Quengelzone an der Kasse
Der Kassenbereich gilt als Hotspot für Impulskäufe. Hier platzieren Supermärkte Süßigkeiten, Snacks, alkoholische Ware, Mini-Gadgets oder Spielzeug. „Für Kinder sprechen wir nicht ohne Grund von Quengelware: Viele Eltern geben nach, wenn die Kleinen in der Schlange ungeduldig betteln“, erklärt Stella Glogowski, Leitung der Fachgruppe Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hessen.
Lange Wege, Bäckereidüfte und Aktionsware
Supermärkte sind so gestaltet, dass wir länger bleiben und mehr kaufen. Direkt am Eingang sorgt meist eine „Bremszone“ mit Gemüse und Obst für eine angenehme Wochenmarkt-Atmosphäre und ein ruhigeres Lauftempo. In den Regalen ist die Greif- und Augenhöhe besonders wertvoll, günstigere Alternativen stehen dagegen oft ganz unten oder oben.
Auch die Wegführung hat System: Häufig müssen wir den ganzen Markt durchqueren, auch wenn wir nur wenig benötigen. „Große Einkaufswägen und die riesige Produktvielfalt verstärken zusätzlich die Tendenz zum Mehrkauf“, so Glogowski.
Hinzu kommen psychologische Faktoren:
- Düfte nach Backwaren, Früchten oder Vanille sollen Appetit oder Wohlgefühl steigern.
- Licht lässt Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch besonders frisch erschienen.
- Musik soll unser Einkaufstempo drosseln.
- Aktionsware am Regalende oder in der Gangmitte soll bewirken, dass man stehen bleibt.
- Sonderangebote, Rabattschilder oder „Limited Editions“ sollen eine Verknappung suggerieren und zum Kauf größerer Mengen verleiten.
Kinder besonders empfänglich für Marketingtricks
Viele dieser Strategien wirken auf Erwachsene und Kinder. Jedoch sind Jüngere leichter beeinflussbar. „Kinder müssen ihre Kaufkompetenzen erst entwickeln. Sie nehmen Werbebotschaften noch unkritisch wahr und lassen sich von bunten Verpackungen, Tier- und Comicfiguren sowie Süßigkeiten auf Augenhöhe ansprechen“, erklärt Glogowski.
Die Verbraucherzentrale Hessen empfiehlt, den Einkauf mit Kindern gut vorzubereiten und sie altersgerecht einzubeziehen:
- Grundregel für alle: Nicht hungrig oder durstig einkaufen, Stoßzeiten möglichst meiden, Einkauf vorher planen.
- Klare Absprachen: Was steht auf der Einkaufsliste? Dürfen die Kinder etwas auswählen? Wenn ja, was und in welchem Rahmen? Das dann am besten auch auf die Einkaufsliste nehmen.
- Ältere Kinder einbinden: Produkte suchen, abwiegen, Preise vergleichen oder Summen berechnen: Altersgerechte Partizipation stärkt die Selbstständigkeit und macht den Einkauf zu einer Lernsituation.
- Für den kleinen Einkauf: An Selbstbedienungskassen gibt es teilweise keine Quengelware, dafür Mitmachpotenzial für Kinder, etwa Scannen oder Einräumen.
Kaufkompetenz stärken: Marketing durchschauen
Eltern können Kindern früh erklären, wie Werbung funktioniert: Musik, Düfte, Farben oder Figuren werden bewusst eingesetzt. „Kinder dürfen wissen, dass sie beeinflusst werden sollen. Und dass gerade auffällig verpackte Produkte oft wenig kindgerecht sind“, so Glogowski. „Anhand einzelner Produkte können wir mit den Kindern besprechen, ob sie eher für jeden Tag geeignet sind oder nur selten auf dem Speiseplan stehen.“ Wer mit den Kindern über das Einkaufen spricht und ihnen Handlungsspielraum bietet, stärkt ihr Bewusstsein und hilft ihnen, im Alltag gesündere Entscheidungen zu treffen.
„Wichtig ist auch: Emotionale Momente gehören zum Alltag mit Kindern dazu. Sie sind normal und sollten als gelegentlich unvermeidbar akzeptiert werden“, betont Glogowski.