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Das solltest du über eine Berufsunfähigkeitsversicherung wissen

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Bestimmt hast du dich auch schon mal gefragt: Was ist, wenn ich ernsthaft krank werde? Oder einen Unfall habe? Und dann im schlimmsten Fall längerfristig kein Einkommen mehr habe? Ohne Angst schüren zu wollen – das kann passieren. Helfen kann dir dann eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung.

Vater und Sohn sitzen lachen auf einem Baum, der Vater hält das Kind fest
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Von Katharina, 9.11.2020

Berufsunfähigkeit – auf den genauen Wortlaut kommt es an

Das Wichtigste ist: du solltest von der Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente bekommen, wenn du berufsunfähig bist. Aber „berufsunfähig“ ist nicht gleich „berufsunfähig“. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Definitionen, die im Kleingedruckten des Vertrags stehen. Wichtig ist ebenfalls, dass du die Rente auch dann bekommst, wenn du zwischenzeitlich deinen Beruf gewechselt hast. 

Ein Beispiel: Wenn du die Versicherung abschließt, bist du Verwaltungsangestelle*r. Später sattelst du um und wirst Berufsschullehrer*in. Wenn du dann berufsunfähig wirst, soll deine Tätigkeit als Berufsschullehrer*in der Maßstab sein, denn du willst die Rente auch dann bekommen, wenn du trotz deiner Erkrankung noch als Verwaltungsangestellte*r arbeiten könntest. Das muss aber  in den Versicherungsbedingungen entsprechend formuliert sein. 

Wichtig ist auch, dass die Versicherung von dir nicht verlangt, einen anderen Beruf auszuüben, den du mit deinen Kenntnissen, Fähigkeiten, deiner Erfahrung und Ausbildung noch ausüben könntest. Das nennt sich „abstrakter Verweisverzicht“. Bleiben wir bei dem Beispiel von eben: Wenn du als Berufsschullehrer*in nicht mehr wie in gesunden Tagen vor der Klasse stehen kannst, darf die Versicherung nicht von dir verlangen, dass du dich als Organisator einer Privatschule bewirbst. Es kommt auf den Wortlaut der Klauseln an. Jede Versicherung formuliert anders. 

Rente von Anfang an

Ein Mann sitzt an einem Schreitisch und hat die Hände hinter dem Kopf verschränkt
          Foto: Jason Strull/Unsplash

Wenn du krank wirst, denkst du nicht gleich an die Rente. Du hoffst darauf, gesund zu werden. Viele Menschen haben einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie sich eingestehen, sie könnten berufsunfähig sein. Das kann Jahre dauern. Deshalb ist es wichtig, dass deine Versicherung auch zahlt, wenn du ihr die Krankheit und die Berufsunfähigkeit erst später meldest. Gute Versicherungen zahlen mindestens drei Jahre rückwirkend. Und sie stunden den Versicherungsbeitrag zinslos, während sie prüfen, ob der Anspruch auf die Rente berechtigt ist. 

Gut gerechnet

Die Rente darf nicht zu knapp bemessen sein. Du brauchst sie für deinen normalen Lebensunterhalt: Miete, Essen, Klamotten, Urlaub, Auto, Kino oder Theater. Die Krankenkassenbeiträge musst du auch davon bezahlen, und eventuell weitere Versicherungen wie zum Beispiel die Risikolebensversicherung für deine Familie. Und es sollte auch möglich sein, Rücklagen zu bilden. 

Wichtig ist auch, dass der Vertrag solange läuft, bis du Altersrente bekommen kannst, also bis du 67 bist. Viele Versicherungen bieten Verträge an, die vorher enden - zum Beispiel mit 58.

Und auch bei den Kosten solltest du genau nachrechnen. Einige Versicherungen bieten zu Beginn niedrige Beiträge an, die sich später erhöhen. Rechne genau nach, ob du damit Geld sparst. Rechne dafür alle Beiträge für die gesamte Laufzeit zusammen.

Hier ein Beispiel für einen Tarif mit  gleichbleibenden Beiträgen

80 Euro pro Monat mal 30 Jahre = 28.800 Euro 

Und ein Beispiel für einen Tarif mit steigenden Beiträgen:

50 Euro pro Monat mal fünf Jahre = 3.000 Euro 
90 Euro pro Monat mal 25 weitere Jahre = 27.000 Euro
3.000 Euro + 27.000 Euro = 30.000 Euro.

Für dein Leben passend

Drei Paar Füße (Eltern und Kind) schauen unter einer Bettdecke vor
Foto: Simon Berger/Unsplash

Im Lauf deines Lebens kann viel passieren: Heirat, Kinder, Hauskauf – zum Beispiel. Dafür brauchst du mehr Geld. Ein Karrieresprung kann dir helfen, das Geld dafür zu verdienen. Deine Ansprüche steigen aber auch. Eine kleine Rente, die sich an dem orientiert, was vor diesen Ereignissen war, nützt daher wenig. Du brauchst also Möglichkeiten, die Rentenhöhe anzupassen. Am besten ohne eine erneute Gesundheitsprüfung - denn die kann schwierig werden, wie du weiter unten lesen kannst.

Dafür gibt es unter anderem die sogenannte Nachversicherungsklausel. Viele Versicherungen bieten die an, aber nicht bei allen Schüler-, Auszubildenden- und Studententarifen. 

Bietet deine Firma oder dein Betrieb im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge eine Berufsunfähigkeitsversicherung an? Ist der Vertrag mit erleichterten Gesundheitsprüfungen zustande gekommen? Bei den in Betrieben angebotenen Tarifen ist die Nachversicherung später häufig nur mit einer nochmaligen Gesundheitsprüfung möglich. Schau nach, ob in dem dir vorgelegten Versicherungsvertrag nachträglich die Rente erhöht werden kann - ohne erneute Gesundheitsprüfung. Meistens finden sich solche Klauseln zwar im Vertrag, aber eben nicht für alle Tarife - der kleine Halbsatz „außer bei …. -Tarif“ überliest sich schnell. 

Kein Geld zurück

Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung sicherst du etwas ab, von dem du nicht weißt, ob es passiert. Wirst du nie berufsunfähig, warst du zwar versichert, hast aber nicht davon profitiert. Du bist gesund geblieben. Willst du dann irgendwann einmal die Versicherung kündigen, bekommst du dein Geld nicht zurück. 

Auf deine Gesundheit kommt es an

Wenn du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, will die Versicherung von dir vieles wissen, zum Beispiel wie gesund du bist. Die Fragen zu deiner Gesundheit solltest du sehr sorgfältig beantworten. 

Fragt deine Versicherung nach all deinen Erkrankungen in den letzten fünf Jahren, will sie jede Erkältung wissen. Auch wenn Du nicht beim Arzt warst oder sogar gearbeitet hast. Auch die Krankheiten, für die Du nicht zum Arzt, sondern zum Heilpraktiker oder Masseur gegangen bist. 

Fragt sie nach den ärztlich behandelten Erkrankungen der letzten zehn Jahre, musst du mit Hilfe all deiner Ärzte und eventuell mit Unterlagen von deiner Krankenkasse und der kassenärztlichen Vereinigung diese Frage sorgfältig beantworten. 

Deine Antworten überprüft deine Versicherung spätestens dann, wenn du Leistungen von ihr forderst. Kann die Versicherung beweisen, dass du grob fahrlässig unvollständige oder fehlerhafte Angaben gemacht hast oder Dinge, nach denen die Versicherung fragen durfte, verschwiegen hast, kann es sein, dass du keine Rente bekommst. Die gezahlten Prämien bekommst du nicht zurück. Gegen Nachforschungen der Versicherung kannst du dich erst wehren, wenn der Vertrag zehn Jahre bestanden hat. 

Einzelverträge sind meistens besser als Kombi-Produkte

Bietet dir deine Versicherung zur Berufsunfähigkeitsversicherung auch noch eine Rentenversicherung an, lass besser die Finger davon! Es klingt zwar verlockend, zwei unterschiedliche Dinge mit einem Beitrag abzudecken. Aber meist sind die Bedingungen bei diesen Kombi-Produkten schlechter als bei Einzelverträgen. Und wenn du den Gesamtbeitrag für das Kombi-Produkt mal nicht stemmen kannst, kannst du nicht einfach den Teil deiner Wahl beitragsfrei stellen, weil alles miteinander zusammenhängt. 

Um eine richtig gute Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden, die zu dir passt, kann es hilfreich sein, wenn du dich beraten lässt. Die Berater*innen der Verbraucherzentrale Hessen können dir erklären, welcher Tarif gut und welcher weniger gut ist.  

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