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Private Krankenversicherung - was tun, wenn sie zu teuer wird?

Stand:
  • Steigen die Beiträge extrem an, können Versicherte prüfen, ob eine Rückkehr in die Gesetzliche Krankenversicherung möglich und sinnvoll ist.
  • Der Wechsel zu einem anderen Versicherungsunternehmen kann eine Alternative sein. Die Mitnahme der Altersrückstellungen zum neuen Versicherer ist aber nicht bei jedem Vertrag möglich.
  • Wer innerhalb des bestehenden Versicherungsverhältnisses seinen Tarif wechselt oder den Standardtarif oder Basistarif wählt, kann sparen, muss aber möglicherweise den Betrag seines Selbstbehalts erhöhen oder Versicherungsleistungen reduzieren.
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Viele privat Krankenversicherte kennen ihn – den Brief ihrer Privaten Krankenversicherung, in der die nächste Beitragserhöhung angekündigt wird. Erhöhungen um zehn oder 20 Prozent sind keine Seltenheit. Versicherte sind aber nicht völlig hilflos den Beitragssteigerungen ausgeliefert. Per Gesetz steht ihnen ein grundsätzliches Recht auf Tarifwechsel zu. Es ist ratsam, den eigenen Tarif gelegentlich zu überprüfen und sich gegebenenfalls vom Versicherer Angebote für andere Tarife einzuholen.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung

Wer noch nicht 55 Jahre alt ist, sollte prüfen bzw. sich beraten lassen, ob eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung möglich und ratsam ist. Bis auf wenige Ausnahmen geht dies nur bis zur Vollendung des 55. Lebensjahres, also bis zum 55. Geburtstag – unter der Voraussetzung, dass eine Versicherungspflicht eintritt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn man eine Angestelltentätigkeit mit einem Gehalt unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze eingeht oder wenn man Arbeitslosengeld I bezieht. Die beitragsfreie Mitversicherung in der Familienversicherung beim gesetzlich versicherten Ehegatten ist – wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind – auch über das 55. Lebensjahr hinaus möglich.

Wechsel des Unternehmens

Ob ein Wechsel des Versicherungsunternehmens ratsam ist, sollten Sie erst nach gründlicher Abwägung entscheiden. Das kann sinnvoll sein für Verbraucher, die bei einem sehr negativ bewerteten Unternehmen und erst seit kurzer Zeit versichert sind. Versicherte, die ab dem 1.1.2009 einen Vertrag bei einem Versicherungsunternehmen geschlossen haben, können einen Teil ihrer Alterungsrückstellungen aus dem alten Unternehmen in das neue mitnehmen. Versicherte mit Verträgen, die vor dem 1.1.2009 geschlossen wurden, verlieren dagegen ihre Alterungsrückstellungen. Für sie wird in der Regel ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen nicht zu empfehlen sein. Vor allem für Personen mit Vorerkrankungen ist ein Wechsel nicht ratsam: das kann zu Risikozuschlägen oder gar Leistungsausschlüssen beim neuen Unternehmen führen.

Tarifwechsel

§ 204 des Versicherungsvertragsgesetzes gibt Kunden von Versicherungsunternehmen das Recht, innerhalb ihres Unternehmens den Tarif zu wechseln, sofern es sich um einen gleichartigen Tarif handelt. Der Versicherer ist verpflichtet, den Antrag auf Tarifwechsel unter Anrechnung der erworbenen Rechte und der Altersrückstellung anzunehmen. Zu den erworbenen Rechten gehört, dass eine Veränderung des Gesundheitszustandes nicht zu Risikozuschlägen führen darf. Auch der Ablauf von Wartezeiten ist ein erworbenes Recht.

Wenn der neue Tarif Leistungen beinhaltet, die höher oder umfassender sind als die des bisherigen Tarifs, kann das Unternehmen für die Mehrleistungen einen Risikozuschlag oder Leistungsausschluss verlangen. Dies können Versicherte dadurch abwenden, dass sie sich die Mehrleistungen nennen lassen und auf diese verzichten. Dann bleibt es beim Leistungsumfang des alten Tarifs.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat Leitlinien zum Tarifwechsel verabschiedet, denen viele, aber nicht alle Versicherungsunternehmen beigetreten sind. Die Unternehmen verpflichten sich, Anfragen zum Tarifwechsel innerhalb von 15 Tagen zu beantworten, Ansprechpartner zu benennen und Versicherungsnehmer in die Lage zu versetzen, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Bis 2013 wurden von den Versicherungsunternehmen die so genannten Bisex-Tarife angeboten, also Tarife, bei denen die Beiträge für Männer und Frauen unterschiedlich hoch waren. Seit 2013 dürfen nur noch Unisex-Tarife angeboten werden, d.h. Tarife, für die Männer und Frauen denselben Beitrag bezahlen. Für einen Tarifwechsel stehen prinzipiell Bisex- und Unisex-Tarife zur Wahl. Da das Versicherungsvertragsgesetz aber einen Wechsel aus einem Unisex-Tarif in einen Bisex-Tarif untersagt, bedeutet ein Wechsel in einen Unisex-Tarif zumindest derzeit, dass es in der Folge eine geringere Auswahl an Tarifen gibt, da die meisten Unternehmen noch nicht viele Unisex-Tarife auf den Markt gebracht haben. Beachten Sie hierzu auch den Tipp zum Thema Standardtarif!

Reduzierung von Leistungen

Eine Herabsetzung des Beitrags kann vielfach durch ein ‚Abspecken‘ von Leistungen erreicht werden, beispielsweise im stationären Bereich durch den Wechsel von einem Einbett- oder Zweibettzimmeranspruch mit Chefarztbehandlung zu einem Anspruch auf Mehrbettzimmer ohne Chefarztbehandlung. Im ambulanten Bereich lässt sich durch die Vereinbarung des so genannten Primärarztprinzips sparen. Dabei verpflichtet man sich, stets zunächst den Primärarzt (Hausarzt, Allgemeinmediziner) aufzusuchen und zum Facharzt nur mit Überweisung zu gehen.

Gut überlegt werden sollte eine Reduzierung der Erstattungssätze bei ärztlichen Leistungen. Hier besteht die Gefahr, dass Sie als Versicherter die Differenzkosten tragen müssen.

Nicht zu empfehlen ist ein grundsätzlicher Verzicht auf Psychotherapie.

Bei dem Wechsel in einen anderen Tarif sollten Sie vorher alle Leistungen, gerade auch in Bezug auf Hilfsmittel und Heilmittel, genau gegenüberstellen und vergleichen. Diese Leistungen sollten auch in den Tarifbedingungen enthalten sind.

Vor einem Tarifwechsel sollten Verbraucher sich genau überlegen, auf welche Leistungen des jetzigen Tarifs sie nicht verzichten wollen und können (vor allem, wenn bereits Erkrankungen vorliegen) und welche Leistungen zukünftig verzichtbar erscheinen. 

Erhöhen des Selbstbehalts

Bei Tarifwechselanfragen bieten Versicherungsunternehmen häufig Tarife mit höheren Selbstbehalten an. Ob es sich lohnt, den Selbstbehalt zu erhöhen, muss individuell durchgerechnet werden. Dafür wird der jährliche Selbstbehalt durch 12 (Monate) geteilt und auf den Monatsbeitrag aufgeschlagen. Erzielt man dabei insgesamt einen geringeren monatlichen Beitrag, kann ein höherer Selbstbehalt erwogen werden. Allerdings: bei Angestellten beteiligt sich der Arbeitgeber nicht am Selbstbehalt, die Zahlung von Selbstbehalten trägt nicht zum Ansparen von Alterungsrückstellungen bei und das Versicherungsunternehmen kann Selbstbehalte im Lauf der Zeit einseitig erhöhen!

Bedenken Sie, dass Sie langfristig keinen niedrigeren Selbstbehalt werden vereinbaren können, da dies eine Mehrleistung bedeutet, die eine Gesundheitsprüfung nach sich ziehen kann.

Wechsel in den Standardtarif

Der Standardtarif ist ein Tarif, der dem Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht, in manchen Bereichen sogar noch darunter liegt. Er wird in gleicher Ausgestaltung von allen Versicherungsunternehmen angeboten. Anspruch darauf haben alle Versicherten, die vor dem 01.01.2009 eine Vollversicherung in der Privaten Krankenversicherung abgeschlossen haben und bestimmte weitere Voraussetzungen (Alter, Rente bzw. Einkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze) für den Zugang erfüllen. Für diejenigen, die lange bei einem Versicherungsunternehmen versichert sind, ist der Standardtarif in der Regel sehr günstig. Bedenken Sie aber, dass die Leistungen sehr abgespeckt sind und eine spätere Rückkehr in einen höherwertigeren Tarif in der Regel nicht mehr möglich ist.

Bei einem Wechsel in einen neuen Unisex-Tarif des Unternehmens geht der Anspruch auf den Standardtarif (der ein Bisex-Tarif ist) verloren. Wer sich den Standardtarif als „Notnagel“ offen halten will, sollte deshalb nur innerhalb der Bisex-Tarife wechseln!

Wechsel in den Basistarif

Da der Basistarif bis zum Höchstsatz der gesetzlichen Krankenversicherung betragen darf und die individuellen Alterungsrückstellungen nicht angerechnet werden, bedeutet ein Wechsel in den Basistarif, dass häufig der Höchstbetrag zu zahlen ist. Aktuell (2019) sind dies 662, 48 Euro, zuzüglich Zusatzbeitrag und des Beitrags zur Pflegepflichtversicherung, oder wenig darunter.

Vom Leistungsumfang her bildet der Basistarif die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nahezu identisch ab. Allerdings haben Versicherte in der Praxis vielfach Schwierigkeiten. Für ambulante Behandlungen bekommen sie nur den 1,2 fachen Satz erstattet. Interessant kann der Basistarif für Versicherte sein, die Sozialhilfe beziehen oder durch Zahlung des Beitrags sozialhilfebedürftig würden. Sie müssen bei Nachweis der Sozialhilfebedürftigkeit nur den halben Beitrag bezahlen. Das Sozialamt übernimmt den Rest, gegebenenfalls kann es sogar den gesamten Beitrag übernehmen.

Diese Verbraucherinformation wurde im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für das Verbraucherportal der Hessischen Landesregierung www.verbraucherfenster.de erstellt.