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Lebensmittel wertschätzen: Wertvoll bis zum letzten Krümel

Stand:
In jedem Lebensmittel stecken wertvolle Ressourcen, die nicht im Müll landen sollten. Gute Planung und Restverwertung helfen gegen das Wegwerfen.
Eine Frau hält einen leergegessenen Teller mit Besteck in den Händen

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensmittel restlos nutzen schont Ressourcen, schützt das Klima und spart Geld.
  • Das Erfassen der Lebensmittelabfälle kann dabei helfen, Verluste zu verringern. 
  • Reste wie trockenes Brot oder Obst mit Druckstellen lassen sich leicht verwerten.
  • Empfehlung: Kinder und Jugendliche nach ihren Vorlieben fragen, sie aktiv in die Planung mit einbeziehen und gleichzeitig Ernährungsbildung betreiben.
     
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Was ist das Schlimmste, das einem Lebensmittel passieren kann? Es wird nicht verzehrt, sondern achtlos weggeworfen. Egal, ob eine Kartoffel auf dem Feld bleibt, weil sie die falsche Form hat, oder das Pausenbrot nicht gegessen wird: Immer landen gleichzeitig wertvolle Ressourcen wie Landfläche, Wasser, Energie und Arbeitskraft im Müll. Am klimasmarten Kiosk gilt es Lebensmittel wertzuschätzen, indem möglichst viel verwendet und möglichst wenig weggeworfen wird.

Lebensmittelabfall durch gute Planung reduzieren

Damit am Kiosk möglichst wenig weggeworfen wird, steht vor der Produktion eine gute Planung: Wie viele Schülerinnen und Schüler sind in den nächsten Tagen überhaupt in der Schule? Wer ist auf Klassenfahrt? Wann ist Langtag? Auf Basis dieser Zahlen können Kioskbetreibende besser planen und gezielter einkaufen.

Nach dem Einkauf kommt die Lagerung. Dabei ist es hilfreich, nicht nur die passende Lagertemperatur und -umgebung zu beachten, sondern auch das „first in first out“-Prinzip, kurz fifo. Das bedeutet, dass die Lebensmittel, die zuerst ins Lager gekommen sind (first in = zuerst hinein) auch zuerst wieder genutzt werden (first out = zuerst heraus). Am besten schon beim Einräumen die neue Ware nach hinten stellen, dann stehen die Lebensmittel mit dem kürzeren Mindesthaltbarkeitsdatum vorne.

Im nächsten Schritt auf dem Weg zu weniger Lebensmittelabfall können die Verkaufszahlen ausgewertet werden: Was wird gut angenommen, was eher nicht. Eine „Renner- und Pennerliste“ gibt darüber Auskunft und ermöglicht eine bessere Planung für die Zukunft. Zusätzlich kann es hilfreich sein, den Lebensmittelabfall zu erfassen. Dabei hilft der Küchenmonitor der Verbraucherzentrale NRW. Der Küchenmonitor ist ein kostenfreies Online-Instrument für Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung wie beispielsweise Schulen. Eingetragen werden die Produktionsmenge, die Anzahl der geplanten und tatsächlichen Essensgäste sowie alle Ausgabe- und Tellerreste. Die Auswertung erfolgt automatisch in Form von leicht verständlichen Grafiken, aus denen sich konkrete Hinweise für die Abfallvermeidung ergeben.

Die Speiseabfälle zu erfassen macht Sinn, denn der Verein United Against Waste gibt an, dass die durchschnittliche Reduktion von Abfällen im Bereich der Schulverpflegung bei durchschnittlich 30 Prozent liegt, wobei die Spanne der Reduktion zwischen zwei und 60 Prozent liegen kann. Das sind Zahlen aus der Mittagsverpflegung. Am Kiosk sind die Abfälle schwieriger nachzuvollziehen, da die Snacks oft mitgenommen und nicht direkt am Kiosk verzehrt werden. 

Praktische Tipps für weniger Lebensmittelabfall am Kiosk

Im Kioskalltag können verschiedene Maßnahmen gegen Lebensmittelabfall ergriffen werden. So können zum Beispiel Verkostungen stattfinden oder Probierportionen angeboten werden. Mit einer kleinen Portion lässt sich testen, ob der Snack schmeckt oder nicht. Finden Sie im Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen ihre Vorlieben heraus und entwickeln Sie daraus passende Angebote.

Sinnvoll können auch verschiedene Portionsgrößen sein: Ein großer Becher Joghurt mit frischen Früchten zum Sattwerden oder ein kleiner als Nachtisch. Fragen Sie am besten beim Verkaufen konkret nach, welche Größe es sein darf oder stellen Sie beide Portionsgrößen gut sichtbar nebeneinander.

Eine weitere Möglichkeit ist es, für aufwändigere Snacks ein Vorbestellsystem einzurichten. In der ersten großen Pause können die Snacks bestellt werden und bis zur zweiten Pause sind sie fertig  zum Abholen. So ähnlich können auch warme Snacks ausschließlich auf Nachfrage hergestellt werden. Und am Ende des Kiosktages können außerdem unverkaufte Snacks wie belegte Brötchen und Brote preisgünstiger abgegeben oder vielleicht sogar am Ende des Schultags verschenkt werden.

Köstliche Resteverwertung

Egal wie gut geplant wurde, Reste gibt es immer. Damit sie nicht in den Müll müssen, können sie geschickt verwertet werden. Aus trockenem Brot oder Brötchen wird ein italienischer Brotsalat als herzhafte Zwischenmahlzeit. Aus Gemüse, das nicht mehr knackfrisch ist, lassen sich Saucen und Aufstriche zaubern. Obst mit Druckstellen eignet sich für Fruchtjoghurt oder einen Smoothie. Am Kiosk können diese Produkte dann eine eigene Kategorie bekommen. Zum Beispiel „Rette mich“ oder „Jeder Bissen zählt“, um zusätzlich Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein schuleigenes Restekochbuch kann die Aktion zusätzlich begleiten. Die Rezepte zum Kochbuch können in der Koch-AG zubereitet, verkostet und bewertet werden. Diese und weitere Ideen für die Ernährungsbildung haben wir im Beitrag So schmeckt Bildung zusammengestellt.  

Sie können auch noch einen Schritt weitergehen und zum Beispiel Backwaren vom Bäcker aus der Nachbarschaft retten. So kann der Schulkiosk Backwaren und süße Teilchen vom Vortag anbieten. Weitere Ideen für das Verwerten von Lebensmitteln bietet das Portal „Zu gut für die Tonne!“ mit einer eigenen Rezeptdatenbank und der Beste-Reste-App.

Vom Blatt bis zur Wurzel

Vermeidbarer Lebensmittelabfall entsteht auch, wenn Lebensmittel geschält werden, obwohl die Schale essbar ist. Es genügt Äpfel, Birnen und Gurken gründlich zu waschen. Dann können sie mit Schale verzehrt werden. Sogar die Schale von (Bio-)Kiwis ist essbar. Die glatte Haut der gelben Sorte ist dabei deutlich angenehmer im Mund, doch schon im Smoothie fällt auch die Haut grüner Kiwis nicht auf. Der restlose Genuss hat jedoch Grenzen. So raten Fachleute zum Beispiel davon ab, Kartoffelschalen zu verzehren.

Essbar sind auch die Blätter von Radieschen, Rote Bete und Möhren. Auch hier weisen Fachleute darauf hin, dass es keine ausreichenden Untersuchungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen gibt. Da diese Pflanzenteile in der Regel nicht für den Verzehr bestimmt sind, werden sie auch nur selten im Labor auf Rückstände untersucht. So können die grünen Blätter viel Nitrat und auch Pestizidrückstände enthalten. Wer trotzdem ausprobieren möchte, wie ein Pesto aus Radieschenblättern schmeckt, der sollte zu Bioware aus dem Freiland greifen.

Die inneren Werte zählen

Zu krumm, zu klein, zu knubbelig: Etwa ein Drittel der erzeugten Lebensmittel in Deutschland schafft es gar nicht erst in den Verkauf. Das hat verschiedene Gründe, die zwischen Normen, Transportfähigkeit und dem Anspruch der Verbraucherinnen und Verbraucher liegen. Durch eine Kooperation mit regionalen Landwirten kann der Schulkiosk das „unperfekte“ Obst und Gemüse retten. Das Video „Eine Gurke macht es vor. FoodWaste geht uns alle an“ zeigt unterhaltsam, wie leicht Lebensmittelretten ist.

So viele Lebensmittel landen in der Tonne

12 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen.

In Deutschland landen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller pro Jahr zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Zu unterscheiden sind hier vermeidbare und unvermeidbare Lebensmittelabfälle. Unvermeidbar sind nicht essbare Bestandteile von Lebensmitteln, wie Bananenschalen, Strünke oder Knochen. Vermeidbare Abfälle sind Lebensmittel, die zum Zeitpunkt des Wegwerfens noch genießbar sind. Ein klarer Fall von Lebensmittelverschwendung, der durch bessere Planung vermeidbar ist.

Die Schulverpflegung gehört zum sogenannten Außer-Haus-Verzehr. Hier entstehen rund 14 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle. Eine Studie der Verbraucherzentrale NRW hat sich mit den Resten bei der Mittagsverpflegung beschäftigt und fand heraus, dass etwa ein Viertel aller Speisen ungegessen im Müll landet. Rechnerisch landet also jedes vierte Gericht im Müll. Eine riesige Verschwendung von Lebensmitteln und Ressourcen, der es entgegenzuwirken gilt. Von der Vorschule bis zur Berufsschule entstehen in Deutschland insgesamt 75.000 bis 85.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr.

Auf die Außendarstellung achten

Ob das Verpflegungsangebot am Schulkiosk gut von den Schülerinnen und Schülern angenommen wird, hängt von vielen Faktoren ab: schmackhafte Snacks und Getränke, die Möglichkeit zum Probieren vorab, unterschiedliche Portionsgrößen. Wichtig ist auch, dass die Auslage stets aufgeräumt und sauber ist, damit die Angebote appetitlich präsentiert werden können. Natürliche Farben und Naturmaterialien transportieren das Thema Nachhaltigkeit zusätzlich. Wenn Atmosphäre und Stimmung am Kiosk stimmen, wird das Angebot gerne nachgefragt und Lebensmittel werden vielleicht auch seltener weggeworfen.

Sinnvoll ist es auch, das Thema Wertschätzung von Lebensmitteln im Unterricht oder an Projekttagen zu behandeln. Bewusstseinsbildung zur Wertschätzung von Lebensmitteln kann nicht früh genug ansetzen. Ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln erfordert die Kenntnis über den Weg eines Lebensmittels vom Acker auf den Teller und den Erwerb von Kompetenzen hinsichtlich Einkaufsplanung, Lebensmittellagerung, Zubereitung von Speisen sowie kreativer Resteverwertung. Unser Bildungsmaterial „KlimaFrühstück“ beschäftigt sich unter anderem auch mit dem Thema Lebensmittelverschwendung. Diese Maßnahmen tragen mit dazu bei, dass das neue klimafreundliche Kioskangebot besser akzeptiert wird.

TU DU’s fürs Klima

💸 Reste verhindern! Gut planen, vorhandene Lebensmittel verwerten und Überschüssiges zum Aktionspreis abgeben.

🔊 Darüber sprechen! Zeigen, warum es wichtig ist, Lebensmittel zu verwerten, im Unterricht und darüber hinaus. 

🥗 Neues probieren! Bei der Resteverwertung können spannende Kombinationen entstehen.

🗑 Passgenau anbieten! Verschiedene Portionsgrößen vorbereiten und so Lebensmittelabfall vermeiden.

Weitere Informationen

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