierfahrkarte für den Fernverkehr und Fahrgäste mit Gruppenfahrkarten, die am Schalter gekauft wurden, schicken ihre Fahrkarte per Post und – falls vorhanden unter Angabe einer E-Mail-Adresse an:

Kundendialog
Postfach 10 06 13
96058 Bamberg

oder wenden sich an ein DB Reisezentrum oder eine DB-Agentur

Die Firma Flixtrain hat ihren Zugverkehr vorläufig eingestellt. Kunden von Flixtrain mit Fahrkarten bis einschließlich 4. Mai 2020 können mit ihrem Ticket die Fernverkehrszüge (IC und ICE) der Deutschen Bahn flexibel an einem Tag ihrer Wahl nutzen. Genutzt werden dürfen alle Verbindungen, die der Strecke entsprechen, die auf ihrer Flixtrain-Fahrkarte aufgedruckt ist. Im Zug reicht es, die Flixtrainfahrkarte vorzuzeigen.

Ein besonderes Angebot gibt es für Besitzer von Bahncards. Weil die Karte derzeit oft nicht wie geplant genutzt werden kann, gibt die Bahn Reisegutscheine an ihre Kunden heraus. Besitzer einer Bahncard 25 oder Bahncard 50 können über bahn.de/bahncard-kulanz Kontakt aufnehmen und einen solchen Gutschein beantragen. Bahncard-100-Kunden wenden sich an den Bahncomfortservice.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Brandenburg, Bremen und Nordhrein-Westfalen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.