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Kleine Anzeige, große Reichweite

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Das ärgert uns

Das alte Auto stellt Herr B. zum Verkauf auf die Plattform Ebay-Kleinanzeigen. Wenig später staunt er nicht schlecht über das ungewöhnliche Interesse aus dem Ausland für einen stark gebrauchten Van. Eine Emily Stalter möchte das Auto kaufen, leider sei sie bei der Marine und unpraktischerweise gerade in Norwegen. Über den Preis will sie gar nicht verhandeln. Das Ganze soll ein Überraschungsgeschenk für den Vater sein. Am liebsten wolle sie gleich überweisen, sie brauche nur die Bankdaten. Eine Zahlung per Paypal sei nicht möglich, weil sie gerade keinen Zugriff auf ihr Konto habe.

Herrn B. kommt die Sache mehr als merkwürdig vor und er wendet sich mit der Nachricht an die Verbraucherzentrale Hessen. Das war die richtige Entscheidung. Denn hätte er seine Bankdaten weitergegeben, wären diese vermutlich missbraucht worden.

Vielleicht hätte Emily auch versucht, mit Lügengeschichten eine Überweisung von Herrn. B. zu erhalten. Zum Beispiel gibt es Fälle, in denen Käufer aus Versehen zu viel Geld überwiesen haben wollen, was die Verkäufer bitte vorab schnell erstatten sollen.

Auch tun Kriminelle so, als hätten sie nicht nur den Kaufpreis gezahlt, sondern auch bereits hohe Speditionskosten. Zum Beweis liegen gefälschte Dokumente bei. Verkäufer sollen dann die überschüssige Summe an eine Spedition im Ausland überweisen. Hinter den Bankdaten stecken aber natürlich Kriminelle. Und sobald die Verkäufer*innen die Speditionskosten beglichen haben, stellt sich heraus, dass der Kaufpreis nie überwiesen wurde und sich unter der Mailadresse der Kriminellen niemand mehr meldet.

Das rät die Verbraucherzentrale Hessen:

Leider gibt es immer wieder Betrugsversuche bei Käufen und Verkäufen über Kleinanzeigen im Internet. Wenn Sie den Verdacht haben, dass es sich um Betrug handelt, wenden Sie sich an Polizei oder Staatsanwaltschaft. Das geht auch online unter onlinewache.polizei.hessen.de.

Einige Anzeichen dafür, dass etwas mit den angeblichen Interessenten nicht stimmen könnte:

  • Interessenten melden sich mit einer Mischung aus holprigem Deutsch und Englisch.
  • Sie befinden sich im Ausland, sodass eine persönliche Übergabe niemals möglich ist.
  • Sie schmücken ihre Erzählung mit scheinbar unwichtigen Details aus, um Vertrauen zu erzeugen. Beispielsweise hat Emily einen Job als einfache Seefahrerin allein auf dem Ozean, die ihrem Vater ein Geschenk machen möchte.
  • Sie wollen erreichen, dass über einen anderen Kanal als das Portal kommuniziert wird. Beispielsweise fragen Kriminelle oft nur kurz, ob der Artikel noch vorhanden sei und bitten um eine Antwort per Mail oder WhatsApp.
  • Sie akzeptieren jeden Preis und versuchen mit gefälschten Dokumenten eine Überweisung vorzugaukeln, damit der Gegenstand vorschnell an den Versand geht
  • Kriminelle drohen mit gefälschten Dokumenten, um Zahlungen zu erhalten, doch bei einem seriösen Verkauf über Kleinanzeigen gehen niemals die Verkäufer in Vorkasse.
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Ein Beispiel für eine solche gefälschte Mail sehen Sie hier:

Gefälschte PayPal-Mail im Rahmen eines Betrugs auf ebay Kleinanzeigen

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  • 1: Die Mail stammt nicht von Paypal, sondern von „financier.com“. Nur die Adresse zwischen den spitzen Klammern ist wichtig. Alles andere kann der Absender selbst bestimmen, also leicht fälschen.
  • 2: Das Logo von Paypal hat einen kleinen Pixelfehler am oberen Rand der Schrift. Wahrscheinlich wurde es irgendwo unsauber kopiert.
  • 3: Warum steht hier die englische Anrede „Hello“, obwohl die restliche Mail deutsch ist?
  • 4: Paypal-Transaktions-IDs haben 17 Stellen, nicht 16.
  • 5: Paypal interessiert sich nicht für die Verträge zwischen Verkäufer*innen und Käufer*innen. Wenn Paypal Käuferschutz bietet, basiert das auf dem Vertrag zwischen Paypal und den Käufer*innen.
  • 6: Eine „Welt Strafverfolgungsbehörde“ gibt es nicht. Strafrecht ist Sache der Nationalstaaten.
  • 7: Was oben noch auf Deutsch als „Welt Strafverfolgungsbehörde“ bezeichnet wurde, hat plötzlich eine englische Bezeichnung. Eine Zeitangabe erfolgt mit der Abkürzung Hrs für „hours“. Beides ist eine seltsame Mischung aus Englisch und Deutsch.
  • 8: Die Postleitzahlen von Nigeria haben sechs Ziffern, nicht fünf.
  • 9: „Legal Action“ ist ein weiterer englischer Begriff mitten in einer deutschen Mail.
  • 10: Hinter der Verabschiedung steht in deutschsprachigen Mails kein Komma, in englischsprachigen Mails aber schon. Das ist also einer von zahlreichen Hinweisen auf einen dubiosen Sprachenmix in einer angeblich offiziellen Paypal-Mail.

Fazit: Mit einfachen Mitteln lässt sich überprüfen, ob eine Nachricht seriös ist. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt, und bleiben Sie vorsichtig.