Wir stehen ein für Frieden und Freiheit in der Welt. Deshalb helfen wir den Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen und nach Hessen kommen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Neu in Deutschland: Was Flüchtlinge aus der Ukraine beachten sollten

Українська версія:
Stand:
Immer mehr Menschen flüchten vor dem Krieg aus der Ukraine nach Deutschland. Einmal hier angekommen, strömt viel Neues auf sie ein. Die Verbraucherzentralen haben daher die wichtigsten Informationen zusammengestellt, an wen sie sich wenden können - von der Registrierung bis zur Unterbringung.
Kind mit Rucksack und Stofftier flüchtet mit anderen aus der Ukraine.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sind Sie wegen des Kriegs aus der Ukraine nach Deutschland gekommen oder helfen Sie solchen Personen? Die Verbraucherzentralen haben für Sie die wichtigsten Informationen und Hinweise beim Ankommen in Deutschland zusammengestellt.
  • Die Informationen entsprechen jeweils den Erkenntnissen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Sie können sich aber stets ändern.
  • Wenn uns neue gesicherte Erkenntnisse vorliegen, passen wir die Informationen an.
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Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen

Ukrainische Staatsangehörige können für Kurzaufenthalte (bis zu 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen) visumfrei in die EU und damit auch nach Deutschland einreisen, wenn sie einen biometrischen Reisepass besitzen. Haben Sie keinen biometrischen Reisepass, brauchen Sie ein Schengen-Visum, um nach Deutschland einzureisen. Das gilt auch für Menschen aus anderen Staaten, die in der Ukraine einen Wohnsitz haben – etwa Studierende aus Drittländern.

Das Schengen-Visum können Sie in den deutschen Auslandsvertretungen in den Nachbarstaaten der Ukraine beantragen. Es gilt zunächst für 90 Tage und muss anschließend verlängert werden. Stellen Sie hierzu einen Antrag auf Verlängerung Ihres Schengenvisums aus humanitären Gründen.

Aktuelle Informationen in ukrainischer Sprache finden Sie auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes und des Bundesministeriums des Inneren und für Heimat.

Die Europäische Union hat sich auf ein vereinfachtes Verfahren zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine verständigt. Damit müssen ukrainische Staatsangehörige, die seit dem 24. Februar 2022 als Folge der militärischen Invasion durch Russland aus der Ukraine vertrieben worden sind, kein Asylverfahren durchlaufen. Sie können stattdessen einen Antrag auf vorübergehenden Schutz bei der zuständigen Ausländerbehörde im Aufenthaltsort stellen, um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Dies gilt auch für Staatenlose und Staatsangehörige anderer Drittländer, die sich rechtmäßig in der Ukraine aufhielten und nicht sicher und dauerhaft in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurückkehren können.

Weitere wichtige Informationen zur Einreise und zum Aufenthalt für Menschen aus der Ukraine in ukrainischer Sprache finden Sie auf Українa. Zu weiteren Beratungsangeboten über Flucht und Migration informieren Sie sich am besten bei den lokalen Behörden.

Mobilität: Bus und Bahn für geflüchtete Ukrainer:innen derzeit kostenlos

In Deutschland gibt es verschiedene Arten von Fernzügen (IC, EC und ICE) und Nahverkehrszügen (z.B. RB, RE) der Deutschen Bahn. Zudem gibt es auch andere Anbieter im Fernverkehr wie Flixtrain, ÖBB oder Thalys International. In den Bundesländern und Kommunen gibt es darüber hinaus regionale Nahverkehrszüge anderer Anbieter und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Städten (z.B. in Berlin: U-Bahn, S-Bahn, Tram).

Seit dem 3. März 2022 benötigen Ukraine-Flüchtende, die aus Polen, Tschechien, Österreich mit einem Zug nach Deutschland einreisen, keine Fahrkarte. Die Deutsche Bahn erleichtert Ihnen anschließend auch die Weiterreise in Deutschland mit dem kostenlosen Ticket "helpukraine". Sie können dieses Ticket in allen DB-Reisezentren und DB-Agenturen in Deutschland erhalten. Es gilt für Fahrten im Fern- und Nahverkehr. Sie können damit kostenfrei zu jedem Zielbahnhof fahren.

Zudem können Ukrainer:innen, die aufgrund des Krieges aus ihrem Land flüchten und nach Deutschland einreisen, kostenlos alle Busse und Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nutzen. Dies gilt für alle Nahverkehrszüge (S-Bahn, Regionalbahn, Regionalexpress, etc.) sowie für alle U-, Straßen-, Stadtbahnen und Busse. Als Fahrausweis dienen entweder so genannte "0-Euro-Tickets", wie sie beispielsweise von der Deutschen Bahn im Fernverkehr ausgestellt werden, oder auch ein gültiges Ausweisdokument.

Sie haben Fragen dazu? Auf der Website der Deutschen Bahn bekommen Sie Informationen auch in ukrainischer Sprache.

In Hessen können darüber hinaus alle Angebote des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV), des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN), des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) sowie des Wiesbadener Mobilitätsdienstleister ESWE Verkehr genutzt werden. Als Fahrausweis dienen entweder so genannte "0-Euro-Tickets", wie sie beispielsweise von der Deutschen Bahn im Fernverkehr ausgestellt werden, oder auch ein gültiges ukrainisches Ausweisdokument.

Informationen finden Sie auf diesen Internetseiten:

Weitere Informationen für Geflüchtete in Hessen (auch in ukrainischer Sprache) finden Sie im Artikel Krieg in der Ukraine: Informationen für Geflüchtete in Hessen

Unterkunft und Registrierung

Wenn Sie die Möglichkeit haben, in Deutschland bei Freunden oder Verwandten unterzukommen, gilt: Da Sie sich als ukrainische:r Staatsbürger:in mit biometrischem Reisepass oder mit Schengen-Visum legal in Deutschland aufhalten, müssen Sie sich innerhalb der ersten 90 Tage, gerechnet ab Ihrem Erstaufenthalt in der EU, nicht registrieren.

Brauchen Sie Unterstützung – etwa eine Unterkunft oder Versorgung, wenden Sie sich bitte an Erstaufnahmeeinrichtungen oder Ankunftszentren. Dort registrieren Sie sich und bekommen eine Erstversorgung, Hygieneartikel und drei Mahlzeiten am Tag. In den nächsten Tagen nach Ihrer Ankunft bekommen Sie Informationen darüber, wie das Verfahren abläuft, um einen Aufenthaltstitel gewährt zu bekommen.

Sie haben ebenfalls die Möglichkeit, bei Privatpersonen unterzukommen. Hierfür können Sie noch vor Ihrer Einreise eine Anfrage stellen. Das geht zum Beispiel auf dieser Website.

Bitte beachten Sie, dass Sie erst dann eine Bescheinigung, wie z.B. einen Ankunftsnachweis oder eine Anlaufbescheinigung, bekommen, wenn Sie sich in einer Aufnahmeeinrichtung oder Ausländerbehörde registriert haben. Diese Bescheinigung können Sie bei zuständigen Leistungsbehörden vorlegen und dann Sozialhilfe und medizinische Versorgung bekommen.

Das Land Hessen bereitet aktuell alles vor, um ankommende Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen zu können. Für größere Personenzahlen, die keine privaten Anlaufstellen haben oder die nicht unmittelbar von Kommunen untergebracht werden, erfolgt die Aufnahme in der Erstaufnahmeeinrichtungen (EAEH) in Gießen. Hier wird ihre Identität festgestellt, außerdem erfahren die Geflüchteten medizinische Behandlung und erhalten ein Impfangebot. Anschließend werden die Geflüchteten schnellstmöglich an die Kommunen verteilt.

Die Menschen, die privat oder direkt in Kommunen unterkommen, sollten sich zunächst an die kommunale Ausländerbehörde vor Ort wenden. Eine Übersicht der hessischen Ausländerbehörden finden Sie auf dieser Website.

Das Ministerium des Innern und für Sport stellt auf dieser Website für alle Menschen, die mittelbar oder unmittelbar vom Krieg betroffen sind, Informationen bereit. Darunter sind Informationen zum Aufenthaltsrecht in deutscher und in ukrainischer Sprache, zu den Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge, zum Alltag in Deutschland oder finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten.

Auf der Website des hessischen Innenministeriums sowie unter der Hotline 0800 - 110 3333 stehen Mitarbeiter:innen des Landes Hessen für Fragen zur Verfügung.

Telefonie- und Internettarife

In Deutschland gibt es mehrere Mobilfunkbetreiber, die Tarife mit oder ohne Vertrag anbieten. Viele Handyverträge laufen über mindestens zwei Jahre. Empfehlenswert sind Prepaid-Tarife ohne Vertragsbindung, die zum Teil auch eine Allnet- bzw. Daten-Flatrate enthalten. Falls Sie sich für einen Handyvertrag entscheiden, vergleichen Sie mehrere Angebote und achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern auf Laufzeiten sowie inbegriffene Leistungen wie Tarife, Datenvolumen oder Auslandsflatrates.

Die Telefondienstanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und O2 (Telefonica) sowie deren Partnermarken (darunter Congstar von Telekom, sowie die Prepaid-Marken Aldi Talk, Penny Mobil oder ja!mobil) bieten aktuell kostenlose Telefonate und SMS aus dem deutschen Festnetz und Mobilfunknetz in die Ukraine an. Auch Roaming in der Ukraine wird kostenfrei. Nach Angaben der Anbieter sind Anrufe, SMS und MMS in die Ukraine bis mindestens 31. März 2022 kostenlos möglich.

Kostenlose SIM-Karten

In Deutschland stellt die Telekom in Koordination mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bis zum 30. Juni 2022  kostenlose SIM-Karten mit unbegrenztem Datenvolumen und unlimitierter Telefonie zur Verfügung. Aus der Ukraine geflüchtete Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren bekommen die kostenlose SIM-Karte über offizielle Hilfsorganisationen oder in den Telekom-Shops.

Auch der Anbieter Vodafone stellt über Flüchtlingsheime SIM-Karten zum Telefonieren und Surfen innerhalb der ersten drei Monate kostenlos zur Verfügung. Darüber hinaus stellt o2 Telefónica kostenlose SIM-Karten mit einer monatlichen Flatrate für Anrufe sowie einem monatlichen Datenvolumen für Geflüchtete aus der Ukraine bereit.

Geldtransfer von der und in die Ukraine

Wenn Sie von Deutschland aus Geld in die Ukraine überweisen wollen, haben Sie die Möglichkeiten einer Auslandsüberweisung bei einer Bank oder eines Geldtransfers über verschiedene Anbieter.

Bei einer Auslandsüberweisung müssen Sie bei der Bank ein spezielles Formular ausfüllen. Bei Überweisungen in Nicht-EU-Länder können Gebühren anfallen, die sowohl von der Bank des Empfängers als auch von der Bank in Deutschland erhoben werden. Auf dem Formular können Sie festlegen, ob Sie alle Kosten übernehmen, die Kosten zwischen Ihnen und dem:der Empfänger:in geteilt werden oder dieser die Kosten komplett übernehmen soll. Die Ausführung ist nur in den aufgeführten Währungen möglich.

Für Auslandsaufträge gelten gesonderte Konditionen, die Sie dem Preis- und Leistungsverzeichnis der jeweiligen Bank entnehmen können. Erkundigen Sie sich vorab auch wegen eventueller aktueller Sonderkonditionen für Überweisungen in die Ukraine.

Gut zu wissen: Die Gebühren für Auslandsüberweisungen in die Ukraine können bis zu zehn Prozent der Überweisungssumme betragen. Transferieren Sie zum Beispiel 1000 Euro, müssen Sie mit Gebühren von bis zu 100 Euro pro Überweisung rechnen.

Unter bestimmten Voraussetzungen sind deshalb Geldtransferanbieter (z.B. Western Union, Moneygram, Wise) eine kostengünstigere Alternative. Sie zahlen in Deutschland einen Betrag in Euro ein und Ihr:e Empfänger:in kann sich den Geldtransfer je nach Verfügbarkeit und Service schon nach wenigen Minuten an einem beliebigen Standort des jeweiligen Anbieters in der Ukraine in Hryvnia (UAH) auszahlen lassen.

Für den Transfer müssen oft keine Gebühren gezahlt werden, denn eine Einnahmequelle solcher Anbieter ist der Währungsumtausch. Vergleichen Sie deshalb bei der Wahl eines Geldtransferanbieters sowohl die Transfergebühren als auch die Wechselkurse. Gebühren, Wechselkurse und Steuern können abhängig von Anbieter, Vertriebskanal und -standort variieren und ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Sie können Gebühren und Wechselkurse der jeweiligen Anbieter auch vorab über das Vergleichsportal Geldtransfair vergleichen. Es wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Bevor Sie eine Auslandsüberweisung oder einen Geldtransfer in die Ukraine tätigen, sollten Sie sich über die aktuelle Lage vor Ort erkundigen. Denn aufgrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine ist es für die Banken auch außerhalb der Kampfzonen schwierig, ihren normalen Betrieb aufrechtzuerhalten. Dadurch kann es zu Verzögerungen bei Überweisungen kommen. Zudem können ukrainische Banken aufgrund von Devisenmangel oft nur Auszahlungen in Hryvnia (UAH) vornehmen, die wegen Bargeldmangel auch limitiert sein können.

Kontoeröffnung in Deutschland

Ein Konto ist wichtig, um am Gesellschaftsleben teilzuhaben. Zum Beispiel, um Rechnungen zu bezahlen, denn viele Dinge werden in Deutschland über das Konto bezahlt, darunter Miete, Strom oder Gas. Aber auch um Geld zu bekommen, wie etwa Lohn, Gehalt oder Sozialhilfe, und um es sicher aufzubewahren, empfehlen wir, ein Konto zu eröffnen.

Jede Bank muss Ihnen ein Konto anbieten. Das nennt sich Basiskonto. Wenn Sie über keinen gültigen Reisepass oder mit Sicherheitsmerkmalen versehene ukrainische ID-Card verfügen, müssen die Banken auch ein ukrainisches Ausweisdokument akzeptieren. Sie müssen dann aber zusätzlich ein Dokument einer deutschen Behörde (insbesondere Anlaufbescheinigung, Fiktionsbescheinigung oder Meldebescheinigung) vorlegen (Aufsichtsmitteilung der BaFin).

Die Bank selbst können Sie frei wählen. Sie sollten bei der Wahl unter anderem darauf achten, wo Sie Geld kostenlos abheben können und wie hoch die Gebühren für die Kontoführung sind. Hilfreich bei der Kontoeröffnung kann ein Dolmetscher sein, wenn Sie nicht so gut Deutsch oder Englisch sprechen. Es ist besser nachzufragen, wenn Sie etwas nicht richtig verstanden haben.

Mehr zu günstigen Girokonten lesen Sie in diesem Artikel.

Beratung zu verbraucherrechtlichen Themen: Die Verbraucherzentralen helfen

Falls Sie Fragen rund um verbraucherrechtliche Themen haben, können Sie sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. Sie ist eine unabhängige Organisation (NGO), die sich für Verbraucher:innen einsetzt und Ihnen bei Problemen mit Unternehmen hilft.

Bei diesen Themen können wir Sie unterstützen:

  • Telefonverträge und Handytarife,
  • Internetbestellungen, zum Beispiel wenn Sie mit dem Produkt unzufrieden sind,
  • Rechnungen, die Sie bekommen haben, obwohl Sie nichts bestellt haben,
  • Verträge mit einem Energieversorger, zum Beispiel dem Stromanbieter,
  • Bankkonten in Deutschland und Überweisungen ins Ausland,
  • Versicherungen, die Sie in Deutschland benötigen.
  • Beratung bei Fragen zum Rundfunkbeitrag, zur Befreiung oder Ermäßigung: Kostenlos in den Verbraucherzentralen Schleswig Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Berlin und Brandenburg

Die Verbraucherzentrale gibt es in Deutschland in jedem Bundesland.

Die Verbraucherzentale Hessen bietet schon seit einigen Jahren Geflüchteten ein kostenloses Beratungsangebot an. Dieses Angebot steht auch Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung. Es umfasst:

  • kostenlose Infoveranstaltung mit oder ohne Sprachmittler
  • kostenlose Beratung für Geflüchtete, die weniger als drei Jahre in Deutschland sind,
  • Telefondolmetscher möglich,
  • Terminvereinbarung über 069 972010-900.

Weitere Informationen und Unterstützung finden Sie auch auf dieser Website der Bundesregierung.