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Wofür Sie in der Pflege Entlastungsleistungen nutzen können

Stand:

Bitte beachten Sie: Während der Corona-Pandemie gibt es Änderungen und Erleichterungen zum Entlastungsbetrag. Genaue Informationen finden Sie hier.

Alle Pflegebedürftigen der Pflegegrade 1 bis 5 haben einen Anspruch auf Entlastungsleistungen, wenn sie zu Hause gepflegt werden. Den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich gibt es zusätzlich zu anderen Leistungen der Pflegeversicherung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Entlastungsbeitrag soll Angebote finanzieren, die pflegende Angehörige entlasten.
  • Sie müssen die Rechnungen sammeln und bei der Pflegekasse einreichen. Wie das für Sie selbst oder als Bevollmächtigter für jemand anderen geht, zeigen wir in unseren kostenlosen Musterschreiben.
  • Sie können bei Ihrer Pflegekasse nachfragen, welche Anbieter zugelassen sind.
  • Bis zu 40 % des Betrages für Pflegesachleistungen können Sie zusätzlich für Entlastungsleistungen nutzen.
  • Nicht genutzte Beträge können angespart und später genutzt werden.
Ältere Frau zählt Kleingeld
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Was sind Entlastungsleistungen?

Bei Entlastungs- und Betreuungsangeboten handelt es sich um zusätzliche Unterstützungsleistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Geschulte Ehrenamtliche oder professionelle Betreuungskräfte übernehmen für einige Stunden im Monat verschiedene Aufgaben. So sind die Pflegebedürftigen gut versorgt und die Angehörigen können neue Kraft tanken.

Der Entlastungsbetrag kann genutzt werden für:

  • Angebote zur Unterstützung im Alltag bei Anbietern, die nach Landesrecht zugelassen sind, z.B. haushaltsnahe Dienstleistungen, Gruppenangebote, Alltags- und Pflegebegleiter
  • Tages- und Nachtpflege, auch die Kosten für Unterkunft, Mahlzeiten und Investitionskosten
  • Kurzzeitpflege

Angebote zur Unterstützung im Alltag werden häufig "niedrigschwellige Betreuungsangebote" genannt. Sie sind besonders für Demenzkranke interessant, da durch kreative Tätigkeiten die Fähigkeiten erhalten oder noch einmal verbessert werden können. Für körperlich Eingeschränkte können Bewegungs- und Koordinationsgruppen ein passendes Angebot sein. Konkret kann das beispielsweise so aussehen:

  • einmal pro Woche Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen
  • einmal pro Woche Besuch einer Sing- und Bastelgruppe bei einem Wohlfahrtsverband
  • einmal pro Woche Besuch eines Bewegungsangebots
  • einmal pro Woche Spaziergang mit einer Ehrenamtlichen
  • bei Bedarf Begleitung zum Arzt, zu Behörden und zu Konzerten durch Ehrenamtliche

Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Entlastungsbetrag auch für ambulante Pflegeleistungen genutzt werden. Personen mit Pflegegrad 1 können sämtliche notwendigen Leistungen eines Pflegedienstes mitfinanzieren. In den Pflegegraden 2 bis 5 sind körperbezogene Pflegemaßnahmen, wie das Waschen und Anziehen, ausgenommen. Diese dürfen ausschließlich mit den Pflegesachleistungen finanziert werden. Der Entlastungsbetrag steht lediglich für zusätzliche Unterstützung zur Verfügung, wie etwa Hilfe im Haushalt und Alltagsgestaltung.

Wer hat Anspruch auf Entlastungsleistungen?

Alle Pflegebedürftige, die Leistungen von der Pflegeversicherung beziehen und zu Hause wohnen, haben einen Anspruch auf 125 Euro im Monat für Entlastungsleistungen. Wichtig ist, dass diese nach dem aktuellen Landesrecht qualifiziert sind.

Wenn die 125 Euro pro Monat nicht ausreichen, können Pflegebedürftige einen Teil ihrer Pflegeleistungen umwidmen lassen. Auf diese Weise lassen sich bis zu 40 Prozent des Betrags für Pflegesachleistungen (also den Pflegedienst) für Betreuungs- und Entlastungsleistungen nutzen. Das ist sinnvoll, wenn diese nicht für die Pflege benötigt werden. Für die Umwidmung ist ein Antrag bei der Pflegekasse nötig.

Was muss bei der Kostenübernahme beachtet werden?

Für den Entlastungsbetrag muss kein gesonderter Antrag gestellt werden. Jeder hat einen Anspruch auf die Entlastungsleistungen, sobald die Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde und man zu Hause gepflegt wird.

Allerdings müssen Sie beachten, dass die Leistung nur gezahlt wird, wenn Sie die entsprechenden Rechnungen einreichen. Es gilt nämlich das so genannte Kostenerstattungsprinzip. Der Pflegebedürftige muss zunächst ein passendes Angebot auswählen und aus eigener Tasche bezahlen. Anschließend erstattet die Pflegeversicherung den Betrag, wenn Sie die Rechnung einreichen und das Angebot entsprechend qualifiziert ist.

Unsere kostenlose Musterformulare helfen Ihnen dabei:

Der Pflege- oder Entlastungsdienst kann auch direkt mit der Pflegekasse abrechnen, wenn Sie eine Abtretungserklärung abgeben. Mit diesem Formular gestatten Sie dem Dienstleister den Datenaustausch mit der Pflegeversicherung. In diesem Fall müssen Sie nicht in Vorkasse treten. Lassen Sie sich dann aber regelmäßig eine Übersicht über die eingereichten Rechnungen geben, damit Sie den Überblick über Ihr vorhandenes Budget behalten.

Alle Musterschreiben, Anträge und Formulare sowie viele hilfreiche Erläuterungen finden Sie auch im Handbuch Pflege.

Wann kann ich den Entlastungsbetrag für Kurzzeit- oder Verhinderungspflege nutzen?

Beim Spitzenverband der Pflegekassen heißt es dazu: "Ein Anspruch auf den Entlastungsbetrag besteht beispielsweise dann, wenn die Leistungen der Kurzzeitpflege ausgeschöpft sind und der Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 weiterhin in der Einrichtung der Kurzzeitpflege verbleibt, die Finanzierung nunmehr aber im Rahmen der Leistungen der Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI erfolgt. Gleiches gilt, wenn anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag im Rahmen der Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden (z. B. Freizeiten für Menschen mit Behinderung)."


Beispiel:

Die Tochter des pflegebedürftigen Karl ist für einige Wochen gehindert, ihren Vater zu pflegen. Dieser benötigt für diese Zeit Kurzzeitpflege. Allerdings war er in diesem Jahr schon in Kurzzeitpflege, so dass die Mittel für Kurzzeitpflege bereits aufgebraucht sind. Seine Tochter hat in diesem Jahr die Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen, so dass sie für die Bezahlung der Kurzzeitpflege auch Beträge aus der Verhinderungspflege in Anspruch nehmen kann. Für die Bezahlung der Rechnung kann der Pflegebedürftige die Rechnung der Einrichtung zunächst zwar selber übernehmen und sich dann erstatten lassen - allerdings unterschreibt der Pflegebedürftige zumeist eine Abtretungserklärung, durch die der Anbieter die Rechnung direkt bei der Pflegekasse einreichen kann. Der Anbieter rechnet dann selber mit der Pflegekasse ab.

Nachdem die Pflegekasse die Kosten beglichen hat, bleiben immer noch Kosten übrig. Hierzu gehören die "Hotelkosten" und die "Investitionskosten". Diese können über den angesparten Entlastungsbetrag finanziert werden. Auch hierfür kann eine Abtretungserklärung unterschrieben werden. Wenn eine solche unterschrieben ist, kann die Einrichtung direkt die Kosten abrechnen. Andernfalls muss der Betroffene selber einen Antrag auf Erstattung bei der Pflegekasse stellen und die Rechnung einreichen.

Um zu sehen, wie viele Leistungen Sie schon verbraucht haben, sollten Sie sich vom Anbieter eine Rechnungsdurchschrift geben lassen.


Was passiert mit nicht genutzten Entlastungsleistungen?

Werden im Monat nicht 125 Euro ausgeschöpft, kann der Restbetrag in den Folgemonaten innerhalb eines Kalenderjahres genutzt werden. Wenn Sie beispielsweise im Krankenhaus waren und im November nur 25 Euro für Entlastungsleistungen ausgegeben haben, stehen Ihnen im Dezember die restlichen 100 Euro vom November sowie die 125 Euro vom Dezember zur Verfügung. Bleibt am Ende des Jahres noch Geld übrig, können Sie dieses noch bis Ende Juni ins neue Kalenderhalbjahr übertragen. Während der Corona-Pandemie gelten verlängerte Fristen. Nähere Informationen finden Sie hier.

So erhalten Sie Entlastungsleistungen

Sie zahlen die Leistung zunächst aus eigener Tasche. Die Pflegekasse erstattet Ihnen dann diesen Betrag auf Ihr Konto. Wie das genau geht, können Sie sich in unseren Musterschreiben ansehen (siehe oben unter "Was muss bei der Kostenübernahme beachtet werden?").

Wo?

  • Suchen Sie einen Anbieter vor Ort aus.
  • Hierbei können Pflegeberatungsstellen oder Pflegekassen weiterhelfen.

 

Wie?

  • Sie zahlen die Leistungen zunächst selbst und lassen sich die Kosten belegen.
  • Schicken Sie die Quittungen mit Bitte auf Erstattung ihrer Entlastungsleistungen an ihre Pflegekasse (Rückerstattungsprinzip).
  • Viele Pflegekassen bieten auch ein Abrechnungsformular zum Download an.
  • Noch einfacher geht es, wenn ihr Anbieter direkt mit der Pflegekasse abrechnet. Dann gilt: Halten Sie ihr Budget im Blick!
  • Sollten Sie ihr Budget für die Kurzzeit- oder Verhinderungspflege nutzen, genügt eine entsprechende Abrechnung bei der Pflegekasse. Zumeist übernimmt das die Einrichtung!
  • Wollen Sie Pflegesachleistungen in Entlastungsleistungen umwidmen, reicht ein formloser Antrag bei ihrer Pflegekasse (mit Angabe ab wann Umwidmung beginnen soll).

 

Was?

  • Nutzen Sie Ihren Entlastungsbeitrag zum Beispiel für Ihre Haushaltshilfe, die Begleitung zum Friedhof oder den Einkauf.
  • Tipp: Erkundigen Sie sich regelmäßig bei der Pflegekasse, wie hoch Ihr Anspruch auf Entlastungsleistungen aktuell ist.