Ab 1. Juni sind unsere Beratungsstellen wieder geöffnet. Bitte beachten Sie die derzeit noch eingeschränkten Öffnungszeiten. Nutzen Sie, wenn möglich, auch unsere anderen Beratungswege: telefonisch, per Video oder E-Mail.

Fatburner zum Abspecken - oft eine Gefahr!

Stand:

Herzrasen statt Gewichtsverlust: Nach dem Verzehr sogenannter "Fatburner" gab es schon Todesfälle.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden!

  • Statt die Fettverbrennung anzukurbeln, wirken Fatburner meist nur auf das Herz-Kreislauf-System.
  • Viele Produkte können deshalb unangenehme bis gefährliche Nebenwirkungen haben, wie Bluthochdruck, Schlafstörungen oder Herzrasen bis zum Herzinfarkt.
  • Diese Warnung gilt auch für Produkte, die "rein pflanzlich" sind.
  • Eine besondere Gefahr geht von zugesetzten, aber nicht angegebenen. Wirkstoffen aus.
Fatburner
On

Was steckt hinter der Werbung zu Fatburnern?

Als "Fatburner" beworbene Nahrungs­ergänzungsmittel versprechen wahre Wunder. Überflüssige Kilos sollen verschwinden, einfach durch Anregung des Stoffwechsels und der körpereigenen Fettverbrennung. "Vor allem die Fettpolster an den Problemzonen wie Hüften, Bauch und Po verschwinden zielgerichtet und die Muskulatur zeigt eine schöne Definition." - so eine Werbung für einen "Fatburner", die besonders Bodybuilder ansprechen soll. Gerade diese Sportler legen viel Wert auf eine gut strukturierte Muskulatur mit geringem Anteil an Fettgewebe. Eine Erklärung und Belege für diese angeblich gezielte Wirkung bleiben die Hersteller aber schuldig.

Einige als "rein pflanzlich" deklarierte "Fatburner" sollen die Nahrungsaufnahme reduzieren und die Magentätigkeit steigern. Für Polyphenole aus Zitrusfrüchten und anderen Obstarten wird z. B. versprochen, dass sie "diätetisch den Bauch- und Hüftumfang sowie das Körpergewicht signifikant" reduzieren. Wissenschaftlich belegt ist das aber nicht.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Versprechen als nicht gesichert bewertet und deshalb wurden sie von der Europäischen Union auch nicht als sogenannte Health Claims zugelassen. Das Landgericht Hamburg verurteilte 2018 auf eine Klage der Verbraucherzentrale Hessen eine Firma für Nahrungsergänzungsmittel, die „Fatburner“ mit solchen unzulässigen Werbeaussagen verkauft hat.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Fatburnern achten?

Viele der meist über das Internet vertriebenen Fatburner enthalten gesundheitlich bedenkliche oder nicht hinreichend untersuchte Substanzen. Auch "rein pflanzliche" Mittel  können hoch riskant sein, besonders wenn mehrere Stoffe wie beispielsweise Koffein und Synephrin kombiniert werden: Die Verwendung kann zu erhöhtem Blutdruck, Schlaflosigkeit, Herzrasen oder sogar zum Herzinfarkt führen.

Als besonders wirksam angepriesene "Fatburner" enthalten häufig gefährliche und für Lebensmittel verbotene Substanzen wie z. B. die Industriechemikalie 2,4-Dinitrophenol, auch DNP. In mehreren Ländern gab es in den letzten Jahren Todesfälle nach dem Konsum dieses Stoffes. Besonders tückisch sind nicht deklarierte Zutaten, da die Gefährlichkeit der Produkte dann für den Käufer nicht erkennbar ist. Ein besonderes Risiko besteht hier für Produkte, die über das Internet aus unsicheren Quellen oder aus dem Ausland bestellt werden.

In vielen "Fatburnern" wird eine Vielzahl von Pflanzenextrakten  zusammengemischt. Selbst wenn die einzelnen Substanzen nicht in gesundheitsgefährdenden Mengen enthalten sind, ist die Wirkung dieser Stoffmischungen nicht einzuschätzen und es kann zu unerwarteten gefährlichen Wirkungen kommen.

Zahlreiche der enthaltenen Substanzen können in Wechselwirkungen mit Medikamenten treten, wie z.B. das verbotene Yohimbin mit Psychopharmaka.

Die meisten der verwendeten Stoffe wirken auf das Herz-Kreislauf-System. Je höher der Anteil des entsprechenden Stoffes, umso höher ist das Risiko dieser Produkte. Fehlt in der Zutatenliste eine Mengenangabe der enthaltenen Wirkstoffe, dann sollte ganz auf einen Verzehr verzichtet werden.

Die Kombination mit Koffein, wie häufig in Produkten mit Synephrin, erhöht die Wirkung vieler Stoffe noch und kann zu Bluthochdruck und Herzrasen bis hin zu Herzinfarkten führen.

Ärgerlich ist es auch, wenn in Produkten nicht drin ist, was drauf steht: So hat das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart z. B. in Untersuchungen von Produkten mit HCA trotz der Angabe "100 % Garcinia cambogia-Extrakt" und der Werbung "ohne Füllstoffe" große Anteile an Stärke und mineralischen Bestandteilen gefunden. Nur können Verbraucher das leider nicht erkennen.

Welche Inhaltsstoffe sind in Fatburnern enthalten?

Eine rechtliche Definition, was sich hinter dem Begriff "Fatburner" verbirgt, gibt es nicht. Sie sind deshalb sehr unterschiedlich zusammengesetzt, enthalten aber meist eine oder mehrere der folgenden Substanzen. Diese sind zum Teil für die Verwendung in Lebensmitteln - also auch in Nahrungsergänzungsmitteln – gar nicht zugelassen.

Die Hydroxycitronensäure (HCA) wird aus der indischen Gewürzpflanze Garcinia cambogia (Malabar Tamarinde) gewonnen und als Garcinia-cambogia-Extrakt in Fatburnern eingesetzt. Im Tierversuch wurde ermittelt, dass HCA ein wichtiges Enzym im Fettstoffwechsel hemmt. In einer aktuellen Übersichtsstudie zu acht kleineren Studien wird die positive Wirkung von Garcinia cambogia auf Körpergewicht und BMI beschrieben. Ob die in den Studien herrschenden Bedingungen (Ausgangssituation der Teilnehmer, verwendeter Extrakt, Dosierung) aber auf den Verzehr der auf dem Markt befindlichen Nahrungsergänzungsmitteln übertragen werden können, ist unklar, zumal es keine definierten Extrakte gibt und sich daher die von Hersteller A und B verwendeten Extrakte massiv unterscheiden können.

HCA-haltige Extrakte haben in Tierversuchen zu Schäden an den Hoden geführt. In Studien am Menschen konnten deshalb keine Versuche mit höheren Dosierungen gemacht werden. Und so bestehen starke Zweifel nicht nur an der Wirksamkeit, sondern auch an der Sicherheit HCA-haltiger Schlankheitsmittel. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat Proben untersucht. Dabei wichen die angegebenen HCA-Mengen stark von den tatsächlich festgestellten Mengen ab.

Die Industriechemikalie 2,4-Dinitrophenol (DNP) ist eine giftige, fettlösliche Substanz, die zur Gruppe der Nitrophenole gehört und im ersten Weltkrieg als Sprengstoff für Granaten verwendet wurde. Schon in den 1930er Jahren wurde sie zum Abnehmen verwendet, aber wegen ihrer schädlichen Nebenwirkungen schnell wieder vom Markt genommen. Sie wird heute oft unerlaubt in Nahrungsergänzungs­mitteln für Sportler, vor allen Dingen für Bodybuilder, eingesetzt.

DNP stört den normalen Energiestoffwechsel in den Körperzellen. Es verhindert die Bildung des Energieträgers ATP in den Zellen. Die entstehende Energie wird stattdessen als Wärme frei, was sich in Fieber oder Schweißausbrüchen äußert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte schon 2015 vor Nahrungsergänzungsmitteln mit DNP, da es auch in Europa zu Todesfällen nach Verzehr solcher Produkte kam. Über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel RASFF wurde 2019 und 2020 rund 100 Mal die Verwendung von DNP in online angebotenen Nahrungsergänzungsmitteln gemeldet.

Synephrin, wird oft als Alternative zum verbotenen Ephedrin bzw. Ephedrakraut eingesetzt. Es kommt natürlicherweise unter anderem in der Bitterorange (auch Pomeranze oder Citrus Aurantium) vor, ist in Fatburnern häufig zusammen mit Koffein (bzw. koffeinhaltigen Zutaten wie Guarana, Grüntee- oder Kaffeeextrakt) anzutreffen. Beide Stoffe wirken auf das Herz-Kreislauf-System und können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Dies betrifft besonders die Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks.

Über Früchte wird kaum zu viel Synephrin aufgenommen, aber über Nahrungsergänzungsmittel kann das schnell passieren. Aufmerksam sollte man deshalb werden, wenn in der Zutatenliste die Zutat Citrus-Aurantium-Extrakt zu finden ist. Laut BfR sollten mit einem Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 6,7 mg Synephrin pro Tag verzehrt werden. In vielen Produkten wird diese Menge aber deutlich überschritten.

Ketone (meist Himbeerketon) werden ebenfalls zur Leistungssteigerung beim Sport und als "Fatburner" zur Gewichtsabnahme angeboten. Fundierte wissenschaftliche Studien, die diese Wirkungen belegen, gibt es nicht. Die Aussagen mit Bezug auf Gewichtsreduktion wurden von der EFSA aufgrund mangelnder Belege bereits als wissenschaftlich nicht gesichert zurückgewiesen.

Das verbotene Yohimbin aus der Rinde des afrikanischen Yohimbe-Baumes kommt in Fatburnern meist als Yohimbinhydrochlorid (Yohimbin-HCL) vor. Es wird für Bodybuilder zum Fettabbau bzw. zur Verbesserung der sportlichen Leistung beworben. Yohimbin kann zwar die Konzentration freier Fettsäuren im Plasma erhöhen, das fördert aber nicht zwangsläufig eine Gewichtsreduktion, die von vielen weiteren Faktoren abhängt.

Als gesundheitliche Risiken von Yohimbin werden u. a. Schlaflosigkeit, Angst und Erbrechen genannt. Yohimbin-HCl erhöht die Herzleistung, was u. a. zu erhöhtem Blutdruck führt. Das BfR bewertet deshalb Yohimbin wegen bekannter Risiken als "nicht für die Verwendung in Lebensmitteln geeignet". Yohimbe wurde im April 2019 mit der EU-Verordnung 2015/650 als ein Stoff eingestuft, dessen Verwendung in Lebensmitteln – und damit auch in Nahrungsergänzungsmitteln – in der Europäischen Union  verboten ist (gemäß Anhang III, Teil A, VO (EG) 1925/2006).

Nicht alle als "Fatburner" angebotene Nahrungsergänzungsmittel enthalten gefährliche Substanzen.

Von der Zeitschrift "Ökotest" wurden 2018 Fatburner und andere Schlankheitsmittel getestet, die es in Apotheken, Drogerien, Discountern und Supermärkten ohne Rezept zu kaufen gibt. Die maßgeblichen Inhaltsstoffe in den getesteten Fatburnern waren Zitrusfrucht- und Guaranaextrakt. Einigen Produkten werden auch die Spurenelemente Chrom und Zink sowie Kupfer zugesetzt.

Tipp:

Verzichten Sie auf "Fatburner", vor allem auf Produkte aus unsicheren Quellen im Internet. Eine Fettverbrennung findet grundsätzlich nicht an den erwünschten Stellen unter der Haut statt, sondern bei der Energiegewinnung im Stoffwechsel des gesamten Körpers. Gute Strategien zum Abnehmen sind hilfreicher als Pillen: kontrolliert, aber abwechslungsreich essen, regelmäßig Sport treiben und dabei die gewünschten Muskelgruppen gezielt trainieren.

 

Quellen:


Klenow S, Latté K P, Wegewitz U, Dusemund B, Pöting A, Schauzu M, Schumann R, Lindtner O, Appel K E, Großklaus E, Lampen A (2013): Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, Yohimbe, Bundesinstitut für Risikobewertung, 2., ergänzte Auflage, Berlin.

EFSA, EFSA Journal 2013; 11 (7): 3302: Scientific Opinion on the evaluation of the safety in use of Yohimbe

Verordnung (EU) 2019/650 der Kommission vom 24. April 2019 zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf Yohimbe (Pausinystalia yohimbe (K. Schum) Pierre ex Beille).

Schnellwarnungen RASFF, Meldungen zu Yohimbe in Nahrungsergänzungsmitteln,  abgerufen am 18.02.2021Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme Nr. 004/2013 des BfR vom 16. November 2012: Gesundheitliche Bewertung von synephrin- und koffeinhaltigen Sportlerprodukten und Schlankheitsmitteln.

CVUA Karlsruhe: Internethandel: Verbotene Stoffe in Schlankheitsmitteln, aktualisiert am 05.03.2019

Ziegenhagen R, Braun H, Carlsohn A, Großhauser M, Heseker H, König D, Mosler S, Nieß A, Oberritter H, Schäbethal K, Schek A, Stehle P, Virmani K, Lampen A. Position of the working group sports nutrition of the German Nutrition Society (DGE) (2020): Safety aspects of dietary supplements in sports. Dtsch Z Sportmed. 71: 216-224.

Bundesinstitut für Risikobewertung: Lebensmittelsicherheit Nahrungsergänzungsmittel im Sport, BfR2GO 1/2018.

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Pressemitteilung: Schlankheitsmittel versprechen viel - helfen aber nur wenig, 03.01.2017

Aktualisierte Mitteilung Nr. 046/2015 des BfR vom 26. November 2015: Nahrungsergänzungsmittel, die Dinitrophenol (DNP) enthalten, können zu schweren Vergiftungen bis hin zu Todesfällen führen.

Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärmedizin (2019): 2,4-Dinitrophenol (DNP). Stand: 21.05.19

Food Standards Agency (2018): The dangers of DNP (2,4-dinitrophenol) and the steps we take to limit its availability and reduce risk to the public. Stand: 16.09.2019

Lerch C (2016): Garcinia cambogia - ein Schlankmacher? Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart 16.03.2016, (eingesehen am 18.12.2020)

Maixner S, Kohl-Himmelseher M (2016): Schlank und fit mit Pillen? , Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe 15.03.2016. (eingesehen am 18.12.2020

Ökotest (2018), Test: 21 Schlankheitsmittel im Test Schön wär´s.(eingesehen am 18.02.2021)

NADA: World Anti-Doping Code International Standard, Prohibited List, January 2021.

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2019): OPSON VIII. Stand: 21.06.19

 

Mehr zum Thema

NADA: Vorsicht vor Nahrungsergänzungsmitteln