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Recovery Scam: So zocken Betrüger ihre Opfer ein zweites Mal ab

Pressemitteilung vom
Verbraucherzentrale Hessen klärt über perfide Betrugsmasche auf
Ein Mann sitzt genervt vor seinem Laptop und schaut zur Seite

Wer durch Onlinebetrug oder Investmentfallen Geld verloren hat, sucht oft verzweifelt nach Wegen, um sein Geld zurückzuholen. Das nutzen Kriminelle aus: Mit falschen Versprechungen, professionell gestalteten Webseiten und gezielt eingesetzten Informationen über bereits Geschädigte locken sie ihre Opfer in die nächste Falle. Die angeblichen Anwälte und Dienstleister treten als Experten für die Rückholung verlorener Gelder auf. Tatsächlich wollen sie die Betroffenen erneut finanziell auszunutzen. 

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„Diese Betrugsmasche, auch als Recovery Scam bekannt, zeigt: Betrüger handeln nicht zufällig, sondern gezielt und häufig mit Daten, die sie bereits über ihre Opfer besitzen“, sagt Olesja Jäger, Referentin Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Hessen. 

Manuel T. aus Florstadt, der zuvor Opfer eines Krypto-Investmentbetrugs geworden war, fand im Internet die „Deutschebetrugshilfe Andreas Vogel & Thomas Bergmann GbR“. Mit einem angeblichen Firmensitz im Frankfurter Messeturm erweckte die Firma den Eindruck eines seriösen Dienstleisters für die Rückholung verlorener Krypto- und Anlagegelder. Nach dem Erstkontakt erhielt Herr T. Vertragsunterlagen per E-Mail – mit einer vermeintlichen „Garantieerklärung“ auf Rückerstattung. Eine gefakte Kopie des Personalausweises eines angeblichen Experten sollte zusätzlich Vertrauen schaffen.

Betrüger täuschen Seriosität vor und nutzen Geschädigte nochmal aus

„Wer einmal Opfer wurde, ist besonders anfällig, weil die Hoffnung auf Rückerstattung alle Warnsignale überschattet“, erklärt Jäger. „Die Betrüger wissen das. Sie brauchen keine technische Raffinesse, nur das Gespür für die menschliche Schwäche. Genau dort setzen sie an: mit seriösem Auftreten, persönlichen Details aus dem ersten Betrugsvorgang und dem Versprechen ‘Wir holen Ihr Geld zurück‘.“

Die Betrüger geben sich viel Mühe, einen seriösen Eindruck zu erwecken, mit 

  • einem behördenähnlichen Logo in Schwarzrotgold,
  • Hinweisen auf angebliche Gastauftritte bei „führenden Sendern“, wie z.B. beim ZDF Morgenmagazin zum Thema Betrugsprävention, zu denen jedoch im Netz weder di-rekte Links noch Hintergrundinformationen auffindbar sind.
  • gefälschten Kundenbewertungen, die „fundierte Rückmeldungen statt leere Versprechungen“ preisen und gefälschten Erfolgsgeschichten von angeblich „erfolgreichen Geldrückholungen“,
  • Slogans wie „keine versteckten Kosten“, „vertrauliche Prüfung“ oder „rechtssichere Abwicklung“,
  • einem Impressum, das einen Firmensitz in der Frankfurter Friedrich-Ebert-Anlage 49 (Messeturm) angibt. Doch das Unternehmen existiert nicht unter dieser Adresse. 

Gezielte Ansprache der Opfer soll Vertrauen erwecken

Die Täter nutzen unterschiedliche Kanäle, um an ihre Opfer zu gelangen. Zum einen nutzen Sie Online-Werbung und hoffen darauf, dass die bereits Geschädigten den Kontakt aufnehmen. Zum anderen besitzen sie bereits Daten der Geschädigten. Damit können sie ihre Opfer kontaktieren und mit falschen Rückerstattungsversprechen in die Falle locken. Typischerweise behaupten sie, das Geld sei gefunden oder sichergestellt worden. Gegen eine Vorabzahlung für Steuern, Gebühren oder Bearbeitungskosten könne es an die Geschädigten ausgezahlt werden. Doch nach der Zahlung verschwinden das versprochene Geld und die Betrüger spurlos. 

So schützen Sie sich vor Recovery-Scammern

  • Prüfen Sie genau, ob die im Impressum genannte Identität echt ist. Betrüger missbrauchen oft die Namen und Büroadressen existierender Firmen oder verändern sie leicht. Bei Zweifeln recherchieren Sie die Kontaktdaten des echten Unternehmens und fragen dort nach, ob das Angebot echt ist. Deutsche Unter-nehmen können Sie über das Registerportal der Länder prüfen. Bei scheinbaren Angeboten von Anwälten, prüfen Sie ob sie tatsächlich zugelassen sind: Prüfen Sie die Zulassung im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis (BRAV).
  • Wenn unaufgefordert Hilfe angeboten wird, das angeblich verlorene Geld zu-rück zu holen, geben Sie nicht ihre privaten Daten preis und brechen den Kontakt ab.
  • Befindet sich die Geschäftsadresse im Ausland, sollten Sie besonders aufmerksam sein. Geben Sie die Unternehmensseite in Suchmaschinen und Online-Kartendienste ein. Findet sich unter der angegebenen Adresse keine Firma oder viele weitere Firmen, ist dies ein Alarmsignal. Vorsicht vor möglicherweise gekauften positiven Bewertungen im Internet!
  • Lassen Sie sich von vertrauenswürdig wirkenden Webauftritten mit vermeintlichen Auszeichnungen und Siegeln nicht in die Irre führen. Betrüger garnieren ihr Repertoire gerne mit generativer KI.
  • Eine erst kürzlich registrierte Website ist ein starkes Indiz für Betrug. Seriöse Unternehmen haben in der Regel langjährige Domains. Nutzen Sie Tools wie ionos.de oder bei einer de.-Domain eine Abfrage bei der Denic, um das Registrierungsdatum der Domain zu überprüfen.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
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