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Werbung mit Nachhaltigkeit: Was steckt dahinter?

Stand:
Auf immer mehr Verpackungen findet man Hinweise, mit denen die Anbieter die umweltschonende Verpackung ihres Produkts bewerben. Wir nehmen Umweltversprechen unter die Lupe.
Hände greifen im Regal nach einer Tüte Pinienkerne, in Papierverpackung mit einem grünen Label
  • Mehr Schein als Sein: Hinweise wie „kompostierbar“, „100 % recycelbar“ und „aus Altplastik“
  • „Bio-Plastik“ hat wenig mit „Bio“ zu tun und ist auch nur Kunststoff.
  • „Die nachhaltige Verpackung“ gibt es (noch) nicht.
  • Fazit: Weniger Verpackung ist mehr Gewinn für die Umwelt
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Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Insbesondere die stark wachsende Umweltbelastung durch Plastikmüll führt zu einem Umdenken. Aber was macht eine nachhaltige Verpackung aus? Damit beschäftigen sich immer mehr Verpackungshersteller und werben mit Alternativen.

Wie kann ich Nachhaltigkeitsaussagen bewerten?

Altpapier-Look – hat nicht immer etwas zu bedeuten

Braune oder kartonfarbene Gefriertüten und Getränkekartons erwecken den Eindruck, die Verpackung wäre aus Altpapier, ressourcenschonend hergestellt und gut recycelbar. Viele Verbraucher gehen laut Verbraucherzentrale NRW davon aus, diese dann im Papiermüll entsorgen zu können. Derartige Verbundverpackungen, also Verpackungen aus verschiedenen Materialien wie Aluminium und Papier mit Plastikbeschichtung, müssen jedoch im gelben Sack oder der gelben Tonne entsorgt werden und sind schlechter recycelbar als sortenreine Materialien.

„Aus recycelten Materialien“ – noch kein echter Kreislauf

Immer mehr Hersteller werben damit, dass sie recyceltes Material einsetzen, statt neuen Kunststoff für ihre Verpackungen zu verwenden. Rezyklat zu verwenden ist grundsätzlich positiv. Doch oft verwenden die Hersteller Industrie-Rezyklat. Das ist Material, welches bei der Herstellung von Kunststoffprodukten, zum Beispiel bei Stanzungen, übrig bleibt. Industrie-Rezyklat hat eine höhere Qualität, ist sortenrein und kostensparender einzusetzen als Rezyklat aus aufbereiteten Plastikverpackungen. Doch für einen echten Kunststoff-Kreislauf muss das Rezyklat aus gebrauchten Verpackungen, also zum Beispiel aus dem gelben Sack, stammen. Nur selten geben Anbieter an, Rezyklat aus aufbereitetem Verpackungsmaterial zu nutzen.

„Recyclingfähig“ – Werbung mit Selbstverständlichkeiten

Unter einer „recyclingfähigen Verpackung“ stellen sich viele Menschen eine Verpackung vor, die sortenrein getrennt und dann ohne Aufwand gut „recycelt“ werden kann. Der Begriff ist rechtlich aber nicht geschützt und kann weit ausgelegt werden. Nicht immer ist klar erkennbar, was getrennt und in welchen Müll es dann entsorgt werden sollte. Bei den als „recyclingfähig“ beworbenen Verpackungen handelt es sich auch nicht immer um sortenreine, gut recycelbare Materialien. 

Verpackungen müssen grundsätzlich so hergestellt werden, dass sie wiederverwertbar sind. Durch den hohen technischen Aufwand lohnt sich eine stoffliche Verwertung allerdings nicht immer. Verbundmaterialien wie Chipstüten (Kunststoff und Aluminium) oder Fleischverpackungen werden daher häufig verbrannt. 

Bio-Plastik: Noch keine Alternative

Einige Hersteller setzen auf „Bio“-Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beuspiel aus Poly-Milchsäure (kurz: PLA) oder Cellulose. Häufig verwendete Werbe-Aussagen dafür lauten „0 % Plastik“, „green plastic bio-based“, oder „Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen“.

„Bio“-Plastik stammt zwar zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen, ist chemisch gesehen aber auch Plastik. Die Werbung ist daher missverständlich. „Bio"-Kunststoffe bauen sich in der Umwelt zudem nicht schneller ab als herkömmliches Plastik.

Müllbeutel aus Bio-Plastik sollten nicht im Biomüll entsorgt werden.

Auch angeblich „kompostierbares“ Bio-Plastik führt zu Problemen: Die Kompostierbarkeit ist abhängig von hohen Temperaturen und einer längeren Verweildauer in einer industriellen Kompostieranlage. Diese optimalen Bedingungen sind in der Realität aber meist nicht gegeben.

Weil „Bio“-Kunststoffe noch nicht weit verbreitet sind, werden sie nicht getrennt gesammelt – und somit auch nicht recycelt. Wie in herkömmlichem Plastik kommen auch hier chemische Zusätze auf Erdölbasis vor. Zudem ist unklar, wo und wie die Rohstoffe angebaut werden. 

Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind deshalb nicht zwangsläufig ökologisch besser als herkömmliches Plastik.

„0“ und „100 Prozent“ - Zahlen und Rechnungen führen oft zu falschen Bewertungen

Was ist besser: Die Verpackung, die mit „100 % recyclingfähig“ wirbt, mit „0 % Plastik“ oder doch eher mit „64 % weniger Kunststoff“? 
Prozentzahlen und Rechnungen auf Verpackungen können Verbraucher nur schwer einordnen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW. Null und Hundert klingen besonders wirkungsvoll, sagen im Falle von Recyclingfähigkeit und „Bio“-Plastik aber nicht viel aus. Hersteller, die ihre Verpackung überdacht und größentechnisch angepasst haben, können im Zweifelsfalle mehr Ressourcen sparen, als diejenigen, die übergroße Verpackungen aus alternativen Materialien nutzen. Drei Millionen Mülltonnen könnten gespart werden, wenn man Verpackungen mit viel Luft drin und Mehrfachverpackungen vermeiden würde.

Unnötige Umverpackungen verschwenden Ressourcen

Unnötige Umverpackungen sind ärgerlich, besonders, wenn mit Nachhaltigkeit geworben wird. Häufig zu sehen ist das bei Kosmetikartikeln: Sind feste Seife oder die Duschgel-Packung aus Altplastik in einer zusätzlichen Pappschachtel verpackt, verschlechtert das die Umweltbilanz des gesamten Produkts. 

Fazit: Fast jede Maßnahme, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten, ist für die Umwelt positiv. Wenn jedoch eine sortenreine, gut recycelbare Plastikverpackung durch eine schlecht recycelbare Verbundverpackung ersetzt wird oder die Zahnpasta-Tube mit Rezyklatanteil in einer unnötigen Pappschachtel steckt, reduziert das den Gewinn für die Umwelt.

Es kann sinnvoll sein, auf der Internet-Seite der Hersteller nach näheren Angaben zur Verpackung zu suchen. Aber: Nicht immer sind diese klar und eindeutig oder für alle verständlich geschrieben. Im Zweifelsfall solltest du auf dein Bauchgefühl hören.

Ist Greenwashing auch in Zukunft erlaubt?

Ein Richtlinienvorschlag der Europäischen Kommission sieht eine schärfere Regulierung von umweltbezogenen Werbeaussagen vor. Künftig soll der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen von unabhängigen Stellen geprüft  und allgemeine Aussagen wie „nachhaltig“ und „umweltverträglich“ auf der Verpackung erläutert werden. Ausnahmen der Richtlinie sind gesetzlich geschützte Begriffe. Aus Sicht der Verbraucherzentralen fehlen im Entwurf aber bisher klare Vorgaben, wie die Nachhaltigkeitsaussagen zu belegen sind.

Welches Verpackungsmaterial ist das beste?

Klar ist: Es gibt kein bestimmtes Material, das in jedem Falle nachhaltig ist. Wie gut eine Verpackung abschneidet, hängt von vielen Faktoren ab:

Herstellung der Verpackung: Rohstoffe, Energie, Chemikalien

Glas und Metall benötigen hohe Temperaturen in der Produktion. Um diese zu erreichen, werden fossile Energieträger verbrannt. Deswegen schneiden Einweg-Produkte aus Glas und Metallen schlecht ab. Je häufiger die Verpackung wiederverwendet werden kann, so wie es bei Mehrwegverpackungen der Fall ist, desto besser wird die Umweltbilanz.

Auch Papier ist nicht automatisch umweltfreundlich: Chemikalien zum Bleichen oder Druckerfarben können Umwelt und Gesundheit belasten.

Transport: Je weiter die Entfernung, desto leichter die Verpackung

Ein schweres Eigengewicht von Verpackungen wirkt sich negativ auf die CO2-Bilanz beim Transport aus. Außerdem entsteht durch höhere Last auch mehr Mikroplastik durch den Abrieb der Reifen. Nüsse, Reis und Co. aus weit entfernten Ländern, aber auch Getränke aus entfernten Regionen sollten deswegen nicht in schweren Glasbehältnissen transportiert werden. Am besten ist es, sie unverpackt zu kaufen. Ansonsten sind leichte Verpackungen wie Papier oder auch (Mehrweg-)Plastik zu bevorzugen.

Inhalt: Feuchte, salz- oder säurehaltige Lebensmittel

Papier eignet sich wenig für feuchte Lebensmittel. Zum einen kann es durchweichen, zum anderen können Druckerfarben und Co. ins Lebensmittel übergehen. Damit das nicht passiert, beschichten viele Hersteller Papier ganz dünn mit Kunststoffen. So kann das Papier allerdings kaum recycelt werden.

Auch Dosen sind häufig von innen beschichtet, damit sie nicht rosten. Salz- und säurehaltige Lebensmittel wie Soßen können das Material angreifen. Die Folge: Bedenkliche Stoffe können ins Lebensmittel übergehen.

Fazit: Unverpackt einkaufen ist die beste Lösung. Das ist gut möglich bei trockenen Lebensmitteln wie Nüssen und Co.

Wenn keine Unverpackt-Lösung angeboten wird und die Lebensmittel weit gereist sind, solltest du leichte Verpackungen aus sortenreinem Kunststoff oder Papier wählen.

Bei feuchten Lebensmitteln wie Getränken und Soßen schneidet neben dem Selbstabfüllen und Selbermachen das Mehrwegglas am besten für Gesundheit und Umwelt ab. Insbesondere, wenn es regional abgefüllt wurde.

Zwei Personen mit Lebensmitteln in Einkaufsnetzen und -taschen stehen in einer Küche, man sieht nur ihre Beine

Plastik sparen

Wir geben Tipps, wie du bei Lebensmitteln, Kosmetik und Textilien Plastik einsparen und vermeiden kannst.

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