Spenden Sie für unsere Sammelklage gegen gas.de!

Landesregierung will Gelder streichen

Pressemitteilung vom
Kahlschlag bei Verbraucherzentrale Hessen geplant
Grafik: Eine Hand hält ein Megafon

In der kommenden Woche findet die zweite Lesung des hessischen Landeshaushalts für das Jahr 2026 statt. Die Verbraucherzentrale Hessen fordert die Abgeordneten des hessischen Landtags auf, von Kürzungen bei der Verbraucherzentrale Hessen abzusehen und stattdessen eine bedarfsgerechte Finanzierung sicherzustellen. Die Menschen in Hessen brauchen eine anbieterunabhängige und vertrauenswürdige Beratungsorganisation. 

Off

In ihrem Entwurf für den Landeshaushalt 2026 plant die hessische Landesregierung, die Förderung der Verbraucherzentrale um 600.000 Euro im Vergleich zu den Vorjahren zu kürzen. Dies entspricht einem Sechstel der Förderung der Verbraucherzentrale. Gleichzeitig rechnen die Verbraucherschützer mit Mehrkosten wegen der inzwischen zu erwartenden Steigerungen im Tarifvertrag des Landes Hessen. Wird die geplante Kürzung vom Landtag beschlossen, erwartet die Verbraucherzentrale im Jahr 2026 eine Unterfinanzierung von rund 1.000.000 €. Als Folge müsste die Verbraucherzentrale in erheblichem Umfang Personal abbauen, mehrere Beratungsstellen schließen und das Leistungsangebot drastisch einschränken.

Landesregierung lässt hessische Verbraucher im Stich 

„Diese Kürzung missachtet die Bedeutung der Arbeit der Verbraucherzentrale“, kritisiert Barbara Ulreich, Vorsitzende des Verwaltungsrats der Verbraucherzentrale. „In schwierigen Zeiten benötigen Menschen Institution, denen sie vertrauen. Eine solche Institution ist die Verbraucherzentrale.“ Nach einer Untersuchung von Infratest ist die Verbraucherzentrale direkt nach der Polizei und der Stiftung Warentest an dritter Stelle der Institutionen, denen die Menschen am meisten vertrauen.

„Wir erwarten, dass diese starke Stellung, die sich die Verbraucherzentrale Hessen erarbeitet hat, von der Politik gewürdigt und nicht aus haushalterischen Erwägungen aufgegeben wird. Wir fordern die Abgeordneten im hessischen Landtag auf, diese Fehlentscheidung der Landesregierung zu korrigieren“, so Ulreich weiter. Die beabsichtigte Kürzung entspreche nicht den politischen Zielen der Landesregierung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Sie widerspreche auch den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag, der eine „Dynamisierung“ der Förderung der Verbraucherzentrale vorsieht. „Ich hätte nicht erwartet, dass mit dem Begriff ‚Dynamisierung‘ eine Spirale nach unten eröffnet werden sollte“, kritisiert Ulreich.

Hessen Schlusslicht bei der Förderung der Verbraucherzentale

„Die geplante Kürzung der institutionellen Förderung wird dazu führen, dass die Verbraucherzentrale Hessen zu den drei am schlechtesten finanzierten Verbraucherzentralen aller Bundesländer gehören wird“, berichtet Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Gerechnet auf die Förderung pro Einwohner im Land werde die hessische Verbraucherzentrale künftig nur noch mit 0,44 Euro unterstützt. Im bundesweiten Schnitt lag die Förderung der Verbraucherzentralen im Jahr 2025 bei 0,73 Euro pro Einwohner. 

„Wegen der Kürzungen des Landes Hessen sind wir gezwungen, erhebliche Sparmaßnahmen durchzuführen“, so Wendt. Bei einer Beratungsinstitution wie der Verbraucherzentrale seien Einsparungen nahezu ausschließlich beim Personal möglich. „Für Verbraucherberatung, -information und -bildung brauchen wir Menschen“, erläutert Wendt. Eine KI könne die Menschen nicht auffangen. Die Probleme der Menschen seien individuell.  „Eine KI sichtet nicht die Unterlagen und stellt den Ratsuchenden auch keine Fragen. Diese Ermittlung von Sachverhalten muss von Menschen gemacht werden“, so Wendt. Zudem fehle es der KI an Empathie und Mitgefühl.

Kürzungen widersprechen dem steigenden Beratungsbedarf 

Die Kürzungen bedeuten, dass die Verbraucherzentrale einzelne Leistungsbereiche komplett einstellen, sich aus der Fläche zurückziehen und Öffnungszeiten reduzieren muss. „Tatsächlich erleben wir aber einen steigenden Beratungsbedarf“, berichtet Wendt. Der bereits sehr hohe Beratungsbedarf sei im Jahr 2025 nochmals um 11 % im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Insgesamt 99.479 Menschen suchten in 2025 den Kontakt zur Verbraucherzentrale. 2024 waren es 89.233. 

Für viele Menschen werde die Verbraucherzentrale nur noch per Internet und Telefon erreichbar sein - dies allerdings während kürzerer Sprechzeiten. „Für die Menschen in Hessen ist das eine schlechte Entwicklung. In der Pandemie haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele einen persönlichen Kontakt benötigen. Damals haben Menschen an unseren Türen gerüttelt, weil sie mit digitalen Formaten nicht zurechtkamen. Dazu wird es wieder kommen“, warnt Wendt.

„Wir werden drei unserer sieben Beratungsstellen schließen müssen, die mobile Beratung in ländlichen Räumen einstellen und die Energieschuldenberatung nicht weiterführen können. Das sind keine leichten Entscheidungen“, erläutert Wendt.  Konkret betroffen wären die Beratungsstellen in Darmstadt, Gießen und Wiesbaden. Die Einstellung der hessenweiten Energieschuldenberatung hätte Folgen für rund 15.000 hessische Haushalte, die pro Jahr mit Energiesperren konfrontiert sind. 

Aufruf zur Demonstration am Dienstag, den 3. Februar 2026 von 11 bis 14 Uhr

Die Verbraucherzentale Hessen ruft aus Anlass der Plenarsitzungen in Wiesbaden zur Demonstration gegen die geplante Mittelkürzung auf. Treffpunkt ist am 3. Februar 2026 um 11 Uhr vor der Beratungsstelle Wiesbaden, Bahnhofsstraße 36. Der Protestzug wird bis zum Dern'schen Gelände gehen. 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.