Kinder schützen mit Zuckerabgabe auf Süßgetränke

Pressemitteilung vom 19. Juni 2026

Verbraucherzentrale Hessen diskutiert über Herstellerabgabe auf Süßgetränke

Beim verbraucherpolitischen Frühstück der Verbraucherzentrale Hessen am 19. Juni 2026 diskutierte Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, mit geladenen Expertinnen und Experten und 113 Teilnehmenden darüber, welchen Beitrag eine Herstellerabgabe auf Süßgetränke zu gesünderer Ernährung und Prävention leisten kann, welche internationalen Erfahrungen vorliegen und wie eine wirksame Ausgestaltung in Deutschland aussehen sollte.

"Die Einführung einer Abgabe auf zuckergesüßte Getränke ist ein erster wichtiger Schritt für mehr gesundheitlichen Verbraucherschutz und zur Entlastung unseres Gesundheitssystems“, fasste Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen die Diskussion zusammen. „Wichtig ist nun, dass sie wirksam ausgestaltet und zeitnah eingeführt wird, und das ohne Ausnahmen. Nur so kann sie ihre Breitenwirkung entfalten und besonders Kinder und Jugendliche schützen.“ 

Ein hoher Zuckerkonsum erhöht das Risiko für Übergewicht und Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zuckergesüßte Getränke sind besonders problematisch: Sie liefern große Mengen Zucker in kurzer Zeit, ohne zu sättigen. Schon mit einer Dose Cola (330 ml) werden etwa 35 Gramm Zucker aufgenommen. Deutschland zählt unter den EU-Ländern zu den Spitzenreitern beim Verbrauch zuckergesüßter Getränke – mit Folgen für die Betroffenen und das Gesundheitssystem. Ende April hat sich die Bundesregierung für die Einführung einer Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke in Deutschland ausgesprochen.


Erfahrungen aus anderen Ländern wie Großbritannien zeigen, dass eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke den Zuckergehalt und -konsum wirksam reduzieren kann. Privatdozentin Dr. Sarah Forberger vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) Bremen stellte dar, welchen Effekt die verschiedenen Herstellerabgaben weltweit auf gesundheitliche und wirtschaftliche Endgrößen haben.

Besonders beliebt sind Süßgetränke bei Kindern und Jugendlichen: 12- bis 17-Jährige decken im Schnitt 25 bis 30 Prozent ihrer täglichen Energiezufuhr über Softdrinks. Das bleibt nicht ohne Folgen: Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig. Prof. Dr. Andreas Jenke, Klinikdirektor der Neonatologie und allgemeinen Pädiatrie am Klinikum Kassel, schilderte eindringlich, welche körperlichen und psychosozialen Auswirkungen damit einhergehen – und dass bei metabolischer Entgleisung Appelle an die Selbstkontrolle nicht mehr reichen.

„Eine internetrepräsentative Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher mehrheitlich für eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke aussprechen“, erklärte Stella Glogowski, Leitung der Fachgruppe Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hessen. Damit Hersteller den Zuckergehalt der Getränke reduzieren, empfiehlt die Verbraucherzentrale Hessen eine gestaffelte Herstellerabgabe, orientiert am britischen Modell – möglichst auch unter Einbezug der Süßstoffe. Das sollte ausnahmslos sowohl für große als auch kleinere Hersteller und Marken gelten – sonst drohe ein hoher Bürokratieaufwand, der die Umsetzung verkompliziert und die Wirksamkeit gefährdet. 

Im Anschluss an die Impulsvorträge diskutierte Philipp Wendt gemeinsam mit den Vortragenden und Staatssekretärin Manuela Strube vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, der Forschungsgruppenleiterin Familie Dr. Helena Ludwig-Walz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und Nia Brähler, Vorstandsmitglied im Stadtschüler:innenrat Frankfurt über die Rolle von Süßstoffen, ob weitere Lebensmittel einbezogen oder ergänzende Maßnahmen ergriffen werden sollten – und welche Effekte durch die Herstellerabgabe auf Adipositas-Raten zu erwarten sind. 
In der Diskussion wird klar: Eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke ist ein erster wichtiger Schritt. Sie sollte den Weg bereiten für weitere ernährungspolitische Maßnahmen, die zusammenwirken, um die gesunde Wahl zur einfachen Wahl zu machen und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft zu stärken. 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.