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Mach Dich frei! So vermeidest Du Plastik im Alltag

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Einfache Tipps für ein Leben mit weniger Plastik

Trinkbecher, Mehrweggeschirr, Einkaufsnetz als Anregung für nachhaltigen Lebensstil
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Von Cosima, 01.07.2019

Warum ist ein Leben mit weniger Plastik so wichtig?

Kaum zu glauben. Bis in die 1950er Jahre gab es fast kein Plastik. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde das leichte, flexible Material für industrielle Zwecke entdeckt. Den Rest kennen wir schon: Die Herstellung explodierte. Schließlich verbraucht die Produktion von Plastik kaum Rohstoffe.

Plastik durchdringt mittlerweile fast alle Lebensbereiche – vom Auto bis zum Shampoo, überall steckt Plastik drin. Während vor knapp 70 Jahren weltweit rund 1,7 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr hergestellt wurden, sind es heute mehr als 335 Millionen Tonnen.

Inzwischen wissen wir auch: Plastik verrottet nur sehr, sehr langsam. Und viel von dem Plastik, das heute produziert wird, ist für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Wasserflaschen, Verpackungen für Obst und Gemüse, Plastiktüten: Was uns für den Bruchteil eines Moments nützt, landet im schlimmsten Fall anschließend für die nächsten 450 Jahre im Meer. Mit verheerenden Folgen.

Wie gelangt das Plastik in die Weltmeere?

Weltweit betrachtet landet das meiste Plastik nach seiner Benutzung im Meer. Unsere Ozeane ertrinken wortwörtlich im Müll. Spätestens seit der Veröffentlichung des Films Plastic Planet  kann vor dieser Tatsche niemand mehr die Augen verschließen. Ebenfalls eindrücklich beschreibt A Plastic Ocean die Verschmutzung der Meere. Aber wie kommt das Plastik in den Ozean? Eine Übersicht:

Kosmetik

Ob Zahnpasta, Waschmittel oder Shampoo – viele Kosmetikprodukte enthalten kleine, unsichtbare Plastikteilchen, die über unser Abwasser in die Meere kommen, da sie von den Kläranlagen nicht gefiltert werden können.

Waschmaschine

Fleecepullis und andere synthetische Kleidung verlieren bei jedem Waschgang winzig kleine Fasern. Sie kommen ohne Probleme an jedem Waschmaschinensieb und jeder Kläranlage vorbei und landen im Meer.Infografik zu Zerfallszeiten von Müll im Meer

Schiffe

Besonders in Regionen wie zum Beispiel Südostasien, in denen es keine klargeregelte Müllverwertung gibt, existiert die illegale, aber weit verbreitete Praxis den Müll ins Meer zu kippen. Auch in unseren Breitengeraden kommt diese Art der Müllentsorgung immer wieder vor. Aber selbst, wenn niemand mehr den Müll absichtlich versenken würde, wären Schiffe noch immer eine Quelle für Plastik und Müll im Ozean. Sie verlieren auch ohne Absicht immer wieder Container und andere Teile der Ladung, die dann im Meer zurückbleiben.

Müll am Strand

In Schwellen- und Entwicklungsländern wird der Müll oft am Strand oder über Flüsse entsorgt. Aber auch in Europa und anderen Teilen der westlichen Welt lassen viele Menschen an touristisch erschlossenen Stränden ihren Müll zurück.

Fischfang

Auch durch den industriellen Fischfang gelangt viel Plastik ins Meer. Verlorene Netze oder absichtlich entsorgte Ausrüstung verschmutzen die Meere.

Die Folge: Plastik im Bauch

Durch die Meeresströmung bilden sich Gebiete, in denen sich der Plastikmüll zu einer regelrechten Plastiksuppe ansammelt. Das mittlerweile größte Lager ist der Great Pacific Garbage Patch – ein riesiger Müllfleck im Nordpazifik. Das Plastik schwimmt nicht nur auf der Oberfläche, sondern sammelt sich auch in den tieferen Schichten des Meers. Unsere Ozeane sterben durch das viele Plastik langsam ab.

Sie sind Lebensraum für unzählige Meerestiere und -vögel. Für sie ist das viele Plastik in den Weltmeeren eine große Gefahr. Da sie es oftmals nicht von Essbarem unterscheiden können, nehmen sie es auf und verhungern dann mit vollem Magen. Selbst in kleinsten Krebsen wurden bereits Plastikpartikel gefunden. Da der Mensch sich in vielen Regionen der Welt von Meerestieren ernährt, besteht die Gefahr, dass er selbst das Plastik über die vergifteten Tiere wieder aufnimmt. Aber selbst, wenn die Tiere das Plastik nicht essen, wird es ihnen oft zum Verhängnis. Sie verheddern sich in Plastiktüten, Netzen und Ringen und verenden.

Wie lässt sich Plastik im Alltag vermeiden?

Eines vorweg: Ein Leben ganz ohne Plastik ist heute fast nicht möglich. Auch wenn es in den Medien immer wieder suggeriert wird. Die Tatsache, dass den Verbrauchern nahegelegt wird, dass es ausschließlich an ihnen wäre, den Plastikkonsum einzuschränken, um etwas zu verändern, kann demotivierend wirken. Verständlicherweise. Denn für einen echten Wandel muss sich nicht nur die Nachfrage ändern. Sondern vor allen Dingen das Angebot. Wenn es nur in Kunststoff gehülltes Gemüse zu kaufen gibt, ist es für die Menschen schwer, darauf zu verzichten. Kein Gemüse ist schließlich keine Option. Zwar haben wir ein effektives Recyclingsystem. Laut Umweltbundesamt  steigt aber gerade in Deutschland die Menge an Verpackungsmüll stetig an. Zeit für Industrie und Handel, umzudenken.

Das sei aber gesagt: Du kannst etwas tun. Jede Plastiktüte, die du nicht kaufst, macht einen großen Unterschied. Wirklich jede einzelne. Denn wenn 100 Menschen 100 Mal auf eine Plastiktüte verzichten, dann sind das schon 10.000 Plastiktüten weniger. Dein Kauf- und Konsumverhalten hat beim Thema Plastik einen direkten Effekt. Deshalb zeigen wir dir heute, wie du im Alltag ohne viel Aufwand Plastik vermeiden kannst. Vielleicht musst du an der ein oder anderen Stelle deine Gewohnheiten ändern. Aber wenn du einmal den Dreh raus hast, wird das Leben mit weniger Plastik ganz schnell ganz normal.

Tipps zur Plastikvermeidung

  • Pack den Jutebeutel ein! Der Jutebeutel klingt nach Siggi Siebzig? Ist aber ganz modern. Wenn du beim Einkaufen deine eigene Tasche mitbringst, entlastest du die Umwelt enorm. Denn auch die kaufbaren Papiertüten sind nicht gerade ein Nachhaltigkeitsstar. Sie sind zwar besser als Plastik, aber ihre Herstellung ist sehr energie- und ressourcenintensiv.
  • Obst und Gemüse? Hat die beste Gratis-Verpackung der Welt. Was spricht dagegen, die Kartoffel einfach so ohne Tüte in den Wagen zu legen? Eigentlich nichts. Du wirst das Gemüse kochen (oder waschen) – aus hygienischen Gründen ist der Kontakt mit dem Warenband also schnuppe. Die Schale der Kartoffeln ist übrigens die beste Verpackung, die die Natur so im Angebot hat. Und dazu noch vollkommen gratis. Und wenn du dein Obst und Gemüse doch lieber in den Beutel packst, dann solltest du am besten so genannte Mehrwegnetzbeutel verwenden, die du selber zum Einkaufen mitbringst. Sie werden von den meisten Supermärkten akzeptiert und verhindern, dass du deine Frühlingszwiebeln in Einwegplastikbeutelchen stecken musst. Auch Obst und Gemüse in Plastikschalen hat eine schlechte Umweltbilanz.
  • To go or to stay – das ist hier die Frage. Schnell noch auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee mitnehmen? Machen viele. Wenn dabei jeder seinen mitgebrachten Becher verwendet, ist das eine große Entlastung für die Umwelt. Wenn deine Kaffeebude der Wahl den mitgebrachten Becher nicht verwenden möchte, könntest du überlegen, ob du nicht vielleicht doch die Zeit hast, deinen Kaffee vor Ort zu trinken, um das morgendliche Treiben zu beobachten. Insgesamt gilt: Vermeide alle Einwegverpackungen, Einweggeschirr und -besteck. Sie werden nur ganz kurz benutzt und landen dann im Müll.
  • Richtig clean mit sauberer Kosmetik. Waschen müssen wir uns alle. Optimal ist es, wenn du dabei keine Plastikpartikel in den Abguss gießt. Für die allermeisten Plastikstoffe in Kosmetik gibt es ja schon plastikfreie, effektive Alternativen. Plastik in Kosmetik versteckt sich oft hinter den folgenden Namen und Kürzeln:
PE Polyethylen
PP Polypropylen
PET Polyethylenerephthalat
PES Polyester (Polyester-1; Polyester-11)
PA Polyamid (Nylon-12; Nylon-6; Nylon-66)
PUR Polyurethan (Polyurethan-2; Polyurethan-14; Polyurethan-35)
EVA Ethylen-Vinylacetat-Copolymere
PI Polyimid (Polyimid-1)
ANM Copolymere von Acrylnitril mit Ethylacrylat/Copolymere von anderen Acrylaten

Der BUND hat Kosmetik- und Körperpflegeprodukte, die Teilchen aus Kunststoffen enthalten, in einer Liste zusammengestellt.

  • Kleidung aus Naturmaterial: Wer nicht möchte, dass sich der eigene Fleecepullover langsam in die Weltmeere ergießt, sollte auf Kleidung aus Naturmaterialien setzen. Auch Funktionskleidung gibt es inzwischen ohne Plastikanteil.
  • Volle Pulle voraus: Füll deine eigene Flasche. Wirklich. Wir können es gar nicht oft genug sagen. Das Leitungswasser in Deutschland hat in den allermeisten Fällen eine ganz hervorragende Trinkwasserqualität. Wer sich jeden Tag seine eigene Flasche damit füllt, spart Geld und schont die Umwelt – das gilt übrigens auch auf Reisen.
  • Unverpackt einkaufen: Mittlerweile gibt es in größeren Städten immer mehr Geschäfte, die ihre Waren unverpackt anbieten. Man bringt seine eigene Verpackung zum Einkaufen einfach mit und schont so Umwelt und Ressourcen. Wer keinen Unverpacktladen in der Nähe hat, kann sich nach dem nächstgelegenen Wochenmarkt umsehen. Auch beim Erzeuger kaufst du meist verpackungsfrei.
  • Frischhaltefolie und Co. zuhause ersetzen: Schnell mal das Tiramisu mit Frischhaltefolie abdecken – das kennt fast jeder. Besser ist es, wenn du deine Speisen in Behältern mit Mehrwegdeckel aufbewahrst.

Viele weitere wichtige Infos zum Thema Plastik findest du auf der Seite Leben ohne Plastik – Antworten auf häufige Fragen

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