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Reha: Wie Sie eine medizinische Rehabilitation beantragen

Stand:
  • Einen Reha-Antrag müssen Sie als Patient selbst stellen. Konzentrieren Sie sich dabei auf eine bestimmte Diagnose.  So hat Ihr Antrag bessere Chancen auf Genehmigung.
  • Erst wenn ambulante Therapiemöglichkeiten ausgereizt sind, hat ein Reha-Antrag Aussicht auf Erfolg
  • Gegen einen abgelehnten Reha-Antrag können Sie Widerspruch einlegen oder notfalls Klage dagegen erheben.
Eine Frau liegt auf einer Liege bei der Physiotherapie
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Eine medizinische Rehabilitation soll helfen, eine Erkrankung oder die Folgen einer Operation zu bewältigen. Sie soll die körperlichen und geistigen Fähigkeiten eines Patienten soweit wie möglich wiederherstellen und dazu beitragen, eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden. 

Eine Reha kann aber auch als Vorsorgeleistung notwendig sein: Zum Beispiel als Eltern-Kind-Kur oder bei älteren Patienten, um deren Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Das sind die Voraussetzungen für eine Reha

Wenn Sie eine Reha beantragen wollen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Rehabilitationsbedürftigkeit: Sie sind aufgrund körperlicher, geistiger oder seelischer Schädigungen in so genannten „alltagsrelevanten Aktivitäten“ beeinträchtigt – und zwar nicht nur vorübergehend.
  • Rehabilitationsfähigkeit: Sie sind belastbar und motiviert für die medizinische Rehabilitation.
  • Rehabilitationsziel: Die alltagsrelevanten Beeinträchtigungen sollen beseitigt, vermindert oder vermieden werden. Ziel kann sein, Ihren körperlichen und geistigen Ausgangszustand möglichst wiederherzustellen. Falls das nicht möglich ist, soll die Reha Ihnen ermöglichen, Ersatzstrategien für den Alltag zu erlernen.

Ambulante Therapien vor Ort gehen vor. Erst wenn diese ausgeschöpft sind oder wenn es Ihnen aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, solche Therapien wahrzunehmen, ist eine Reha begründbar. Sie sollten dies unbedingt in den Antrag schreiben.

Wer die Reha bezahlt und wie Sie Ihren Kostenträger herausfinden

Grundsätzlich haben alle Versicherten gesetzlicher Krankenkassen, also auch Rentner, mitversicherte Ehepartner, Kinder und Jugendliche Anspruch auf medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen.

Abhängig von der beruflichen Situation und der Ursache der Erkrankung, zahlen entweder die Renten-, die Unfall- oder die Pflegeversicherung die Kosten der Reha. Aber auch die Alterssicherung der Landwirte, die Träger der Kriegsopferversorgung, das Jugendamt oder der Sozialhilfeträger können in Betracht kommen. Diese übernehmen in der Regel die Behandlungs- und Unterbringungskosten der Reha, aber auch die Kosten für die An- und Abreise und den Gepäcktransport.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur, wenn kein anderer Rehabilitationsträger zuständig ist.

Wenn Sie nicht wissen, wer für Sie zuständig ist, können sie sich bei einer örtlichen Gemeinsamen Servicestelle für Rehabilitation erkundigen. Außerdem muss jeder Rehabilitationsträger beim Eingang eines Antrags prüfen, ob er zuständig ist. Ist das nicht der Fall, muss er den Antrag innerhalb von 14 Tagen an den zuständigen Leistungsträger weiterleiten.

So stellen Sie einen Antrag auf Reha

Den Antrag müssen Sie als Patient selbst stellen. Antragsformulare gibt es zum Beispiel bei den Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation, bei den Beratungsstellen der Rentenversicherungsträger, den Krankenkassen und Versicherungsämtern.
Sie können auch einen formlosen Antrag stellen. Dann erhalten Sie vom Rehabilitationsträger die entsprechenden Formulare, die Sie ausfüllen und zurückschicken müssen.

Wenn eine Reha unmittelbar nach einer Behandlung im Krankenhaus notwendig ist (Anschlussheilbehandlung), hilft in der Regel der Sozialdienst der Klinik bei der Antragsstellung. Sprechen Sie in diesem Fall die behandelnden Ärzte im Krankenhaus direkt darauf an und fragen Sie nach der Möglichkeit einer Reha als Anschlussheilbehandlung.

Ansonsten sind Hausarzt, Facharzt oder Betriebsarzt die ersten Ansprechpartner. Sie können abklären, ob die Voraussetzungen für eine Reha vorliegen, und ob die Reha ambulant (also in einer Reha-Klinik in der Nähe Ihres Wohnorts, wobei Sie zu Hause wohnen) oder stationär (mit Unterbringung in einer Reha-Klinik) sinnvoll ist.

Den Befundbericht des Arztes müssen Sie dem Reha-Antrag beifügen. Je besser und ausführlicher die medizinische Notwendigkeit begründet und dokumentiert ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Reha genehmigt wird. Aus dem Antrag sollte deutlich werden, inwieweit sich die medizinischen Befunde auf Ihre alltäglichen Aktivitäten auswirken. Unterstützen Sie Ihren Arzt, indem Sie die notwendigen Angaben machen und Ihre Einschränkungen im Alltag beschreiben.

Legen Sie den Schwerpunkt auf eine bestimmte Diagnose und deren Reha-Ziel. Wenn Sie viele Erkrankungen angeben, kann das Ziel der Rehabilitation unklar sein – und sie wird möglicherweise deswegen abgelehnt!

Der Reha-Antrag hat eine viel größere Chancen, wenn Sie den Selbstauskunftsbogen sorgfältig ausfüllen. Legen Sie ausführlich dar, warum die Reha aus Ihrer Sicht notwendig ist, welche Erwartungen Sie daran haben und dass Sie motiviert sind, Ihren Anteil zum Gelingen der Reha beizutragen.

Besonderheit: Reha für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige sind häufig besonders belastet. Wegen der familiären Situation haben sie aber oft keine Möglichkeit, ambulante Rehabilitationsleistungen in Anspruch zu nehmen. Aufgrund eines neuen Gesetzes (Pflegepersonal-Stärkungsgesetz) können seit Januar 2019 pflegende Angehörige eine stationäre Reha in Anspruch nehmen, auch wenn rein medizinisch betrachtet eine ambulante Reha ausreichen würde.

Die pflegebedürftige Person kann in der Reha-Einrichtung betreut werden. Wenn sich das nicht realisieren lässt, muss die Krankenkasse mit der Pflegekasse die Versorgung des Pflegebedürftigen während des Reha-Aufenthaltes absprechen und koordinieren.

Bei erwerbstätigen pflegenden Angehörigen ist die gesetzliche Rentenversicherung weiterhin der Träger der Rehaleistungen.

Freie Auswahl der Reha-Klinik: Unter bestimmten Bedingungen

Sie können Wünsche und Anforderungen an die Reha formulieren: zum Beispiel zum Ort und dem Beginn der Reha. Im Sozialgesetzbuch IX ist gesetzlich verankert, dass die persönliche Lebenssituation, das Alter, das Geschlecht, die Familie, die religiösen und weltanschaulichen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt werden sollen.

Einzige Einschränkung: Die gewählte Einrichtung muss geeignet sein, Ihre Erkrankung zu behandeln, und sie muss mit dem Rehabilitationsträger einen Versorgungsvertrag geschlossen haben. Ist das nicht der Fall und die von Ihnen gewählte Einrichtung ist teurer als eine vergleichbare Ihres Reha-Trägers, müssen Sie die Mehrkosten selbst zahlen.

So viel müssen Sie selbst zur Reha zuzahlen

Wenn Sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert und über 18 Jahre sind, müssen Sie bei ambulanten und stationären Reha-Maßnahmen ohne zeitliche Begrenzung 10 Euro pro Tag zuzahlen. Bei einer Anschlussheilbehandlung (direkt im Anschluss an einen Klinikaufenthalt) sowie bei einigen Krankheitsbildern, deren Behandlung länger dauert als die üblichen drei Reha-Wochen, ist die Zuzahlung auf 28 Tage innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt.

Die Belastungsgrenze für alle Zuzahlungen (also auch Medikamente, Heilmittel wie Krankengymnastik, etc.) beträgt bei gesetzlich Versicherten pro Kalenderjahr zwei Prozent der Brutto-Einnahmen zum Lebensunterhalt, bei chronisch Kranken ein Prozent. Wenn Ihnen höhere Kosten entstehen, stellen Sie einen Antrag auf Befreiung!

Zahlt die Deutsche Rentenversicherung die Reha, dann müssen Sie bei ambulanten Reha-Leistungen nichts zuzahlen. Bei stationären Leistungen richtet sich die Höhe der Zuzahlungen nach Ihrem Einkommen (0 bis 10 Euro pro Tag). Sie ist auf 42 Tage pro Kalenderjahr begrenzt.

Reha abgelehnt? So können Sie widersprechen!

Lehnt die Rentenversicherung oder ein anderer Kostenträger die Reha ab, kann ein schriftlicher Widerspruch helfen. Maximal einen Monat nachdem Sie die Ablehnung bekommen haben, muss der Widerspruch beim Kostenträger eingehen. Prüfen Sie den Ablehnungsgrund und reichen Sie gut begründete Stellungnahmen behandelnder Ärzte ein.

Will der Kostenträger die Reha danach noch immer nicht genehmigen, können Sie innerhalb eines Monats nach Zugang des Ablehnungsbescheides Klage vor dem Sozialgericht erheben. Das Verfahren ist für Verbraucher kostenfrei, aber es dauert in der Regel lange. Deshalb kann es unter Umständen besser sein, die Ablehnung zu akzeptieren und einige Zeit später einen neuen, besser begründeten Antrag zu stellen.

Diese Verbraucherinformation wurde im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für das Verbraucherportal der Hessischen Landesregierung www.verbraucherfenster.de erstellt.