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Natur als Bildungsraum - auch beim Essen

Stand:
In der Kindertagespflege "Königskinder" in Langen bietet Daniela Zintel eine gemüsebetonte, rein biologische Verpflegung. Die Natur als Bildungsraum spielt eine zentrale Rolle in ihrem Betreuungsalltag.
Eine erwachsene Person und ein Kind pflanzen gemeinsam einen Apfelbaum
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Über die "Königskinder"

Daniela Zintel betreut seit 2021 in ihrer Tagespflege Kinder ab neun Monaten. Die meisten Kinder verlassen die Kindertagespflege mit drei oder vier Jahren. In der Regel sind drei bis vier Kinder gleichzeitig in der Betreuung. Die Kinder lernen dort Selbstständigkeit, Verantwortung für sich und andere, machen jeden Tag Naturerfahrungen und haben Raum zum Forschen, Entdecken, Ausprobieren. In ihrem Konzept beschreibt Daniela Zintel das Ziel ihrer pädagogischen Arbeit: „Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft darin zu unterstützen, ihre Lebenswelten zu verstehen und selbstbestimmt, kompetent und verantwortungsvoll zu gestalten.“

Von Frühjahr bis Herbst verbringen die Königskinder jeden Tag so viel Zeit wie möglich draußen: Im Garten, auf dem Spielplatz, auf dem Feld oder im Wald. Dort wird gespielt, gegessen, geschlafen, entdeckt – und natürlich findet dort Ernährungsbildung statt.

So ist die Verpflegung bei den Königskindern organisiert

Ein Kind isst an einem Tisch im Freien
     Foto: Daniela Zintel

Ab 7 Uhr werden die Kinder in die Tagespflege gebracht. Als erstes steht gemeinsames Gemüseschnippeln auf dem Plan. Die Kinder helfen dabei mit, und nebenbei bereitet Daniela Zintel die Beilagen, wie zum Beispiel Kartoffeln, zu.

Nach getaner Vorbereitung wird um 8 Uhr gemeinsam gefrühstückt. Jedes Kind bringt für sein Frühstück eine Box von zuhause mit. Beim Aufnahmegespräch bespricht Daniela Zintel mit den Eltern, wie eine gesundheitsförderliche Brotbox gestaltet werden kann. Sie unterstützt Eltern auch dabei, geeignete Produkte wie Vollkornbrot in ihrem individuellen Budget, zum Beispiel auch aus dem Supermarkt, zu finden. Aus Nachhaltigkeitsgründen bittet sie die Eltern, auf einzeln verpackte Lebensmittel zu verzichten. 

Um 11:30 Uhr gibt es das Mittagsessen. Im Sommer wird dieses draußen eingenommen und gegebenenfalls auf einem Gas-Campingkocher erwärmt. Es gibt jeden Tag Rohkost, und im Hauptgericht ist Gemüse immer der Hauptdarsteller. Zum Nachtisch essen die Kinder aufgeschnittenes Obst oder auch mal Quark. An Geburtstagen oder Festen können die Königskinder etwas für alle mitbringen. Dabei entscheiden die Eltern, was es ist. So lernen Kinder auch einen bewussten Genuss in Maßen.

Zu trinken gibt es immer Wasser und ungesüßten Kräutertee aus eigener Ernte.

Wenn sie drinnen essen, setzt sich Daniela Zintel mit den Kindern an den Tisch, und es wird gemeinsam gegessen. Für die Mahlzeiten nimmt sie sich viel Zeit. Daniela Zintel erlaubt den Kindern, ihr Essen mit allen Sinnen kennenzulernen – und das braucht manchmal Zeit. Je nach Mahlzeit liegt für jedes Kind passendes Besteck bereit, aber Jede und Jeder darf auch mit den Händen essen.

Das macht die Verpflegung besonders 

Das Mittagessen bei den „Königskindern“ ist immer vegetarisch. Daniela Zintel legt großen Wert auf die Verwendung biologisch produzierter Zutaten und Vielfalt im Lebensmittel-Angebot. Sie erhält alle zwei Wochen eine Gemüse- und Obstkiste mit „geretteten“ Lebensmitteln und richtet ihre Speiseplanung nach dem Inhalt der Box aus. Ergänzt wird dies mit Hülsenfrüchten. Jeden Tag gibt es bunte Gemüsevariationen – als Pfannengericht oder kalt als Salat. Für etwas Pepp und Cremigkeit gibt Daniela Zintel hin und wieder Frischkäse dazu.

Es ist schon ein Lern-Erlebnis, wenn die Gemüse-Obst-Kiste geliefert wird, denn Daniela Zintel öffnet diese zumeist gemeinsam mit den Kindern. So entdecken die Kinder immer mal wieder neue Lebensmittel und können direkt mit ihnen in Kontakt kommen: mit den Augen entdecken, den Händen ertasten, der Nase daran schnuppern und zu guter Letzt häufig auch mit dem Mund bei dem Mittagessen erschmecken. Die Kinder dürfen mitentscheiden, was sie von dem Gemüse und Obst aus der Box gerne essen und ausprobieren möchten.

Auf ihrem Balkon und im Garten baut Daniela Zintel selbst Gemüse, Obst und Kräuter an. Auf den Endeckungstouren in der Natur werden auch mal Wildkräuter gesammelt. Die von ihr zubereiteten Speisen würzt sie immer mit verschiedenen Kräutern, um die Sinne der Kinder anzuregen und ihnen vielfältige Geschmackserlebnisse zu ermöglichen. Die Gerichte werden sehr sparsam gesalzen bzw. mit etwas salzfreier Gemüsebrühe gewürzt, damit die Kinder die Lebensmittel möglichst mit ihrem naturbelassenen Geschmack kennenlernen können.

Daniela Zintel setzt sich fortlaufend konstruktiv mit ihrem Essensangebot auseinander und beteiligte sich an der ersten Herbstaktion „Speiseplancheck“ der Vernetzungsstelle Kitaverpflegung im November 2024.

So wird Ernährungsbildung integriert 

Ein Kind steht in einem Turmstuhl am Herd und rührt in einem Topf
     Foto: Daniela Zintel

Wie sieht ein Apfelbaum aus? Wie schmeckt der Apfel? Was kann aus Ihm gemacht werden? Bei den „Königskindern“ ist Ernährungsbildung gelebter Alltag. Denn Daniela Zintel ist es wichtig, dass Kinder nachhaltig lernen. „Ich gehe mit den Kindern in den Garten, und wir ernten was gewachsen ist. Wir gießen und pflegen die Pflanzen. Anschließend dürfen [einige] Kinder das Gemüse waschen, und die anderen schneiden es. Zum Kochen habe ich einen Turmstuhl, in dem jeden Tag ein anderes Kind die Kochmütze aufbekommt. Das Essen ist meist kurz angegart, damit es noch bissfest ist [und] damit das Kauen angeregt wird. Die jüngeren Kinder bekommen es zu Anfang noch püriert.“

Kinder lernen, wo und wie verschiedene Gemüse- und Obstsorten wachsen, sie sehen und erleben, wie aus den rohen Zutaten ein Gericht entsteht. Die Erfahrung von Daniela Zintel ist, dass Kinder, die aktiv mithelfen, auch viel lieber essen, da sie beim Herstellen der Mahlzeit beteiligt waren.

Im Sommer werden wilde Beerensträucher bepflückt, im Herbst die nahegelegenen Streuobstwiesen besucht, Äpfel und Birnen gesammelt und Kompott gekocht. Wichtig ist, das gesammelte Obst sorgfältig auszuwählen und vor dem Verzehr gründlich abzuwaschen.

Das sind Herausforderungen in der Praxis 

Die größte Herausforderung liegt für Daniela Zintel darin, für alles allein verantwortlich zu sein. Übergeordnete Unterstützung kann sie mitunter vom Mütterzentrum Langen erhalten. Dort werden zum Beispiel Spieletreffs mit anderen Kindertagespflegepersonen organisiert. Im Betreuungsalltag muss sie jedoch alles allein organisieren. Insbesondere wenn neue Kinder in die Gruppe kommen, ist es eine Herausforderung, alle Kinder in einen Rhythmus zu bringen.

Auch die fehlende Sichtbarkeit der Kindertagespflege im Allgemeinen kritisiert Daniela Zintel. Es fehle eine Lobby. Als Selbstständige ist sie auf Kundschaft angewiesen und muss neben ihren Betreuungszeiten viel Zeit für die Akquise aufwenden. Auch wichtige Bestandteile ihrer Arbeit, wie zum Beispiel Elterngespräche, sind nicht durch finanziell durch die Betreuungskosten abgedeckt – sie leistet sie in ihrer Freizeit.


 

Eine Betreuerin sitzt mit drei Kleinkindern am Esstisch, auf dem Teller mit Gemüse stehen

Vernetzungsstelle Ernährung in der Kindertagesbetreuung Hessen

Die Mahlzeitengestaltung ist in der Kindertagesbetreuung eine große Herausforderung. Die Vernetzungsstelle bietet Kindertagespflegepersonen und Kindertagesstätten Unterstützung für eine ausgewogene, kindgerechte, genussvolle und nachhaltigere Verpflegungsstrategie mit ergänzender Ernährungsbildung. Wir beraten, bilden, informieren und vernetzen.