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Jodversorgung ist in Deutschland wieder rückläufig

Stand:

Die Jod-Versorgungslage ist verbesserungsbedürftig. Zu wenig Jod kann schwerwiegende Folgen haben.

Das Wichtigste in Kürze:
Erst den Arzt fragen

  • Untersuchungen zeigen, dass die Jodversorgung nicht optimal ist. Aktuelle Daten zeigen sogar einen Rückgang.
  • Eine ausreichende Jodversorgung ist leicht möglich, wenn bewusst auf den Verzehr jodhaltiger Lebensmittel (inklusive jodiertem Speisesalz) geachtet wird.
  • Jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel nicht notwendig.
  • Bei Schwangeren und Stillenden oder Personen, die auf tierische Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch, Eier) verzichten, kann eine Supplementierung sinnvoll sein - diese sollte aber mit dem Arzt abgesprochen sein, um zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse zu verhindern.
Schwarze Tafel mit Meeresfrüchten
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Was steckt hinter den Werbeaussagen zu jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln?

In Nahrungsergänzungsmitteln für das Immunsystem, die "schöne" Haut, Gehirn und Nerven oder auch für die Schwangerschaft ist häufig Jod enthalten. Bei der Vermarktung dieser Produkte dürfen nur bestimmte gesundheitsbezogene Aussagen gemacht werden. Diese Aussagen sind auf europäischer Ebene genau definiert.

Für Jod sind in der EU folgende gesundheitsbezogene Werbeaussagen erlaubt:

  • Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei
  • Jod trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Jod trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Jod trägt zur Erhaltung normaler Haut bei
  • Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei
  • trägt zum normalem Wachstum von Kindern bei

Es geht bei diesen Aussagen aber nur darum, dass normale Funktionen aufrechterhalten werden, nicht um eine Leistungssteigerung. Ein Mehr an Jod - über den körpereigenen Bedarf hinaus - bringt keine gesundheitlichen Vorteile. Ein zu wenig kann allerdings zu schweren körperlichen und Nervenstörungen führen.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von jodhaltigen Produkten achten?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht die langfristige Aufnahme von maximal 600 Mikrogramm Jod pro Tag (aus allen Quellen, also inklusive Lebensmittel, Salz, Wasser etc.) als unproblematisch für Erwachsene. Für Kinder sind die Werte aufgrund des geringeren Körpergewichts niedriger. Für 4- bis 6-Jährige beispielsweise 250 Mikrogramm pro Tag, für 7- bis 10-Jährige 300 Mikrogramm pro Tag.

Da aber in Deutschland bis in die 1980er Jahre ein Jodmangel weit verbreitet war, ist vor allem bei älteren Menschen noch mit sogenannten funktionellen Autonomien der Schilddrüse zu rechnen. Diese Menschen können eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Jod aufweisen und bei einer zu hohen Jodzufuhr möglicherweise eine Überfunktion der Schilddrüse entwickeln. Daher wurde für Deutschland für Erwachsene eine Maximalmenge aus allen Quellen von 500 Mikrogramm pro Tag festgelegt.

Jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel werden in der Regel mit einer Tagesdosis zwischen 100 bis 200 µg angeboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 100 µg bzw. 150 µg für schwangere und stillende Frauen pro Tag enthalten sollten.

Achtung: Meerestang und -algen können sehr große Mengen an Jod enthalten, so dass hier schon geringe Aufnahmemengen von 1 bis 10 g getrockneter Algen die maximale Aufnahmemenge von 500 µg/Tag deutlich überschreiten können.

In Abhängigkeit von der Dosis und der Empfindlichkeit der Personen kann es aufgrund einer Überversorgung an Jod zu Krankheitsbildern, wie Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis kommen. Die Verwendung jodhaltiger Nahrungsergänzungsmittel sollte daher mit dem Arzt abgesprochen sein.

Eine Jodallergie, Jodakne oder ein Kropf durch zu viel Jod tritt nur auf bei jodhaltigen Medikamenten, Desinfektionsmitteln oder Kontrastmitteln auf.


Diese Mineralstoffverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 05. Juli 2017) für Jod in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • Natriumiodid
  • Natriumiodat
  • Kaliumiodid
  • Kaliumiodat

Achtung!

Sehr hoch dosierte Jodtabletten zum Schutz bei einem radioaktiven Notfall sind nicht zur Nahrungsergänzung geeignet, es besteht Gesundheitsgefahr insbesondere bei Personen über 45 Jahren. Diese Tabletten werden im Notfall über die Katastrophenschutzbehörden verteilt. Die Einnahme darf nur nach ausdrücklicher Aufforderung erfolgen und nur in der von den Behörden genannten Menge.

Für wen sind Nahrungsergänzungsmittel mit Jod möglicherweise sinnvoll?

Die Jodversorgung in Deutschland hat sich seit Mitte der 1980er Jahre durch den Einsatz von Jodsalz in Privathaushalten, in der Lebensmittelindustrie, im Handwerk  und teilweise in der Gastronomie kontinuierlich verbessert. Hinzu kommt, dass die Nutztiere das für sie lebenswichtige Spurenelement über jodiertes Futter bekommen. Dadurch ist der Jodgehalt vor allem in Milch und Milchprodukten gestiegen. In Bio-Lebensmitteln und Biofuttermitteln ist Jodsalz bzw. die Jodierung erlaubt, wird aber eher seltener eingesetzt.

Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass die Jodversorgung der Bevölkerung immer noch nicht optimal ist bzw. eine rückläufige Tendenz aufweist. Studien haben ergeben, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene im unteren optimalen Bereich liegen. Beurteilt wird die Jodversorgung nach der Höhe der Jodausscheidung über den Urin optimal wäre: 100 -  199 µg/l.

Die mittlere Jodausscheidung bei Kinder und Jugendlichen liegt bei 88,8 µg pro Liter Urin. Man spricht hier von einem milden Mangel. Da es sich um einen Mittelwert handelt, bedeutet dies; dass einige Kinder und Jugendliche optimal versorgt sind, andere wiederum einen schweren Mangel haben. Ursache dafür könnte sein, dass der Einsatz von Jodsalz anstelle von Speisesalz in industriell produzierten Lebensmitteln (z.B. Fertiggerichten, Fertigsoßen, Würzmischungen) und in der Außer-Haus-Verpflegung deutlich rückläufig ist.

Ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung mit Jod haben Personen, die auf tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier verzichten. Dazu zählen Vegetarier, Veganer und Personen, die wegen einer Kuhmilch- oder Fischallergie oder einer Milchzuckerunverträglichkeit Fisch oder Milchprodukte meiden müssen. Auch bei einer sehr (Jod-) salzarmen Ernährung kann es sein, dass die empfohlene Aufnahmemenge nicht erreicht wird. In Absprache mit Ihrem Arzt sollten Sie in einem solchen Fall  eine zusätzliche Zufuhr von Jod in Form eines Nahrungsergänzungsmittels erwägen.

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Jod-Bedarf, auch hier ist in der Regel die Einnahme von jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll. Aktuell werden beiden Personengruppen in Deutschland 100 -150 µg Jod pro Tag in Form eines Nahrungsergänzungsmittels zusätzlich zur Ernährung mit jodreichen Lebensmitteln und Jodsalz empfohlen. Dies sollte aber zuvor mit dem Arzt (Gynäkologen) abgesprochen werden, um eventuellen Mehrfacheinnahmen vorzubeugen.

Wofür braucht der Körper Jod?

Jod wird für den Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt. Diese Hormone steuern den Energiestoffwechsel, den Herzrhythmus, sowie den Blutdruck. Außerdem sind sie beteiligt an Prozessen wie Knochenbildung, normalem Wachstum und der Entwicklung des Gehirns.

Eine angemessene Jodversorgung und damit eine normale Schilddrüsenfunktion sind für die Lebensqualität eines Erwachsenen unabdingbar. Ein Mangel macht sich durch eine niedrige Kältetoleranz, trockene Haut, Haarausfall, Gewichtszunahme, depressive Verstimmung, sowie Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten bemerkbar.

Bei einem starken Mangel werden zu wenig Hormone produziert. Es kommt zur Vergrößerung der Schilddrüse, dem sogenannten Kropf, mit eventuell heißen oder kalten Knoten (bösartige Veränderung).

Eine zu niedrige Jodversorgung in Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglingsalter kann zu lebenslangen Entwicklungs- und Funktionsstörungen führen.

Die empfohlene tägliche Zufuhr aus allen Quellen beträgt in Deutschland 200 µg pro Tag für Jugendliche und Erwachsene bis 50 Jahren, ab 51 Jahren 180 µg. In der Schweiz gilt die niedrigere empfohlene Dosis der WHO von 150 µg in Folge des seit jahrzehntelangen erfolgreichen konsequent eingesetzten Jodsalzprogramms.

Kann ich meinen Tagesbedarf über die Nahrung decken?

Der Jodgehalt von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist regional unterschiedlich, er schwankt nach Jodgehalt des Bodens. Bergregionen haben besonders wenig. Aufgrund des Jodgehalts der Meere sind Seefische und andere Meerestiere oder -pflanzen wie Muscheln und Algen von Natur aus jodreich. Eine wichtige Jodquelle sind heute neben dem jodierten Speisesalz tierische Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte, Fleisch und Eier. Der gegenüber früher erhöhte Jodgehalt resultiert aus der Fütterung der Nutztiere mit jodiertem Futter.

Jodiertes Speisesalz gibt es nicht nur für den Privathaushalt. Es darf (und sollte) auch in handwerklich oder industriell produzierten Lebensmitteln (z.B. Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichten, Fertigsoßen, Würzmischungen) eingesetzt werden. Leider ist dies nur bei rund 30 % der salzhaltigen Produkte der Fall. Hier hilft Ihnen nur der Blick auf die Zutatenliste dieser verarbeiteten Produkte und das gezielte Nachfragen an der Verkaufstheke bei loser Ware.

Die Menge an Kalium- oder Natriumjodat im Jodsalz oder auch Nitritpökelsalz ist gesetzlich auf 15 bis 25 mg/kg Speisesalz limitiert. Auch bei Kräutersalzen sollten Sie beim Einkauf darauf achten, dass in der Zutatenliste "jodiertes Speisesalz" steht. Die in Mode gekommenen Salzspezialitäten wie Himalaya-, Meer-, Hawaiisalz bzw. Fleur de Sel tragen unwesentlich zu Jodversorgung bei und sollten deshalb nur selten eingesetzt werden.

Tipps:

Eine ausreichende Jodversorgung ist möglich, wenn Sie auf den Verzehr jodhaltiger Lebensmittel achten.

  • Verzehren Sie täglich Milch- und Milchprodukte.
  • Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Meeresfisch.
  • Verwenden Sie Jodsalz im Haushalt.
  • Kaufen Sie bevorzugt Lebensmittel, die mit Jodsalz hergestellt wurden.
  • In der Zutatenliste sollte "Jodsalz" oder "jodiertes Speisesalz" und nicht nur "Salz" stehen.
  • Fragen Sie auch in Schulmensa, Kantine und anderen Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen nach dem Einsatz von Jodsalz.
  • Verwenden Sie jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt.

Weitere Informationen bekommen Sie in den Aktualisierten Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge des Bundesinstituts für Risikobewertung.

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018

D-A-CH: DGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 1. Ausgabe 2015

Biesalski, Bischoff, Puchstein: Ernährungsmedizin, Thieme Verlag, 2010

Paolo M. Suter: Checkliste Ernährung, Thieme Verlag, 2002

Amtsblatt der Europäischen Union, VO Nr. 432/ 2002 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern

Jodversorgung in Deutschland, Schwangere und Stillende supplementieren! Allgemeinarzt-online vom 20.03.2018 abgerufen am 16.07.2019

Arbeitskreis Jodmangel Deutschland ist wieder Jodmangelland! Aktuelle Gesundheitsstudie zeigt deutlichen Negativtrend, abgerufen am 10.01.2020

Informationsschrift Arbeitskreis Jodmangel e.V. Jod Versorgung Aktuell, Herbst -Ausgabe 2016

Informationsschrift Arbeitskreis Jodmangel e.V. Jod Versorgung Aktuell, Herbst-Ausgabe 2015

BfR (2012): Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsoge

BfR: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen, Aktualisierte Stellungnahme vom 12.06.2007

BfR (2014) Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft   

Bundesgesundheitsblatt: Jodversorgung in Deutschland, Ergebnisse des Jodmonitorings im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), 2007

Robert-Koch-Institut: Studie zu Erwachsenen in Deutschland

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Jodversorgung in Deutschland

UGB Forum 5/08, Hans-Helmut Martin: Nitrat im Essen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 13. DGE-Ernährungsbericht. 2016

Hey I. et al (2019): Monitoring der Jodversorgung bei Kindern und Jugendlichen, Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), Robert Koch-Institut

Bissinger K. et al. (2019): Repräsentative Markterhebung zur Verwendung von Jodsalz in handwerklich und industriell gefertigten Lebensmitteln. Abschlussbericht zum Forschungsprojekt zur Bereitstellung wissenschaftlicher Entscheidungshilfe für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig - Tipps für eine gute Jodversorgung. Aktualisierte Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge des BfR vom 20. Februar 2020

 

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