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Einstufung in Pflegegrade: Wie funktioniert das in der Corona-Krise?

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Teilweise finden weiterhin Schriftverkehr und Telefoninterviews statt Hausbesuchen statt: Wer einen Pflegegrad beantragt, muss sich wegen der Corona-Pandemie unter Umständen auf ein ungewöhnliches Verfahren einstellen. Die richtige Vorbereitung ist wichtig. Und bis zum Bescheid kann es dauern.

Ein älterer Mann sitzt in seiner Wohnung auf dem Sofa, hält unterlagen in der Hand und telefoniert.
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Normalerweise läuft es so: Nach Beantragung eines Pflegegrades beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) damit, die Pflegebedürftigkeit festzustellen. Bei privat Pflegeversicherten übernimmt das meist der Gutachterdienst Medicproof. Der Gutachter kommt an einem angekündigten Termin zu Ihnen nach Hause.

Durch ein neues Gesetz, das noch nicht veröffentlicht ist, aber bereits Anwendung findet, werden ab dem 1. Oktober 2020 grundsätzlich wieder Hausbesuche durch den MDK durchgeführt. Nur in Ausnahmefällen findet die Begutachtung zum Schutz des Betroffenen und/oder des Gutachters telefonisch statt. Diese Möglichkeit gibt es bis zum 31. März 2021.


Alle unsere Verbraucher-Informationen zu Corona finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.


Wie läuft die telefonische Begutachtung ab?

Ab dem 1. Oktober 2020 werden Begutachtungen wieder persönlich durchgeführt. Nur wenn der Schutz des pflegebedürftigen Menschen es erfordert, werden weiterhin Telefoninterviews durchgeführt. Versicherte und Pflegepersonen erhalten dafür weiterhin einen Termin vom MDK. Das gilt auch, wenn ein telefonisches Interview geplant ist.

Der Gutachter führt dann zum angekündigten Termin ein Telefoninterview mit dem Pflegebedürftigen und dessen Angehörigen. Dafür gibt es einen Fragebogen, den Sie vorab zugeschickt bekommen (an die Adresse des Versicherten). Das soll Ihnen helfen, sich auf die Interviewsituation vorzubereiten. Ob Sie den Fragebogen beim Telefonat bereithalten sollen oder ihn an den MDK zurückschicken sollen, regelt jeder MDK unterschiedlich. Fragen Sie nach, falls Sie nicht klar dazu informiert worden sind.

Die Einstufung in Pflegegrade erfolgt dann auf der Grundlage der bereits vorhandenen Informationen (etwa Bescheinigungen des Arztes und Medikamentenpläne) und aus den Informationen aus dem Telefoninterview.

Was bedeutet das für pflegebedürftige Menschen?

Bei der telefonischen Begutachtung erhält der Gutachter die entsprechenden Informationen überwiegend schriftlich und mündlich, ohne dass der Gutachter die pflegebedürftige Person und deren Wohnung sieht.

Sie sollten sich daher gut vorbereiten und die Situation umfassend schildern.

Wer sollte an dem Telefonat teilnehmen?

Die Pflegebedürftigen sollten den Telefontermin möglichst nicht alleine wahrnehmen. Pflegepersonen oder Angehörige können die Einschränkungen der Betroffenen oft klarer und umfassender schildern als die Betroffenen selbst. Das betrifft besonders Menschen mit geistigen Einschränkungen. Sollte die Vertrauensperson an dem Termin keine Zeit haben, besteht auch die Möglichkeit, den Termin zu verschieben.

Wie sollten Sie sich auf das Telefoninterview vorbereiten?

Während des Telefoninterviews soll der Grad der Selbstständigkeit der Person, die einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt hat, geklärt werden.

Wichtig ist daher, dass Sie vorher notieren, wie die Pflege und Betreuung aktuell stattfindet:

  • Was fällt an einem Tag üblicherweise an?
  • Welche Arztbesuche sind zu organisieren und durchzuführen?
  • Wie läuft die Medikamentengabe?
  • Wie verhält sich die zu pflegende Person?
  • Was fällt ihr besonders schwer, wobei benötigt sie Unterstützung?

Dadurch können Sie vermitteln, wie stark die Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Weitere Hinweise erhalten Sie in unserem Ratgeber "Das Pflegegutachten".

Legen Sie zum telefonischen Begutachtungstermin außerdem folgende Unterlagen bereit:

  • aktuelle Berichte von Ärzten und Fachärzten
  • aktuelle Entlassungsberichte vom Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung
  • Medikamentenplan
  • Pflegedokumentation (wenn Sie schon einen ambulanten Pflegedienst haben)
  • eigene Notizen über den Verlauf der Pflege und Schwierigkeiten
  • eine Liste der genutzten Hilfsmittel (Brille, Hörgerät, Gehstock, Rollator, Vorlagen, ...), damit Sie nichts vergessen
  • den Schwerbehindertenausweis (wenn vorhanden), damit Sie die verschiedenen Eintragungen nennen können

Außerdem werden Informationen genutzt, die bereits bei der Pflegekasse vorliegen. Sie brauchen dafür nichts tun. Der MDK wird vor dem Telefoninterview bei der Pflegekasse wichtige Unterlagen anfragen.

Wie sollten Sie mit dem Fragebogen umgehen?

Wichtig ist, den Fragebogen besonders sorgfältig auszufüllen.

Im Zentrum steht, die Selbstständigkeit der betroffenen Person zu prüfen. Um zu bestimmen, wie selbstständig jemand noch handeln kann, und welche Fähigkeiten der Person noch zur Verfügung stehen, werden verschiedene Lebensbereiche betrachtet:

  • Mobilität (Beweglichkeit)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (verstehen und reden)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
  • Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Diese sechs Lebensbereiche (Module) fließen mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung ein, nach der sich der Pflegegrad richtet. Schauen Sie sich die einzelnen Bereiche gut an und beantworten Sie die Fragen sorgsam.


Ein Beispiel für einen solchen Fragebogen:

Screenshot eines Fragebogens vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen Westfalen-Lippe

Das Beispiel zeigt die erste Seite des Fragebogens, wie ihn der Medizinische Dienst der Krankenkassen Westfalen-Lippe herausgibt. Dort besteht er aus insgesamt 7 Seiten. Je nach der Region, in der Ihr Pflegebedürftiger wohnt, kann auch ein anderer MDK zuständig sein und einen etwas anderen Fragebogen verwenden. (Screenshot vom 31.3.2020)


Hat diese Form der Begutachtung Nachteile?

Eine persönliche Begutachtung im eigenen Zuhause hat natürlich Vorteile. Im persönlichen Gespräch vor Ort kann der Gutachter Bedarfe erkennen, wenn er die Person und das Wohnumfeld sehen und einschätzen kann. Dies gilt zum Beispiel für die Empfehlung von Hilfsmitteln (etwa ein Rollstuhl) oder einer Rehabilitation oder für die Empfehlung, die Wohnung barrierefrei umzubauen.

Sie sollten außerdem aufmerksam prüfen, ob Sie mit dem Ergebnis einverstanden sind. Wenn Sie mit dem Ergebnis der Pflegebegutachtung nicht einverstanden sind, können Sie selbstverständlich Widerspruch einlegen.

Wo erhalten Sie weiterführende Hilfestellung?

Weitere Informationen erhalten Sie von dem MDK, der für Sie zuständig ist. Um den richtigen Ansprechpartner auszuwählen, müssen Sie sich zunächst vergewissern, zu welchem MDK Ihr Wohnort gehört. Zumeist hat jedes Bundesland einen eigenen MDK. Die Organisationen arbeiten voneinander unabhängig und handhaben daher einige Dinge unterschiedlich.