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Maqui - Die neue Super-Beere?

Stand:

Maqui wird als Beere mit außergewöhnlichem Nährstoffgehalt beworben, soll gegen trockene Augen, bei Diabetes und gegen Entzündungen helfen.

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Die Maqui-Beere wird als exotische Superbeere mit hohem Anthocyangehalt angepriesen.
  • Wie hoch der Gehalt an Anthocyanen in dem zu Saft, Pulver oder Extrakt verarbeiteten Produkt tatsächlich ist und ob sie im Körper eine gesundheitliche Wirkung entfalten, ist meist nicht untersucht oder ersichtlich.
  • Bisher liegen erst wenige Studien zur Sicherheit der Nahrungsergänzungsmittel mit Maqui-Extrakten vor. Der Verzehr von anthocyanreichen natürlichen Lebensmitteln ist dagegen unbedenklich.
  • Aussagen wie "hilft bei trockenen Augen" oder "reguliert den Blutzucker" sind für Nahrungsergänzungsmittel verboten.
Maqui Beere
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Was steckt hinter der Werbung zu Maqui-Beeren?

Nach Noni-, Açaí- und Goji-Beere folgt auf dem Markt der Nahrungsergänzungsmittel die nächste exotische "Super-Beere". Geworben wird vor allem mit einer "Stärkung des Immunsystems", einem "gewaltigen Gewichtsverlustpotential" oder auch mit der "starken Entgiftungs­funktion" auf Grund des angeblich "höchsten Anthocyangehalts von allen Lebensmitteln auf der ganzen Welt". Auch bei Entzündungen des Bewegungsapparates oder Herzproblemen sollen Nahrungsergänzungsmittel mit der Maqui-Beere helfen.

Relativ neu sind Werbeaussagen, wonach spezielle Maqui-Extrakte mit dem Anthocyan Delphinidin bei trockenen Augen helfen, die Tränenproduktion erhöhen oder eine Alternative zu Augentropfen darstellen sollen. Hierbei handelt es sich um in der EU verbotene gesundheitsbezogene Werbeaussagen. Auf der Verpackung entlarven sich die Hersteller dann auch selber, in dem sie die positive Wirkung auf die Augen "Aufrechterhaltung der normalen Sehkraft" nur noch den zugesetzten Vitaminen A und B2 zuschreiben.

Außerdem werden Maqui-Extrakte angeboten zur besseren Regulierung des Blutzuckerspiegels. Hier findet man das gleiche Muster: Auf der Verpackung lautet die Wirkungsbeschreibung nur noch "Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels und Stoffwechsels" und bezieht sich auf das zugesetzte Chrom.

Die in Maquibeeren enthaltenen Anthocyane gehören zur Gruppe der Antioxidantien, die im Körper Radikale abfangen. Radikale entstehen bei normalen Stoffwechselprozessen und können Zellen schädigen oder auch natürliche Alterungsprozesse beschleunigen. Die frischen Maqui-Beeren enthalten besonders viel Anthocyan. Wie hoch der Gehalt an Anthocyanen in dem zu Saft, Pulver oder Extrakt verarbeiteten Produkt allerdings ist, ist meist nicht untersucht oder ersichtlich. Auch inwieweit die Extrakte überhaupt vom Körper aufgenommen werden (Bioverfügbarkeit) und tatsächlich gesundheitliche Wirkungen entfalten, ist bisher nur wenig untersucht.

Delphinidin ist eines der enthaltenen Anthocyane mit blauvioletter Färbung. Es ist beispielsweise der dominierende Farbstoff der roten Weintraube Cabernet Sauvignon. Studien, die Wirkungen in Bezug auf Krebserkrankungen zeigen, basieren bisher lediglich auf Zelluntersuchungen.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Maqui-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln achten?

Während der Verzehr des Fruchtpulvers als sicher gilt, ist das Wissen zu Maqui-Extrakten sehr lückenhaft. Es liegen kaum wissenschaftliche Studien zu möglichen (Langzeit-)Risiken, Wechselwirkungen mit Medikamenten oder auch zur Bioverfügbarkeit vor, zumal Extrakte im Lebensmittelbereich nicht definiert sind. Es könnte sich also auch um Blattextrakte handeln.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät grundsätzlich zur Vorsicht bei neuen Pflanzenstoffen bzw. deren Extrakten. Auch gibt es bisher gibt es weder Empfehlungen, wie viele Anthocyane man zu sich nehmen soll bzw. bis zu welcher Menge Anthocyane pro Tag sicher sind. Damit bergen Nahrungsergänzungsmittel prinzipiell ein gewisses Risiko, eine zu hohe Menge an Anthocyanen zu sich zu nehmen. Allerdings sind die Hersteller in der Pflicht, nur sichere Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen. Schwierigkeiten sind hier vor allem beim Einkauf aus dem Nicht-EU-Ausland zu erwarten.

Bei natürlichen Lebensmitteln besteht die Gefahr einer zu hohen Zufuhr nicht, daher gibt es auch keine Probleme mit Beeren, Saft oder Fruchtpulver. Es spricht daher nicht gegen einen reichlichen Verzehr anthocyanhaltiger Gemüse oder Früchte – im Rahmen einer insgesamt abwechslungsreichen Ernährung.

Was sind Maqui-Beeren?

Die Maqui-Beeren (Chilenische Weinbeere, Aristotelia chilensis) sind kleine, tief violette Beeren – ähnlich der Heidelbeere. Es sind die Früchte des Maqui-Baums, der in Patagonien (Chile) beheimatet ist. Die Früchte können roh oder getrocknet verzehrt werden. Weil sie sich aber schlecht lagern lassen, werden sie meistens zu Saft gepresst oder zu Fruchtpulver verarbeitet und so auch nach Europa zur Weiterverarbeitung exportiert.

Fruchtpulver aus Maqui-Beeren ist als sicheres, traditionelles Lebensmittel aus einem Nicht-EU-Land anerkannt. 100 g des Beerenpulvers enthalten durchschnittlich etwa 5 Gramm Polyphenole, darunter Anthocyane. Als übliche Portionsgröße wird ein halber Teelöffel (1,5-2 g) angegeben.

In Nahrungsergänzungsmitteln finden allerdings vor allem anthocyanhaltige Maqui-Beeren-Extrakte Verwendung.

Welche Inhaltsstoffe sind in Maqui-Beeren enthalten?

Im Internet wird häufig von einem sehr hohen Gehalt der Maqui-Beeren an Anthocyanen berichtet. Anthocyane zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer Wirkung. Zum genauen Gehalt liegen keine offiziellen Informationen vor. In einigen kleinen Studien ist beschrieben, dass Maqui-Beeren, ähnlich wie auch die Heidelbeere oder Brombeere, neben Anthocyanen verschiedene Vitamine (z.B. Vitamin C) und Mineralstoffe enthalten. Wie die Menge dieser Inhaltsstoffe in dem zu Saft, Pulver oder Extrakt verarbeiteten Produkt ist allerdings meist nicht untersucht und kann von Produkt zu Produkt auch sehr unterschiedlich sein.

Tipp: Auch unsere heimischen dunklen Beeren (Brom-, Holunder- Heidel-, schwarze Johannisbeere und Apfelbeere (Aronia) sowie Kirsche und rote Weintraube) sowie Rotkohl enthalten große Mengen an Anthocyanen – eine Überdosierung ist hier in der Regel ausgeschlossen.

Können Maqui-Beeren mit Schadstoffen belastet sein?

Untersuchungen zu der Belastung von Maqui-Beeren mit Schadstoffen liegen uns nicht vor. Es kommt allerdings immer wieder vor, dass exotische Superfoods beim Trocknungsprozess mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Mineralöl belastet werden.

 

Quellen:


Bundesinstitut für Risikobewertung (2013): Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen. 2. Auflage 2013 (abgerufen am 27.04.2020)

Araos JP. Aristotelia chilensis: A Possible Nutraceutical or Functional Food. Med chem 2015, 5:8

Summary of the dossier: powder of Maquiberry (Aristotelia chilensis), Stand: 13.03.2018

Summary of the notifications of traditional foods from non-EU countries submitted within the meaning of Article 14 of Regulation (EU) 2015/2283 (abgerufen am 27.04.2020)