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7 Tipps für den Spielzeugkauf

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Mädchen und Junge sitzen auf einem Sofa im weihnachtlich geschmückten Zimmer
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Von Cosima, 4.12.2019

Wie viele Geschenke brauchen wir?

Weihnachten steht vor der Tür. Die kleinen und großen Kinder haben ihre Wunschzettel gefüllt und warten auf den großen Tag. Für die Erwachsenen beginnt jetzt meist die stressige Zeit des Jahres. Was schenken wir? Und was sollen Oma und Opa schenken? Wie viel wollen wir überhaupt? Und wovon? Wie viel ist sinnvoll und woran erkenne ich gutes Spielzeug?

Der Dezember hat neben Kerzen und Keksen auch einige Fragen im Gepäck. Ist es überhaupt noch zeitgemäß, Teile des Jahresgehalts in jede Menge Konsumgüter zu stecken? Einiges spricht dagegen. Berge an Verpackungsmüll, zum Beispiel. Billiglohnländer, die im Akkord arbeiten, um den Saisonbedarf an Geschenkartikeln und Spielzeugwaren in den Industrienationen zu erfüllen. Und für die Umwelt wäre eine Verschnaufpause vom Produktions- und Konsumturbo sowieso das größte Geschenk.

Schenken ist Teil des Weihnachtszaubers

Aber ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Denn es gibt auch einiges, was dafür spricht, an der Geschenketradition festzuhalten. Es ist schließlich Teil des Weihnachtszaubers, einmal im Jahr zu schenken und beschenkt zu werden. Ohne Geburtstag, Jubiläum oder Abschlussfeier. Sondern einfach so. Mitten in der Dunkelheit. Schenken steht für Teilen und Mitmenschlichkeit, für Wärme und gemeinsames Auspacken. Die Frage ist also vielleicht nicht unbedingt ob, sondern wie viel und wovon.

Buntes Spielzeug aus Holz, Kunststoff und Wolle
Vanessa Buccheri/unsplash

Was ist gutes Spielzeug?

Wenn du deinem Kind Spielzeug kaufen möchtest, mach dir vorab ein paar Gedanken. Denn richtig gutes Spielzeug ist nicht nur einfach gut, sondern mehrfach gut. Es erfüllt pädagogische Bedürfnisse und hilft deinem Kind, sich zu entwickeln. Es ist umwelt- und sozialverträglich hergestellt. Das heißt niemand wurde dafür ausgebeutet, um das Spielzeug zu machen.

Und es erfüllt verschiedene Sicherheitsanforderungen. Das bedeutet zum Beispiel, dass es keine Schadstoffe enthält oder – im Fall von elektronischem Spielzeug – die Privatsphäre deines Kinds respektiert. Klar kostest das dann alles wahrscheinlich ein bisschen mehr als das günstige Plastikspielzeug aus China. Aber vielleicht hast du ja die Möglichkeit, die Familie zu einem Sammelgeschenk einzuladen. Oder du schenkst dafür einfach etwas weniger.  

Mit den folgenden Tipps zeigen wir dir, wie du gutes Spielzeug erkennst. 

7 Tipps für den Spielzeugkauf

1. Mit allen Sinnen einkaufen

Im Laden blättert schon die Farbe ab? Die Plastikpuppe riecht komisch? Aus dem Teddy quillt die Füllung? Verlass dich beim Einkaufen auf deine Sinne. Wenn das Spielzeug schon im Geschäft auseinanderfällt, hält es wahrscheinlich nicht lange und wurde noch wahrscheinlicher unter fraglichen Bedingungen produziert. Wenn es stinkt, lass die Finger davon. Vermutlich dünstet es gerade noch ein paar Schadstoffe aus. 

2. Vollholz vor Plastik

Unser Planet ertrinkt im Plastik. Nachdem seit den 1950er Jahren die Plastikproduktion explodiert ist, stehen wir jetzt vor den Folgen: Einem riesigen Müllberg, der sich in den Ozeanen, den Mägen der Tiere und auf illegalen Mülldeponien sammelt. Wenn du diesem Trend entgegenwirken möchtest, setze auch bei Spielzeug auf Holz. Am besten auf schadstofffreies Vollholz (und nicht auf lackiertes Sperrholz). Ob das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft kommt, erkennst du an Siegeln wie Naturland oder FSC®.

Mehr Informationen zu einem Alltag ohne Plastik bekommst du im Artikel Mach dich frei! So vermiedest du Plastik im Alltag

3. Hartplastik vor Weichplastik

Die Regel ist einfach. Wenn du Plastik kaufen möchtest, setze lieber auf Hartplastik als auf weiches Material. Flexibles Plastik enthält oft Weichmacher, die verdunsten und Gesundheitsschäden auslösen können. Weichmacher wie Phthalat kannst du übrigens nicht erschnüffeln. Sie sind geruchsfrei und für dich nicht zu erkennen. Spielzeug aus buntem Hartplastik besteht bei den meisten namhaften Herstellern aus dem unbedenklichen Kunststoff ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer). In Schadstofftests schnitten diese Produkte in der Vergangenheit gut ab.

Mehr Informationen bekommst du in unserem Artikel zu Plastikspielzeug.

4. Der Feind im Kinderzimmer

Es hört sich an wie das Drehbuch zu einem Film. Ist aber genau so passiert. Die Bundesnetzagentur nimmt 2017 die smarte Spielzeugpuppe Cayla vom Markt, weil sie als Spionagegerät eingestuft wird. Der Grund: Eltern und Kinder können nur eingeschränkt erkennen, wann Cayla Gespräche aufzeichnet. 

Bei vernetzten Spielzeuggeräten, so genannten Smart Toys, ist Vorsicht geboten. Unsichere Bluetoothverbindungen zum Beispiel, machen es Fremden recht einfach möglich, mit deinem Kind über das Spielzeug Kontakt aufzunehmen. Auch die Identität deines Kinds kann möglicherweise geklaut werden. Mehr Informationen zu den Risiken bei Smart Toys haben wir im Artikel Vorsicht bei Smart Toys – die Risiken von vernetztem Spielzeug zusammengefasst. 

5.    Schadstofffrei & sicher

Idealerweise ist neues Spielzeug für dein Kind sicher. Das heißt: Es atmet keine bedenklichen Schadstoffe aus, alle Teile bleiben, wo sie sein sollen, es gibt keine scharfen Kanten oder gefährlichen Löcher und die Farbe bleibt dran. Am besten hält es auch eine Weile. Leider zeigen verschiedene Produkttests immer wieder, dass in Deutschland erhältliches Spielzeug nicht automatisch schadstoffarm und sicher ist. Das GS-Zeichen steht für "Geprüfte Sicherheit" und ist ein recht verlässlicher Indikator, dass ein Spielzeug geltende Norman erfüllt. Das CE-Zeichen tut das übrigens nicht. Hersteller sind verpflichtet, mit diesem Zeichen zu erklären, dass sie sich an europäische Normen halten. Die Realität sieht leider oft anders aus. 

Mehr Informationen zu den verschiedenen Siegeln auf dem Spielzeugmarkt bekommst du im Artikel Spielzeug: Prüfzeichen, Siegel, Tests

6.    Pädagogisch sinnvoll

Pädagogisch sinnvoll oder wertvoll – das klingt jetzt irgendwie nicht nach Spaß. Sondern nach Lernen und Ernsthaftigkeit. Muss aber nicht sein. Viele Spielzeuge, die richtig Spaß machen, tun das genau fünf Minuten lang. Und dann verpufft der Effekt. Spielzeuge mit pädagogischem Konzept muss sich dein Kind vielleicht mehr erobern. Möglicherweise musst du ihm beim Einstieg helfen. 

Ein kleines Kind spielt mit einem Glockenspiel
     Jelleke Vanooteghem/unsplash

Dafür begleitet das Spielzeug dann eine ganze Weile. Weil es immer wieder einlädt, nicht langweilig wird und genau auf die Fähigkeiten abzielt, die dein Kind gerade entwickelt. Damit ist nicht gesagt, dass jedes Spielzeug, das vermeintlich oder auch wirklich pädagogisch sinnvoll ist, für dein Kind sinnvoll ist. Manche Kinder klettern gerne, andere basteln am liebsten und wieder andere spielen stundenlang mit ihren Kuscheltieren. Suche am besten etwas aus, das zu deinem Kind passt. 

Das Zeichen spiel gut verrät dir etwas über den Spielwert, Haltbarkeit und die Herstellung eines Spielzeugs. 

7. Nachhaltige Produktion

Weihnachten bedeutet für uns oft auch Stress. Es gibt so viel zu erledigen und zu tun. Das ist aber noch nichts gegen den Stress, den die Menschen in Billiglohnländern haben, wenn sie die Saisonware für uns rechtzeitig fertig stellen müssen. Arbeitstage mit 12 bis 14 Stunden an sieben Tagen die Woche? Keine Seltenheit. Dafür bekommen sie wenig Geld und humanitär bedenkliche Wohn- und Arbeitssituationen. Achte deshalb auf umweltverträgliches und fair gehandeltes Spielzeug. 

Mehr Informationen zu den Herstellungsbedingungen und Fair-Trade-Siegeln bei Spielzeug findest du im Artikel Wo und wie Spielzeug produziert wird.

„Projekt“ Spielzeugfreies Kinderzimmer

Und hier noch eine gewagte Idee zum Schluss. Wenn dir der ganze Weihnachtstrubel, der viele Kram und die Tonnen von Spielsachen einfach zu viel 

sind, dann könntest du dich mal an einer Runde „spielzeugfrei“ versuchen. Das bedeutet so viel wie: „Wir räumen alle oder fast alle Spielsachen weg und suchen uns Naturmaterialien oder Dinge, die es sowieso gibt, um mit ihnen zu spielen.“ Das Spielzeug muss natürlich nicht alles in den Müll. Aber vielleicht in den Keller oder auf den Dachboden. Wenn dein Kind ein Spielzeug vermisst, holst du es zurück. Wie so ein Projekt gelingen kann, hat Fräulein im Glück auf ihrem Blog beschrieben.

Schenken mal anders

Heißt das jetzt, dein Kind bekommt bei „spielzeugfrei“ nichts zu Weihnachten? Nein. Denn es gibt viele Dinge, die man verschenken kann. Eine Tierpatenschaft im Zoo vor Ort, zum Beispiel. Oder wie wäre es mit einem Theaterbesuch oder einer Schwimmbadjahreskarte? Oder einen gemeinsames Familienwochenende außer der Reihe? Es gibt viele Möglichkeiten, wie du deinem Kind eine Freude machen kannst. Zeit mit dir, Gemeinschaft und Erlebnisse in der Natur gehören auf jeden Fall dazu. 

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