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Plastik – ein zunehmendes Problem für Umwelt und Gesundheit

Stand:
  • Die Herstellung von Kunststoff verbraucht viele Ressourcen und setzt schädliche Treibhausgase frei
  • Nicht nur Plastikmüll, auch Mikroplastik, zum Beispiel aus Kosmetik, Kleidungsfasern oder Reifenabrieb, gelangt in großen Mengen in die Umwelt
  • Verschiedene Zusatzstoffe wie Weichmacher können für die Gesundheit problematisch sein
Jemand wirft eine Plastik-Trinkflasche aus dem Autofenster
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Ob in Verpackungen, Kosmetik oder Kleidung: Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Weltweit werden heute bis zu 400 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr produziert. Für die Umwelt wird das zunehmend zum Problem.

Weltweit werden jährlich 320 bis 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert.
1950 war es nur etwa eine Million Tonnen.
Ein großer Teil des produzierten Plastiks steckt in Einwegprodukten und Verpackungen.
Nämlich 40 Prozent.
Wir Deutschen produzieren jährlich 227,5 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf und liegen damit...
... klar über dem europäischen Durchschnitt.
Deutschland hat das größte Mehrwegsystem der Welt. Allerdings liegt die Mehrwegquote...
... nur bei knapp über 40 Prozent.
Seit 1950 wurden weltweit nur 9 Prozent aller Kunststoffe recycelt. Neue Kunststoffe sind ca. 25 Prozent billiger...
... als die recycelte Variante aus Rezyklat.
Deutschland ist der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll.
Nur die USA und Japan exportieren mehr.
In den Ozeanen werden 86 bis 150 Millionen Tonnen Plastikmüll vermutet, Tendenz weiter steigend. 2050 wird es vermutlich...
... mehr Plastik im Wasser geben als Fische.
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40 Prozent des produzierten Kunststoffs stecken in Einwegartikeln und Verpackungen, die in der Regel nur dem Transport oder der Aufbewahrung dienen. Schon bei der Herstellung von Kunststoffen werden viele Treibhausgase freigesetzt, beispielsweise bei der Gewinnung und der Verarbeitung, durch Raffination oder Waldrodungen. Die verschiedenen Herstellungsschritte kosten Energie und es geraten schädliche Stoffe in die Umwelt.

So gelangt Plastik in die Umwelt

Noch problematischer ist es, wenn Kunststoffe selbst in die Umwelt gelangen. Wird Plastik achtlos weggeworfen, kann es bis zu 450 Jahre dauern, bis es sich in Kleinstteile zersetzt hat. Chemische Zusätze aus dem Kunststoff oder dessen Abbauprodukte werden bei der Zersetzung frei. In vielen Fällen gelangen große Plastikstücke gemeinsam mit kleinen Plastikpartikeln  über Flüsse ins Meer. Die winzigen Kunststoffpartikel, auch Mikroplastik genannt, stammen zum Beispiel aus Reifenabrieb, Synthetikfaserabbrüchen und aus Kosmetikprodukten. Sichtbar werden die Plastikmengen vor allem in fünf großen Plastikstrudeln in den Ozeanen. 

Der größte Plastikstrudel im Meer ist dreimal so groß wie Frankreich.

Allerdings sehen wir an der Oberfläche nur einen geringen Teil des Plastiks. Weitaus mehr schwebt im Wasser oder sinkt zum Meeresgrund.
Aber nicht nur im Meer, sondern auch in fließenden und stehenden Gewässern sowie im Boden befindet sich viel Plastik. Dieses gelangt beispielsweise über Düngungen mit Klärschlamm, in dem sich vor allem Mikroplastik befinden kann, in die Böden. Auch über abgelöste Fahrbahnmarkierungen, den Abrieb von Autoreifen oder achtlos weggeworfene Verpackungen sammelt sich Plastik in unserer Umwelt an.

Mögliche Folgen: Tiere wie Vögel oder Fische verheddern sich am Plastikmaterial oder verwechseln es mit Nahrung, was zu Verletzungen oder fehlendem Hungergefühl führen kann. Im schlimmsten Fall endet dies für die Tiere tödlich. Auch Keime und langlebige organische Schadstoffe, die dem Plastik anhaften, schaden den Tieren und können sie indirekt krank machen.

Für Details klicke auf die Gegenstände im Meer:

Die Grafik zeigt verschiedene Plastikteile, die im Meer unter Wasser schwimmen.

Grafik: Eva Haak

Recycling: Mehr Schein als Sein

Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es die Möglichkeit, Kunststoffe in größerem Umfang wiederzuverwerten. Insgesamt wurde aber nur ein Bruchteil des produzierten Plastiks recycelt. Der größte Teil wurde verbrannt, auf Deponien gelagert und in andere Länder exportiert, wo ungewiss ist, was damit passiert.

Heute liegt die Recyclingquote in Deutschland zwar bei etwa 45 Prozent, aber die Zahl täuscht: Nur 19 Prozent des Plastikmülls werden in Deutschland tatsächlich zu Kunststoffflocken (Rezyklat) verarbeitet, die Hälfte davon zu minderwertigem Kunststoff. Aus etwa 9 Prozent entstehen neue Verpackungen. Das meiste recycelte Plastik wird in der Landwirtschaft, im Elektronikbereich (Kabelisolierung) und im Bau (PVC) verwendet.

Dass viele Kunststoffe nicht recycelt werden, liegt unter anderem an den niedrigen Kosten für die Neuproduktion von Kunststoff, denn die Ölpreise sind seit Jahren niedrig. Aber auch die Art der Kunststoffe spielt beim Recycling eine Rolle. Einige Plastik-Arten sind in Verbundverpackungen zu finden (PET-Überzug auf Pappe, Getränkekartons), andere enthalten giftige Zusatzstoffe. Die Trennung ist zu kostenintensiv, weswegen das Plastik verbrannt oder in einer Deponie endgelagert wird.

Problematisch - auch für die Gesundheit

Nicht nur für die Umwelt, auch für unsere Gesundheit kann Plastik kritisch werden. Damit Kunststoffe beispielsweise biegsamer werden oder eine Jacke schmutzabweisend, werden häufig gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe verwendet, die wir über Hautkontakt, Nahrung und Luft aufnehmen.

Die bekanntesten Beispiele dafür sind Weichmacher, Bisphenol A (BPA) und Flammschutzmittel. Da keine Kennzeichnungspflicht für solche Stoffe in Verpackungen existiert, können Verbraucher*innen nicht sehen, ob ein Produkt unbedenklich ist. Auch Kennzeichnungen wie „BPA-frei“ können trügerisch sein, wenn beispielsweise der Ersatzstoff Bisphenol S (BPS) eingesetzt wurde, der ebenfalls in Verdacht steht, hormonähnlich zu wirken.

Ebenfalls problematisch: Kunststoffe reichern sich über Jahre oder Jahrzehnte in der Nahrungskette an. Die langfristigen Folgen für Umwelt und Gesundheit sind noch gar nicht absehbar.

Mehr zu den gesundheitsgefährdenden Stoffen findest du im Artikel Gefahren für die Gesundheit durch Plastik.

Fazit: Die Probleme, die die riesigen Mengen an Plastik verursachen, werden immer größer. Es ist daher an der Zeit, Plastik zu sparen und nach Alternativen zu suchen. Und dafür kann jeder Einzelne etwas tun. 

Die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern, dem Wegwerftrend politisch Grenzen zu setzen. Hier kannst Du ein Faktenblatt zur Reduzierung von Verpackungsmüll herunterladen.