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Herzlich willkommen im neuen Internetauftritt der Verbraucherzentrale! Wir haben viel getan - hier stellen wir die Neuerungen vor.

Gesichtserkennung im Supermarkt: Mehrheit ist gegen Videoaufnahmen

Stand:

Das Wichtigste In Kürze:

  • Die Mehrheit der Befragten lehnt eine Auswertung von Gesichtsaufzeichnungen für Werbezwecke (76 Prozent) oder die Analyse des Gesichtsausdrucks zur Verbesserung von Werbespots (83 Prozent) in Supermärkten ab.
  • Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) geben an, seltener oder überhaupt nicht mehr in einem Supermarkt einkaufen zu wollen, wenn dieser Gesichtserkennungstechnologie einsetzt.
  • Am geringsten ist die Ablehnung der Befragten, wenn es um den Einsatz von Gesichtserkennung durch Privatpersonen geht: Hier fände es die Mehrheit in Ordnung, wenn etwa eine Überwachungskamera (z.B. an der Haustür eines Privathaushalts) das Gesicht zu Sicherheitszwecken analysiert (56 Prozent).
Überwachungskamera im Supermarkt

Viele Kunden sind gegen Videoaufnahmen und die Auswertung ihrer Daten.

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Gesichtserkennungssoftware kann, anhand von Foto- oder Kameraaufzeichnungen, Personenmerkmale erkennen und Gesichtsmuster analysieren. Die Supermarktkette Real (Metro-Gruppe) hat das zu Werbezwecken eine Zeit lang in 40 Filialen im Kassenbereich getestet. Bei der Deutschen Post läuft ein entsprechendes Pilotprojekt in 100 Filialen.

Bei den meisten Verbrauchern stößt die Vorstellung allerdings auf Ablehnung. Vier von fünf Befragten (78 Prozent) haben schon einmal davon gehört, dass Gesichtserkennung im Alltag eingesetzt wird. Die Befragten sollten sich vorstellen, dass ihr Gesicht beim Einkauf von einer Kamera automatisch erkannt und für verschiedene Zwecke analysiert wird. Dabei stößt beispielsweise die Auswertung von Gesichtsaufzeichnungen für zielgruppenspezifische Werbung bei drei Viertel der Befragten auf Ablehnung (76 Prozent "überhaupt nicht" oder "eher nicht in Ordnung").

Gesichtserkennung im Supermarkt unerwünscht

"Marketing mit Gesichtsaufzeichnungen – ohne Zustimmung der Verbraucher – löst starke Bedenken und Unsicherheiten bei ihnen aus. Schließlich ist das Gesicht ein unveränderliches biometrisches Merkmal mit dem Verbraucher eindeutig identifiziert werden können", warnt Ricarda Moll, Referentin im Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale NRW. 71 Prozent lehnen auch eine Auswertung für zielgruppengerechte Rabatte ab. Vor allem die Analyse des Gesichtsausdrucks zur Verbesserung von Werbespots wird von den Teilnehmern kritisch gesehen (83 Prozent). Alle drei Einsatzmöglichkeiten werden von den über 60-Jährigen am stärksten abgelehnt.

Gesichtserkennung im Supermarkt - dürfen die das?

Wenn durch die erfassten Daten kein Personenbezug hergestellt werden kann, ist keine Einwilligung des Verbrauchers in die Datenverarbeitung erforderlich. Ein Beispiel wäre etwa, wenn Merkmale wie das Alter oder das Geschlecht anhand einer Gesichtsanalyse erfasst würden. Theoretisch bedeutet das, dass die Software eine Einzelaufnahme auswerten müsste, auf der ein Teil des Gesichts abgebildet ist, der zwar Aussagen über einzelne Merkmale, aber keinen Rückschluss auf die Person zulässt. Inwieweit die technischen Abläufe im Hintergrund diese Voraussetzung erfüllen, ist jedoch von außen kaum nachvollziehbar.

Sorge um Kontrollverlust von privaten Daten

Die mehrheitliche Ablehnung zeigt sich auch in den Datenschutzbedenken der Befragten: Beim Einsatz von automatisierter Gesichtserkennung im Supermarkt wäre die Mehrheit besorgt, dass unbemerkt Informationen über sie gesammelt werden könnten (84 Prozent). Sie stören sich daran, in diesem Fall keine Kontrolle über die gesammelten Informationen zu haben (82 Prozent). Nur knapp ein Viertel (24 Prozent) vertraut darauf, dass die gesammelten Informationen nicht ohne Erlaubnis mit anderen Unternehmen geteilt und die Datenschutzinteressen im Auge behalten werden. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) geben an, seltener oder überhaupt nicht mehr in einem Supermarkt einkaufen zu wollen, wenn dieser Gesichtserkennungstechnologie einsetzen würde. "Verbraucher sind also grundsätzlich auch dazu bereit, Konsequenzen zu ziehen, wenn sie eine Gefahr für ihre Privatsphäre sehen", so Moll.

Tipp

Solange Sie nicht aktiv darauf hingewiesen werden, dass Sie beim Betreten einer Filiale beispielsweise zu Werbezwecken getrackt werden, ist es schwierig auf diese Entwicklung zu reagieren. Sind Sie unsicher, ob Gesichtserkennung eingesetzt wird, sollten Sie beim Händler nachfragen, ob eine derartige Technik genutzt wird. Ist das der Fall und möchten Sie dies nicht, sollten Sie entsprechende Orte meiden.

Gesichtserkennung in sozialen Netzwerken auch ein No-Go

In anderen Kontexten sehen die Befragten den Einsatz ebenfalls kritisch: Fast alle Nutzer sozialer Netzwerkseiten* (90 Prozent) lehnen Gesichtserkennung – um etwa Freunde vorgeschlagen zu bekommen – durch den Netzwerk-Anbieter ab. Am geringsten ausgeprägt ist die Ablehnung der Befragten, wenn es um den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie durch Privatpersonen geht: Hier fände es die Mehrheit von ihnen in Ordnung, wenn etwa eine Überwachungskamera (z.B. an der Haustür eines Privathaushalts) das Gesicht zu Sicherheitszwecken analysieren würde (56 Prozent).

Datenschutzregeln konsequent um- und durchsetzen

"Die bestehenden datenschutzrechtlichen Regelungen und die ab Mai 2018 geltende Datenschutz-Grundverordnung müssen beim Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien konsequent umgesetzt und durchgesetzt werden", fordert Lina Ehrig, Leiterin Team Digitales und Medien beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Neben Gesichtserkennung weisen die Verbraucherschützer auf Überwachung durch andere Methoden des Offline-Trackings hin. So bietet beispielsweise auch die WLAN-Verbindung des Smartphones die Möglichkeit, Personen in der Offline-Welt zu identifizieren und ihnen dann gezielte Werbung anzuzeigen. "Dies darf aus Verbrauchersicht nur mit Einwilligung möglich sein", so Ehrig weiter. "Die aktuell in Europa verhandelte ePrivacy-Verordnung muss entsprechend nachgebessert werden."

Weitere Informationen zur Befragung finden Sie hier, mehr zur Reform der ePrivacy-Verordnung hier.

Methodik: Die Erhebung erfolgte mittels Online-Interviews anhand eines strukturierten Fragebogens. Befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 1.001 deutschsprachigen Internetnutzern zwischen 18 und 69 Jahren. *Basis "Nutzer von sozialen Netzwerken": 571 Befragte. Die Befragung erfolgte im Zeitraum 09.08. bis 18.08.2017. Die Erhebung wurde im Online-Panel des forsa-Institutes durchgeführt. Statistische Fehlertoleranz: max. +/- 3 Prozentpunkte.