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Algo... was?!

Pressemitteilung vom

Computergestützte Systeme entscheiden mit, wie viel ein Produkt kostet, ob wir kreditwürdig sind oder ob jemand einen Job bekommt. Nicht immer merken wir, wenn uns Algorithmen im Alltag begegnen. Die Verbraucherzentrale stellt nun auf der Website www.algo-was.de erstmals leicht verständliche Informationen über die Wirkung von Algorithmen sowie Tipps zur Verfügung. Das Projekt wird vom Land Hessen mit 40.000 Euro gefördert.

Screenshot der Webseite algo-was.de mit Informationen über Algorithmen in unserem Alltag
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Beispiel: Herr K. interessiert sich für eine Waschmaschine, die er bei einem Online-Anbieter kaufen möchte. Der Preis scheint ihm okay, aber er will noch eine Nacht darüber schlafen. Als er am nächsten Tagen die Seite des Anbieters wieder aufruft, ist die Waschmaschine plötzlich 50 € teurer. Solche Preisschwankungen kommen im Online-Handel regelmäßig vor. Mithilfe von kleinen Programmen, den Algorithmen, können Unternehmen ihre Preise blitzschnell ändern. Herr K. hat deshalb den Eindruck, dass sich der Algorithmus sein Interesse an der Waschmaschine gemerkt und sie deshalb verteuert hat. Ob das so ist und wie er damit umgehen sollte, kann Herr K. ab sofort bei der Verbraucherzentrale erfahren. 

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher aus Hessen Nutzen und Nachteile von Algorithmen einschätzen können, bietet die Verbraucherzentrale Hessen mit ihrem neuen Informationsangebot „Algo...was?!“ leicht verständliche, nutzerorientierte Hintergrundinformationen und Praxistipps. Mehrere Podcast-Folgen und ein Erklärfilm bieten Hilfreiches und Nützliches für verschiedene Zielgruppen. 

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz stellte die Kampagne heute gemeinsam mit der Verbrauchzentrale vor. „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher gehen völlig unbefangen mit den Ergebnissen von Preisvergleichsportalen um. Sie wissen nicht, dass ein Algorithmus die Ergebnisse in der Datenbank zusammenstellt, der nicht transparent ist und den die Portalbetreiber beeinflussen können. Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen deshalb Durchblick und praktische Tipps, damit sie eigenständig ihre Kaufentscheidung treffen können und sich nicht von einer Maschine bestimmen lassen müssen“, erklärte Hinz. „Wir haben uns auf Bundesebene für mehr Regeln und Überwachung von algorithmischen Systemen eingesetzt. Es muss sichergestellt werden, dass Algorithmen nicht missbräuchlich verwendet werden oder sogar diskriminierend wirken. Die EU und der Bund hinken leider dem digitalen Zeitalter hinterher. Solange ein rechtlicher Rahmen fehlt, sorgt Hessen mit der jetzt gestarteten Kampagne dafür, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gut informiert sind.“

Zum Auftakt der Informationskampagne geht heute die Webseite online. Vier weitere Maßnahmen sind in den nächsten Jahren zusätzlich geplant. Im Fokus steht hierbei die Entwicklung von Bildungs- und Lehrmaterial für Jugendliche und junge Erwachsene. 

„Wenn es um Algorithmen geht, brauchen Verbraucherinnen und Verbraucher starke Partner an ihrer Seite, damit bei der rasanten technischen Entwicklung Verbraucher- und Datenschutz nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen e. V. „Die Verbraucherzentralen setzen sich schon seit geraumer Zeit für eine Aufklärungsoffensive zum Thema Algorithmen ein. Ich freue mich deshalb, dass wir den hessischen Verbraucherinnen und Verbrauchern nun mit umfassenden Informationen zur Seite stehen können.“

Für die Zukunft wünschen sich die Verbraucherzentralen ein Auskunftsrecht. „Die Betreiber der Systeme sollten verpflichtet werden, Betroffenen zu erläutern, wie deren Ergebnisse zustande kommen“, fordert Wendt.  Nur so könnten Verbraucherinnen und Verbraucher algorithmenbasierte Entscheidungen nachvollziehen und wenn nötig überprüfen lassen. 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.