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Mikroplastik aus Kunstfasern: Die wichtigsten Antworten

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Mehr als ein Drittel des Mikroplastiks im Meer stammt aus Textilien. Kunstfasern aus Fleecejacken, Sportkleidung und T-Shirts lösen sich beim Waschen und gelangen ins Meer. Sind die Fasern gesundheitsschädlich und wie lässt sich Mikroplastik vermeiden? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Kunstfasern.

Ein Wäscheschild mit den Angaben "65% Polyester, 31% Cotton, 4% Elasthane"
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Was sind Kunstfasern?

Kunstfasern werden durch chemische Prozesse hergestellt und daher korrekterweise "synthetische Chemiefasern" genannt. Synthetische Chemiefasern wie Polyester und Elastan sind reine "Chemieprodukte" aus Kohle, Erdöl und Erdgas.

Neben den synthetischen Chemiefasern gibt es noch die halbysynthetischen Chemiefasern wie Viskose. Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz gewonnen und anschließend chemisch stark verändert.

Im Gegensatz zu den Chemiefasern bestehen Naturfasern aus pflanzlichen und tierischen Fasern, die  direkt zu Garn verarbeitet werden können. 

Was machen Kunstfasern in der Kleidung?

Kleidung aus synthetischen Chemiefasern hat viele Vorteile: Schnell trocknende Sportbekleidung, wasserabweisende Outdoor-Jacken oder weiche und elastische T-Shirts erhalten ihre Eigenschaften durch Kunstfasern. Auch die Wäsche gestaltet sich einfach: Das Kleidungsstück filzt nicht und bleibt knitterfrei. Vielfach sind auch Mischgewebe im Handel zu finden. Über die Hälfte der produzierten Textilien bestehen inzwischen aus künstlich hergestellten Fasern, Tendenz steigend. Mehr dazu kannst du in der Greenpeace-Broschüre Gefahr aus dem Kleiderschrank lesen.

Vor allem der wachsender Kleiderkonsum und die geringere Bereitschaft vieler Verbraucher*innen, für gute Qualität mehr Geld auszugeben, führten zu einem Boom der Fast-Fashion Industrie. In Deutschland konsumiert Jeder durchschnittlich 25 Kilogramm neue Textilien pro Jahr. Ein Verbrauch, der mit natürlichen Fasern kaum zu decken ist. 

Sind Kunstfasern gefährlich? 

Viele Textilprodukte werden in Entwicklungs- und Schwellenländern unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. Schadstoffe geraten entweder durch Verunreinigung in die Fasern, oder sie werden zugesetzt, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen. 

Da Textilien im ständigen Kontakt mit dem Körper stehen, existieren für die Herstellung und Veredelung von Bekleidung Grenzwerte und Verbote von gesundheitsbedenklichen Chemikalien. Eine Kontrolle durch die Behörden ist aber nicht vorgeschrieben.

Zudem sind einige kritische sogenannte „Ausrüstungs“-Substanzen, beispielsweise PFAs (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), Biozide und Vernetzungsmittel mit Formaldehydharzen weiterhin erlaubt. Sie werden verwendet, um in den Kleidungsstücken beispielsweise antimikrobiell, wasser- und schmutzabweisend zu wirken. Es sind auch diese Ausrüstungssubstanzen, auf die einige Menschen mit Hautreizungen wie Rötungen reagieren. Neue Kleidungsstücke sollten daher vor dem Tragen gewaschen werden. 

Wie wird aus den Kunstfasern Mikroplastik? 

Beim Waschen von Kleidung kommt es zu einem Faserabrieb an der Textiloberfläche. Die Fasern werden im Wesentlichen durch das Schleudern sowie chemische Einflüsse wie Waschmittel freigesetzt. Auch die Temperatur trägt zur Beschädigung bei: Je höher die Temperatur, desto stärker wird das Gewebe beschädigt. Bei rauen Oberflächen wie Fleecejacken und -decken kommt es zu höheren Abrieben. So kann zum Beispiel eine Fleecejacke mehr als tausend Fasern pro Waschgang verlieren. Einige Schätzungen reichen sogar bis zu einer Million Fasern, die über das Abwasser in die Umwelt gelangen können.

Während sich Naturfasern und halbsynthetische Chemiefasern mit der Zeit biologisch abbauen, zersetzen sich synthetische Chemiefasern deutlich langsamer. Insbesondere Polyester, die am häufigsten hergestellte synthetische Faser, wurde mittlerweile in der Arktis und vielen anderen abgelegenen Orten nachgewiesen.

Weltweit sind synthetische Chemiefasern die häufigste Ursache von Mikroplastik im Meer. Das Problem bei Mikrofasern: Sie bilden Knäuel, die beispielsweise bei Meerestieren zu Problemen wie Verstopfung führen können und im schlimmsten Fall zum Tod führen. In Deutschland entsteht laut dem Fraunhofer-Institut sogar noch mehr Mikroplastik durch den Reifenabrieb. 

Sind Chemiefasern recycelbar?

Theoretisch ist ein Recycling der Materialien möglich, praktisch findet es allerdings kaum statt. Dies hat mehrere Gründe: Kleidungsstücke bestehen häufig aus Mischgewebe - zum Beispiel 30 Prozent Baumwolle, 65 Prozent Polyester und 5 Prozent Elasthan. Teilweise sind die Faserarten aufgrund fehlender Etiketten nicht mehr zu erkennen. Farben, Applikationen (z.B. Pailletten) und Reißverschlüsse erschweren die Wiederaufbereitung. Selbst bei sortenreinen Kleidungsstücken aus Baumwolle oder Viskose besteht das Nähgarn oft aus einem anderen Material, nicht selten aus Polyester.

Die Fasern verkürzen sich durch das Schreddern erheblich, daher sind recycelte Produkte oft von minderer Qualität. Ein Teil der Kleidung lässt sich zu Putzlappen und Dämmmaterial verarbeiten. Der Großteil wird allerdings verbrannt und auf Deponien gelagert. Fast die Hälfte der Textilien in der Altkleidersammlung wird zudem in ärmere Länder exportiert. Die dortigen Märkte werden damit überschwemmt und die lokale Produktion oftmals zerstört.

Woran erkenne ich Kunstfasern in der Kleidung?

Die genutzten Faserarten müssen in Europa angegeben werden. Die Zusammensetzung steht im Kleidungsetikett. Dabei gibt die Reihenfolge an, welche Gewichtung vorliegt. 

So heißen die häufigsten Chemiefasern:

  • Halbsynthetische Chemiefasern: Viskose, Modalfaser, Lyocell (auch Tencel genannt), Acetatfasern
  • Synthetische Chemiefasern: Polyamid, Polyester, Elasthan (auch Polyurethanfasern), Polypropylen, Polyacryl

Naturfasern sind beispielsweise Baumwolle, Wolle, Tierhaare (z.B. Cashmere, Alpaka), Leinen, Hanf, Jute, Seide.

Sollte ich auf künstliche Fasern verzichten?

Naturfasern können den aktuellen Bedarf an Kleidung nicht ersetzen. Außerdem sind Naturfasern nicht automatisch umweltverträglicher. Allein der Anbau von Baumwolle zum Beispiel verbraucht enorm viel Wasser und es werden in der Regel bedenkliche Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Und auch die folgenden Verarbeitungsschritte geben schädliche Stoffe an die Umwelt und an die häufig unterbezahlten Mitarbeiter ab. Daher reicht es leider nicht aus, auf künstliche Fasern zu verzichten. Sinnvoller ist es, seinen Konsum zu reduzieren, zertifizierte Kleidung zu kaufen und sie länger zu benutzen. Mehr Tipps unter findest du im Artikel Mikroplastik aus Kleidung reduzieren.

Sind Fleecejacken aus recycelten PET-Flaschen zu empfehlen?

Das PET-Recycling von Flaschen zu Polyesterfasern ist eine bewährte Methode, Plastik weiter zu verwenden und Energieverbrauch und CO2-Ausstoß bei der Produktion zu verringern. Allerdings hat sich gezeigt, dass insbesondere Fleecejacken durch ihre raue Oberfläche viele Mikroplastik-Fasern verlieren. Außerdem kann eine ausgediente Jacke nicht wieder verwendet werden. Zwar ist es prinzipiell nicht schlecht, recycelte Fleecejacken zu kaufen. Sie sollten aber seltener gewaschen werden. 

Tipp: Gib die Jacken in einen Wäschebeutel und wasche sie mit geringer Schleuderzahl und niedriger Temperatur – so verlieren sie weniger Fasern.

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