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So wechseln Sie von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung

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Viele, die privat krankenversichert sind, fragen sich, ob sie die Beiträge dafür auch im Alter noch zahlen können. Doch eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist an Voraussetzungen geknüpft, nicht jeder darf frei wechseln.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) geht nicht in jedem Alter und nicht in jeder Lebenssituation.
  • Insbesondere als versicherungspflichtiger Angestellter oder über die Familienversicherung können viele in die GKV kommen. Die Vor- und Nachteile beider Systeme sollten Sie dabei aber gegeneinander abwägen.
  • Drängend wird das Thema oft für ältere Menschen, die sich die jährlich steigenden Beiträge einer privaten Krankenversicherung nicht mehr leisten können.
  • In der gesetzlichen Krankenversicherung muss dagegen mancher für eine gewisse Zeit auf einen größeren Teil seines Einkommens verzichten als in der privaten.
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Wie kommt man als Angestellter in die gesetzliche Krankenversicherung?

Um in die GKV zu wechseln, müssen Arbeitnehmer versicherungspflichtig werden. Dafür gibt es zwei wichtige Bedingungen:

  1. Sie dürfen noch nicht 55 Jahre alt sein.
  2. Das Gehalt darf nicht den für Sie geltenden Grenzwert überschreiten. Der liegt aktuell bei 62.550 Euro brutto jährlich. Wer bereits am 31.12.2002 als Arbeitnehmer privat versichert war, für den gilt eine niedrigere Grenze von aktuell 56.250 Euro. Im Jahr 2021 werden diese Beträge steigen. Dann gelten Grenzen von 64.350 bzw. 58.050 Euro.

Wer älter ist oder mehr verdient, kann als Angestellter nicht von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Beim Jahresgehalt können Tricks helfen, denn: Es reicht schon aus, wenn Ihr Jahresgehalt unter die 62.550 Euro brutto fällt, um in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln zu können.

  • Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob Sie ein Recht auf eine befristete Teilzeitvereinbarung haben (Stichwort: Brückenteilzeit) und Ihre Arbeitszeit soweit reduzieren können, dass Ihr Gehalt unter den Grenzwert fällt. Das Gesetz gilt für Betriebe, in denen mehr als 45 Arbeitnehmer regelmäßig arbeiten.
  • Bietet Ihr Arbeitgeber ein sogenanntes Arbeitszeitkonto an, auf dem Sie geleistete Arbeit für die Zukunft gutschreiben lassen können, ist dies eine weitere Möglichkeit, das Gehalt zu reduzieren und so Versicherungspflicht zu erreichen. Ähnlich kann es unter dem Begriff "Sabattjahr" funktionieren.
  • Sie können Ihr Gehalt außerdem etwas reduzieren, indem Sie Teile davon in eine betriebliche Altersversorgung fließen lassen (Entgeltumwandlung). Aktuell ist dies bis zu einem Betrag von 3216 Euro pro Jahr möglich.

Wie kommt man als Selbstständiger in die gesetzliche Krankenversicherung?

Als Selbstständiger haben Sie zunächst kein Recht auf Rückkehr in die GKV. Es muss erst ein Fall eintreten, der Versicherungspflicht auslöst. Das passiert zum Beispiel dann, wenn Sie als Angestellter einen Arbeitsvertrag unterschreiben und die Selbstständigkeit ganz aufgeben oder nur noch nebenberuflich ausführen. Auch hier dürfen Sie noch nicht 55 Jahre alt sein.

Kriterien dafür, dass Sie nur noch nebenberuflich selbstständig sind:

  • Eigene Angestellte mit einem Verdienst über der Minijob-Grenze von 450 Euro monatlich darf man als nebenberuflich Selbstständiger nicht haben.
  • Sie müssen als Angestellter mindestens so viel verdienen wie Sie Gewinn aus Ihrer Selbstständigkeit haben. Liegt der Gewinn eines Selbstständigen dagegen um mehr als 20 Prozent über seinem Gehalt, gehen die Krankenkassen im Allgemeinen von einem starken Gewicht der Selbstständigkeit aus. Das monatliche Einkommen als Angestellter sollte außerdem möglichst über der Grenze von 1557,50 Euro liegen (ab dem Jahr 2020: 1592,50 Euro).
  • Sie müssen als Angestellter mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten.

Sind Sie einmal als Angestellter in der GKV aufgenommen, können Sie später auch wieder hauptberuflich selbstständig tätig sein und dennoch in der Kasse bleiben.

Rückkehr über die Familienversicherung und weitere Möglichkeiten

Ist Ihr Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner Mitglied der GKV, ist eine Mitgliedschaft in seiner Kasse möglich – zumindest wenn Sie selbst nicht viel verdienen. Hierbei gilt keine Altersgrenze.

Voraussetzung ist jedoch, dass Ihr gesamtes Einkommen die jeweils geltende Höchstgrenze nicht übersteigt. Derzeit darf ein Ehegatte entweder in einem Minijob maximal 450 Euro im Monat verdienen oder ein Gesamteinkommen haben, das nicht über 445 Euro monatlich hinausgeht (im Jahr 2020: 455 Euro).

Auch der Rentner, der seine Rente für einen gewissen Zeitraum mittels der Flexirente reduziert, kann in die Familienversicherung seines Ehegatten wechseln.

Auch über den Bezug von Arbeitslosengeld I entsteht Versicherungspflicht in der GKV für Personen unter 55 Jahren.

Ein Umweg über das EU-Ausland ist eine weitere Möglichkeit, um bei Rückkehr nach Deutschland in die GKV einzutreten. Dafür muss man im EU-Ausland Mitglied der dortigen gesetzlichen Krankenversicherung werden. Für den Beitritt in die deutsche GKV ist dann der Nachweis erforderlich, dass Sie vorher in der ausländischen Krankenversicherung Mitglied waren. Hierbei gilt ebenfalls keine Altersgrenze.

Ist ein Wechsel in die GKV stets zu empfehlen?

Betrachten Sie dazu zwei Aspekte: Einerseits die Beiträge, die Sie monatlich zu zahlen haben, und die in der privaten Krankenversicherung ein Leben lang immer weiter steigen werden. Andererseits ist aber auch wichtig, welche Leistungen Sie je Versicherung bekommen.

Alternativen zum Wechsel in die GKV

Sind die Beiträge in Ihrer privaten Krankenversicherung gestiegen und Ihnen inzwischen zu hoch, ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse nicht die einzige Möglichkeit, darauf zu reagieren.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei Ihrer privaten Krankenversicherung günstigere Tarife finden und was bei einem Wechsel zu beachten ist. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ein Wechsel zu einer anderen privaten Krankenversicherung (PKV) ist in der Regel keine gute Alternative. Rückstellungen, die die alte Versicherung für Sie gebildet hat, gehen teilweise oder ganz verloren und Sie müssen sich einer neuen Gesundheitsprüfung stellen. Mehr zur Möglichkeit, in eine andere PKV zu wechseln, lesen Sie hier.

Zu den Beiträgen

In der privaten Krankenversicherung (PKV) ist mit regelmäßig steigenden Beiträgen zu rechnen. Die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest hat beispielsweise im Jahre 2014 die Faustformel formuliert, dass Personen, die mit ca. 35 Jahren in die PKV eintreten, eine Verdreifachung ihres Beitrags zu erwarten haben bis zum Renteneintritt. Der Beitrag steigt auch danach lebenslang regelmäßig weiter an.

Darum gilt: Wer im Alter nur eine geringe Rente zur Verfügung hat und über keine weiteren Rücklagen verfügt, ist in der GKV in der Regel besser aufgehoben.

Der Beitrag hängt in der GKV von der Höhe Ihrer Einkünfte ab. Wer geringe Bezüge hat, zahlt einen entsprechend geringen Betrag. In zahlreichen Fällen werden sämtliche Einkünfte herangezogen. Meist wird sich der Rückkehrer irgendwann freiwillig versichern müssen. Dann wird von einem Mindesteinkommen in Höhe von 1038,33 Euro ausgegangen (im Jahr 2020: 1061,67 Euro).

Zu den Leistungen

Privat Versicherte haben in einigen Bereichen erweiterte Leistungen im Vergleich zu gesetzlich Versicherten. Bei Fachärzten erhalten Sie häufig immer noch schneller Termine. Zahnersatz ist hochwertiger versichert. Im Krankenhaus werden viele privat Versicherte vom Chefarzt operiert und im Ein- oder Zweibettzimmer untergebracht. Auch die Versorgung mit Heilmitteln wie Krankengymnastik fällt häufig umfangreicher aus.

Grundsätzlich ist der Leistungsumfang der GKV jedoch ebenfalls als hoch zu beurteilen. Es gibt sogar Leistungen, für gesetzlich Versicherte, die private Verträge häufig nicht vorsehen. Dazu zählen insbesondere stationäre Rehabilitation und mehr an Hilfsmitteln.

Ist der Beitrag in der GKV immer günstiger als in der PKV?

Auch in der GKV steigen die Beiträge an. Diejenigen, deren Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 4537,50 Euro brutto monatlich liegt (im Jahr 2020: 4687,50 Euro), erlebten in der Vergangenheit Beitragssteigerungen von jährlich ein bis drei Prozent. Der durchschnittliche Höchstbeitrag in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung liegt aktuell gerundet bei 842 Euro, bzw. 853 Euro für Kinderlose (2020: 870 bzw. 881 Euro).

Wer im Alter hohe Bezüge zu erwarten hat, wird sich auf einen hohen Beitrag einstellen müssen. In der Regel haben Menschen im Alter jedoch deutlich geringere Einkünfte als während des Berufslebens.

Der Blick aufs Alter allein hilft aber nicht. Wenn Ihr Beitrag während Ihres Arbeitslebens in der privaten Krankenversicherung deutlich unter dem liegt, was Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen müssten, bedeutet die Rückkehr erst einmal Einbußen.

Viele, die noch arbeiten und einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung überlegen, werden daher vor der Wahl stehen:

  1. Bis zum Alter noch weiter die geringeren Beiträge in der PKV zahlen und später im Ruhestand immer mehr Geld in die Versicherung stecken.
  2. Jetzt im Berufsleben höhere Beiträge in die GKV hinnehmen, um im Ruhestand vergleichsweise besser weg zu kommen.

Unserer Erfahrung nach kann eine teure private Krankenversicherung bei nur kleinem Finanzpolster im Alter zur echten Kostenfalle werden. Lassen Sie sich darum für einen genauen Vergleich Ihrer Möglichkeiten am besten unabhängig beraten!

Einige Verbraucherzentralen bieten Ihnen Unterstützung bei der Wahl der Krankenkasse und einem möglichen Wechsel in Form von kostenpflichtiger Beratung an. Unterstützung bieten auch unabhängige Versicherungsberater gegen Honorar. Diese finden Sie über deren Verband unter www.bvvb.de.