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Der Vorkasse-Nachteil

Pressemitteilung vom

Die Pandemie zeigt mehr als sonst: Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher in Vorkasse gehen sollen, sind sie im Nachteil. Die Verbraucherzentrale kritisiert die Vorkasse-Praxis der Unternehmen. 

Eine Hand reicht Geldscheine zu einer anderen Hand, die aus einem Bildschirm kommt
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Im November ging die neue Spielkonsole Playstation 5 von Sony an den Start. Doch auf das eigene Exemplar der PS5 warteten viele Hessen umsonst. Die versprochene Lieferung zum 19.11. blieb aus. Dabei hatten einige sich extra Urlaub genommen. Und sie hatten rund 500 Euro im Voraus gezahlt. Unter dem Hashtag #WoBleibtMeinePS5 sammelten sich schnell zahlreiche wütende Kommentare über die mangelnde Kommunikation der Verkäufer. „Die Menschen waren zu recht sauer“, sagt Kai-Oliver Kruske, Jurist bei der Verbraucherzentrale Hessen. 

Vorkasse auf dem Vormarsch

Wie in anderen Bereichen fungierte die Pandemie auch bei den Verbraucherrechten als Brennglas. Der Flugbetrieb wurde eingestellt und Hunderttausende mussten ihren Flugkosten hinterherlaufen. Die Airlines erstatteten nicht, sie waren teilweise nicht einmal erreichbar. Hätten Flüge nicht Monate vor Abflug in Vorkasse bezahlt werden müssen, wäre es zu diesem Problem nie gekommen.

Auch Möbelhäuser verlangen oft beträchtliche Anzahlungen auf Möbel. Dabei verzögert sich die Lieferung immer wieder, Verbraucherinnen und Verbraucher können sich kaum wehren. Gegen ihren Willen werden die Zahlungen so im Extremfall zu zinsfreien Darlehen. Wer bezahlt, gibt sein wichtigstes Druckmittel aus der Hand.

„Soweit die Möglichkeit besteht, sollten Vorkasse-Zahlungen deshalb vermieden werden, auch zum Schutz vor Fakeshops“, so Kruske weiter. „Das gilt besonders, wenn für eine Zahlung nicht einmal Käuferschutz-Programme wie bei Paypal gelten. Diese sind zwar auch keine Garantie für eine stets reibungslose Abwicklung, können manchmal aber helfen.“ 

Insolvenzrisiken

Obendrein tragen Verbraucherinnen und Verbraucher das Insolvenzrisiko, wenn sie Leistungen vorab bezahlen. Rutscht der Anbieter in die Insolvenz, ist das Geld oft nahezu vollständig verloren. Dass auch große Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten können, zeigte sich immer wieder, etwa bei dem Reiseriesen Thomas Cook. „Deswegen sehen wir es äußerst kritisch, dass viele Branchen inzwischen teilweise oder sogar vollständig vorab kassieren“, so Kruske. „Der Gesetzgeber hat sich das aus guten Gründen ursprünglich oft anders vorgestellt. Hier brauchen wir strengere Regeln, die uns vor der Überlegenheit der Anbieter schützen.“

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