Menü

Food-to-go: Kein Verlass auf die Kennzeichnung

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer frisch vor Ort hergestellte und vorverpackte Lebensmittel und Speisen zur Selbstbedienung anbietet, muss sie seit Juli 2017 mit fast allen Angaben wie Zutatenliste und Mindesthaltbarkeitsdatum kennzeichnen, die rechtlich für Lebensmittel in Fertigpackungen Pflicht sind.
  • Die Verbraucherzentrale Hessen und die Internetredaktion von Lebensmittelklarheit.de deckten in einer Marktstichprobe von Food-to-go erhebliche Mängel bei dieser Pflichtkennzeichnung auf.
  • Nur zwei von 24 Produkten kennzeichnen die Anbieter vollständig den Vorschriften entsprechend.
  • Fehlende oder falsche Informationen können besonders für Allergiker gesundheitlich riskant sein.
Produkte des Marktchecks Food-to-go

Produkte aus Marktcheck Food-to-go

Off

Neue gesetzliche Regelungen in Kraft

Seit Juli 2017 gilt die nationale Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV). Sie regelt zusätzlich zur EU-Lebensmittelinformationsverordnung die Kennzeichnung von Lebensmitteln, unter anderem für frisch vor Ort hergestellte und zum Verkauf vorverpackte Lebensmittel aus der Selbstbedienungstheke. Alle Angaben, die auf Lebensmitteln in Fertigpackungen Pflicht sind, wie Zutatenliste, Mindesthaltbarkeitsdatum, Name und Anschrift des Anbieters, müssen nun auch auf Food-to-go stehen. Nur die Nährwertdeklaration und die Nettofüllmenge sind von dieser Pflicht ausgenommen.

Auf dem Prüfstand

Die Ernährungsexpertinnen der Verbraucherzentrale Hessen und des Internetportals Lebensmittelklarheit.de testeten gemeinsam in einem nicht-repräsentativen Marktcheck zu Food-to-go 24 frisch hergestellte Lebensmittel aus der Kühltheke. Die Lebensmittel und Speisen (zehn Salate, fünf Dressings und neun Desserts) kauften die Verbraucherschützerinnen im September und Oktober 2017 in Frankfurt und Wiesbaden. Als Einkaufsstätten wählten sie elf ortsansässige Feinkostläden oder Filialen von deutschlandweit tätigen Anbietern wie Quicker’s, Schlemmermeyer oder SCOOM aus. Entscheidend für die Wahl war, dass die Geschäfte, vor Ort hergestellte und vorverpackte Lebensmittel zum unmittelbaren Verzehr in Selbstbedienung anbieten. Folgende Kriterien kamen unter die Lupe:

  • Bezeichnung des Produkts
  • Zutatenverzeichnis
  • Mengenkennzeichnung hervorgehobener Zutaten
  • Allergenkennzeichnung
  • Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum
  • Aufbewahrungshinweise
  • Nettofüllmenge (ggf. auf einem Schild)
  • Name und Anschrift des Lebensmittelunternehmers

Pflichtangaben fehlen, sind unvollständig oder falsch

Das Ergebnis ist ernüchternd: Gerade einmal zwei von 24 Produkten kennzeichneten die Anbieter vorschriftsgemäß. Vier Produkte steckten in „Blanko“-Verpackungen und lieferten gar keine Informationen.

Gesamtergebnisse des Marktchecks "Food-to-go Lebensmittel aus der Kühltheke"

Gesamtergebnisse des Marktchecks "Food-to-go Lebensmittel aus der Kühltheke"

Eine freiwillige Nährwertkennzeichnung lobten die Hersteller von acht der 24 Produkte aus. Diese war bis auf eine Ausnahme korrekt.

Die fünf untersuchten überregionalen Geschäfte machten im Durchschnitt nur halb so viele Fehler wie die sechs lokalen Anbieter.

Nach Gefühl und Wellenschlag – Zutatenverzeichnis und Haltbarkeit

Besonders häufig traten Fehler beim Zutatenverzeichnis auf. Achtmal war es nicht plausibel. So bestand ein „Wildkräutersalat“ laut Zutatenliste nur aus Tomaten, Radieschen und Dressing.

Bei einem Schokopudding, stellt sich die Frage, wieso der Pudding „Schoko“ heißt. Denn Schokolade oder Kakao tauchen im Zutatenverzeichnis nicht auf. Darüber hinaus sind die Allergene Milch und Sahne nicht hervorgehoben.

Wer wissen möchte, was im Balsamico-Dressing steckt, wird anstelle einer Zutatenliste mit der Aussage „nach altem Rezept & bestem Balsamico“ abgespeist.

Bei sieben Produkten erfuhren die Käufer nicht, wie lange sie haltbar waren. Zum Beispiel druckte ein Hersteller anstatt des vorgeschriebenen Mindesthaltbarkeitsdatums eine Auflistung der Wochentage zum Ankreuzen auf seinen Salat. Einmal abgesehen davon, dass dies nicht zulässig ist, war die Markierung per Hand auch noch undeutlich.

Auf einem Dressing stand anstelle eines Mindesthaltbarkeitsdatums der Hinweis „Bitte gekühlt halten und selbst immer cool bleiben. Frisch am Kauftag genießen (…)“. Was als lockerer Spruch daher kommen soll, ist rechtlich nicht erlaubt.

Zutatenliste Wildkräutersalat

Zutatenliste Wildkräutersalat

Zutatenliste Schokopudding

Zutatenliste Schokopudding

Lebensmittelkennzeichnung; Angabe zu Zutaten

Angabe zu Zutaten

Salat Caprese: Wochentage zum Ankreuzen anstelle Mindesthaltbarkeitsdatum

Salat Caprese: Wochentage zum Ankreuzen anstelle Mindesthaltbarkeitsdatum

Ceasar-Dressing: Spruch anstelle Mindeshaltbarkeitsdatum

Ceasar-Dressing: Spruch anstelle Mindeshaltbarkeitsdatum

Gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen

Die fehlende Hervorhebung der Allergene bei 13 Produkten gibt Anlass zur Besorgnis: Es besteht ein gesundheitliches Risiko für Allergiker, wenn die Hervorhebung fehlt oder fehlerhaft ist. Ein Fehler kann nicht nur durch eine falsche oder fehlende Hervorhebung passieren. Bei einer Schokoladenmousse in der Stichprobe schreibt der Hersteller das ganze Zutatenverzeichnis in Großbuchstaben. Was der Gesetzgeber neben Fettdruck oder Unterstreichen als eine Möglichkeit der Hervorhebung akzeptiert, kommt einem Fehlen gleich.

Mousse von weißer Schokolade: Zutatenliste ohne Hervorhebung der Allergene

Mousse von weißer Schokolade: Zutatenliste ohne Hervorhebung der Allergene

Aus Sicht der Verbraucherzentrale besteht dringend Handlungsbedarf: Denn Verbraucher wollen nicht nur wissen, was sie kaufen, sondern sie müssen korrekt informiert werden. Die Anbieter von Food-to-go müssen sich über die neue Verordnung informieren und sie umsetzen. Daneben sollte die Lebensmittelüberwachung die Einhaltung der neuen Rechtsvorschriften in den betroffenen Geschäften gezielt überprüfen und Verstöße ahnden.