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Hirschberger NaturRat: Probelieferung wird zum Pillen-Abo

Stand:
"Hirschberger NaturRat" - so bietet die Bonafair AG aus der Schweiz per Telefon Nahrungsergänzungsmittelproben an. Es lauert eine teure Abofalle. Möglicherweise tritt die Mönchshofer AG jetzt die Nachfolge an.
Ältere Dame am Telefon

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach einem Werbegespräch am Telefon sollen günstige Probepackungen kommen – danach läuft aber ein teures Abo weiter: Mit dieser Masche ist die Bonafair AG aus der Schweiz aufgefallen.
  • Unter dem Logo "Hirschberger NaturRat" vertreibt Bonafair Mittel gegen Gelenkschmerzen und Einschränkungen in der Gedächtnisleistung.
  • Wer nach einem Telefonat ein ungewolltes Abo hat und hohe Rechnungen bekommt, sollte dem angeblichen Vertragsschluss ausdrücklich widersprechen und einen Widerruf erklären.
  • Bonafair wurde im Januar 2022 vom Gericht verurteilt, das unrechtmäßige Geschäftsgebahren zu unterlassen. Trotz dann fälligen Ordnungsgelds scheint es weitere Fälle zu geben, teilweise auch unter einer neuen Firmierung "Mönchshofer AG". Melden Sie sich bei uns!
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Der Gesundheit etwas Gutes tun, wer will das nicht? Eine Geschäftsidee, die dabei offensichtlich nach wie vor gut läuft, ist trotz vieler warnender Hinweise die alte Masche mit den Probelieferungen. Unter dem Logo "Hirschberger NaturRat" bietet eine Bonafair AG aus der Schweiz mit einem deutschen Vertrieb aus Lichtenstein bundesweit Mittel gegen Gelenkschmerzen und Einschränkungen in der Gedächtnisleistung an.

  1. Per Telefonakquise - die Anrufer präsentieren sich gerne als Apotheker - kommt ein Angebot für die Kapseln mit Probepackungen zum günstigen Kennlern-Preis.
  2. Tatsächlich werden Verbraucher:innen mit dem angeblichen Preisvorteil gegenüber dem Apothekenbezug und einem vermeintlich günstigen Monatsvorrat in eine Abofalle gelockt.

Was den meist älteren Betroffenen im Laufe des ersten Telefonats nicht klar wird: Mit Zusendung der Probepackungen sei aus Sicht des Unternehmens ein Pillenabo zustande gekommen, sofern man dem nicht widerspricht. Und für das Abo sind die Preise dann höher als für die Proben.

Die Produkte seien für eine dauerhafte Anwendung entwickelt worden – was letztlich bedeutet, dass der Absatzgedanke der Firma nicht nur auf die Probepackungen sondern auf eine langfristige Belieferung ausgerichtet ist. Das wird den meisten angerufenen Verbraucher:innen im Gespräch offensichtlich nicht klar und eindeutig vermittelt. Offenbar lassen sich einige Verbraucher:innen auf die Probelieferungen ein und bezahlen diese auch. Die Verärgerung setzt dann ein, wenn weitere Lieferungen, verbunden mit Rechnungen, eintreffen.

So helfen die Verbraucherzentralen:

Da die Beschwerden über den Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln der Marke “Hirschberger NaturRat” durch die Bonafair AG über unbestellt zugesandte Ginkgo-Produkte oder Gelenk-Kapseln nicht aufhörten, hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg 2021 Klage eingereicht. Laut Gerichtsurteil ist Bonafair nun verpflichtet (Anerkenntnisurteil vom 31.01.2022, Aktenzeichen 5 O 24/21 KfH) ungewollte Anrufe und die Zusendung unbestellter Ware samt Rechnungen zu unterlassen. Auch darf Bonafair Verbraucher:innen, die einen mündlichen Vertrag am Telefon geschlossen hatten, keine Rechnungen mehr schicken, wenn die Widerrufsfrist eingehalten und die Bestellung widerrufen wurde. Falls Bonafair sich nicht an dieses Urteil hält, wird ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro fällig. Mehr Informationen und einen Musterbrief finden Sie auf dieser Seite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Beschwerden über die Fa. Mönchshofer AG, Schweiz, die möglicherweise als Nachfolge der Bonafair AG agiert, bitte ebenfalls an die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg melden.

 

Das Team der Marktbeobachtung spricht für diese Art unerwünschter Verträge am Telefon eine Warnung aus.

Achten Sie bei derartigen Verkaufstelefonaten genau darauf, was im Detail besprochen wird. Ein wirksamer Vertrag kommt nur dann zustande, wenn beide Vertragsparteien sich über alle wesentlichen Punkte wie

  • Kosten,
  • Lieferzeiträume,
  • Laufzeit
  • und Kündigungsfristen

geeinigt haben. Fehlt es an einer derartigen Vereinbarung, dann sollten Sie dem angeblichen Vertragsschluss ausdrücklich widersprechen und – da es sich um ein so genanntes Fernabsatzgeschäft handelt – den Widerruf zum angeblichen Vertragsschluss erklären. Hilfe dabei bekommen Sie auch bei den Verbraucherzentralen.

Weitere Informationen zu Ihren Rechten beim Einkauf von Nahrungsergänzungsmitteln auf den verschiedenen Vertriebswegen finden Sie auf dieser Seite.

Generell raten wir davon ab, Nahrungsergänzungsmittel, die leicht mit geprüften pflanzlichen Arzneimitteln verwechselt werden können, aus unbekannten Quellen zu beziehen. Diese Produkte entziehen sich weitestgehend der amtlichen Überwachung. Entsprechend häufig findet man dabei unseriöse Wirkversprechen, sogar Gesundheitsschäden können nicht ausgeschlossen werden.