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Granatapfel – die gesunde Superfrucht?

Stand:

Granatapfel wird mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und antioxidativen Wirkstoffen beworben. Was ist da dran?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Granatapfel wird als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Saft oder Saftkonzentrat angeboten.
  • Zugelassene Werbeaussagen für Granatapfel-Produkte oder wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit existieren nicht.
  • Zwischen den Inhaltsstoffen des Granatapfels und vielen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen.
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Was steckt hinter der Werbung zu Granatapfel?

Granatapfel wird als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln sowie als Granatapfelsaft und Saftkonzentrat angeboten. Den Produkten werden wundersame Wirkungen nachgesagt. So sollen sie Prostata- und Brustkrebs bremsen, Herz-Kreislauf-Beschwerden lindern, den Blutdruck senken und anti-entzündlich wirken. Außerdem soll durch die Einnahme die Entstehung von Thrombosen, Lungenembolie, Schlaganfall und Herzinfarkt verhindert und Infekte abwehren. Beworben wird der Granatapfel auch im Zusammenhang mit der sexuellen Gesundheit von Männern.

Eindeutige wissenschaftliche Belege, die für Empfehlungen ausreichen, gibt es dafür aber nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die wissenschaftliche Studienlage überprüft. Danach haben weder extrahierte Inhaltsstoffe noch Saft eine positive Wirkung hinsichtlich Herz-Kreislauf-Gesundheit, Blut-Cholesterin, Blutzucker. Die Nachweise zu positiven Auswirkungen auf die Potenz und die antioxidative Wirkung sind ebenfalls nicht bewiesen. Neuere Studien deuten darauf hin, dass ein erhöhter Blutdruck durch das regelmäßige Trinken von Granatapfelsaft etwas sinken könnte. Ähnliches ist aber auch schon für Orangensaft gezeigt worden.

Auf was sollte ich bei dem Verzehr von Granatapfel-Produkten achten?

Der Verzehr von Granatapfel als Frucht und Saft gilt allgemein als sicher. Dagegen ist bislang nicht untersucht worden, ob dies bei dauerhaftem Verzehr auch auf isolierte Granatapfel-Inhaltsstoffe zutrifft.

Fallberichte zeigen, dass es zwischen Granatapfelsaft und bestimmten Medikamenten zu ähnlichen Wechselwirkungen wie bei Grapefruitsaft kommen kann. Durch die Hemmung wirkstoffabbauender Enzyme  in Darm und Leber werden bestimmte Medikamente (z. B. Sildenafil (Viagra®) und Blutgerinnungshemmer mit den Wirkstoffen Phenprocoumon/Warfarin) im Körper langsamer abgebaut und können sich unter Umständen bis zu einer toxischen (giftigen) Menge anreichern. Bei gleichzeitiger Einnahme von Granatapfelsaft oder granatapfelhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln mit Medikamenten sollten Sie daher sicherheitshalber mit Ihrem Arzt Rücksprache halten.

Granatapfelsäfte, vor allem aber Nahrungsergänzungsmittel in Form von Konzentraten und Pulvern, werden meist über das Internet vertrieben. Teilweise wird über hochgradige Verfälschungen von Granatapfelsaft berichtet. Es werden Fremdfrüchte wie z.B. Trauben, Kirschen und Apfel eingesetzt sowie künstlicher Farbstoff, Zucker und Säuren. Außerdem wurden Angebote von rückverdünntem Konzentrat als Direktsaft beobachtet. Achten Sie auf jeden Fall darauf, wie hoch der Granatapfel-Anteil im Produkt ist. Angaben finden Sie in der Zutatenliste. Fehlen diese, wird Granatapfel nur als Geschmacksgeber in winzigen Mengen verwendet.

Was sind Granatapfel-Nahrungsergänzungsmittel?

Der Granatapfel stammt aus West- bis Mittelasien und wächst im tropischen bis subtropischen Klima. Heute wird er auch im Mittelmeerraum, vor allem in der Türkei, angebaut. Von der apfelähnlichen, rötlichen Scheinfrucht werden nur die tiefroten fleischig ummantelten Kerne (Samen) gegessen. Je nach Sorte haben diese ein süßliches oder säuerliches Aroma. Die Schale und das helle Fruchtfleisch sind bitter und nicht genießbar. Geerntet werden Granatäpfel zwischen Oktober und Januar. Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach. Für Nahrungsergänzungsmittel wird der Saft der Kerne konzentriert oder fermentiert und gefriergetrocknet angeboten.

Welche Inhaltsstoffe sind in Granatapfel enthalten?

Zu den Inhaltsstoffen des Granatapfels gehören neben den Mineralstoffen Kalium, Calcium, Eisen und Phosphor auch die Vitamine C und B sowie Folsäure. Verglichen mit der Menge in Orangen (etwa 70 mg) bietet der Granatapfel pro 100 g mit etwa 7 mg wenig Vitamin C. Zu erwähnen ist noch der hohe Gehalt an sogenannten Polyphenolen. Polyphenole gehören zu den sekundären Pflanzenfarbstoffen. Besonders intensiv farbige Früchte wie Blaubeeren oder der Granatapfel weisen auf einen höheren Anteil an diesen speziellen Stoffen, die antioxidativ wirken, hin. Weitere antioxidative  Bestandteile sind die Ellagsäure sowie Punicalagin/Punicalagene.

Können Granatapfel-Produkte mit Schadstoffen belastet sein

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat 2017 einen Bericht zu Rückständen und Kontaminanten in Frischobst aus konventionellem Anbau 2016 veröffentlicht. Die Obstgruppe der exotischen Früchte, wozu auch der Granatapfel gehört, wies dabei die höchste Beanstandungsquote auf. 19 der 175 untersuchten Proben zeigten Rückstände über der festgelegten Höchstmenge. Dabei waren Granatäpfel aus der Türkei auffällig. Konkret wurden Höchstmengenüberschreitungen der Pflanzenschutzmittel Acetamiprid, Fosetyl, Cyfluthrin, Cyprodinil und Prochloraz beobachtet.

Unser Tipp:
Anstelle des vergleichsweise teuren Granatapfels können heimische Früchte wie Himbeere oder Erdbeere, die ebenfalls sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, bevorzugt werden. Besondere Vorteile gegenüber heimischem Obst bietet der Granatapfel nicht.

Quellen:


Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (2017). Rückstände und Kontaminanten in Frischobst aus konventionellem Anbau 2016. abgerufen am 24.07.2020

European Food Safety Authority (2010): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to pomegranate/pomegranate juice and maintenance of normal blood cholesterol concentrations (ID 1162, 1320, 2107, 2167), maintenance of normal erectile function (ID 1163), protection of lipids from oxidative damage (ID 1201, 1319, 2123), “antioxidant and anti‐aging properties” (ID 1901), increase in appetite after unintentional weight loss leading to an increase in energy intake (ID 2122) and maintenance of normal blood glucose concentrations (ID 4471) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006( abgerufen am 24.07.2020)

Bundesinstitut für Risikobewertung. 4. Sitzung der BfR-Kommission für Wein- und Fruchtsaftanalysen (WUFAK). abgerufen am 24.07.2020

United States Department of Agriculture - Agricultural Research Service: FoodData Central. abgerufen am 28.07.2020

Heseker H, Heseker B: Die Nährwerttabelle, 5. aktualisierte Auflage, Neustadt an der Weinstraße Neuer Umschau Buchverlag 2018/2019

National Cancer Institute. Prostate Cancer, Nutrition, and Dietary Supplements (PDQ®)–Health Professional Version. abgerufen am 24.07.2020

Deutsches Krebsforschungszentrum. Ernährung bei verschiedenen Tumorarten – Krebsinformationsdienst. abgerufen am 24.07.2020

Smollich M, Podlogar J: Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebesmitteln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1. Aufl. 2016