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LEBENSMITTEL: DIE OPTIMALE VERPACKUNG GIBT ES NICHT

Pressemitteilung vom

Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff bergen Gefahren für die Gesundheit und die Umwelt. Hintergründe und Lösungsansätze vermittelte die Verbraucherzentrale Hessen am 07.12.2017 im Ökohaus KaEins in Frankfurt mit ihrer Tagung „Lebensmittelverpackungen: Alles in Plastik?“. Rund 140 Interessierte profitierten von Vorträgen und Expertenrunden. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz förderte die Tagung.

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Dass mit hormonell wirksamen Substanzen, Mineralölverbindungen oder Aluminium gesundheitsbedenkliche Stoffe in Lebensmittel übergehen können, berichteten Professor Dr. Martin Wagner von der norwegischen Universität Trondheim und Dieter Bohn, Sachverständiger vom Hessischen Landeslabor in ihren Vorträgen. Die Gesetze, um Mineralölrückstände aus Verpackungen zu verhindern, kämen seit Jahren auch wegen der Herstellerinteressen nicht voran. Prof. Wagner empfahl daher, möglichst auf übermäßig verpackte und stark verarbeitete Lebensmittel zu verzichten.

Als problematisch für die Umwelt stufte Dr. Carolin Völker, Ökotoxikologin am Institut für sozial-ökologische Forschung insbesondere Mikroplastik ein, das als „Plastiksuppe“ die Weltmeere vermüllt und sich in Meerestieren wiederfindet. In erster Linie müssten sich hier die Hersteller und nicht die Ver-braucher bewegen. „Sie könnten große Mengen an Plastik einsparen, in dem sie mehr Wert auf die Umwelt und weniger auf das Marketing legen“, so Völker.

In der Expertenrunde standen alltagstaugliche Lösungsansätze zum Einsparen von Verpackungsmüll von Vertreterinnen und Vertretern hessischer Initiativen im Mittelpunkt. Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz empfiehlt: „Jede und Jeder kann zum Schutz der Umwelt, zur Vermeidung von Müll und gegen die Verschwendung wertvoller Ressourcen beitragen. Mit der Initiative ‚BecherBonus‘ möchten wir alle Geschäfte, die Heißgetränke für unterwegs verkaufen, dafür gewinnen, den Bechermüll zu reduzieren. Wer einen Preisnachlass von mindestens 10 Cent für den mitgebrachten Mehrwegbecher anbietet, darf mitmachen. Das ist gut für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.“

Jenny Fuhrmann, Geschäftsführerin des plastikfreien Lieferservice gramm.genau ging in ihrer Forderung noch weiter: „Die Politik muss die Hersteller durch ein Verbot oder die Besteuerung von Plastik- und Einwegverpackungen in die Pflicht nehmen.“

Spezielle Verpackungsdesigns bieten Herstellern die Möglichkeit, ihr Produkt von anderen abzuheben und so zum Kauf zu motivieren, machte Roland Scharathow von der Verbraucherzentrale Berlin deutlich. Daher sei es schwer, hier ein Umdenken zu erreichen. Scharathow war zuvor lange Jahre bei einem Industrieverband für Kunststoffe und Verpackungen unter anderem für Recyclingtechnik und Nachhaltigkeitsbewertung zuständig.

„Das Verbraucherinteresse am Thema ist seit unserer bundesweiten Aktion zu Verpackungen und Küchenutensilien aus Kunststoff ungebrochen hoch“ erläuterte Andrea Schauff, Leiterin der Fachgruppe Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Hessen, zu Beginn. Entsprechend engagiert diskutierte das Publikum mit - über Weichmacher und Mineralölbestandteile aus Verpackungsmaterial, Hygieneaspekte beim Einkauf unverpackter Lebensmittel und Möglichkeiten, Verpackungsmüll zu reduzieren.

Die Verantwortung zum Handeln sahen die Experten bei Politik, Herstellern und Handel, die sich an einen runden Tisch setzen müssen. Als praktische Tipps, was jeder Verbraucher tun kann, nannten Experten und Teilnehmer Mehrwegbeutel zum Einkaufen verwenden, bewusst(er) einkaufen, Leitungswasser trinken statt Getränke in Plastikflaschen kaufen und Vorratspackungen mit anderen teilen.
 

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