Plastik – ein zunehmendes Problem für Umwelt und Gesundheit
Weltweit werden heute etwa 400 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr produziert. Für die Umwelt wird das zunehmend zum Problem.

Ob in Verpackungen, Kosmetik oder Kleidung: Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Weltweit werden heute bis zu 400 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr produziert. Für die Umwelt wird das zunehmend zum Problem.
Darum ist Plastik für die Umwelt ein Problem
- Schon bei der Gewinnung, Herstellung und Verarbeitung von Kunststoff werden viele klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt. Die verschiedenen Herstellungsschritte kosten Energie und es geraten schädliche Stoffe in die Umwelt.
- 40 Prozent des produzierten Kunststoffs stecken in Einwegartikeln und Verpackungen. Sie werden nur kurz genutzt. Ressourcen und Energie gehen bei der Verwertung verloren.
- Plastik ist biologisch nicht abbaubar. Es zerfällt in immer kleinerer werdende Teile und das sehr langsam. Wird eine Plastikflasche achtlos weggeworfen, kann es bis zu 450 Jahre dauern, bis sie sich in Kleinstteile zersetzt hat.
- Kunststoffe enthalten chemische Zusätze, die bei der Zersetzung frei werden. Sie können bedenklich für die Umwelt sein.
- Tiere wie Vögel oder Fische verheddern sich am Plastikmaterial oder verwechseln es mit Nahrung, was zu Verletzungen oder fehlendem Hungergefühl führen kann. Im schlimmsten Fall endet dies für die Tiere tödlich. Auch Keime und langlebige organische Schadstoffe, die dem Plastik anhaften, schaden den Tieren und können sie indirekt krank machen.
So gelangt Plastik in die Umwelt
In vielen Fällen gelangen große Plastikstücke gemeinsam mit kleinen Plastikteilchen über Flüsse ins Meer. Die winzigen Kunststoffpartikel, auch Mikroplastik genannt, stammen zum Beispiel aus Reifenabrieb, Synthetikkleidung und aus Kosmetikprodukten. Sichtbar werden die Plastikmengen vor allem in fünf großen Plastikstrudeln in den Ozeanen.
Allerdings sehen wir an der Oberfläche nur einen geringen Teil des Plastiks. Weitaus mehr schwebt im Wasser oder sinkt zum Meeresgrund.
Aber nicht nur im Meer, sondern auch in fließenden und stehenden Gewässern sowie im Boden befindet sich viel Plastik. Dieses gelangt beispielsweise über Düngungen mit Klärschlamm, in dem sich vor allem Mikroplastik befinden kann, in die Böden. Auch über abgelöste Fahrbahnmarkierungen, den Abrieb von Autoreifen oder achtlos weggeworfene Verpackungen sammelt sich Plastik in unserer Umwelt an.
Für Details klicke auf die Gegenstände im Meer:

Grafik: Eva Haak
Recycling: Mehr Schein als Sein
Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es die Möglichkeit, Kunststoffe in größerem Umfang wiederzuverwerten. Insgesamt wurde aber nur ein Bruchteil des produzierten Plastiks recycelt. Der größte Teil wurde verbrannt, auf Deponien gelagert und in andere Länder exportiert, wo ungewiss ist, was damit passiert.
In Deutschland wird heute zwar immer mehr recycelt, von einem echten Wertstoffkreislauf sind wir allerdings noch weit entfernt. Nur knapp 35 Prozent des Plastikmülls werden in Deutschland tatsächlich zu Kunststoffflocken (Rezyklat) verarbeitet. Die Hälfte davon wird zu minderwertigem Kunststoff, der im Bau (PVC), in Eimern und Parkbänken verwendet wird. Aus etwa einem Drittel entstehen neue Verpackungen, aber nur selten wieder Lebensmittelverpackungen.
Dass viele Kunststoffe nicht recycelt werden, liegt unter anderem an den niedrigen Kosten für die Neuproduktion von Kunststoff, denn die Ölpreise sind seit Jahren niedrig. Aber auch die Art der Kunststoffe spielt beim Recycling eine Rolle. Einige Plastik-Arten sind in einem Verbund mit anderen Materialien zu finden (PET-Überzug auf Pappe, Getränkekartons), andere enthalten giftige Zusatzstoffe. Die Trennung ist zu kostenintensiv, weswegen das Plastik meist verbrannt wird. Auch immer noch ein Problem: Falsche Mülltrennung. Nicht alle Plastikabfälle erreichen überhaupt jemals die Recyclinghöfe.
Problematisch - auch für die Gesundheit
Laut einer australischen Studie des WWF nimmt jeder Mensch etwa fünf Gramm Mikroplastik pro Woche über Nahrung, Luft und Hautkontakt auf – das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Experten gehen davon aus, dass der größte Teil ausgeschieden wird, Forschende aus Amsterdam haben kleinste Mengen aber auch schon im Blut von anonymen Spenderinnen und Spendern nachweisen können.
Ob Kunststoffe für den Menschen bedenklich sind, ist noch unklar. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Mikroplastik Entzündungsprozesse auslösen kann. Sicher ist, dass Kunststoffen häufig gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe enthalten. Diese machen beispielsweise Verpackungen und Folien biegsamer und Jacken schmutzabweisend.
Die bekanntesten Beispiele für bedenkliche Stoffe sind Weichmacher, Bisphenol A (BPA), per- und polyfluorierte Chemikalien (kurz: PFCs) und Flammschutzmittel. Da keine Kennzeichnungspflicht für solche Stoffe in Plastikprodukten existiert, können Verbraucherinnen und Verbraucher nicht sehen, ob ein Produkt unbedenklich ist. Auch Kennzeichnungen wie „BPA-frei“ können trügerisch sein, wenn beispielsweise der Ersatzstoff Bisphenol S (BPS) eingesetzt wurde, der ebenfalls in Verdacht steht, hormonähnlich zu wirken.
Ebenfalls problematisch: Kunststoffe reichern sich über Jahre oder Jahrzehnte in der Nahrungskette an. Die langfristigen Folgen für Umwelt und Gesundheit sind noch gar nicht absehbar.
Mehr zu den gesundheitsgefährdenden Stoffen findest du im Artikel "So gefährlich ist Plastik für die Gesundheit".
Fazit: Die Probleme, die die riesigen Mengen an Plastik verursachen, werden immer größer. Es ist daher an der Zeit, Plastik zu sparen und nach Alternativen zu suchen. Und dafür kann jeder Einzelne etwas tun.
Die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern, dem Wegwerftrend politisch Grenzen zu setzen. Hier kannst Du ein Faktenblatt zur Reduzierung von Verpackungsmüll herunterladen.
