Über das Familienzentrum Kita am Kohlweg
Im Familienzentrum Kita am Kohlweg in Messel werden insgesamt 77 Kinder in einer Krippengruppe und drei Kita-Gruppen betreut. Gesundheitsförderung ist in der Konzeption der Einrichtung fest verankert und alltäglicher Bestandteil der gelebten Praxis. Das Thema Ernährung wird explizit als grundlegender Baustein der Arbeit benannt. Das „lustvolle Essen“ ist für die Kita ein Grundrecht. Das bedeutet für sie auch, dass Kinder auf Speisen verzichten können, wenn sie diese nicht essen möchten.
So ist die Verpflegung organisiert
Im Familienzentrum werden die Mahlzeiten in einem Kinderrestaurant eingenommen. Hier haben bis zu zwölf Kinder gleichzeitig Platz, sodass eine ruhige Atmosphäre herrscht.
Ein bis zwei Erwachsene begleiten die Kinder bei den Mahlzeiten.
Der Tag in der Einrichtung beginnt damit, dass die Kinder zwischen 7:30 Uhr und 9:00 Uhr ein (zweites) Frühstück einnehmen können. Es gibt verschiedene Brotsorten, zweimal in der Woche Geflügel-Aufschnitt, Aufstriche und Rohkost zur Auswahl. Alternativ steht eine Müslibar mit Haferflocken, Dinkelflakes, Nüssen, Milch, Obst und zweimal in der Woche auch Joghurt zur Verfügung. Wasser ist immer verfügbar. Tee wird ab und zu zusätzlich angeboten.
Das Mittagessen für die Kinder wird in der Kita frisch von einer leitenden Hauswirtschafterin und einer erfahrenen Hauswirtschaftshilfskraft gekocht. Ein bebilderter Speiseplan auf Augenhöhe informiert die Kinder direkt über das Angebot für das Mittagessen.
In der Zeit von 12:00 bis 13:30 Uhr findet das Mittagessen statt. Vor dem Kinderrestaurant liegen zwölf goldene Löffel bereit. Jeder Löffel steht für einen freien Platz. Die Kinder, die einen Löffel haben, starten mit dem Essen. Vor Beginn waschen die kleinen Restaurantbesucher ihre Hände und decken danach ihren Platz eigenständig ein: Sie wählen ihren Sitzplatz und das Besteck, mit dem sie essen möchten, selbst aus. Das Mittagessen wird in Buffet-Form angeboten. Die Kinder bedienen sich eigenständig und erhalten Unterstützung, wenn sie diese benötigen oder möchten. Jede und jeder isst das, was er/sie mag und so viel wie er/sie möchte. Kein Kind wird zum Probieren oder zum Aufessen gedrängt.
Nach dem Essen räumen die Kinder selbstständig ihr Geschirr und Besteck auf einen Wagen und kratzen die Tellerreste in einen Abfallbehälter. Am
Ausgang des Kinderrestaurants haben die Kinder die Möglichkeit das Essen mit roten (hat mir nicht geschmeckt) oder grünen (hat mir gut geschmeckt) Flaschendeckeln zu bewerten. Die Bewertung fließt in die weitere Speiseplanung ein.
Wenn ein Kind den Raum verlässt, legt es seinen goldenen Löffel in einen Korb vor dem Speiseraum zurück. Die wartenden Kinder wissen dann: Nun ist wieder ein Platz im Kinderrestaurant frei. Für die besonders Hungrigen gibt es vor dem Restaurant einen Wartebereich. Die Kinder, die dort sitzen, können als nächstes essen.
Am Nachmittag zwischen 14:45 Uhr und 15:30 Uhr ist Snack-Zeit. Es gibt im Wechsel verschiedene Brotsorten mit Frischkäse, Joghurt mit Haferflocken oder ungesüßte Dinkelflakes, Obst und Gemüse.
Das macht die Verpflegung besonders
Beim Einkauf legt die Einrichtung viel Wert auf saisonale und regionale Produkte sowie auf Lebensmittel aus biologischer Erzeugung. Einmal pro Woche steht ein Fleischgericht auf dem Speiseplan.
Die Kita achtet darauf, jede Komponente einzeln anzubieten, damit die Kinder besser wählen können, was sie essen möchten und was nicht. Statt einer fertigen Müsli-Mischung stehen zum Beispiel Flocken, ungesüßte Flakes, Nüsse und Trockenfrüchte/Rosinen einzeln bereit, beim Mittagessen können Gemüse, Kohlenhydrat-Komponente und Soße getrennt aufgetan werden.
„Wir trauen unseren Kindern zu, selbst einschätzen zu können, ob und wann sie Hunger haben, was und wie viel sie von den angebotenen Speisen zu sich nehmen und ob ihnen etwas schmeckt oder ob es heute nur der Nachtisch sein soll. Indem wir die Kinder auch beim Thema Ernährung als Spezialisten für sich selbst achten, verhelfen wir ihnen nicht nur zu einem gesunden Körpergefühl, sondern auch dazu, achtsam die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.“ (aus der Konzeption des „Familienzentrums Kita am Kohlweg“).
Partizipation wird nicht nur in der Essenssituation gelebt. Auch bei der Speiseplanung berücksichtigt die Hauswirtschaft die Wünsche der Kinder – neben dem DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas.
So wird Ernährungsbildung gelebt
Bildung rund um den Esstisch ist im Familienzentrum Kita am Kohlweg gelebter Alltag. Die Kinder lernen durch die partizipative Mahlzeitengestaltung, ihren Hunger und Appetit einzuschätzen. Sie stärken ihre motorischen Fähigkeiten, indem sie sich selbst an den Speisen bedienen. Da sich das Angebot bei den Mahlzeiten entsprechend der Saison verändert, erfahren sie über das Jahr, welche Obst- und Gemüsesorten gerade reif sind und geerntet werden. Für abwechslungsreiche vegetarische Gerichte gibt es je nach Saison zum Beispiel selbst gemachte Bratlinge – mit Walnüssen, Lauch oder Zucchini oder Grünkern und Karotte.
Die Kita bewirtschaftet in Kooperation mit einem Obst- und Gartenbauverein außerdem ein Gemüsebeet im Bürgergarten. Die Kinder helfen mit und erleben, wie aus kleinen Samen große Pflanzen und am Ende leckeres Gemüse entsteht. Im Herbst werden Äpfel gekeltert, und an den Bienenstöcken des Bürgergartens können die Kinder die Honig-Ernte miterleben. Die Lebensmittel werden in der Frischküche vor Ort verarbeitet, sodass die Kinder den Weg vom Acker auf den Teller direkt mitverfolgen können.
Jeden Donnerstag helfen die Kinder bei der Zubereitung von Rohkosttellern sowie hin und wieder beim Backen von Brötchen und Gebäck. Diese Projekte und Aktionen bringen den Kindern Wertschätzung für die Lebensmittel auf ihrem Teller nahe, da sie erleben, dass es Zeit und Mühe braucht, Speisen
herzustellen.
Das waren Herausforderungen auf dem Weg
Als das Projekt eines Kinderrestaurants ins Leben gerufen wurde, benötigte es rund ein Jahr Planung und Entwicklung. Kinder, Eltern und das Kita-Team wurden daran aktiv beteiligt. Für eine erfolgreiche Umstellung der Essenssituation auf ein Kinderrestaurant waren offene Gespräche mit den Eltern ein wichtiger Bestandteil, um Sorgen rund um eine ausreichende Versorgung der Kinder aufzunehmen und auszuräumen.
Mit der Einführung des Kinderrestaurants wurde zunächst eine „Probezeit“ vereinbart, um die Umstellung zu reflektieren und Anpassungen vorzunehmen. Vieles wurde ausprobiert, einiges wieder verworfen, dafür Neues integriert. Das benötigte Mut und Muße von allen Beteiligten. Inzwischen sind die Abläufe bei den Erwachsenen und den Kindern eingespielt. Rückblickend ist das Familienzentrum Kita am Kohlweg überzeugt, dass sich der Weg für alle Beteiligten gelohnt hat. Ihr Tipp für alle, die sich auch auf den Weg machen wollen: Dranbleiben!