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App-Test »Klimareise«: (Energie-)Sparsam durch den Alltag

Stand:
"Klimareise" möchte mit gutem Rat und spannenden Challenges dabei unterstützen, den eigenen CO2-Fußabdruck im Alltag möglichst klein zu halten. Ein ehrenwertes Anliegen. Aber stehen die wirtschaftlichen Interessen des Anbieters dem Erfolg der App im Weg?
Illustration von drei Menschen auf einer Wiese in der App "Klimareise"

Verwirrend an Klimareise ist allenfalls der Name. Denn in der App des Ökostrom-Anbieters eprimo geht es nicht etwa um Urlaubs-Trips, sondern um die möglichst nachhaltige Navigation durch den eigenen Alltag. Durch die Bewältigung kleiner Challenges füllen Nutzer:innen ihr Punktekonto auf. Meist dreht es sich dabei um den Energieverbrauch im eigenen Haushalt. Kontinuität, also das tägliche Dranbleiben, wird dabei mit Extrapunkten belohnt.  

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Name: Klimareise
Anbieter: eprimo GmbH (www.eprimo.de)
Kategorie: Energie | Umwelt & Haushalt | Digitale Welt
Zielgruppe: Erwachsene
Betriebssystem: iOS | Android
Preis: kostenlos
Links: Apple App Store | Google Play Store

Erst die Daten, dann das Vergnügen

Die ersten Schritte in Klimareise führen durch einen Registrierungsprozess, der wahlweise durch Angabe einer E-Mail-Adresse oder die Verknüpfung mit dem eigenen Google- oder Apple-Account erfolgt. Wir empfehlen zugunsten des Datenschutzes hierbei die erstgenannte Alternative. Bei einem Angebot mit kommerziellen Interessen ist damit zu rechnen, dass eprimo die an die App übermittelten Informationen zu werblichen Zwecken nutzt. Immerhin schließt der Stromanbieter die Weitergabe von Personendaten an Dritte zu Marketingzwecken aus. Bitte außerdem beachten: Bei über Klimareise getätigten Kompensationszahlungen an die Gold Standard Foundation - dazu gleich mehr - werden wiederum Nutzerdaten verarbeitet, die aber dann in den Verantwortungsbereich der Schweizer Stiftung fallen. Positiv im Sinne der Transparenz und Verbraucherfreundlichkeit ist aber, dass alle Informationen zu Datenschutz und Nutzungsbedingungen seitens eprimo in der App anzeigt und außerdem den Download des eigenen Datensatzes sowie die Löschung des Accounts mit zwei Fingertipps ermöglicht.

3... 2... 1... CO2-Bilanz!

Nach der Registrierung gilt es, die mit einem Video illustrierten Fragen zu Verbrauchsdaten und Konsumverhalten zu beantworten. Aus den Informationen zu Energiedienstleistern, Einkaufsverhalten und Mobilität errechnet Klimareise den individuellen CO2-Fußabdruck, den es durch Nutzung der App zu verkleinern gilt. Sehr erfreulich unter dem Gesichtspunkt der Datensparsamkeit: Wie spezifisch man auf die zu Beginn gestellten Fragen antworten möchte, bleibt jeder Nutzerin und jedem Nutzer selbst überlassen. Je präziser die Daten, desto genauer die persönliche CO2-Bilanz. Aber auch ohne Kilowatt-genaue Angaben zum eigenen Stromverbrauch erstellt die App ein nachvollziehbares Profil, auf dessen Grundlage man sich den nun folgenden Challenges stellen kann. 

 

Screenshots verschiedener Funktionen der App "Klimareise" von eprimo GmbH
Der Einstig in die graphisch attraktiv gestaltete App geschieht in Form von Fragen zum alltäglichen Energieverbrauch und Konsum. Auf dieser Datengrundlage wird ein individueller CO2-Fußabdruck generiert. (Quelle: Screenshots)

Ruhezeiten sinnvoll für das Klima nutzen

Die Kernfunktion von Klimareise besteht darin, mindestens einmal täglich die eigenen Gewohnheiten zugunsten der CO2-Ersparnis zu hinterfragen und zu ändern. Für jede klimafreundliche Maßnahme werden Punkte basierend auf dem Mehrwert fürs Klima vergeben. Vergleichsweise kleine CO2-Einsparungen wie die einmalige Maschinenwäsche bei 30°C statt bei 40°C werden mit einem Klimapunkt belohnt, der langfristige Umstieg vom Auto auf den Bahnverkehr wird mit über 200 Klimapunkten vergütet. Die jeweiligen Challenges, denen man sich stellen möchte, werden dabei im Zufallsmodus von der App vorgeschlagen. Alternativ kann man aber auch aus der 150 Einträge umfassenden Klima-Challenge-Datenbank in den Kategorien Strom & Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum genau diejenigen auswählen, denen man sich als nächstes stellen möchte. Dabei erfahren angehende CO2-Sparer:innen unter anderem, dass sich die tägliche Schlafenszeit hervorragend zum Energiesparen eignet. Deaktiviert man beispielsweise den WLAN-Router täglich für acht Stunden, können jährlich rund 1,4 kg CO2 gespart werden. Das Umstellen des eigenen Smartphones in den Flugmodus während der Schlafenszeit spart gemäß Klimareise rund 180g CO2.

Alle Aspekte der Gamification

Besonders motivierend ist hierbei die Kombination verschiedener Anreize. Klimareise bietet umfassende Informationen zu jeder Challenge und macht den Mehrwert für Klima sowie das eigene Punktekonto nachvollziehbar. Außerdem nennt die App bei energiesparenden Maßnahmen einen Schätzwert zur finanziellen Entlastung, beispielsweise aufgrund des gesenkten Stromverbrauchs. Kontinuität beim Bestehen von Challenges wird außerdem mit dem Level-Aufstieg, Abzeichen und besonders wertvollen Goldpunkten belohnt. Letztere kann man für Gutscheine und Rabatte bei ausgewählten Partnern des Anbieters eprimo einlösen. Eine Zeitleiste illustriert den sogenannten Streak, also die Anzahl der Tage, an denen man im Folge eine oder mehrere Klimaschutz-Challenges bestanden hat. Der Fingertipp auf den Menüpunkt "Fußabdruck" führt schließlich zu einer gut verständlichen Übersicht der eigenen Klimabilanz und markiert farblich, in welchen Bereichen des eigenen Alltags noch Nachholbedarf in Sachen Klimafreundlichkeit besteht.

 

Screenshots verschiedener Funktionen der App "Klimareise" von eprimo GmbH
Herzstück der App ist die titelgebende "Klimareise": Nutzer:innen bestehen täglich eine oder mehrere Klimaschutz-Challenges, zu denen viele Hintergrundinformationen geboten werden. Als Belohnung winken Klimapunkte, Goldpunkte und Abzeichen. (Quelle: Screenshots)

Jenseits des Punktesammelns

Kleine Schwächen zeigt Klimareise erst dann, wenn man seinen Blick von den spielerischen Herausforderungen und dem Blick auf die eigene Klimabilanz abwendet. Unter "Gutes tun" können Nutzer:innen mit ihren erspielten Klimapunkten nachhaltige Projekte fördern. Dies geschieht durch eine Punktespende für vier beispielhafte Projekte rund um Energieeffizienz, nachhaltige Landnutzung, erneuerbare Energien und Recycling. Je mehr Punkte ein Projekt erhält, desto größer die anteilige Spende von insgesamt 5.000€ am Jahresende. Für weitere Informationen zu den konkreten Maßnahmen in aller Welt leitet die App auf die Website der Gold Standard Foundation weiter, die allerdings nur in englischer Sprache verfügbar ist. Deutschsprachige Beiträge rund um Energieeffizienz und Klimaschutz sowie Quizzes finden sich unter dem etwas irreführend benannten Menüpunkt "Community". Aufgrund der hohen Informationsdichte und fehlenden Filter- und Suchfunktion leidet hier jedoch die Übersichtlichkeit. 

Fazit

Mit Klimareise stellt der Energieanbieter eprimo eine technisch überzeugende App zur Verfügung, die alle Disziplinen der spielerischen Motivation für mehr Klimaschutz beherrscht. Die primären Ziele, nämlich ein gesteigertes Bewusstsein für die eigene CO2-Bilanz zu vermitteln und Verbraucherinnen und Verbraucher zu mehr Engagement diesbezüglich anzuregen, erfüllt die App mühelos. Die von einem kommerziellen Anbieter zu erwartenden Maßnahmen zur Kundengewinnung und -bindung, beispielsweise durch optionale Zusendung von Pushnachrichten und E-Mail-Angeboten, halten sich in Grenzen. Wer sich auf unterhaltsame und informative Weise mit der eigenen Klimabilanz auseinandersetzen möchte, kann die Klimareise antreten.

Handhabung 4 Sterne
Spaß 4 Sterne
Mehrwert 5 Sterne
Motivation 5 Sterne
Datensparsamkeit 3 Sterne
Gesamtwertung 4 Sterne

Haben Sie Hinweise, Korrekturen oder sonstiges Feedback zu unserem App-Test? Ich freue mich über Ihre E-Mail an lohmeier[at]vz-bln.de. Danke für Ihr Interesse! (Patrick Lohmeier)

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