Spenden Sie für unsere Sammelklage gegen gas.de!

Iran-Krieg: Heizölbestellung auch in Krisenzeiten rechtlich bindend

Pressemitteilung vom
Verbraucherzentrale Hessen erklärt, was bei einseitigem Lieferstorno durch den Händler gilt
Ein Heizöltank wird über einen Einfüllstutzen befüllt

Der Iran-Krieg sorgt derzeit für Nervosität an den Energiemärkten. Rohölpreise sind in kurzer Zeit deutlich gestiegen – mit direkten Folgen für Heizöl und Kraftstoffe. Der Ölpreis stieg am Montag auf den höchsten Stand seit September 2022. Verbraucher, die mit Öl heizen, sind verunsichert. Einige, die ihr Heizöl bereits vor der Eskalation im Nahen Osten bestellt haben, erleben in diesen Tagen eine böse Überraschung: Plötzlich weigert sich der Händler, die bestellte Menge zum vereinbarten Preis zu liefern und storniert den Liefervertrag. Die Verbraucherzentrale Hessen klärt auf, was Verbraucher jetzt in puncto Heizöl wissen müssen und warum Händler auch in Krisenzeiten den Vertrag nicht so ohne weiteres stornieren dürfen. 

Off

Frank S. aus Maintal bestellte am 24. Februar 2026 online 2.000 Liter Heizöl. Je 100 Liter sollten 96 Euro kosten. Die Bestätigung der Bestellung kam prompt – ebenso die Zusage eines Liefertermins. Am 3. März 2026 stornierte der Händler dann plötzlich per Mail den Vertrag. Im Betreff stand “Stornierung wg. Preisfehler“. In der Mail argumentierte der Händler, dass wegen der aktuellen Preisexplosion die Geschäftsgrundlage für den geschlossenen Vertrag weggefallen sei. Eine einseitige Stornierung sei daher ohne weiteres möglich. Eine Lieferung zu geänderten Preisen bot er erst gar nicht an.

Vertrag ist Vertrag

Eine Stornierung einer Heizöllieferung wegen einer Preiserhöhung mit dem Argument des Wegfalls der Geschäftsgrundlage (§ 313 BGB) ist jedoch nur in ganz eng begrenzten Ausnahmefällen möglich. „Grundsätzlich trägt der Verkäufer das Risiko von Kostensteigerungen, insbesondere wenn ein Festpreis vereinbart wurde. Dies gilt auch für Heizöl, da der Verkäufer auch das Beschaffungs- und Kalkulationsrisiko trägt“, so Peter Lassek, Leiter der Fachgruppe Recht bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Eine Stornierung des Vertrages ist daher nur zulässig, wenn die Voraussetzungen des § 313 BGB im Einzelfall tatsächlich vorliegen, insbesondere eine grundlegende, unvorhersehbare Störung der Geschäftsgrundlage und die Unzumutbarkeit des Festhaltens am Vertrag. In der Praxis wird dies bei Preiserhöhungen für Heizöl regelmäßig zu verneinen sein“, so Lassek weiter.

Händler droht Schadensersatz, wenn er den Vertrag nicht erfüllt

Wer wie Herr S. eine verbindliche Auftragsbestätigung und einen Liefertermin erhalten hat, sollte zunächst darauf bestehen, dass der Händler den Vertrag erfüllt – also die bestellte Menge Heizöl zum vereinbarten Preis und zum angekündigten Termin liefert. Liefert der Händler trotz nochmaliger Fristsetzung nicht oder lehnt er eine Lieferung zum vereinbarten Preis unmissverständlich ab, bleibt vielen keine andere Wahl, als Heizöl an anderer Stelle zu einem höheren Preis zu kaufen. In einem solchen Fall können die Betroffenen unter Umständen die entstandene Mehrkosten als Schadensersatz geltend machen. Die Heizölpreise beliefen sich zuletzt auf rund 145 Euro pro 100 Liter.

Dynamische Preisentwicklung erlaubt keine Prognose

Die Heizsaison neigt sich dem Ende zu. Dennoch fragen sich viele Verbraucher, ob sie jetzt Heizöl kaufen oder lieber abwarten sollten. „Eine zuverlässige Prognose wird derzeit niemand stellen können. Die Preisentwicklungen sind sehr dynamisch“, sagt Peter Lassek. „Angesichts des aktuellen Preisniveaus und der volatilen Lage raten wir dazu, nur so viel Heizöl zu ordern, wie derzeit benötigt wird und die weitere Entwicklung im Blick zu haben“, ergänzt Lassek. Die Preise könnten erst einmal noch weiter steigen. Ein Blick auf die historischen Verläufe zeigt, dass 2022 der Spitzenwert erst rund zwei Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erreicht wurde. Danach sanken die Preise auch schnell wieder. 

Wer in der jetzigen Situation unbedingt kaufen muss, sollte in jedem Fall Preisvergleichsportale nutzen, statt einfach beim gewohnten Händler zu bestellen.
Doch Vorsicht: Gerade in angespannten Marktsituationen tauchen immer wieder Betrüger mit besonders günstigen, weit unter den Marktpreisen liegenden Heizöl-Angeboten auf. Die Fakeshops wirken auf den ersten Blick seriös, doch nach der Zahlung bleibt die Öl-Lieferung meist aus. Um vorzubeugen und verdächtige Shops im Vorhinein herauszufiltern, empfiehlt sich die Nutzung des Fakeshop-Finders der Verbraucherzentralen.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.