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Ärztliche Zweitmeinung: Was die Krankenkasse zahlt

Stand:
Steht eine Operation an, wollen viele Patienten auf Nummer sicher gehen und einen weiteren Spezialisten befragen. Das ist über die freie Arztwahl prinzipiell möglich, doch es gibt auch ein spezielles qualitätsgesichertes Zweitmeinungsverfahren.
Artz-Patient-Gespräch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein gesetzlicher Anspruch auf ärztliche Zweitmeinung besteht bei bestimmten planbaren Eingriffen (z.B. Operationen). Die gesetzlichen Krankenkassen müssen dafür die Kosten übernehmen.
  • Diese Kassenleistung gilt bisher nur für wenige, bestimmte Eingriffe.
  • Voraussichtlich 2022 soll auch vor einer Implantation eines Defibrillators beziehungsweise Herzschrittmachers oder vor einer elektrophysiologischen Herzuntersuchung und dem Veröden von krankhaften Herzmuskelzellen (Ablation) eine ärztliche Zweitmeinung möglich sein.
  • Die Zweitmeinungs-Ärzte müssen besonders qualifiziert und unabhängig sein.
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Für medizinische Laien ist es häufig schwierig, zu entscheiden, ob eine empfohlene Operation durchgeführt werden soll, oder ob es noch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt. Die Zweitmeinung soll Patientinnen und Patienten helfen, die richtige Entscheidung zu treffen und unnötige Operationen zu vermeiden. 

Habe ich ein Recht auf Zweitmeinung?

Da gesetzlich Versicherte ihren Arzt oder ihre Ärztin frei wählen können, ist es unproblematisch, bei Behandlungen einen weiteren Mediziner oder Medizinerin zu Rate zu ziehen. Die Zweitgutachter:innen können ihre Beratungsleistungen mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen.

Wenn Sie das Einholen einer Zweitmeinung planen, sollten Sie den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin darüber informieren und zu diesem Zweck um Aushändigung von Berichten, Laborwerten und Ergebnissen von Röntgenuntersuchungen bitten. Zudem bieten viele gesetzliche Krankenkassen eine Zweitmeinung vor Operationen als Zusatzleistung an.

Patienten und Patientinnen haben das Recht, Einsicht in die vollständige Patientenakte zu nehmen. Sie können auch elektronische Abschriften von der Patientenakte verlangen. Dadurch werden überflüssige und gesundheitlich belastende Doppeluntersuchungen und auch Kosten vermieden.

Patienten und Patientinnen haben zudem ein Recht auf Kopien der Patientenakte bzw. der vorliegenden Befunde. Lediglich die Kosten für die Kopien dürfen behandelnde Ärzt:innen in Rechnung stellen.

Ärztliche Zweitmeinung: Regelung bei bestimmten Eingriffen

Gesetzlich Krankenversicherte haben bei bestimmten planbaren Operationen einen Anspruch darauf, eine 2. Meinung einzuholen. Das sogenannte strukturierte Zweitmeinungsverfahren wurde im Jahr 2019 eingeführt. Die Kosten für eine solche Zweitmeinung bei bestimmten festgelegten Eingriffen übernimmt die Krankenkasse.

Ein gesetzlicher Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung besteht aktuell bei folgenden Eingriffen: 

  1. Eingriffe an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln 
  2. Gebärmutterentfernungen
  3. Amputation beim diabetischen Fußsyndrom
  4. Eingriffe an der Wirbelsäule
  5. Gelenkspiegelungen an der Schulter (Schulterarthroskopie) 
  6. Implantation einer Knie-Endoprothese
  7. kathetergestützten elektrophysiologischen Herzuntersuchungen und Ablationen (Verödungen) am Herzen

Der Anspruch auf eine qualifizierte ärztliche Zweitmeinung umfasst zum Beispiel auch einen Folge-, Wechsel- oder Korrektureingriff an der Knie-Endoprothese, sofern medizinisch eine Notwendigkeit besteht.

Ausgenommen von der Zweitmeinung sind Notfalloperationen.

 

Weitere Indikationen für das Zweitmeinungsverfahren werden künftig in die Zweitmeinungsrichtlinie aufgenommen. Als nächstes steht die Aufnahme der Eingriffe bei der geplanten Implantation eines Defibrillators beziehungsweise Herzschrittmachers in die Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren an. 

Wie funktioniert das spezielle Zweitmeinungsverfahren?

Empfiehlt Ihnen Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin einen dieser bestimmten Eingriffe, müssen Sie verpflichtend mindestens 10 Tage vor der Operation darauf hinweisen werden, dass Sie sich bei speziell qualifizierten Ärzten zur Notwendigkeit des Eingriffs und zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen können.

Sie können dann selbst entscheiden, ob sie das Angebot der 2. Meinung annehmen möchten oder nicht. Die 2. Meinung ist ein freiwilliges Angebot.

Sollte Sie sich eine 2. Meinung einholen wollen, stellt die Ärztin oder der Arzt auf Wunsch alle Befunde zusammen, die der Zweitmeiner benötigt. 

Vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gibt es ein Patientenmerkblatt, in dem Sie alles Wissenswerte rund um die 2. Meinung finden können. Die Ärztin oder der Arzt sollten Ihnen das Merkblatt des G-BA zur weiteren Information zum Zweitmeinungsverfahren aushändigen.

Gut verständliche Informationen zu den Eingriffen, zu denen ein Zweitmeinungsverfahren angeboten wird, bietet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unter www.gesundheitsinformation.de/zweitmeinung an.

Falls weitere Untersuchungen sinnvoll sind, bespricht die Ärztin oder der Arzt dies mit Ihnen:

  • Nach Abschluss seiner Begutachtung teilt der Zweitmeiner Ihnen mit, ob er den geplanten Eingriff für medizinisch notwendig erachtet oder nicht und ob es Behandlungsalternativen gibt, die Sie wählen können.
     
  • Sie können sich dann frei für die aus Ihrer Sicht beste Behandlung entscheiden, also zum Beispiel einen geplanten Operationstermin wieder absagen.
     
  • Falls Sie dies möchten, erhalten Sie einen zusammenfassenden schriftlichen Bericht, der auf Ihren Wunsch hin auch an den behandelnden Arzt übersandt werden kann.

Wie finde ich Zweitmeinungs-Ärzte?

Möchten Sie die ärztliche Zweitmeinung nutzen, müssen Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden, die für das strukturierte Zweitmeinungsverfahren zugelassen sind. 

Diese Zweitmeinungs-Ärzte müssen besonders qualifiziert und unabhängig sein und brauchen eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung.

Für die Genehmigung müssen Ärztinnen und Ärzte bestimmte in der Zweitmeinungsrichtlinie festgelegte Voraussetzungen nachweisen. Die Zweitmeinung darf nicht bei einem Arzt oder einer Einrichtung eingeholt werden, durch den oder durch die der Eingriff durchgeführt werden soll.

Welche Ärzte und Ärztinnen aufgrund ihrer besonderen Qualifikation und Unabhängigkeit eine Zweitmeinung für den jeweiligen Eingriff abgeben dürfen, ist auf der Website des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter www.116117.de/zweitmeinung zu finden.

Zweitmeinung als Extra der Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen ihren Versicherten bei anstehenden Operationen unabhängig von dem strukturierten Verfahren ärztliche Zweitmeinungen zu anderen Diagnosen auf freiwilliger Basis bezahlen. Deshalb kann es sich lohnen, bei der eigenen Krankenkasse nach dieser Leistung zu fragen.

Ein Drittel der Krankenkassen mit Extraleistungen in diesem Bereich ermöglicht Patienten und Patientinnen mit einer Krebsdiagnose eine weitere Begutachtung durch Spezialisten.

Von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich ist der Ablauf des Zweitmeinungsverfahrens. Viele Krankenkassen empfehlen ihren Mitgliedern bestimmte Onlineportale, mit denen sie kooperieren. Hier werden die medizinischen Unterlagen ins Portal hochgeladen und geprüft. Andere Krankenkassen vermitteln einen Termin bei kooperierenden Spezialisten.

Neben den Krankenkassen gibt es auch private Gutachterbüros, die sich auf Zweitmeinungen spezialisiert haben. Das müssen Patient:innen aber selbst bezahlen.
 

Die Qualität der Zweitmeinung

Künftig müssen Zweitmeinungsverfahren konkrete Qualitätsvorgaben einhalten: Sowohl was die Güte der Einschätzung selbst angeht als auch die Qualifikation des Arztes, der sie abgibt. Diese Anforderungen gelten allerdings nur für die oben genannten Operationen im Rahmen des gesetzlichen Zweitmeinungsverfahrens. Bei allen anderen "normalen" Zweitmeinungsverfahren gibt es keine konkreten Vorgaben.

Patienten und Patientinnen sollten deshalb bedenken, dass sie außerhalb der oben genannten Regelung unter Umständen keine unabhängige Zweitmeinung bekommen. Im Krankenhaus beispielsweise spielen auch die wirtschaftlichen Interessen eine Rolle. Medizin ist heutzutage auch ein Geschäft. Der Rat muss deshalb nicht immer unbeeinflusst von Geschäftsinteressen sein.

Umgekehrt gilt das auch für die Zweitmeinung durch die Krankenkassen (siehe: "Extras der Krankenkassen"). Hier könnte die Gefahr bestehen, dass die "kooperierenden Spezialist:innen" oder Onlineportale von teuren Eingriffen abraten. Daher empfiehlt sich bei der Krankenkasse die Nachfrage, warum die Kassen-Gutachter zur Beurteilung der jeweiligen Behandlung besonders qualifiziert sind. Direkt mit dem Versicherer sollte auch geklärt werden, ob eventuell doch Kosten entstehen und bis wann mit der Zweit-Expertise zu rechnen ist.