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Entscheidung für den Nutri-Score: Nährwertkennzeichnung kommt 2020

Stand:

Wie ist die Zusammensetzung eines Fertiggerichts zu bewerten? Damit das auf den ersten Blick klar ist, braucht es ein einfaches, leicht verständliches Nährwert-Logo auf der Vorderseite der Verpackung. Der Bundesrat hat der Verordnung zur Einführung des Nutri-Scores zugestimmt, der weitere Weg für das Nährwertkennzeichen ist damit geebnet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Angaben zum Energiegehalt und zu Nährwerten wie Fett, Zucker, Salz und Co. müssen schon auf den Verpackungen von Lebensmitteln stehen – und das EU-weit einheitlich.
  • Eine Lösung mit Ampelfarben gab es in Deutschland aber bisher nicht: Ob ein Produkt insgesamt eine günstige Zusammensetzung aufweist, ist darum nicht auf einen Blick zu erkennen. Unser Nachbarland Frankreich hat 2017 den sogenannten Nutri-Score eingeführt. Auch Belgien, Spanien, Portugal, die Schweiz und Luxemburg nutzen das Label. 
  • Dem Beispiel will Deutschland im Jahr 2020 folgen: Im November soll die Verordnung zum Nutri-Score in Kraft treten, sodass die freiwillige Kennzeichnung deutschlandweit erfolgen kann.
Ein Mann kauft im Supermarkt ein und studiert eine Verpackung
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Nutri-Score gibt Orientierung auf einen Blick

Sie wollen auf einen Blick erkennen, welche Tiefkühlpizza oder welches Frühstücksmüsli die besseren und ausgewogenere Zusammensetzung mitbringt? Sie studieren die Nährwert-Tabellen hinten auf der Verpackung und kommen nicht weiter? Kein Wunder: Denn auch wenn Sie wissen, welche Menge Fett, Zucker und Salz in einem Produkt stecken, sagt das noch nichts darüber, ob das nun viel oder wenig ist. Die Pflichtangaben sind beim Einkauf keine schnelle Hilfe. Darum fordern Verbraucherverbände und viele andere auch in Deutschland eine einfache, flächendeckende und bestenfalls verpflichtende Kennzeichnung.

Umfrage: Mehrheit der Verbraucher präferiert Nutri-Score

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 1600 Teilnehmern im Sommer 2019 veröffentlicht: Bei den Verbrauchern hat der Nutri-Score dabei deutlich als bestes von vier Modellen abgeschnitten. Im Rahmen der Verbraucherbefragung im Auftrag des BMEL haben 90 Prozent der Befragten den Nutri-Score als "schnell und intuitiv verständlich" bezeichnet. 85 Prozent finden, dass er "gut beim Vergleich verschiedener Produkte" hilft. Bundesministerin Julia Klöckner hat sich daraufhin ebenfalls auf das Modell festgelegt.

Bundesrat ebnet Weg für Nutri-Score

Nun hat der Bundesrat der entsprechenden Verordnung zugestimmt. Sie soll im November 2020 in Kraft treten. Damit wird endlich die rechtliche Grundlage geschaffen, um den Nutri-Score als Nährwertkennzeichnungsmodell in Deutschland freiwillig zu verwenden.

Mit einem Ampelsystem - wie dem Nutri-Score - lassen sich unausgewogene Lebensmittel ganz einfach erkennen. Eine farbige Nährwertkennzeichnung kann helfen, eine bessere Ernährung umzusetzen und Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Darum ist das Modell Nutri-Score auch unser Favorit und sollte spätestens nach Inkrafttreten der Verordnung umfangreich und flächendeckend von Herstellern und Händlern genutzt werden.

Das Modell auf Lebensmittelverpackungen erleichtert auf einen Blick die Beurteilung der Produktzusammensetzung. Der Nutri-Score besteht aus einer 5-stufigen Farbskala mit Buchstaben (A bis E) – dabei steht das "A" in Grün für die günstigste und "E" in Rot für die ungünstigste Nährwertbilanz.

Mit einberechnet werden zum einen problematische Bestandteile wie:

  • gesättigte Fettsäuren
  • Salz
  • Zucker 
  • Energiegehalt

Zum anderen fließen in die Berechnung auch günstige Bestandteile ein wie:

  • Ballaststoffe
  • Proteine
  • Obst
  • Gemüse 
  • Nüsse

Für die verschiedenen Inhaltsstoffe gibt es gewichtete Plus- und Minus-Punkte, die eine Gesamtpunktzahl ergeben. Die errechnete Punktzahl wird dann in einen farblich unterlegten Buchstaben übersetzt.

Nutri-Score für Lebensmittel

Im Ladenregal können Sie ein Lebensmittel dadurch auf einen Blick klar einschätzen. Der Nutri-Score wird auf die Vorderseite gedruckt. Wer es genauer wissen will, kann zusätzlich die detaillierteren Nährwert-Tabellen auf der Verpackung oder das Zutatenverzeichnis ansehen. Beide Angaben sind Pflicht. Sie finden sie meist auf der Rückseite.

Von Fischstäbchen bis Cola – die Verbraucherzentrale Hamburg hat den Nutri-Score beispielhaft für einige Produkte berechnet und diese gelabelt:

Nutri-Score für Fleisch
Nutri-Score für Fischstäbchen
Nutri-Score für Auflauf
Nutri-Score für Pommes
Nutri-Score für Suppe
Nutri-Score für TK-Suppe
Nutri-Score für Spinat
Nutri-Score für Joghurt
Nutri-Score für Pudding
Nutri-Score für Müsli
Nutri-Score fürSchokocreme
Nutri-Score für Getränke

Europäische Vorbilder bei der Nährwertkennzeichnung

Unser Nachbarland Frankreich hat den Nutri-Score bereits 2017 erfolgreich auf freiwilliger Basis eingeführt. Auch Belgien, Spanien, Portugal und Luxemburg haben ihn schon oder werden ihn bald einführen. Die Niederlande und die Schweiz haben die Wirksamkeit des Nutri-Scores anerkannt und ihn für ihr Land empfohlen.

Der Nutri-Score ist z.B. in Frankreich zwar momentan freiwillig, aber wenn ein Hersteller eine vereinfachte Form der Nährwertkennzeichnung angeben möchte, darf er nur den Nutri-Score nehmen. Außerdem muss nach spätestens zwei Jahren Umsetzungszeit die vollständige Produktpalette damit gekennzeichnet sein.

Ein solches Ampelsystem für Lebensmittel brauchen wir dringend auch in Deutschland.

  • 91 Prozent der Befragten haben im Ernährungsreport 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bekundet, dass ihnen gesundes Essen wichtig ist.
  • Nicht-übertragbare Krankheiten (Herz-Kreislauf, Krebs etc.) stellen weltweit die häufigsten Todesursachen dar.
  • Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass eine ungünstige Ernährung daran erheblichen Anteil hat.

Die Vorteile des Nutri-Scores

  • Der Nutri-Score ist eindeutig und leicht verständlich. Er bietet eine einfache und schnelle Orientierung. Das bestätigt auch eine Studie des Max-Rubner-Instituts.
  • Mit ihm lassen sich Produkte innerhalb einer Produktkategorie leicht vergleichen – weil sich der Nutri-Score immer auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter eines Lebensmittels bezieht. So lassen sich gleichartige Produkte bzw. Sorten verschiedener Marken, zum Beispiel Fruchtjoghurts oder Kekse, gut miteinander vergleichen.
  • Beim Lebensmitteleinkauf können Sie durch den Nutri-Score problemlos zwischen günstigen und weniger günstigen Produkten unterscheiden. Sie sind in der Lage, den gesundheitlichen Wert eines Lebensmittels einfacher zu beurteilen. Das macht es leichter, sich ausgewogen zu ernähren.
  • Der Nutri-Score kann dazu beitragen, dass Hersteller ihre Rezepte verändern und die Zusammensetzung ihrer Produkte verbessern.

Die Nachteile des Nutri-Scores

  • Der Nutri-Score stellt keine Nährstoffe einzeln dar. Wenn Sie das interessiert, sind Sie weiterhin auf die entsprechende Information in der Nährwert-Tabelle und dem Zutatenverzeichnis eines Lebensmittels angewiesen, die Hersteller aufdrucken müssen. Meist finden Sie sie auf der Rückseite der Verpackung.
  • Für Produkte, die unverarbeitet sind oder nur aus einer Zutat bestehen (z.B. frisches Obst, Gemüse oder Honig), ist der Nutri-Score nicht sinnvoll und auch nicht gedacht. Ein Label wie der Nutri-Score (oder auch die britische Ampel) eignet sich vor allem für komplex zusammengesetzte und stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Wie bei jedem System, das verschiedene Einflüsse in eine Gesamtwertung zusammenfasst: Schlechte Werte in manchen Bereichen lassen sich durch gute Werte in anderen ausgleichen. Ein Produkt mit gutem Nutri-Score muss nicht bei jedem einzelnen Inhaltsstoff gut abschneiden.

Warum freiwillige Labels uns nicht weiterbringen

Aber selbst wenn die Bundesregierung die Verwendung des Nutri-Scores nun offiziell in Deutschland erlaubt, bedeutet das noch nicht, dass anschließend alle Produkte ein vereinfachtes Nährwertlogo auf der Vorderseite tragen. Die Verwendung bleibt den Herstellern freigestellt. Nur die EU könnte aktuell eine verpflichtende Kennzeichnung vorschreiben.

Für uns ist klar: Es braucht ein einheitliches, europaweites System, das für alle Hersteller Pflicht ist. Sonst droht ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Darstellungen, die beim Einkauf kaum helfen, Zusammensetzung und Inhaltsstoffe auf einen Blick zu bewerten und Produkte miteinander zu vergleichen.

Bis ein Label kommt: So bewerten Sie Lebensmittel jetzt

Für alle Lebensmittelhersteller ist es Pflicht: Auf Verpackungen müssen detaillierte Nährwerte stehen. Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salzgehalt des Produkts müssen angegeben werden. Dargestellt sein müssen sie in der Regel als Tabelle. Diese Angaben müssen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des jeweiligen Lebensmittels beziehen. Die Hersteller können außerdem zusätzliche Angaben machen.

Die verpflichtende Nährwertkennzeichnung, in der Regel in Tabellenform, gilt grundsätzlich für alle vorverpackten Lebensmittel. Lose Ware und Lebensmittel, die zum unmittelbaren Verkauf vorverpackt werden, wie Pralinen oder Teegebäck in der Konditorei, sind von der Regelung ausgenommen. Eine Ausnahme bilden auch alkoholische Getränke (obwohl diese oft besonders viel Energie beinhalten und damit potenzielle Dickmacher sind). Außerdem müssen Kleinverpackungen nicht beschriftet werden, deren größte Oberfläche weniger als 25 Quadratzentimeter beträgt (in etwa eine große Streichholzschachtel).

Hersteller können trotz dieser Regelungen durch freiwillige Portionsangaben tricksen. Kleine, oft unrealistische Portionsgrößen wie 1/3 einer Pizza verzerren das Bild. Außerdem können zum Beispiel Frühstückscerealien, die sich in der Aufmachung speziell an Kinder richten, pro Portion (40 Gramm) ganze zehn Gramm Zucker enthalten. Für Erwachsene ergibt das zwar nur elf Prozent der Tageszufuhr – was dann als Wert auf der Verpackung steht. Doch kleine Kinder decken mit der Zuckermenge bereits ein Drittel ab.

Zuckerbomben und Fettfallen im Supermarkt entlarven

Rot, gelb, grün: Für Produkte, auf denen noch kein Nutri-Score zu finden ist, hilft Ihnen unser Kärtchen mit den Ampelfarben weiter. Damit können Sie beim Einkauf im Supermarkt Fettfallen und Zuckerbomben enttarnen. Drucken Sie es einfach aus und nehmen Sie es im Portemonnaie mit:

Ampelkärtchen für den Einkauf

Sie können die Angaben aus den Nährwert-Tabellen auf der Verpackung eines Lebensmittels dann mit dem Kärtchen vergleichen.

Was Hersteller bei Lebensmitteln noch angeben müssen (zum Beispiel Zutaten, Allergene und Mindesthaltbarkeits- / Verbrauchsdatum), haben wir in einem Beitrag zusammengefasst.