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Unverpackt einkaufen – Tipps für einen müllarmen Alltag

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Der weltweite Berg von Verpackungsmüll steigt seit Jahren stetig an. Viele von uns wollen das nicht mehr hinnehmen und das eigene Konsumverhalten ändern. Einer der Gegentrends heißt: unverpackt einkaufen. Hier findest du Tipps, wie die Umstellung auf verpackungsfreies Einkaufen gelingt.

Ein Frau kauft n einem Unverpackt-Laden ein
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Was sind die Vorteile von unverpacktem Einkaufen?

Weniger Müll

Bei der Herstellung, der Verarbeitung und durch weltweiten Handel von Lebensmitteln fallen riesige Mengen an Plastik- und anderen Verpackungen an. Unverpackt einkaufen ist eine gute Möglichkeit, Verpackungsmüll zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. 

Umwelt und Gesundheit schonen

Unverpackt einkaufen schont Ressourcen und die Umwelt - und auch die gesundheitlichen Auswirkungen von Verpackungsschadstoffen auf den Menschen werden verringert.

Mehr Infos zu den Folgen für Umwelt und Gesundheit haben wir in dem Artikel „Plastik – ein zunehmendes Problem für Umwelt und Gesundheit“ für dich zusammengestellt.

Weniger Lebensmittelverschwendung

Weltweit wird etwa ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen und das, obwohl ein großer Teil davon noch genießbar wäre. Unverpacktes Einkaufen ermöglicht dir, nur genau die Mengen einzukaufen, die du brauchst. Wenn du doch mal Lebensmittelreste hast, findest du bei "Zu gut für die Tonne" Tipps für deren Verwertung. 
 

Bio – regional - fair

Viele Händler – ob Bio- oder Erzeugermärkte oder Unverpackt-Läden - legen Wert darauf, dass ihre unverpackten Lebensmittel aus regionaler Erzeugung stammen, ökologisch produziert und/oder fair gehandelt wurden. Dadurch werden Transportwege verkürzt, gerechtere Arbeitsbedingungen geschaffen, der Umweltschutz und eine insgesamt nachhaltigere Wirtschaftsweise gefördert. 
 

Wo kann ich unverpackt einkaufen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wo du unverpackt einkaufen kannst:  Wochen-, Erzeugermärkte und Biosupermärkte haben eine große Auswahl an unverpacktem Obst und Gemüse, dazu meist noch Milch- und Fleischprodukte,  Brot- und Backwaren. Supermärkte und Discounter bieten teilweise unverpacktes Obst und Gemüse an, allerdings nur vereinzelt Spender mit unverpackten Grundnahrungsmitteln und Süßigkeiten.

Die größte Auswahl an unverpackten Lebensmitteln wie Haferflocken, Nudeln, Reis, Tee, Gewürzen und Süßigkeiten findest du derzeit noch in Unverpackt-Läden. Zusätzlich besitzen sie in der Regel ein breites Angebot an müllarmen Produkten für die Körperpflege und den Haushalt, beispielsweise festes Shampoo, Seifen, Wattestäbchen, Spülbürsten, Putzmittel und Bücher. Manche Unverpackt-Läden betreiben zusätzlich einen Online-Shop. Die Produkte kannst du dir dann per Mehrweg-System mit einem Lastenfahrrad zu Abholstationen oder zu dir nach Hause liefern lassen.

Ist unverpacktes Einkaufen nicht viel teurer?

Das Unverpackt-Warenangebot besteht häufig aus biologisch, fair und regional hergestellten Produkten. 

Diese Produktionsarten berücksichtigen häufig zusätzliche Faktoren wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierschutz und reduzieren so die schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Mensch. Die meisten konventionellen Produkte lassen sich zwar günstiger herstellen, verursachen aber „versteckte Folgekosten“ durch Schäden an Klima, Wasser, Boden und Biodiversität. Solche Folgekosten übernehmen wir als Verbraucher*innen später dennoch, beispielweise durch Steuern, Entsorgung und Umweltschutzmaßnahmen.

Auf den ersten Blick erscheint unverpacktes Einkaufen also häufig teurer. Eine biologische und faire Herstellung verursacht aber geringere gesellschaftliche Folgekosten. 

Wie funktioniert unverpacktes Einkaufen?

Die Produkte werden verpackungsfrei angeboten und können in eigene Behältnisse gefüllt werden. Dabei ist es egal, ob das Schraubgläser, Dosen oder Baumwollbeutel sind. Obst und Gemüse ohne Verpackung zu kaufen, erscheint uns normal. Das Einkaufen von Müsli und Nudeln in Unverpackt-Läden ist im Grunde genauso einfach und erfolgt in drei Schritten:

  1. Tarieren, das heißt, das Eigengewicht deiner leeren Behälter auswiegen und notieren
  2. Befüllen
  3. Bezahlen

In Unverpackt-Läden mit Selbstbedienung übernimmst du selbst Schritt 1 und 2 und gehst anschließend zum Bezahlen an die Kasse. In Unverpackt-Läden mit Bedienung gibst du deine Behältnisse an der Kasse ab, das Personal befüllt sie dir und ruft dich wieder zum Bezahlen an die Kasse.

Ist unverpackt einkaufen nicht unhygienisch?

Für das Entgegennehmen und Befüllen privater Mehrweg-Behältnisse im Handel gibt es in Deutschland strenge Vorschriften, die einen hygienischen Ablauf regeln. Die wichtigsten Regeln sind:

  • Für die Sauberkeit deiner Behältnisse trägst du die Verantwortung. Achte daher darauf, Beutel regelmäßig zu waschen und Gefäße gut zu spülen. Ansonsten dürfen deine Behältnisse nicht befüllt werden.
  • Gefäße nur mit sauberen Händen befüllen, auf Handhygiene achten.
  • Während der Befüllung gilt: Mitgebrachte Behältnisse dürfen nur in festgelegten Bereichen oder auf Tabletts abgestellt werden und keinen direkten Kontakt mit gelagerten Lebensmitteln haben. Zum Befüllen werden immer Zangen oder Schaufeln benutzt, um eine Kontaminierung zu verhindern.
  • Die Betriebe müssen vorgeschriebene Reinigungspläne einhalten und dies dokumentieren. 

Werden diese Regeln eingehalten, ist das Befüllen von Mehrweg-Behältnissen nicht weniger hygienisch als die Verwendung von Einwegplastik. Ausführlichere Informationen findest du in einem Merkblatt  (PDF) des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. 

Was sollte ich zu Beginn bedenken?

Wie bereite ich einen unverpackten Einkauf vor?
  • Mach dir vor dem Einkauf Gedanken, was du kaufen möchtest. So kannst du die entsprechende Anzahl an Behältnissen einpacken. Nimm für Spontankäufe am besten immer ein Behältnis extra mit. In den meisten Unverpackt-Läden gibt es auch Schraubgläser, die du dir kostenfrei nehmen kannst.
  • Benutze Behältnisse, die du schon besitzt. Dabei ist es egal, ob es sich um Baumwollbeutel, Edelstahl- oder Plastikdosen, Schraubgläser oder leere Plastikverpackungen handelt. Kaufe der Nachhaltigkeit zuliebe erst dann neue Behältnisse, wenn die alten auch wirklich ausgedient haben.
  • Wenn du Stoffbeutel zu Hause hast, benutze sie für den Transport von Lebensmitteln wie Kichererbsen, Reis und Nudeln. Sie sind leichter zu transportieren als Gläser, denn sie nehmen so gut wie keinen Platz weg und haben kaum Eigengewicht. 
     
Was sollte ich während des Einkaufs beachten?
  • Keine falsche Scheu: In Unverpackt-Läden arbeiten meist Menschen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren und sich freuen, ihr Wissen zu teilen. Sprich das Personal ruhig an, wenn du das erste Mal in einem Unverpackt-Laden bist oder eine Frage hast.
  • Die Preise der Waren sind meist in 100-Gramm-Mengen angegeben. Zu Beginn ist das eine Umstellung und es fällt schwer, einzuschätzen, wieviel die gewünschte Menge an Lebensmitteln wiegt. Gerade bei teuren Artikeln kann es daher sinnvoll sein, zwischen zu wiegen, um den Preis zu kontrollieren. In Unverpackt-Läden mit Bedienung kannst du auch erst einmal nur 100 Gramm abfüllen lassen, um ein Gefühl für die passende Menge zu bekommen.
Wie kann ich unverpacktes Einkaufen zu einer Routine machen?
  • Um unverpacktes Einkaufen als neue Routine in deinen Alltag einzubauen, richte dir nach Möglichkeit feste Einkaufstage ein. Das hilft auch dann, wenn du Gemüse und Obst auf Wochenmärkten einkaufen willst. Wo und wann in deiner Region Märkte stattfinden, findest du zum Beispiel auf der Internetseite deiner Stadt oder deines Landkreises. 
  • Gib dir ein paar Wochen Zeit, die neue Art des Einkaufens auszuprobieren. Umstellungen brauchen immer etwas Zeit und Übung, um zu einer neuen Routine zu führen. Als Einstieg in das unverpackte Einkaufen eignen sich Hygieneartikel oder länger haltbarer Lebensmittel. Wenn du dann entscheidest, weitere Lebensmittel unverpackt einzukaufen, bist du mit dem Konzept der entsprechenden Läden schon vertrauter.
     

Fazit: Natürlich kannst du trotzdem noch mit gutem Gewissen deine Lieblingschips kaufen. Es geht nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger vermeintliche Fehler von anderen aufzuzeigen. Stattdessen gilt es, als Gemeinschaft ein gesellschaftliches Problem anzugehen.

Die Unverpackt- oder auch Müllfrei-Bewegung orientiert sich an einem Zitat von Anne-Marie Bonneau: „Wir brauchen nicht eine Handvoll Leute, die es perfekt umsetzen. Wir brauchen Millionen von Menschen, die es unperfekt umsetzen.“