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Das solltest du bei einem Krankenkassenwechsel beachten

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Junger Mann mit gebrochenem Bein auf dem Sofa hält ein Smartphone in der Hand
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Von Daniela und Cosima

Gute Gründe für einen Krankenkassenwechsel

Seien wir ehrlich – die wenigsten Menschen beschäftigen sich mit ihrer Krankenkasse. Wer einmal in einer gesetzlichen Krankenkasse gelandet ist, bleibt dort. Wer weiß, welcher bürokratische Aufwand bei einem Wechsel entstehen könnte. Und was, wenn die neue Krankenkasse nicht alle aufnimmt?

Fakt ist: Es ist sinnvoll, die Krankenkasse immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen. Besonders dann, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Wie bei anderen Versicherungen auch, kann es sein, dass sich ein Neuanfang bei einem anderen Versicherer finanziell und versorgungstechnisch lohnt. Wir zeigen dir, welche Optionen du hast und was du bei einem Wechsel beachten musst.

Pflichtversichert, freiwillig oder privat – das ist hier die Frage

In Deutschland immer wieder ein heißes Eisen – die Krankenversicherung. Manche können oder dürfen privat, andere nicht. Aber beginnen wir von vorne.

Die Gesetzlichen

Angestellte Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen bis zu 60.750 Euro brutto (monatlich 5.062,50) werden automatisch in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte seit dem 1. Januar 2019 zu gleichen Teilen. Versicherte können die Kasse frei wählen. Wer eine passende Kasse für sich sucht, sollte darauf achten, welche Extras und Serviceleistungen die Krankenkasse bietet.

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten unterschiedliche Zusatzleistungen

Das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen ist sehr ähnlich. Aber nicht gleich.

Das Gesetz verpflichtet die Krankenkassen, bestimmte Leistungen zu bezahlen. Dazu gehören zum Beispiel Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte. Aus diesem Grund ist das Leistungsspektrum der über 100 gesetzlichen Krankenkassen sehr ähnlich. Aber nicht gleich. Unterschiede kann es beim Service (Öffnungszeiten, Erreichbarkeit) und bei den Zusatzleistungen geben. Worauf es beim Vergleich der Zusatzleistungen ankommt, haben wir im Artikel „Krankenkassen zahlen viele Extras“ zusammengefasst.

So wird zwischen den Gesetzlichen gewechselt

Der Wechsel zwischen zwei gesetzlichen Krankenkassen ist denkbar unkompliziert. Die gesetzlichen Krankenversicherungen dürfen keinen Antragssteller ablehnen und das Verfahren ist einfach.

So funktioniert‘s:

  • Schick der bisherigen Krankenkasse eine schriftliche Kündigung.
  • Achte darauf, dass dir die Kündigung innerhalb von 14 Tagen schriftlich bestätigt wird.
  • Sende die Kündigungsbestätigung der bisherigen Kasse zusammen mit dem Aufnahmeantrag für die neue Kasse innerhalb der Kündigungsfrist an die neue Krankenkasse.
  • Von der neuen Kasse bekommst du eine Mitgliedsbescheinigung und auch eine neue Krankenkassenkarte. Schicke eine Ausfertigung der neuen Mitgliedsbescheinigung an die alte Krankenkasse.

An deine neue Krankenkasse bist du in der Regel für 18 Monate gebunden. Allerdings: Wenn die neue Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag erhöht, hast du ein Sonderkündigungsrecht. Mehr dazu im Artikel „Zusatzbeitrag der Krankenkasse: Sonderkündigung und Wechsel möglich“.

Die freiwillige Krankenversicherung

Selbstständige und Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von über 5062,50 Euro (Stand: 2019) haben die Wahl. Sie können in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben, dann sind sie freiwillig krankenversichert. Oder sie wechseln in eine private Krankenversicherung. Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Während die Beiträge der freiwilligen Krankenversicherung meist von Beginn an recht hoch sind, steigern sich die Beiträge der privaten Krankenversicherung erst über die Jahre.

Der große Vorteil der gesetzlichen Krankenkassen: Wer sich freiwillig krankenversichert, muss keine Auskünfte über Vorerkrankungen oder persönliche Risiken geben und wird ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen. Die freiwillige Krankenversicherung ist übrigens auch unmittelbar nach dem Wegfall der Familienversicherung möglich.

So versicherst du dich freiwillig

Wer sich freiwillig krankenversichern möchte, muss bei der Krankenkasse einen entsprechenden Antrag stellen. Je nachdem, ob du bereits bei der Krankenkasse pflichtversichert warst oder nicht, wird sich das Verfahren leicht unterscheiden. Wenn du im Zuge deiner freiwilligen Krankenversicherung die Krankenkasse wechseln möchtest, musst du parallel einen Antrag auf Aufnahme in die neue Krankenkasse stellen und die alte kündigen. Wenn du dich bei deiner alten Versicherung weiter versichern möchtest, reicht es aus, einen Antrag auf freiwillige Krankenversicherung abzugeben.

Die privaten Krankenversicherungen

Wer genug verdient, verbeamtet, selbstständig oder freiberuflich tätig ist, kann in die private Krankenversicherung wechseln. Anders als die gesetzlichen Krankenkassen sind private Krankenversicherungen wirtschaftliche Unternehmen. Sie verfolgen ein Geschäftsmodell. Das bedeutet, dass bei der Aufnahme in die private Krankenversicherung das Lebensalter oder bisher gestellte Diagnosen eine Rolle spielen und in die Beitragsberechnung einfließen.

Manchen Antragsstellern wird die Aufnahme auch verwehrt. Nachteilig ist außerdem, dass es in der privaten Krankenversicherung für Ehegatten und Kinder keine beitragsfreie Familienversicherung wie bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt.

Von Anfang an Geld für die Beitragssteigerungen beiseitelegen

Die Versicherungsbeiträge steigen im Laufe des Lebens stark an. Privat Krankenversicherte sollten deshalb von Anfang an Geld für die kontinuierlichen Beitragssteigerungen beiseitelegen. Denn ein Wechsel zurück in die gesetzliche Versicherung ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Was du bei Betragserhöhungen der Privaten tun kannst, haben wir im Artikel „Private Krankenversicherung - was tun, wenn sie zu teuer wird?“ zusammengefasst. Der Vorteil der privaten Krankenversicherung ist, dass sie - je nach Tarif (!) – in der Regel mehr leistet als die gesetzlichen Krankenkassen. Chefarztbehandlung, Einzelzimmer, Zahnbehandlung, freiverkäufliche Medikamente – wer privat versichert ist, kann von einer umfassenderen Versorgung profitieren. Es ist allerdings wichtig, vorab zu überlegen, ob du die steigenden Beiträge auch mit zunehmendem Alter bezahlen kannst.

So wechselst du in die private Krankenversicherung

Wer in die private Krankenversicherung wechseln möchte, hat die Wahl. Zwischen hunderten Tarifen bei verschiedenen Anbietern. Sie unterscheiden sich in den Leistungen und im Preis. Wenn du dich für einen Tarif entschieden hast, wirst du von der privaten Versicherung deiner Wahl um jede Menge Informationen zu deinem Gesundheitszustand gebeten. Dabei solltest du auf keinen Fall tricksen. Denn wer bei der Gesundheitsprüfung schummelt, riskiert rechtliche Konsequenzen und den Verlust des Versicherungsschutzes.

Wir empfehlen vor dem Wechsel in die private Krankenkasse eine unabhängige Beratung in Anspruch zu nehmen. Dort bekommst du Unterstützung bei der Wahl der Versicherung, bei der Suche nach dem richtigen Tarif und beim Ausfüllen der Formulare. Wir empfehlen den Wechsel in die private Krankenversicherung aus finanziellen Gründen in der Regel nur für Beamte.