Dezentrale Verbraucherberatung in Hessen
Verbraucherzentrale erprobt Beratung in ländlichen Räumen

Knapp 6,2 Millionen Menschen leben in Hessen, etwa die Hälfte davon lebt auf dem Land. Die Angebote für professionelle Rechts- und Verbraucherberatung befinden sich in den großen Ballungszentren. Die Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, Verbraucherberatung dezentral auch im ländlichen Raum verfügbar zu machen. Das Land Hessen fördert daher bis zum Jahresende ein Projekt der Verbraucherzentrale Hessen, mit dem der Zugang zu niedrigschwelliger Beratung insbesondere in ländlichen Räumen erprobt werden soll.
„Unsere Erfahrung aus der Zeit der Covid-19-Pandemie zeigt, dass niedrigschwellige telefonische Beratungsangebote gerade für Ratsuchende außerhalb der Ballungsgebiete wichtige Hilfestellungen bieten, die gerne angenommen werden“, erläutert Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Das Angebot zusätzlicher Hotlines führte damals trotz geschlossener Beratungsstellen zu einem deutlichen Anstieg der Beratungszahlen. Dabei stiegen die Kontaktzahlen aus ländlichen Regionen mit 46,3 % gegenüber 19,1% bezogen auf ganz Hessen deutlich überproportional an.
Beratungsangebote für Menschen auf dem Land
Bis zum Ende des Jahres 2026 geht die Verbraucherzentrale Hessen mit fünf zusätzlichen Hotlines und ergänzenden Vortragsangeboten auf die Menschen zu, die in den ländlichen Regionen Hessens beheimatet sind. „Dafür haben wir aktuelle Beratungsthemen identifiziert, zu denen wir an mehreren Tagen in der Woche Hotlines schalten werden. Zusätzlich werden wir zu diesen Themen begleitende Vorträge in den ländlichen Regionen anbieten“, so Wendt weiter.
Immobilienfinanzierung und Anschlussfinanzierung
Hohe Immobilienpreise waren zuletzt auch auf dem Land an der Tagesordnung. Immobilienkredite, die in der zurückliegenden Niedrigzinsphase abgeschlossen wurden und bei denen die Zinsbindung ausläuft, erfordern demnächst eine Anschlussfinanzierung. Dann treffen hohe Restschulden auf inzwischen gestiegene Zinsen. Das setzt insbesondere junge Familien, die bewusst aufs Land gezogen sind, unter Druck. Denn Familiengründung, Kinderbetreuung, Schule und Arbeitsplatz schränken die Möglichkeiten, das Wohnumfeld zu ändern, ein.
Betrug und Täuschung über Telefon und Internet
Ob betrügerische Finanzfallen oder Fake-Shops – es gibt viele Möglichkeiten, wie Verbraucherinnen und Verbraucher am Telefon oder im Internet getäuscht werden. Betrüger verursachen zum Teil hohe finanzielle Schäden bei ihren Opfern. Nach einem Einkauf im Fake-Shop ist das Geld zumeist verloren. Die bestellte Ware kommt entweder gar nicht an oder ist so mangelhaft, dass sie im Müll landet. Eine Rücksendung scheitert meist, weil die Rücksende-Andresse nicht in der Europäischen Union liegt.
Probleme beim Glasfaserausbau
Schnelles Internet ist vor allem im ländlichen Raum viel wert. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung des Lebensalltags haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher großes Interesse an einem Glasfaseranschluss. Doch nicht selten stockt der Ausbau, nachdem die Verträge unterschrieben wurden. Und dann taucht in der Region plötzlich ein anderer Anbieter auf, der den Glasfaserausbau ebenfalls vorantreiben will und für sich wirbt. Die damit im Zusammenhang stehenden Fragen überfordern viele Haushalte:
- Welche Rechte haben sie gegenüber den Anbietern?
- Wie können sie sich aus nachteiligen Verträgen wieder lösen?
- Wie lassen sich die Angebote der verschiedenen Anbieter vergleichen?
Energiepreise
Seit dem Beginn der Energiepreiskrise vor vier Jahren suchen Verbraucherinnen und Verbraucher nach Möglichkeiten, die Kosten ihrer Energieversorgung zu senken. Kriege und Krisen nicht nur in Nahost dürften diesen Trend noch verstärken. Der Umgang mit Preiserhöhungen und die Möglichkeit, den Energieanbieter zu wechseln, haben daher in der Verbraucherberatung weiterhin einen hohen Stellenwert.
Gesundheitsreform
Die aktuelle Gesundheitsreform lässt viele Verbraucherinnen und Verbraucher darüber nachdenken, ob sich für sie ein Wechsel in die private Krankenversicherung lohnt oder eine private Zusatzversicherung in Frage kommt. Die Frage, ob ein Wechsel langfristig sinnvoll ist, muss gut überlegt sein. Dies gilt auch für die Frage welche Zusatzversicherung mit welchen Leistungen abgeschlossen werden sollte.
Hotlines ab 1. Juli 2026 geschaltet
Die fünf neuen Hotlines sind vom 1. Juli 2026 bis zum Jahresende zu folgenden Zeiten erreichbar:
Immobilienfinanzierung: 069 971940-188
Montag: 10:00 bis 12:00 UhrFreitag: 10:00 bis 12:00 Uhr
- Betrug am Telefon und im Internet: 069 971940-187
Mittwoch: 14:00 bis 16:00 Uhr Glasfaserausbau: 069 971940-186
Montag: 10:00 bis 12:00 Uhr,Donnerstag: 12:00 bis 14:00 Uhr
Energiepreise: 069-971940-185
Montag: 10:00 bis 12:00 UhrFreitag: 10:00 bis 12:00 Uhr
Gesundheitsreform: 069 971940-184
Montag: 10:00 bis 12:00 UhrMittwoch: 14:00 bis 16:00 Uhr
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