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TIERWOHL-WERBUNG WIRD OFT FALSCH VERSTANDEN

Stand:

Viele Verbraucher schätzen die Werbung für Fleisch mit „Tierwohl“, „artgerecht“ etc. falsch ein. Sie vermuten, dass das so beworbene Fleisch aus artgerechter Tierhaltung stammt, selbst wenn klare Kriterien fehlen. Das zeigt die repräsentative Forsa-Befragung der Verbraucherzentralen von rund 1.000 Erwachsenen.

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Etwa die Hälfte der Befragten erwartet, dass die Fleischprodukte, die der Netto-Marken-Discount mit dem Slogan „Herzenssache Geflügel … aus artgerechterer Haltung/Initiative Tierwohl“ bewirbt, auch aus artgerechterer Tierhaltung stammen. Tatsächlich erfüllen die beworbenen Fleischprodukte nur minimal mehr als die gesetzlichen Mindestanforderungen. Aber auch bei der Werbung für tatsächlich tiergerechter erzeugte Produkte („Für mehr Tierwohl“, Kaufland) sieht das Ergebnis ähnlich aus.

Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass die Verbraucher aussagekräftige Informationen nicht aus der Masse an Werbebotschaften herausfiltern können. „Tierwohl und ’artgerecht‘ sind Vertrauenseigenschaften. Der Handel muss in der Werbung wahre und für Verbraucher nachvollziehbare Informationen liefern. Denn Verbraucher können nicht überprüfen, was hinter den Werbeaussagen steckt“, sagt Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen.

Haltungskennzeichnung des Handels unbekannt

2018 haben mehrere Handelsketten eigene, vierstufige Haltungskennzeichnungen für Frischfleisch ihrer Eigenmarken von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten in der Selbstbedientheke eingeführt: Von Stufe 1 „Stallhaltung nach gesetzlichem Standard“ bis Stufe 4 „Bio“ bzw. „Premium“-Standard. Wie die Umfrage zeigt, ist diese Klassifizierung weitgehend unbekannt. Nur 17 Prozent der Befragten geben an, die Haltungskennzeichnung auf Fleischpackungen schon einmal gesehen zu haben. Zudem stößt die Stallhaltung nach gesetzlichem Standard bei den Befragten auf wenig Vertrauen: 80 Prozent stufen diese Haltungsform eher nicht oder auf keinen Fall als artgerecht ein

Der Handel muss Verantwortung zeigen

Obwohl sie weitgehend unbekannt ist, hält über die Hälfte (55 Prozent) der Befragten eine Haltungskennzeichnung für eher hilfreich beziehungsweise sehr hilfreich für den Kauf von Fleisch aus tiergerechter Haltung. Bei den Jüngeren unter 45 Jahren meinen das sogar fast drei Viertel der Befragten. Das zeigt, Verbraucher suchen Orientierung beim Einkauf von Fleisch. Die vom Handel in diesem Jahr angekündigte Vereinheitlichung der Haltungskennzeichnung ist daher grundsätzlich zu begrüßen. „Sie ersetzt aber nicht ein glaubwürdiges und verlässliches staatliches Tierwohlkennzeichen, dessen Kriterien deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen“, so Franz.

Die Ergebnisse und weitere Informationen zur Umfrage: www.verbraucherzentrale-hessen.de/umfrage-fleischwerbung