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Weltweite Corona-Reisewarnungen: Was heißt das für Urlauber?

Stand:

Weltweit sind die Corona-Fallzahlen in Bewegung, das Auswärtige Amt reagiert inzwischen kurzfristig mit neuen Reisewarnungen auf die Entwicklung an verschiedenen Zielen. Wir erklären die Rechte von Urlaubern, die deswegen ihre Reise nicht antreten oder sie abbrechen wollen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Auswärtige Amt lässt die weltweite Reisewarnung bestehen, nimmt aber die meisten Länder der EU und einige weitere Staaten aus.
  • In zahlreichen Ländern, auch einigen EU-Ländern, bestehen jedoch weiterhin Einreisebeschränkungen, die sich teils kurzfristig ändern.
  • Pauschalreisen in Länder, für die die Reisewarnung weiterhin besteht, können Sie oft kostenlos stornieren. Für alle anderen Situationen kommt es auf den Einzelfall an.
Eine Frau trägt eine Atemmaske und sitzt in einem Flugzeug.
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Um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen, gelten weiterhin viele Reisebeschränkungen. Die Folgen und rechtlichen Möglichkeiten für Reisende sind unterschiedlich.

  1. Das Auswärtige Amt hat im Frühjahr eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen, die auch weiterhin bestehen bleibt. Inzwischen jedoch gilt diese Reisewarnung nicht mehr für die meisten Länder der Europäischen Union sowie für Großbritannien und die Schengen-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Aber: Das Auswärtige Amt warnt dennoch vor Reisen nach Luxemburg und Regionen in Spanien, Belgien, Bulgarien und Rumänien (dort liegt die Zahl der Infektionen über dem kritischen Grenzwert, Stand: 18.8.2020).
  2. Es gelten Einschränkungen in allen Bundesländern. Mehr dazu lesen Sie in unserer Übersicht.

Auch die Einreisebestimmungen zahlreicher anderer Länder ändern sich derzeit kontinuierlich. Die deutschen Auslandsvertretungen informieren darüber auf ihren Internetseiten.

Ein kostenfreier Rücktritt (Stornierung) der gesamten Reise bei kurz bevorstehenden Pauschalreisen ins Ausland ist möglich für Reiseziele, die in den Ländern liegen, für die die Reisewarnung weiterhin gilt.

  1. Damit haben Sie einen Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises.
  2. Sie müssen sich nicht mit einem Gutschein oder einer Umbuchung zufriedengeben.

Auch wenn es zwischendurch solche Überlegungen gab: Die Bundesregierung hat am 20. Mai beschlossen, Pläne für Zwangsgutscheine bei Pauschalreisen aufzugeben. Damit ist klar: Gutscheine können Sie zwar freiwillig akzeptieren. Sie dürfen aber genauso gut auf Auszahlung bestehen.

Falls Sie Ihr Ziel nicht erreichen können, weil Einreisebeschränkungen gelten, brauchen Sie nach unserer Ansicht auch einzeln gebuchte Leistungen, wie zum Beispiel Hotels, nicht bezahlen. Zumindest wenn für die Buchung deutsches Recht gilt. Anders ist es dann, wenn Sie direkt beim Anbieter im Ausland gebucht haben. Dann kann das Recht des dortigen Landes statt des deutschen gelten.

Alle unsere Verbraucher-Informationen zu Corona finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.

Situation in Spanien im August 2020

Seit dem 14. August warnt das Auswärtige Amt nun auch wieder vor Reisen nach Spanien, inklusive der Urlaubsinsel Mallorca - betroffen sind damit bei deutschen Touristen besonders beliebte Ziele in der Hauptreisezeit. Wichtige Fragen und Antworten für Betroffene:

Müssen Urlauber direkt abreisen, die zurzeit in einer zum Risikogebiet erklärten Region Ferien machen?

Nein, zu einer sofortigen Abreise ist niemand verpflichtet. Pauschalreisende haben aber das Recht, den Reisevertrag zu kündigen, wenn ein sogenannter Reisemangel die vorgesehene Reise erheblich beeinträchtigt. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn aufgrund von Corona am Urlaubsort während der gesamten Reisezeit eine Quarantäne einzuhalten wäre. Gehört auch die Beförderung zur gebuchten Pauschalreise dazu, muss der Reiseveranstalter nach einer Kündigung unverzüglich für die Rückreise der Urlauber sorgen.

Individualreisende müssten sich dagegen selber und auf eigene Kosten um ihre vorzeitige Rückreise kümmern. Allerdings müssen sie nicht abreisen, sondern können auch den ursprünglich gebuchten Rückflug nutzen. Es könnte jedoch sein, dass Airlines aufgrund der Pandemie-Lage Flüge streichen. Die Reisenden sollten also frühzeitig prüfen, ob der gebuchte Rückflug weiterhin wie geplant angeboten wird.

Was müssen Urlauber nach ihrer Rückkehr aus dem Risikogebiet beachten?

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass die Urlauber nach der Rückkehr nach Deutschland dazu verpflichtet sind, einen Corona-Test zu machen. Der Test ist kostenlos. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sich die Reisenden in Quarantäne begeben. Wer ein negatives Ergebnis aus einem Test am Urlaubsort vorweisen kann, das nicht älter als 48 Stunden ist, muss sich in Deutschland nicht erneut testen lassen.

Welche Möglichkeiten haben Verbraucher, wenn sie bereits eine Reise in ein Risikogebiet gebucht haben?

Grundsätzlich bedeutet die Reisewarnung nicht, dass es verboten ist, in die entsprechende Region zu reisen. Nur, wenn das Urlaubsland selber Einreisebeschränkungen erlassen hat, ist die Reisefreiheit eingeschränkt. Wer seinen Urlaub trotz einer Reisewarnung antreten will, sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass das Auswärtige Amt eine weitere Rückholaktion wie zu Beginn der Corona-Pandemie bereits ausgeschlossen hat.

Mit einer offiziellen Reisewarnung ist eine kostenlose Stornierung möglich. Solche formellen Warnungen sind ein wichtiges Indiz dafür, dass Verbraucher dieses Recht haben.

Klar ist: Aufgrund der Covid-19-Lage kann es zu massiven Einschränkungen am Urlaubsort kommen und damit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der geplanten Reise. Es ist ebenfalls möglich, dass der gesamte Urlaub von Seiten des Reiseveranstalters abgesagt wird. In diesem Fall können die Urlauber verlangen, dass der Reisepreis vollständig vom Veranstalter erstattet wird. Eine Umbuchung der Reise oder ein Gutschein muss dagegen nicht akzeptiert werden.

Pauschalurlauber, deren Reisezeit noch in der Zukunft liegt und die keinesfalls mehr reisen wollen, sollten abwägen. Wenn sie mit einer Stornierung warten, könnten sich die Stornoentgelte erhöhen, sollte sich bis zum Reisezeitpunkt die Corona-Situation am Reiseziel wieder entspannen. Bei früherer Stornierung gehen die Verbraucher andererseits das Risiko ein, dass die Reisewarnung zum geplanten Urlaubsstart noch besteht und sie deshalb zur kostenlosen Stornierung berechtigt wären. Dann müssten schon gezahlte Stornoentgelte vom Reiseveranstalter wieder zurückverlangt werden. Da die Rechtslage hierzu noch nicht eindeutig geklärt ist, kann es hierüber zum Streit kommen.

Unser Tipp: Reisende sollten zumindest über die Zeitspanne mit einer Rücktrittserklärung abwarten, in der sich die Stornokosten nicht erhöhen.

Welches Risiko gehen Verbraucher ein, wenn sie jetzt eine Reise in ein Risikogebiet buchen?

Wer jetzt davon ausgeht, dass sich die Lage im Herbst wieder beruhigt hat und eine Reise - zum Beispiel nach Spanien - trotz der Reisewarnung bucht, nimmt das Risiko bewusst in Kauf. Ob in einem solchen Fall eine kostenlose Stornierung der Reise dann später noch möglich ist, ist rechtlich unklar.

 

Häufig gestellte Fragen: Was mache ich, wenn...?

Welche Corona-Beschränkungen am Urlaubsort müssen geduldet werden? Kann ich als Risikopatient kostenlos stornieren? Muss ich ein anderes Hotel akzeptieren? Können die zu erwartenden Einschränkungen ausreichen, um von der Reise kostenfrei zurückzutreten? Wir geben Antworten auf häufig gestellte Fragen in unserem Artikel "Corona & Sommerurlaub: Was mache ich, wenn...?"

Wie die Lage im Urlaubsland derzeit aussieht, können Sie für die Europäische Union übrigens auf einer zentralen Seite recherchieren. Die Europäische Union stellt diese Informationen für ihre Mitgliedsländer stets aktuell auf einem speziellen Portal bereit, auf dem Sie Ihr Reiseland wählen können: https://reopen.europa.eu/de.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Stornierung?

Es ist rechtlich noch nicht genau geklärt, wann ein unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand (früher: "höhere Gewalt") vorliegen muss, der eine kostenfreie Stornierung ermöglicht. Es dürfte aber wohl darauf ankommen, ob zum Zeitpunkt der Reise die unabwendbaren, außergewöhnlichen Umstände vorliegen und mit welcher Wahrscheinlichkeit davon zum Zeitpunkt der Stornierung ausgegangen werden konnte.

Die Voraussetzungen für eine kostenfreie Stornierung aller Pauschalreisen bis 14. Juni lagen vor. Ein vom vzbv in Auftrag gegebenes Gutachten (siehe roter Infokasten) sieht sogar eine Möglichkeit, Auslandsreisen bis Ende August 2020 kostenfrei zu stornieren.

Bei einer frühen Stornierung laufen Sie Gefahr, dass Sie nicht unter den beschriebenen Schutz fallen und vertraglich vereinbarte Stornierungskosten zahlen müssen. Wenn allerdings die touristische Infrastruktur zum und im Reiseland eingeschränkt ist oder durch das Coronavirus noch immer eine Gefahr ausgeht, fallen keine Stornokosten an. Auch hierüber gibt das Gutachten (siehe roter Infokasten) weiter Aufschluss. Wir raten deshalb sich mit den Vor- und Nachteilen einer frühen Stornierung genau zu beschäftigen:

  1. Wer, wenn irgend möglich, verreisen will, kann abwarten, erfährt im Zweifel aber erst sehr kurzfristig, ob die Reise tatsächlich stattfindet. Lassen Sie sich, besonders bei teuren Reisen, im Zweifel unabhängig beraten, bevor Sie größere Zahlungen dafür vornehmen.
  2. Wer nicht mehr verreisen will und mit einer Stornierung wartet, läuft Gefahr, dass sich die Stornoentgelte erhöhen, falls zum Reisezeitpunkt keine unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände mehr vorliegen, die zum kostenlosen Rücktritt vom Reisevertrag berechtigten. Außerdem wird wohl kurz vor Antritt der Reise in vielen Fällen eine Restzahlung fällig, die Sie je nach Situation zum Reisezeitpunkt ganz bzw. teilweise wieder zurückverlangen müssten. Bei frühzeitiger Stornierung gehen Sie andererseits das Risiko ein, schon gezahlte bzw. einbehaltene Stornoentgelte (bei unklarer Rechtslage) wieder zurückverlangen zu müssen, falls sie zum Reisezeitpunkt zur kostenlosen Stornierung berechtigt wären.

Diejenigen, die frühzeitig unter Hinweis auf den Coronavirus stornieren oder bereits storniert haben, sollten unserer Ansicht nach Stornierungsgebühren zurück erhalten, wenn zum Reisezeitpunkt immer noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt und/oder dann andere Indizien für einen unabwendbaren, außergewöhnlichen Umstand vorliegen. Es ist aber nicht gesagt, dass Ihr Reiseveranstalter das auch so sieht. Darum kann es zu Streit darüber kommen.

Was ist zu tun, wenn noch Restzahlungen ausstehen?

Viele Reisende, deren Reisen erst in einigen Wochen oder Monaten anstehen, fragen, ob sie vor dem Hintergrund des Coronavirus und auch einem möglichen Insolvenzrisiko eine Restzahlung vornehmen sollen. Das ist eine wichtige Frage, falls Sie noch nicht kostenlos stornieren können (siehe oben) oder an den Reiseplänen selbst möglichst lange festhalten möchten.

Nach unserer Ansicht brauchen Sie den Restpreis, der in diesen Tagen für eine bald anliegende Pauschalreise oder eine einzeln gebuchte in Deutschland gelegene Unterkunft fällig wird, nicht zu zahlen.

Hintergrund ist, dass nach wie vor unklar ist, ob Reisen in den nächsten Wochen wie vereinbart durchgeführt bzw. Unterkünfte erreicht und für einen Urlaub genutzt werden können. Derzeit schließen die immer noch geltende weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts, Einreiseverbote in viele Staaten einige Reisen praktisch aus. Ob und wann diese Einschränkungen tatsächlich entfallen, ist nicht absehbar.

Geht es nach dem bereits erwähnten Gutachten (siehe roter Infokasten), können Auslands-Pauschalreisen, die noch bis Ende August stattfinden sollen, kostenlos storniert werden.

Vor diesem Hintergrund haben Reiseveranstalter und Eigentümer von Ferienunterkünften kein Recht zum Rücktritt vom Vertrag, obwohl sich das viele für den Fall vorbehalten, dass der vereinbarte Preis nicht oder nicht vollständig zu den genannten Terminen gezahlt wird. Die Anbieter dürfen auch keine Mahn-, Inkassokosten oder für den Fall eines Rücktritts vorgesehene Stornoentgelte verlangen.

Falls der Anbieter dies anders sieht und auf den Zahlungen besteht, Sie aber an den Reiseplänen möglichst lange festhalten möchten, wird es leider komplizierter. Dann werden Sie um eine Zahlung nach Mahnung durch den Reiseveranstalter nicht umhinkommen, um eine (unserer Ansicht nach unberechtigte) Stornierung durch den Veranstalter zu vermeiden.

Für Reisen, die erst später stattfinden sollen, und je nachdem, wie sich die Lage weiter entwickelt, kann die Antwort auf die Frage der Restpreiszahlung anders lauten.

Wenn Sie für eine Reise, die erst später stattfinden soll, die fälligen Beträge nicht zahlen, laufen Sie Gefahr, Mahnkosten zu zahlen. Außerdem kann der Anbieter - allerdings nur unter Fristsetzung und nach entsprechender Androhung - vom Vertrag zurücktreten und Schadenersatz verlangen.

Empfehlung: Nehmen Sie frühzeitig mit dem Reiseveranstalter Kontakt auf

Ungeachtet der rechtlichen Einschätzung raten wir dazu, bei einer anstehenden Reise umgehend mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen. Reiseveranstalter reagieren selbst auf die neueren Entwicklungen. Viele Reisen sind bereits abgesagt. Gleiches gilt für Fluggesellschaften und die Flüge. Der Flugverkehr ist mittlerweile stark eingeschränkt. So fliegt Lufthansa nur noch einen Bruchteil des bisherigen Programms.

Aber erwarten Sie nicht zu viel: Gleichzeitig erhalten wir immer mehr Beschwerden, dass die Unternehmen (auch vor dem Hintergrund der Vielzahl der Anfragen) erst gar nicht reagieren, Stornierungs- oder andere Rechte der Verbraucher kategorisch ablehnen und nur Gutscheine oder Umbuchungsmöglichkeiten anbieten. In diesem Fall müssen Sie Ihre Forderungen weiter verfolgen und dranbleiben. Gerne können Sie sich auch an die Verbraucherzentralen wenden.

Eine Frage des Einzelfalls?

Warum meinen wir, dass Sie kostenlos stornieren können, wenn das Auswärtige Amt die folgenden Sätze schreibt? "Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären."

Dies ist kein Widerspruch. Tatsächlich ist die Frage, ob die Umstände vorliegen, grundsätzlich im Einzelfall für jede einzelne Reise zu beurteilen. Es sind Anhaltspunkte zu sammeln, die darlegen, dass die Durchführung der Pauschalreise (oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort) erheblich beeinträchtigt wird.

Das ist auch der Ansatz in dem erwähnten Gutachten (siehe roter Infokasten), das wegen der Berichte und offiziellen Mitteilungen u.a. des Außenministers Heiko Maas von einer erheblichen Beeinträchtigung bis Ende August ausgeht.

Dies haben die (letztlich entscheidenden Gerichte) bei einer Reisewarnung in der Vergangenheit regelmäßig angekommen. Wir gehen davon aus, dass die Gerichte dies vor dem Hintergrund und angesichts der Erklärung des Coronavirus zur Pandemie weltweit annehmen werden – selbst wenn für einzelne Länder noch keine Einreisebeschränkungen gelten sollten und in diesen Ländern keine Maßnahmen getroffen wurden. Vor dem Hintergrund der nunmehr ausgesprochenen Ausgangsbeschränkungen in den einzelnen Bundesländern dürfte dies aktuell außer Frage stehen.

Die Fragen, ob, wann und zu welchen Bedingungen Reisen kostenfrei storniert werden können – wie auch viele andere Frage im Zusammenhang mit dem Coronavirus auch – dürften in Zukunft aber noch Gerichte beschäftigen.

Lassen Sie sich, gerade bei teuren Reisen, im Zweifel unabhängig beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Die Situation für Individualreisende

Mit der Schließung der Grenzen haben auch Individualreisende eine bessere Handhabe, die wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände ansonsten kein rechtliches Instrument haben und regelmäßig auf einem Schaden selbst sitzen bleiben, wenn sie die Reise deshalb absagen oder abbrechen.

Wenn Sie die individuell gebuchte Unterkunft wegen der Grenzbeschränkungen nicht nutzen können, müssen Sie unserer Ansicht nach auch nicht dafür bezahlen. Viel spricht dafür, dass dies auch gilt, wenn die Unterkunft nicht erreichbar ist oder nicht touristisch genutzt werden soll.

Achtung: Grundlage ist deutsches Recht. Etwas anderes kann gelten, wenn Sie eine Unterkunft direkt beim Eigentümer im Ausland gebucht haben und das dortige Recht greift. Das ist etwa der Fall, wenn Sie direkt beim niederländischen Betreiber eines Ferienparks in Holland gebucht haben.

Entsprechendes gilt für Flugreisen, die Sie aufgrund von Ein- bzw. Ausreisebeschränkungen nicht antreten können. Werden die Flüge von den Fluggesellschaften abgesagt, haben Sie die Wahl zwischen der Erstattung des Flugpreises, wenn Sie den Flug nicht mehr antreten wollen, oder einem Ersatzflug zu einem späteren Zeitpunkt (der Sie nichts zusätzlich kosten darf).

Auch wenn die Airline den Flug trotz der Reisebeschränkungen durchführt, muss nach unserer Ansicht der Flugpreis erstattet werden, wenn Sie einem Einreiseverbot unterliegen.

Ob Ihnen mit der Annullierung eines Fluges zusätzlich Ausgleichszahlungen nach der Fluggastrechteverordnung zukommen, hängt davon ab, ob sich das Flugunternehmen seinerseits auf unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände berufen kann. Einreiseverbote etwa als Grund für die Annullierung können die Airlines von der Pflicht zu Ausgleichszahlungen entlasten. Unterstützungsleistungen, Flugpreiserstattung oder Ersatzflug und Betreuungsleistungen (z.B. Verpflegung oder Hotelzimmer) muss die Airline aber ohne Möglichkeit der Entlastung auch bei außergewöhnlichen Umständen gewähren. Diese Ansprüche des Fluggasts bleiben deshalb auch in Zeiten von Corona bestehen. Über unsere kostenlose Flugärger-App können Sie schnell und bequem einen Antrag an die Airline stellen.

Was ist mit Reisen in Deutschland?

Die Voraussetzungen für eine kostenlose Stornierung sind dieselben wie bei einer Reise ins Ausland.

Zur Beurteilung, ob unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die zum kostenfreien Rücktritt von einem Pauschalreisevertrag berechtigen, können die Äußerungen der zuständigen Behörden herangezogen werden. Das sind die Landesregierungen der Bundesländer sowie die Kreisverwaltungen oder Stadtverwaltungen der Gemeinden, in die Sie reisen möchten. Behördliche Warnungen sind ein wichtiges Indiz, aber keine Voraussetzung für das Rücktrittsrecht. Vielmehr reicht nach unserer Ansicht ein Sicherheitshinweis, in dem von Reisen in ein bestimmtes Gebiet abgeraten wird.

Nach der Vereinbarung sollen zudem "Reisebusreisen" verboten werden, für die vielfach auch die Regelungen des Pauschalreiserechts greifen. Auch mit deren Absage ist der Reisepreis zu erstatten.

Forderung nach Lösung im Sinne der Kunden

Unabhängig von der jeweiligen Rechtslage und egal, ob es um eine Pauschal- oder individuell gebuchte Reise geht, müssen Verbraucher die Möglichkeit zur transparenten und kulanten Umbuchung haben, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Auch Gutscheine sind eine gute Alternative, wenn sie von der Bundesregierung mit einem Insolvenzschutz abgesichert werden.

Wenn die Bundesregierung Reiseanbietern Staatshilfen anbietet, muss zu den Bedingungen gehören, dass betroffenen Verbrauchern eine kulante Regelung angeboten wird.

240.000 Urlauber nach Deutschland zurückgeholt

In einer "Luftbrücke" genannten Aktion hat das Auswärtige Amt Zehntausende Reisende nach Deutschland zurückgeholt. Als der Linienverkehr an vielen Flughäfen weltweit schon eingestellt worden ist, sind dabei insgesamt rund 240.000 deutsche Urlauber transportiert worden. Damit dürften nun die meisten Bundesbürger, die nach Deutschland zurück wollten, wieder hier sein. Die deutschen Botschaften weltweit kümmern sich weiter um die noch verbliebenen Einzelfälle

Jeder, der noch im Ausland reist, sollte sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen. Erster Ansprechpartner für eine Rückkehr nach Deutschland sind Ihr Reiseveranstalter oder Ihre Airline. Fragen Sie dort nach, ob diese eine Rückreise nach Deutschland für Sie organisieren. Nehmen Sie außerdem Kontakt zur deutschen Botschaft im Land auf, in dem Sie sich aufhalten.

Da eine Coronaerkrankung ein Krankheitsfall ist, sind aber eventuell Ihre Auslandskrankenversicherung / bei entsprechender Mitgliedschaft der ADAC für eine Rückholung zuständig, falls Sie selbst erkrankt sind.

Hilft mir eine Reiserücktrittskostenversicherung?

Wegen Corona helfen diese Versicherungen oft nicht (mehr).

Eine Reiserücktrittskostenversicherung tritt grundsätzlich nicht ein, wenn es Krisen im Reiseland gibt. Vielmehr geht es bei der Reiserücktrittskostenversicherung um Fälle, in denen Sie selbst krank oder durch bestimmte Ereignisse (z.B. Tod von Verwandten, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit) verhindert sind und nicht wie geplant reisen können.

Aber: Da die WHO Corona inzwischen offiziell als "Pandemie" einstuft, kann wohl auch dann eine Erstattung schwierig sein, falls Sie selbst an Corona erkrankt sind und eine Reise nicht antreten können oder abbrechen müssen. Denn einige Versicherer sehen vor, dass "Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien" nicht versichert sind.

Schauen Sie im Zweifel in die Bedingungen Ihres Versicherungsvertrags. Und lassen Sie sich, gerade bei teuren Reisen, gegebenenfalls unabhängig beraten, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Was ist mit Stornierungen von Tickets bei der Deutschen Bahn?

Die Deutsche Bahn fasst die Situation für bis zum 13. März erworbenen Fahrkarten so zusammen:

  • Wer wegen des Coronavirus seine Reise innerhalb Deutschlands verschieben möchte, kann seine Tickets noch bis zum 31. Oktober flexibel für die gebuchte Strecke nutzen. Bei Sparpreisen und Super-Sparpreisen ist die Zugbindung aufgehoben.
  • Tickets für Reisen bis 4. Mai konnten Sie kostenfrei in einen Reisegutschein umwandeln lassen. Der Gutschein ist drei Jahre gültig.
  • Eine City-Option der Fahrkarten ist die Ausnahme: Diese Nahverkehrsverbindungen sind nicht von der Sonderkulanz erfasst. Im Zweifel müssten Sie sich für die neue Reise also Nahverkehrstickets separat kaufen.
  • Unabhängig von den nun geltenden Sonderkulanzen haben Reisende mit Flextickets grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Fahrkarte bis vor dem Reisetag kostenfrei erstatten zu lassen.

Ausführliche Informationen finden Sie auf den Serviceseiten der Bahn.

Bei Fragen oder Problemen wenden Sie sich an die Kundenservice-Kanäle der Deutschen Bahn, die zum Beispiel hier zusammengefasst werden: https://www.bahn.de/p/view/hilfe/bahn_de/telefon.shtml. Dort kann es, so die Bahn, derzeit aber zu längeren Bearbeitungszeiten kommen.

Reisende mit Papierfahrkarte für den Fernverkehr und Fahrgäste mit Gruppenfahrkarten, die am Schalter gekauft wurden, schicken ihre Fahrkarte per Post und – falls vorhanden unter Angabe einer E-Mail-Adresse an:

Kundendialog
Postfach 10 06 13
96058 Bamberg

oder wenden sich an ein DB Reisezentrum oder eine DB-Agentur

Die Firma Flixtrain hat ihren Zugverkehr vorläufig eingestellt. Kunden von Flixtrain mit Fahrkarten bis einschließlich 4. Mai 2020 können mit ihrem Ticket die Fernverkehrszüge (IC und ICE) der Deutschen Bahn flexibel an einem Tag ihrer Wahl nutzen. Genutzt werden dürfen alle Verbindungen, die der Strecke entsprechen, die auf ihrer Flixtrain-Fahrkarte aufgedruckt ist. Im Zug reicht es, die Flixtrainfahrkarte vorzuzeigen.

Ein besonderes Angebot gibt es für Besitzer von Bahncards. Weil die Karte derzeit oft nicht wie geplant genutzt werden kann, gibt die Bahn Reisegutscheine an ihre Kunden heraus. Besitzer einer Bahncard 25 oder Bahncard 50 können über bahn.de/bahncard-kulanz Kontakt aufnehmen und einen solchen Gutschein beantragen. Bahncard-100-Kunden wenden sich an den Bahncomfortservice.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Brandenburg, Bremen und Nordhrein-Westfalen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.