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Tabletten, Tropfen & Co - "vertragen" die sich mit dem Essen?

Stand:

Nahrungsmittel, Getränke oder Nahrungsergänzungen können die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel beeinflussen. Darauf sollten Sie achten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bestimmte Lebensmittel können die Wirkung Ihrer Medikamente abschwächen, verstärken oder in anderer Weise beeinflussen.
  • Grapefruit und Pomelos beeinflussen den Abbau vieler Medikamente stark. Auch ein großer zeitlicher Abstand zur Einnahme verringert das Risiko nicht.
  • Alkohol, schwarzer und grüner Tee sowie Kaffee sind keine zur Medikamenteneinnahme geeigneten Getränke.
  • Bestimmte Arzneimittel gegen Osteoporose und Antibiotika dürfen nicht mit Milch/Milchprodukten eingenommen werden.
  • Auch Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen.
  • Beachten Sie grundsätzlich die Hinweise der Arzneimittelinformation zu Ihrem Medikament und sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
Beipackzettel des Medikamentes: Wechselwirkungen
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Nahrungsmittel, Getränke oder Nahrungsergänzungen können die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel beeinflussen, wenn sie nicht mit ausreichendem Abstand eingenommen werden. Sowohl eine verminderte als auch eine verstärkte Wirkung des Präparats ist möglich. Dadurch können auch gefährliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten bzw. unangenehme Nebenwirkungen verstärkt werden. Das gilt ganz besonders auch für Nahrungsergänzungsmittel mit ihren konzentrierten Inhaltsstoffen.

Wenn Sie, wie viele ältere Menschen, auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen sind, geben wir Ihnen an dieser Stelle nützliche Hinweise, worauf Sie bei der Einnahme achten sollten. Beachten Sie außerdem unbedingt die Hinweise auf dem Beipackzettel zu Ihrem Medikament. Im Zweifel fragen Sie lieber einmal zu viel in Ihrer Apotheke nach, insbesondere wenn Sie mehrere Arzneimittel oder freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Einnahme nüchtern – was bedeutet das?

Bestimmte Medikamente, z. B. Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin/Levothyroxin) zum Ausgleich einer Schilddrüsenunterfunktion, sollten nach Möglichkeit nüchtern, das heißt 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit und am besten nur mit Leitungswasser eingenommen werden. Zwischen der Einnahme von Schilddrüsenhormonen und dem Verzehr mineralstoffhaltiger Lebensmittel bzw. Milchprodukte sollte sogar ein Zeitraum von zwei bis drei Stunden liegen.

Wenn Sie an Parkinson leiden, sollten Sie L-Dopa/Levodopa-haltige Arzneimittel 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit einnehmen. Die Aufnahme des Wirkstoffs Levodopa wird von Eiweißen aus der Nahrung stark eingeschränkt. Wenn dies nicht möglich ist, verlegen Sie eiweißreiche (proteinreiche) Mahlzeiten auf den Abend, um eine möglichst konstante Wirkung des Arzneimittels über den Tag zu begünstigen. Nehmen Sie Levodopa keinesfalls mit Quark, Joghurt oder Pudding ein.

Einnahme zu den Mahlzeiten: Vorsicht bei Fettigem und Ballaststoffen

Viele Arzneimittel können und sollen zu den Mahlzeiten eingenommen werden.

Für sehr fettreiche Mahlzeiten gilt jedoch: Sie können die Magenentleerung verzögern. Dadurch gelangen die Wirkstoffe verspätet in den Dünndarm, wo die meisten Arzneimittel vom Körper aufgenommen werden. Die Medikamentenwirkung stellt sich also später ein.

Auch der gegenteilige Effekt ist möglich: Durch das verlängerte Einwirken der Magensäure werden bestimmte Wirkstoffe im Dünndarm schneller aufgenommen. Dies betrifft u. a. Arzneimittel gegen Wassereinlagerungen (Spironolacton und Hydrochlorothiazid) sowie den Cholesterinsenker Lovastatin.

Es empfiehlt sich daher, Medikamente nicht zu stark fetthaltigen Mahlzeiten einzunehmen.

Ballaststoffreiche Lebensmittel sind gesund und sollten regelmäßig verzehrt werden. Dennoch sollten z. B. Metformin (Mittel zur Behandlung von Diabetes mellitus) und Digoxin (bei Herzinsuffizienz) nicht mit ballaststoffreichen Lebensmitteln eingenommen werden, da Wirkstoffe zum Teil an Ballaststoffe gebunden werden können und dem Körper dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine schwächere Arzneimittelwirkung kann die Folge sein. Ähnliche Effekte drohen durch Aktivkohle, die heutzutage oft in schwarzen Lebensmitteln als Färbemittel eingesetzt wird.

Lebensmittel mit Interaktionspotenzial

Grapefruit und Pomelo

Grapefruit und ihre Verwandten, die Pomelos oder Pampelmusen, enthalten Substanzen, die die Wirkung bestimmter Enzyme (CYP 3A4) hemmen. Diese Enzyme sind für die Inaktivierung zahlreicher Wirkstoffe notwendig. Bereits durch den Verzehr üblicher Grapefruit-Mengen wird deshalb die Wirkung zahlreicher Arzneimittel deutlich verstärkt. Dies geschieht auch, wenn zwischen Verzehr von Grapefruit und der Einnahme des Arzneimittels ein großer zeitlicher Abstand liegt.

Auf keinen Fall sollten Sie grapefruithaltige Lebensmittel (z.B. Saft) verzehren, wenn Sie Cholesterinsenker (Atorvastatin, Lovastatin, Simvastatin), Beruhigungsmittel (sogenannte Benzodiazepine wie Diazepam oder Lorazepam), Calciumkanalblocker (bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck und andere Herzerkrankungen) sowie Medikamente zur Behandlung von Potenzstörungen und pulmonaler Hypertonie („Lungenhochdruck“), die PDE-5-Hemmer, einnehmen.

Da Grapefruit und grapefruithaltige Lebensmittel kein notwendiger Bestandteil der Ernährung sind und sehr viele Medikamente von diesen Wechselwirkungen betroffen sind, sollten Sie sicherheitshalber auf den Verzehr von Grapefruit und Pomelo verzichten, wenn Sie Medikamente einnehmen bzw. mit Ihrem Arzt oder Apotheker klären, ob Sie auf Grapefruit und Pomelo verzichten sollten.

Calciumreiche Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte

Milch und Milchprodukte enthalten Calcium und Caseine, die den Proteinanteil der Milch bilden. Beide Komponenten besitzen die Eigenschaft, mit Wirkstoffen bestimmter Arzneimittel chemische Bindungen einzugehen. Dies hat zur Folge, dass im Körper weniger Wirkstoff aufgenommen werden kann, was die Wirksamkeit Ihrer Medikamente deutlich reduziert.

Folgende Arzneimittel sollten Sie daher keinesfalls mit Milch und Milchprodukten einnehmen: Bisphosphonate (Arzneimittel gegen Osteoporose mit Alendronsäure oder Zolendronsäure) und auch bestimmte Antibiotika (Tetrazykline und Fluorchinolone).

Insbesondere Bisphosphonate sollten auch nicht zusammen mit calciumreichen Mineralwässern, Calcium-angereicherten Fruchtsäften eingenommen werden, auch wenn diese im Rahmen der knochengesunden Ernährung grundsätzlich empfehlenswert sind.

Alkohol

Alkohol verfügt neben seiner berauschenden Wirkung über ein hohes Wechselwirkungspotenzial mit vielen Arzneimitteln. Besonders relevant für Senioren: Bei längerfristiger Einnahme von Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) erhöht Alkohol das Risiko, an Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren zu erkranken. Wenn Sie also Medikamente mit diesen Wirkstoffen einnehmen, z. B. gegen Gelenkbeschwerden oder zur Vorbeugung eines Schlaganfalls, sollten Sie möglichst wenig und selten Wein, Sekt oder Bier trinken.

Sonstige Lebensmittel

  • Lebensmittel wie Käse, Joghurt, Salami, Sojaprodukte, Rotwein, Schokolade, Trockenfrüchte enthalten viel Tyramin. Sie sollten nicht zusammen mit MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin, Wirkstoff gegen Depressionen) eingenommen werden, da gefährliche Blutdruckkrisen auftreten können (Serotonin-Syndrom).
     
  • Goji-Beeren und Granatapfelsaft gelten hierzulande zwar als Superfood, sollten aber keinesfalls verzehrt werden, wenn Sie Vitamin-K-Antagonisten, sogenannte Cumarinderivate wie Marcumar® (Phenprocoumon) oder Warfarin (Coumadin®) einnehmen, die als Mittel zur Gerinnungshemmung eingesetzt werden. Sie können deren Wirkung deutlich verstärken, das Blutungsrisiko steigt.
    Wenn Sie Vitamin-K-Antagonisten/Cumarinderivate einnehmen, müssen Sie im Rahmen einer abwechslungsreichen Mischkost nicht auf Vitamin K-haltige Gemüsesorten wie Salat, Brokkoli und Spinat verzichten. Lediglich drastische Ernährungsumstellungen ("Salatdiät") sollten Sie im Vorfeld mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, da eine starke Erhöhung des Verzehrs Vitamin-K-haltiger Lebensmittel zu einer schwächeren Wirkung von Cumarinderivaten führen kann.
     
  • Kaffee, schwarzer und grüner Tee enthalten Gerbstoffe, die vermindern die Wirksamkeit vieler Arzneimittel gegen Depressionen und anderer Psychopharmaka um bis zu 80 %. Dies gefährdet den Therapieerfolg stark.
    Andere Teesorten wie Hagebutten- oder Kamillentee bergen dieses Risiko nicht und bieten sich daher als Alternative an.
    Arzneimittel wie Ciprofloxacin (ein Antibiotikum), Cimetidin (ein Magensäurehemmer) oder Prednison (ein Glukokortikoid/Kortison) können dazu führen, dass Sie das im Kaffee enthaltene Koffein schlechter verstoffwechseln. Ihr Kaffee wirkt also stärker bzw. länger und kann Ihnen unter Umständen schlaflose Nächte bereiten.
     
  • Beim Verzehr von Granatapfelprodukten und der Einnahme von Potenzmitteln (PDE-5-Hemmer) oder Antikoagulanzien („Blutverdünner“) sollte ein größerer zeitlicher Abstand eingehalten werden, um gefährliche veränderte Wirkungen auszuschließen.

 

 

Quellen:


Maucher, IV. Arzneimittel-Interaktionen mit Nahrungsmitteln. Gelbe Liste 2019. Stand: 12.09.2019, abgerufen am 16.05.2020

Smollich, M. Einnahme vor oder nach dem Essen? Das ist nicht alles…. Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. Ernährung und Medizin 2018; 33: 141-7

Smollich M, Podlogar J. Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. 1. Aufl. 2016. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Ärzteblatt. Goji-Beere: BfArM warnt vor Interaktion mit Vitamin-K-Anta­gonisten. Stand: 03.04.2013, abgerufen am 17.05.2020.

Zagermann-Muncke, P.(2005): Grapefruit und Arzneimittel. Pharamzeutische zeitung online Nr. 31, abgerufen am 17.05.2020

Adam, O. Stellen Wechselwirkungen zwischen Lebensmitteln und Medikamenten ein Risiko dar? Ernährungs Umschau 2010. Abgerufen am 17.05.2020