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Ihr fragt - wir antworten: Regionalkennzeichen für Lebensmittel

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Hier antworten unsere Experten auf Eure Fragen. Diesmal geht es um Regionalkennzeichen für Lebensmittel aus Hessen. Unsere Ernährungswissenschaftlerin Wiebke erklärt, was Sache ist.

Teller mit Frankfurter Grüne Soße, Kartoffeln und gekochten Eiern
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„Den Artikel ‚So erkennst Du regionale Lebensmittel‘ fand ich sehr hilfreich.  Jetzt wüsste ich aber gerne, warum es verschiedene Regionalkennzeichnungen in Hessen für Lebensmittel gibt. Worin unterscheiden sich ‘Geprüfte Qualität Hessen‘, ‚Landmarkt‘, ‘Bio-Siegel Hessen‘, ‘Regionalfenster‘? Warum gibt es nicht nur ein Siegel?“


Wiebkes Antwort: Hinter den verschiedenen Regionalzeichen in Hessen stehen unterschiedliche Organisationen. Das Label „Landmarkt“, zum Beispiel, stammt von der Vereinigung der hessischen Direktvermarkter. „Geprüfte Qualität – HESSEN“ wird vom Land Hessen vergeben.

Wiebke Franz, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale Hessen

Ein Siegel ist ein Verkaufsargument oder ein Marketingtool. Da jedes Regionalsiegel in Hessen zu einer anderen Organisation gehört, sind mit jeder Kennzeichnung verschiedene Interessen und Vorgaben verbunden. Zum Beispiel müssen nicht bei allen Regionalkennzeichnungen alle Rohstoffe aus Hessen kommen.

Auch ob die Rohstoffe biologisch oder konventionell hergestellt wurden, ist ein Punkt, in dem sich die Siegel unterschieden. Für einen besseren Überblick haben wir hier einmal alle Siegel in Hessen und ihre Vorgaben aufgelistet.

 

Geprüfte Qualität Hessen

Siegel "Geprüfte Qualität Hessen"

Die Marke „Geprüfte Qualität – HESSEN“ ist das Qualitäts- und Herkunftszeichen des Landes Hessen für Lebensmittel aus konventioneller Erzeugung. Um als „regional“ zu gelten, müssen die Erzeugnisse zum größten Teil aus der genannten Region, zum Beispiel aus Hessen oder dem Odenwald, stammen. Es ist aber möglich, das Siegel zu bekommen, auch wenn nicht alle Bestandteile ihren Ursprung in der Region haben. Zum Beispiel dann, wenn es bestimmte Bestandteile des Lebensmittels in der Region gar nicht gibt. Oder wenn es in erheblichem Maße unwirtschaftlich wäre, die Bestandteile aus der Region zu beziehen.

Monoprodukte wie Fleisch oder Kartoffeln müssen komplett aus der angegebenen Region stammen. Bei verarbeiteten Produkten wie Wurstwaren muss mindestens die Hauptzutat – das Fleisch – aus der angegebenen Region kommen. Weitere Informationen findest du auf der Webseite der  MGH GUTES AUS HESSEN GmbH 

Landmarkt

Siegel "Landmarkt"

Landmarkt ist die Marke der Vereinigung der hessischen Direktvermarkter (VHD). „Direktvermarktung“ bedeutet, dass Erzeugerinnen und Erzeuger das Lebensmittel ohne Zwischenschritt an Verbraucherinnen und Verbraucher verkaufen. Die Idee ist, dass auf diese Weise frischere Produkte auf transparente Weise angeboten werden können. 

Lebensmittel, die das Siegel „Landmarkt“ tragen, kommen von konventionell und ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen in Hessen. Zu kaufen gibt es sie auf Wochenmärkten, in Hofläden und in über 300 REWE-Märkten in Hessen. Falls ein Hof weitere Zutaten für ein Produkt braucht, muss er die Zutaten von anderen hessischen Direktvermarktern hinzukaufen. Sonst gibt es das Landmarkt-Siegel nicht. 

Weitere Informationen bekommst du auf der Seite der Vereinigung der hessischen Direktvermarkter

Bio-Siegel Hessen

Biosiegel Hessen

Ein Produkt mit dem Bio-Siegel Hessen wurde ökologisch erzeugt und nach den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung kontrolliert. Außerdem kommt es aus Hessen. Monoprodukte wie Kartoffeln und Fleisch müssen zu 100 Prozent aus Hessen stammen. Bei zusammengesetzten Produkten müssen die Hauptzutat und auch alle weiteren wertgebenden - also den Charakter des Produkts bestimmenden - Zutaten aus Hessen sein. Produkte bekommen das Bio-Siegel Hessen, wenn insgesamt mindestens 80 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus Hessen stammen. Weitere Informationen findest du auf der Seite MGH Gutes aus Hessen GmbH.


Regionalfenster

Siegel "Regionalfenster"

Das bundesweite Regionalfenster gibt die Region an, aus der die Hauptzutat oder die Hauptzutaten stammen. Außerdem nennt es den Ort, an dem das Lebensmittel verarbeitet oder abgepackt wurde. Die Käufer erfahren, wie hoch der Anteil regionaler Zutaten ist und welches Institut einmal im Jahr kontrolliert, ob die Vorgaben eingehalten werden.

Nachteilig am Regionalfenster ist, dass die angegebene Region zwar kleiner als Deutschland sein muss, sie aber trotzdem sehr groß sein kann. Es ist möglich, dass die Herkunftsregion mehrere Bundesländer umfasst. Außerdem ist der Verkauf nicht auf die Region beschränkt. So kann es vereinzelt vorkommen, dass beispielweise bei einem in Hessen verkauften Lebensmittel mit Regionalfenster die Rohwaren aus Schleswig Holstein stammen und dort verarbeitet wurden. Dadurch fallen Transportkilometer an, die das Klima belasten. Die sollen mit regionalen Lebensmitteln ja eigentlich gerade vermieden werden .
 

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