Das Wichtigste in Kürze
- Supermärkte platzieren Quengelware wie Süßigkeiten, Snacks und Spielzeug bewusst im Kassenbereich.
- Die Wegführung im Markt, aber auch Musik, Licht und Düfte sind so gestaltet, dass wir länger verweilen und mehr kaufen.
- Kinder sind besonders anfällig für Marketing: Bunte Verpackungen, verlockende und bekannte Figuren und Produkte auf Augenhöhe wirken stark auf sie.
- Klare Absprachen vor dem Familieneinkauf, Einkaufslisten, Selbst-Checkout-Kassen und das Einbeziehen von Kindern helfen, das Einkaufen mit Kindern entspannter zu gestalten.
- Eltern können Kinder früh dafür sensibilisieren, wie Marketing wirkt und so deren Kaufkompetenz und Selbstwirksamkeit stärken.
Warum stellen Supermärkte Süßigkeiten und Spielzeuge an die Kasse?
Der Kassenbereich ist ein Hotspot für Spontankäufe: Hier wird häufig Impulsware platziert, da viele Menschen während der Wartezeit spontan zugreifen. Die klassischen Impulswaren sind Süßigkeiten, Snacks, aber auch alkoholische Produkte und Mini-Gadgets wie Spielzeug oder Handy-Zubehör. Für Kinder spricht man hier nicht umsonst von Quengelware. Viele Eltern geben nach, wenn Kinder in der Schlange ungeduldig sind und betteln.
Mit welchen Strategien arbeiten Supermärkte?
Von der Eingangsgestaltung bis zur Beleuchtung sind Supermärkte strategisch aufgebaut, sodass wir länger verweilen. Denn wer länger bleibt, kauft mehr ein. Die Marktführung ist durchdacht und baut oft auf folgenden Prinzipien auf:
Lenkung durch Marktführung
- „Bremszone“ mit Obst und Gemüse am Eingang schafft eine Wochenmarkt-Atmosphäre und reduziert unser Lauftempo
- Wegführung, die durch den gesamten Markt leitet
- große Einkaufswagen und eine große Produktauswahl
Psychologische Effekte
- Düfte nach Backwaren, Früchten oder Vanille und Zimt, die Appetit oder Wohlgefühl auslösen
- Licht, das Frischeprodukte, Gemüse und Obst besonders frisch erscheinen lässt
- Musik, die unser Einkaufstempo drosselt
- Preisgestaltung und Verknappung: Rabattschilder, Sonderangebote, „Limited Editions“
Platzierung der Produkte
- Greif- und Augenhöhe sind besonders wichtig
- günstige Alternativen weiter unten oder oben in der Bück- und Streckzone
- Aktionsware häufig inszeniert mit Aufstellern, am Regalende oder in Gangmitte mit Displays
Warum sind Kinder leichter zu beeinflussen?
Effekte wie Musik, Licht, Gerüche und Wegführung wirken sowohl auf Erwachsene als auch auf Kinder. Doch Kinder sind besonders empfänglich für Produktplatzierungen und Werbestrategien. Ihre Kaufkompetenz ist noch nicht vollständig entwickelt. Sie reagieren stärker auf Farben, Figuren und Verpackungen.
Deshalb werden Süßigkeiten oder bunt verpackte Produkte mit Comics und Tierbildern gezielt auf ihrer Augenhöhe oder an der Kasse platziert. Kinder nehmen Werbebotschaften noch unkritisch wahr und sind daher leichter zu beeinflussen.
Was können Kinder und Eltern beim Einkaufen lernen?
Wer mit Kindern über das Einkaufen im Supermarkt spricht und ihnen Handlungsspielraum bietet, stärkt ihr Bewusstsein und hilft ihnen. So können sie im Alltag gesündere Entscheidungen treffen. Denn die Lernmöglichkeiten, die das Einkaufen bietet (zum Beispiel Kaufkompetenz, Rechnen, Bedürfnisaufschub) sind auch in vielen anderen Alltagssituationen und Lebensfeldern relevant.
Und wichtig ist auch, sich klarzumachen: Emotionale Momente gehören zum Alltag mit Kindern dazu. Diese sollten als gelegentlich unvermeidbar akzeptiert werden.
- Wie kann ich den Einkauf mit Kindern vorbereiten?
- Zuhause gemeinsam die Einkaufsliste erstellen
- Klare Absprachen treffen, zum Beispiel: Was steht auf der Liste? Darf etwas ausgesucht werden, und wenn ja: was und in welchem Rahmen?
- Nicht hungrig oder durstig einkaufen gehen
- Wenn möglich, Stoßzeiten meiden
- Wie kann ich mein Kind während des Einkaufs altersgerecht einbinden?
- Produkte suchen lassen
- Gemüse oder Obst abwiegen lassen und aufs Kassenband legen
- je nach Alter: Preise vergleichen, Summen ausrechnen oder gemeinsam den günstigeren Artikel finden
- Wie kann ich beim Bezahlen Quengelware möglichst umgehen?
- Selbstbedienungskassen für kleine Einkäufe nutzen, denn hier gibt es teilweise keine Impulsware direkt an der Kasse.
- Mitmachpotenzial: Produkte scannen oder Taschen einräumen
- Wie kann ich auf die Bedürfnisse meines Kindes eingehen?
- Gefühle ernst nehmen und Verständnis für Bedürfnisse zeigen, gleichzeitig bei Absprachen bleiben
- Kinder benennen lassen, warum sie ein bestimmtes Produkt wollen
- Wie kann ich mein Kind unterstützen, Marketing zu erkennen und seine Kaufkompetenz stärken?
- Altersgerecht erklären, wie Werbung funktioniert: Farben, Figuren, Musik und Düfte sollen uns beeinflussen.
- Produkte anschauen und besprechen: gerade auffällige Verpackungen enthalten oft wenig kindgerechte Produkte.
- Anhand einzelner Produkte besprechen, ob sie eher jeden Tag oder nur seltener gegessen werden.