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Die wichtigsten Bio-Siegel auf einen Blick

Stand:

Bio, Öko und Co. – erfahre jetzt, wofür die unterschiedlichen Bio-Siegel stehen und welche Ziele sie haben.

Frau beim Einkauf betrachtet Lebensmittelverpackungen Bio-Siegel
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Von Cosima und Wiebke, 13.8.2020

Bio liegt im Trend

Dir sind Lebensmittel wichtig und du kaufst gerne bio? Dann liegst du voll im Trend. Nicht nur in Deutschland, sondern auch europa- und weltweit steigt der Marktanteil von Bio-Lebensmitteln konstant an. 2010 machten ökologisch produzierte Lebensmittel 3,74 Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. 2019 waren es 5,68 Prozent. Der ökologische Landbau vereint mittlerweile zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland auf sich. 1

Beim Einkaufen erkennst du biologisch produzierte Lebensmittel an einer speziellen Markierung, so genannten Bio-Siegeln. Aber was genau heißt eigentlich bio? Und warum gibt es verschiedene Siegel? Erfahre jetzt, worauf du im Supermarkt achten musst.

Anbauverband oder EU-Öko-Norm?

Um die Bio-Siegel-Vielfalt besser zu verstehen, hilft es, einmal die Perspektive zu wechseln. Stell dir vor, du bist Landwirt und möchtest deinen Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Dann hast du mehrere Möglichkeiten. Du kannst den gesetzlichen Mindeststandard einhalten. Dann erfüllst du mit deiner Produktion die EU-Öko-Verordnung. Das wird dir von einer unabhängigen Kontrollstelle jährlich bescheinigt und deine Produkte dürfen das EU-Bio-Siegel tragen. Die EU-Öko-Verordnung gibt es seit 1993.

Oder du gehst noch einen Schritt weiter und schließt dich einem unabhängigen Anbauverband wie Naturland, Demeter oder Bioland an. Diese Verbände sind meist deutlich älter als die Verordnung und haben in der Regel auch strengere Vorschriften. Sie gehen über den gesetzlichen Mindeststandard hinaus und kontrollieren deinen Betrieb auf die Einhaltung der verbandseigenen Richtlinien.

Die wichtigsten Siegel im Überblick

EU-BiosiegelEU-Bio-Siegel

Das europaweit einheitliche EU-Bio-Logo erleichtert es, „echte“ Bio-Produkte auf den ersten Blick zu erkennen, denn das Zeichen muss seit 2010 auf jedem verpackten Bio-Lebensmittel stehen.

Unterhalb des EU-Bio-Logos ist die Codenummer der zuständigen Kontrollstelle zu finden. Diese beginnt mit dem Kürzel des Mitgliedsstaates. Daran schließt sich das Wort "bio" oder "öko" in der jeweiligen Landessprache sowie die Referenznummer der Kontrollstelle an. Beispiel für Deutschland: DE-ÖKO-001.

Außerdem muss die Herkunft des Produktes mit der Kennzeichnung "EU-Landwirtschaft", "Nicht-EU-Landwirtschaft" oder "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" angegeben werden. Alternativ kann der Hersteller auch das Herkunftsland nennen.

Produkte mit dem EU-Bio-Siegel müssen unter anderem folgende Kriterien einhalten:

  • Keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemittel
  • Eine bestimmte Zahl an Tieren pro Quadratmeter
  • Artgerechte Haltung mit Auslaufmöglichkeiten
  • Futter aus biologischem Anbau
  • Antibiotika-Einsatz nur zu medizinischen Zwecken
  • Keine Gentechnik
  • Mindestens 95 Prozent der Lebensmittelzutaten aus ökologischer Herkunft
  • Bei verarbeiteten Lebensmitteln nur bestimmte Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe

Einigen Umwelt- und Tierschutzverbänden geht die EU-Okö-Verordnung nicht weit genug. In der Kritik steht vor allem der Tierschutz. So sind zum Beispiel im Rahmen des EU-Ökosiegels Tiertransporte bis zu 24 Stunden oder die Enthornung von Rindern prinzipiell möglich.

Ein weiterer Kritikpunkt: Laut EU-Öko-Verordnung ist es einem Betrieb möglich, nur einen Teil seiner Produkte ökologisch herzustellen, während der restliche Betrieb weiterhin konventionelle Landwirtschaft betreibt. Dabei ist es möglich, dass auf einem Hof gentechnisch verändertes Saatgut und Saatgut ohne Gentechnik zum Einsatz kommen.

In herkömmlichen Supermärkten und Discountern wird Gemüse und Obst, das das EU-Bio-Siegel trägt, häufig in Plastikverpackungen angeboten. So soll unter anderem die Verwechslungsgefahr mit konventionellen Produkten reduziert werden. Wie du möglichst plastikfrei einkaufst, erfährst du im Artikel Mach dich frei! So vermeidest du Plastik im Alltag.

Deutsches Bio-SiegelDeutsches Biosiegel

Das Deutsche Bio-Siegel ist als freiwilliges Zeichen auf Bio-Produkten weit verbreitet. Es kann neben dem EU-Bio-Siegel verwendet werden, hat aber genau dieselbe Aussage: Es garantiert, dass Produkte die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung einhalten.

Logos der Anbauverbände

Ein Anbauverband (nicht zu verwechseln mit dem Bauernverband) ist ein Zusammenschluss von ökologisch arbeitenden Betrieben und Verarbeitern. Die Mitglieder verpflichten sich, die gemeinsamen Richtlinien einzuhalten und dürfen dafür das verbandseigene Logo zur Vermarktung ihrer Produkte nutzen.
Bioland-Siegel

Rund 8000 Bio-Landwirte, Imker und Winzer in Südtirol und Deutschland und 1100 Hersteller, Händler und Gastronomen sind Mitglieder des Bioland-Verbands. Der Verband wurde 1971 gegründet. Wer nach den Bioland-Prinzipien arbeitet, wirtschaftet unter anderem nach einem Kreislaufprinzip. Das bedeutet, dass der Natur das zurückgegeben werden soll, was ihr bei der Produktion genommen wurde. Die Anzahl der erlaubten Tiere auf einem Biolandhof richtet sich zum Beispiel nach den hofeigenen Anbaufeldern und Weideflächen. Ein Großteil des Futters muss selbst hergestellt werden. So soll unter anderem die Überdüngung von Feldern vermieden werden. Artenvielfalt, Ressourcenschonung und artgerechte Tierhaltung sind wichtige Grundpfeiler der Bioland-Philosophie.

Naturland ist nach Bioland der zweitgrößte Anbauverband in Deutschland, es gibt ihn seit 1982. Auch die Naturland-Richtlinen gehen weit über die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung hinaus. So ist – wie bei den anderen Naturland-SiegelAnbauverbänden auch – die Teilumstellung des Betriebs nicht möglich. Das bedeutet: Der ganze Betrieb muss ökologisch wirtschaften, um mit dem Verbandssiegel werben zu dürfen.

Auch beim Thema Tierhaltung und Tierschutz gelten bei Naturland strengere Regeln. Während ein Betrieb nach EU-Bio-Verordnung zum Beispiel 230 Hennen oder 580 Masthähnchen pro Hektar Nutzfläche halten darf, liegt die Obergrenze für einen Naturlandhof bei 140 Hennen oder 280 Masthähnchen. Milchvieh und Mutterkühe müssen – anders als beim EU-Öko-Siegel – während der Vegetationsperiode auf die Weide kommen. Einen kompletten Überblick über den Vergleich der Naturland-Richtlinien und der EU-Bio-Verordnung findest du bei Naturland. Als erster Verband hat Naturland auch Richtlinien für Aquakulturen und Fischzucht erlassen.

Der Demeter-Verband ist der älteste Anbauverband in Deutschland, er wurde 1924 gegründet. Die Demeter-Richtlinien gehen deutlich über die EU-Öko-Verordnung hinaus, sie gelten als die strengsten Bio-Vorgaben. So ist zum Beispiel die Enthornung von Kühen grundsätzlich nicht gestattet. Siegel des Bio-Anbauverbands DemeterAußerdem erlaubt Demeter die geringste Anzahl an Zusatzstoffen in verarbeiteten Produkten im Vergleich zu allen anderen Bio-Siegeln.

Der Demeter-Verband geht auf den Anthroposophen Rudolph Steiner zurück, der auch das Konzept der Waldorfschule ins Leben rief. Demeter Landwirte begreifen ihren Hof als geschlossenen Kreislauf und legen großen Wert auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Auch deshalb werden Demeter-Höfe zur Tierhaltung verpflichtet, um so die eigene Herstellung von Düngemitteln zu garantieren. Kritiker bemängeln, dass einige der strengen Demeter-Richtlinien eher Soll-Vorschriften sind.

Biopark wurde 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet und hat mittlerweile bundesweit mehrere hundert Biopark-SiegelMitglieder (rund 700). Genau wie bei den anderen Verbänden sind auch bei Biopark Gentechnik, synthetische Stickstoffdünger oder Chemie tabu. Einige der Biopark-Landwirtinnen und -Landwirte wirtschaften in Naturschutzgebieten. Flächenmäßig betrachtet ist Biopark der zweitgrößte Verband in Deutschland. Neben Tier- und Naturschutz ist es das Ziel von Biopark, strukturschwache Regionen durch die Schaffung von Arbeitsplätzen zu stärken.

Siegel des Bio-Anbauverbands Gäe e. V.Gäa e.V. wurde 1989 gegründet und hat zum Ziel den biologischen Landbau in den neuen Bundesländern zu verbessern und zu fördern. In Deutschland gehören rund 400 Höfe und Erzeuger dem Verband an, die meisten davon liegen in Ostdeutschland.

Siegel des Bio-Anbauverbands Biokreis

Biokreis wurde 1979 als gemeinnütziger Verein gegründet. Der Verband hat heute ca. 1300 Mitglieder. Ökologischer Landbau, Tierwohl und handwerkliche Lebensmittelverarbeitung sind wichtige Aspekte der Biokreis-Richtlinien.

 

Siegel des Bio-Anbauverbands EcovinEcovin wurde 1985 von mehreren Winzern gegründet und ist heute das Bio-Label für ökologisch produzierten Wein.

Gut zu wissen

Neben den Bio-Siegeln der Anbauverbände haben viele Supermärkte eigene Bio-Label für die Lebensmittel ihrer Eigenmarken eingeführt. Diese Produkte müssen die Kriterien der EU-Öko-Verordnung erfüllen. Tragen sie zusätzlich das Bio-Siegel eines Anbauverbands, halten sie außerdem die verbandseigenen Vorgaben zur Erzeugung und Verarbeitung ein.

Übrigens: „Fair gehandelt“ und „regional“ bedeuten nicht gleich automatisch bio. Nicht jedes fair gehandelte Produkt erfüllt Kriterien des ökologischen Landbaus. Und ein Lebensmittel aus deiner Region kann aus konventioneller Landwirtschaft stammen. Worauf du beim Kauf von Produkten aus deiner Gegend achten kannst, erfährst du im Artikel So erkennst du regionale Lebensmittel.