Kindersnacks im Drogeriemarkt: Viel Auswahl, wenig Mehrwert
Bunte Verpackungen, Comicfiguren und Versprechen wie „für Kinder“ oder „ohne Zuckerzusatz“: Das Angebot an vermeintlich gesunden Kindersnacks in Drogeriemärkten für den kleinen Hunger zwischendurch ist riesig. Doch brauchen Kinder diese Produkte überhaupt? Unser Check zeigt, welche Snacks besonders häufig angeboten werden und was Eltern über diese Produkte wissen sollten.

Das Wichtigste in Kürze
- Quetschies, gepuffte Getreidesnacks, Frucht- und Getreide-Riegel machen den größten Teil des Kindersnack-Angebots aus.
- Viele Produkte enthalten große Mengen an Zucker oder Salz und sind daher für Kinder nicht empfehlenswert.
- Bunte Verpackungen und Comicfiguren sprechen gezielt Kinder und Eltern an und fördern Impulskäufe.
- Kinder brauchen in der Regel keine speziellen Snack-Produkte. Ab dem ersten Geburtstag sind für sie grundsätzlich die gleichen Lebensmittel wie für den Rest der Familie geeignet – altersgerecht und ausgewogen zubereitet.
Ein Check in sechs Drogeriemärkten zeigt: Das Sortiment besteht überwiegend aus stark verarbeiteten Snacks wie Quetschies, Getreide-Puffs, Riegeln oder Kinderkeksen und -waffeln. Insgesamt wurden mehr als 1.430 Kindersnacks gezählt (Dopplungen zwischen den Märkten nicht ausgeschlossen). Das entspricht durchschnittlich knapp 240 verschiedenen Produkten pro Markt.
Viele „Kinder-Produkte“ enthalten viel Zucker oder Salz und bieten selten Vorteile gegenüber herkömmlichen Snacks. Für Eltern lohnt sich deshalb ein kritischer Blick ins Regal und auf die Nährwerttabelle.
Auffällig war auch die Platzierung: Die Kindersnacks befinden sich häufig direkt neben Windeln oder Babypflege-Produkten, die Eltern regelmäßig kaufen. Die auffällige Gestaltung der Verpackungen macht die Snacks zusätzlich zu typischen Impulskauf-Produkten.
Die häufigsten Kindersnacks im Regal
- Quetschies: Fast jedes zweite Produkt
Quetschies machten im Check rund 40 Prozent des gesamten Angebots aus. Das Netzwerk Gesund ins Leben, das bundesweit Handlungsempfehlungen für die Kinderernährung herausgibt, rät von Quetschies als regelmäßigem Snack ab. Das Nuckeln am Beutel und das fehlende Kauen können das Kariesrisiko erhöhen.
Durch die konzentrierte Darreichungsform als Fruchtpüree enthalten viele Quetschies zudem deutlich mehr Zucker, als Kinder über frisches Obst aufnehmen würden. Durch den hohen Zuckergehalt liefern sie viel Energie (Kilokalorien), sättigen aber weniger als frisches Obst.1 Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Bremen zeigt, dass einzelne Quetschies bereits rund die Hälfte der empfohlenen täglichen Zuckermenge für Kinder liefern können.2 - Gepuffte Getreidesnacks
Mit rund 17 Prozent des Sortiments folgen Reiswaffeln, Maispuffs und Co. Diese enthalten häufig wenig Zucker und Salz, zudem gibt es für Kinder mit Zöliakie auch glutenfreie Produkte. In Reisprodukten findet sich jedoch natürlicherweise Arsen. Für Lebensmittel auf Reisbasis, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt sind, gelten deshalb besonders strenge gesetzliche Höchstgehalte, die Untersuchungen zufolge auch eingehalten werden.3 Dennoch empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Säuglingen und Kleinkindern Reisprodukte wie Reiswaffeln nur in Maßen zu geben und regelmäßig mit Produkten aus anderen Getreidearten abzuwechseln.4 Grundsätzlich gilt: lieber abwechslungsreich snacken und regelmäßig zwischen verschiedenen Getreidesorten wechseln. - Frucht- und Getreideriegel
Etwa 14 Prozent des Angebots bestehen aus Riegeln. Sie sind praktisch für unterwegs, enthalten jedoch häufig zu viel Zucker: auch wenn dieser aus Datteln, Feigen, Honig oder Fruchtsaftkonzentraten stammt, ist er nicht gesünder als andere Zuckerquellen. Frucht- und Getreideriegel ersetzen weder frisches Obst noch eine vollwertige Zwischenmahlzeit.5 - Kinderkekse, Waffeln und salzige Knabbereien
Auch Waffeln, Kekse sowie Knabberprodukte gehören zum Standardsortiment. Sie bestehen überwiegend aus Weißmehl und enthalten viel Zucker.5,6 Herzhafte Snacks wie Knuspertiere und -bällchen wiederum liefern oft viel Salz.7 Bei Aussagen wie „Ohne Aufstreusalz“ sollten Sie einen kritischen Blick auf die Zutatenliste werfen, denn herzhaftes Gebäck enthält trotzdem oft zu hohe Mengen an Salz.
Fazit: Große Auswahl, kaum Vorteile
Der Check des Kindersnack-Angebots zeigt: Das große Angebot vermittelt den Eindruck, Kinder bräuchten eigene, für sie geeignetere Lebensmittel. Tatsächlich ist das nicht der Fall.8 Die Produkte erfüllen keine besonders kindgerechten ernährungsphysiologischen Anforderungen und sind nicht automatisch besser als vergleichbare Snacks für Erwachsene. Für eine ausgewogene Ernährung sind spezielle Kindersnacks überflüssig. Kinder können ab dem ersten Geburtstag grundsätzlich die gleichen Lebensmittel essen wie der Rest der Familie – auch bei den Zwischenmahlzeiten. Nur altersgerecht zubereitet, zum Beispiel wegen Verschluckungsgefahr, und ausgewogen sollte es sein.
Snack-Tipps für Kinder
- Für unterwegs eignen sich zum Beispiel:
mundgerecht geschnittenes Gemüse und Obst - belegte Vollkornbrote oder Brot-Gemüse-Spieße
- ungesalzene Nüsse (für ältere Kinder) oder Nussmus als Aufstrich
- selbstgemachte Gemüse-Waffeln, Hafer-Bananen-Kekse, Falafel oder Gemüsebratlinge
Beim Einkauf die Nährwerttabelle prüfen: Wenn es doch ein Fertig-Snack sein soll, lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle. Wählen Sie möglichst Produkte mit wenig Zucker und Salz sowie einem hohen Vollkornanteil. Kinder sollten pro Tag nicht mehr als etwa 2 Gramm Salz und höchstens 25 Gramm freie, also Speisen und Getränken zugesetzte Zucker zu sich nehmen;9 besser noch deutlich weniger.10 Manche Fachgesellschaften empfehlen darüber hinaus, bei Kindern unter 2 oder 3 Jahren zugesetzte Zucker komplett zu vermeiden.11
Da Brot, Käse, Wurst, Joghurts und zubereitete Speisen bereits Salz und Zucker liefern, sollten Snacks möglichst wenig davon enthalten.
Die richtige Portionsgröße: Als Faustregel reicht für einen Snack ungefähr die Menge, die in eine Kinderhand passt.12
Essenspausen einhalten: Kinder benötigen drei Hauptmahlzeiten und zwei kleinere Zwischenmahlzeiten. Zwischen den Mahlzeiten sollten zwei bis drei Stunden Essenspause liegen, damit sich ein natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl entwickeln kann.
Einkäufe planen: Wer den Einkauf vorher plant, sich eine Einkaufsliste schreibt und sich nicht von bunten Verpackungen oder der Platzierung neben Windeln und Babypflegeprodukten verleiten lässt, spart Geld und landet seltener mit unnötigen Kindersnacks an der Kasse.
1) gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/ernaehrung-und-bewegung-fuer-kleinkinder/handlungsempfehlungen/ernaehrung/ernaehrungsweise/
2) verbraucherzentrale-hessen.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/quetschies-der-ideale-snack-to-go-36863
3) verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/arsen-in-reis-was-ist-bei-saeuglingen-und-kleinkindern-zu-beachten-12119
4) bfr.bund.de/cm/343/arsen-in-reis-und-reisprodukten.pdf
5) lebensmittelklarheit.de/news/marktcheck-kinderprodukte-was-steckt-hinter-werbung-mit-fruchtsuesse
6) verbraucherzentrale.bayern/pressemitteilungen/marktcheck-entlarvt-kinderkekse-viel-weissmehl-statt-wertvollem-vollkorn-106090
7) verbraucherzentrale.nrw/pressemitteilungen/zu-viel-salz-in-kinderknabbersnacks-121551
8) gesund-ins-leben.de/fuer-familien/fuer-sie-und-ihr-kleinkind/was-kommt-auf-den-teller/
9) who.int/europe/de/news/item/14-03-2022-5-recommendations-to-reduce-salt-intake-to-live-longer-and-healthier-lives
10) aok.de/pk/magazin/familie/kinder/wieviel-zucker-am-tag-darf-mein-kind-essen/
11) Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland (Deutsche Adipositas-Gesellschaft, Deutsche Diabetes-Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (PDF)
12) verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/suessigkeiten-und-snacks-fuer-kinder-6003
So sind wir vorgegangen
Für den Marktcheck wurden sechs Drogeriemärkte von drei verschiedenen Ketten in Gießen und Frankfurt untersucht. Alle Snacks, die speziell für Kinder als Zwischenmahlzeit vermarktet wurden, wurden kategorisiert und gezählt. Verschiedene Geschmacksrichtungen einer Marke wurden jeweils einzeln erfasst.










