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Geschmacklos: Aromastoffe in Baby-Beikost

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Babys sollten den unverfälschten Geschmack der Lebensmittel kennenlernen. Doch ein großer Teil der Beikost ab dem 5. Monat ist aromatisiert.

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Beikost wie Getreidebrei zählt zu den ersten Lebensmitteln, die Babys außer Muttermilch bekommen. Für einen gesunden Start ins Leben ist es wichtig, dass die Kleinen den unverfälschten Geschmack der Lebensmittel kennenlernen.

Trotzdem dürfen Hersteller der Beikost Aromastoffe zusetzen. Viele Anbieter nutzen diese Rechtslage aus und aromatisieren Breie, Joghurts und Co. schon für Babys ab dem 5. Monat. Auch süßen fast alle Hersteller nach, wie ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt und Wiesbaden aus dem Jahr 2014 zeigte.

Das Problem: Durch aromatisierte Fertigprodukte gewöhnen sich Babys an "Geschmacksimitate", was dazu führen kann, dass sie später natürliche Lebensmittel ablehnen. Zusätzlich fördern zugesetzte Zuckerstoffe die Geschmacksvorliebe für Süßes.


Vanillearoma wird am häufigsten zugesetzt

Die Experten der Verbraucherzentrale Hessen hatten die Zutatenlisten von 25 Baby-Beikost-Produkten in Drogeriemärkten und Biosupermärkten auf Aromastoffe hin überprüft.

Dabei zeigte sich: Mehr als die Hälfte der Anbieter setzte in ihren Produkten Aromen ein. Besonders häufig verwendeten sie dabei Vanillearoma. Aber auch Zimt- und Früchtearomen sind in einigen Breien zu finden. Zusätzlich helfen die Hersteller mit verschiedenen Süßmachern wie Traubenzucker, Laktose und Fruktose nach. Das fördert die Gewöhnung an intensive und imitierte Geschmacksnoten und die Vorliebe für Süßes.

Dass es auch anders geht, zeigen immerhin vier Hersteller, die freiwillig auf den Zusatz von Aromen verzichten. Aber auch sie mischen verschiedene Zuckerstoffe in die Beikost.

"Natürliches Aroma" im Aprikosenjoghurt muss nicht aus Aprikosen stammen

Besonders ärgerlich sind die verwirrenden Aromabezeichnungen in den Zutatenlisten. So lässt "natürliches Aroma" als Zutat eines "Babyjoghurt Aprikose" vermuten, dass das Aroma aus frischen Aprikosen stammt. Doch es wird lediglich aus natürlichen Ausgangsstoffen aller Art mithilfe von Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen gewonnen. Es schmeckt zwar ähnlich, entspricht aber nicht dem natürlichen Aprikosengeschmack, was den Geschmackssinn von Kindern in die Irre leitet. Die Vorliebe für hoch verarbeitete, aromatisierte Fertigprodukte wird so frühzeitig gefördert.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollte der Gesetzgeber Hersteller zum Verzicht auf Aromastoffe und den Zusatz von Süßungsmitteln in Babykost verpflichten. Vor dem Hintergrund von Fehlernährung und Übergewicht bereits im Kleinkindalter wäre das ein wichtiges Signal für einen vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutz.

Empfehlungen der Verbraucherzentrale Hessen

Wer Beikost selbst zubereitet, kann über Auswahl und Anzahl der Zutaten selbst entscheiden. Bei Fertigprodukten sollten Eltern auf die Zutatenliste achten. Am besten wählen sie Produkte mit wenigen, ihnen bekannten Zutaten und ohne Zusätze von Aromastoffen und Süßungsmitteln.