Gemeinsam gelingt es: Essen in der Kindertagesstätte

Stand: 15. Juli 2026

Eine gute und qualitätsvolle Verpflegung für die Kleinsten, gestützt durch eine alltägliche Ernährungsbildung, ist eine große Herausforderung für Kindertagesstätten (Kitas). Viele Akteure sind beteiligt und bringen Wissen aus unterschiedlichen Bereichen sowie Erwartungen mit, die in Einklang gebracht werden müssen.

Für ein qualitätsvolles Essensangebot in Kindertagesstätten sind viele Personen gefragt. Von der Speiseplanung, der Organisation und dem Einkauf über die Zubereitung bis hin zum gemeinsamen Essen in der Gruppe ist das Zusammenwirken verschiedener Fachkräfte für ein gutes Gelingen nötig. Eine bedeutende Rolle spielen der Träger und die Fachberatung beziehungsweise der Fachdienst, die Leitung, die Hauswirtschaft, die pädagogische Fachkraft, die die Essenssituation begleitet, bis hin zu den Eltern. Und nicht zuletzt haben die Kinder Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen. Aufgaben müssen daher klar zugeordnet und Prozesse aufeinander abgestimmt werden, und alle Beteiligten müssen sich ihrer Rolle bewusst sein.

Essen ist ein lebenserhaltendes Grundbedürfnis, Essenszeit darüber hinaus wertvolle Bildungszeit. Ein ausgewogenes, qualitativ hochwertiges Verpflegungsangebot in einem kindgerechten Rahmen ist gelebte Verhältnisprävention. Über die Verhältnisprävention hinaus umfasst die Verhaltensprävention die Ernährungsbildung rund um den Esstisch. Partizipative Ansätze im Betreuungsalltag sind sowohl für verhältnis- als auch für verhaltenspräventive Maßnahmen wichtig.

Verschiedene Fragen müssen in der Kindertageseinrichtung geklärt werden, darunter:

  • Wie wichtig ist uns eine gute Verpflegung für die Kinder? Welche Kapazitäten haben wir für die Gestaltung der Verpflegung?
  • Welche Mahlzeiten werden in der Kita angeboten? Sind diese zum Teil von den Eltern, zum Beispiel durch Mitbringen von Speisen, Lebensmitteln oder Brotboxen, abgedeckt?
  • Welches Verpflegungssystem kommt zum Einsatz?
  • Wie wird die Mahlzeitensituation gestaltet?
  • Welche Haltung zur Ernährung haben wir als Team? Wie kommunizieren wir mit den Eltern zum Thema Essen? 
  • Wie wird Ernährungsbildung integriert?
  • Wie geht man mit Besonderheiten der Familien oder der Kinder um?

Bei unserer nicht-repräsentativen Umfrage Ende 2024 nannten Kitas als größte Herausforderungen Kosten, Allergien und Unverträglichkeiten und die besonderen Bedürfnisse bei der Ernährung von kleinen Kindern unter drei Jahren.

Verpflegungsverantwortliche in Kindertagesstätten

Bei einem Betreuungsangebot von über 6 Stunden am Stück soll in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung eine Mittagsversorgung angeboten werden (vgl. HKJGB §32 Abs. 1). Das Essensangebot wird direkt und indirekt durch den Träger beeinflusst, indem dieser die grundlegende Ausrichtung einer Kita festlegt und dabei auch, wie wichtig ihm eine ausgewogene und nachhaltigere Verpflegung ist. Der Träger ist für die Umsetzung und Einhaltung bundes- und landesrechtlicher Regelungen verantwortlich und gibt die Rahmenbedingungen (sachlich, personell, finanziell) in der Einrichtung vor.

Die Kitaleitung hat ebenfalls maßgeblichen Einfluss auf das Essensangebot. Sie tritt als Schnittstelle zwischen Träger, Eltern, pädagogischen und hauswirtschaftlichen Fachkräften und externen Stellen auf, vermittelt und vertritt die verschiedenen Positionen. Sie ist erste Ansprechperson für organisatorische und pädagogische Fragen. Bei der Gestaltung des pädagogischen Konzepts und eines Verpflegungskonzepts übernimmt die Leitung eine zentrale Rolle.

Eltern bzw. andere sorgeberechtigte Personen sollten in Belange zur Verpflegung mit einbezogen werden. Sie geben ihre Kinder für viele Stunden und bis zu 15 Mahlzeiten in der Woche in die Kita. Um die Verpflegung zuhause auf das Angebot in der Kita abzustimmen ist es für sie wichtig zu wissen, wie die Verpflegung in der Einrichtung gestaltet wird. In einigen Kitas geben Eltern ihren Kindern auch Mahlzeiten, Lebensmittel oder Brotboxen mit und gestalten dadurch einen Teil der Verpflegung im Betreuungsalltag mit.

Eltern sollten ihre Erwartungen und Wünsche an die Verpflegung in der Kindertagesbetreuung einbringen können. Gleichzeitig müssen sie anerkennen, dass im Rahmen von Kindertagesbetreuung nicht jeder individuelle Wunsch erfüllt werden kann. Zentral ist dabei, den Eltern zu vermitteln, dass ihre Kinder in der Kita und zuhause unterschiedliche Regeln erleben und diese trotzdem sehr gut voneinander abgrenzen und akzeptieren können. 

Stehen die übergeordneten Rahmenbedingungen fest, sorgen externe Essensanbietende und das interne Küchenpersonal für die Bereitstellung der Verpflegung im Betreuungsalltag. Sie sind für die Planung eines ausgewogenen Speisenangebotes, die Beschaffung hochwertiger Lebensmittel, die Lagerung und die hygienisch einwandfreie Zubereitung, sowie gegebenenfalls den Transport, die Übergabe an die Kita und die Ausgabe von Speisen verantwortlich.

Schließlich kommt das pädagogische Personal ins Spiel. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Schlüsselrolle in puncto Mahlzeitenbegleitung und praxisnahe Ernährungsbildung, denn sie

  • begleiten die Mahlzeiten als Lotsinnen und Lotsen, als Vorbild, Vertrauensperson und als Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner am Tisch,
  • beobachten die Kinder während dem Essen und nehmen wahr, wie Kinder das Speisenangebot annehmen,
  • betreuen zumeist die Essensausgabe (im Rahmen einer gut gelebten Partizipation nimmt sich am besten jedes Kind die Essenskomponenten selbst),
  • begleiten pädagogische Aktionen zu den Themen Lebensmittel und Ernährung.

Im Zentrum allen Tuns stehen die Kinder. Wichtig ist es, dass sie bei der Speisenplanung sowie bei der Ausgestaltung der Mahlzeiten aktiv eingebunden werden. Schon kleine Kinder können zum Beispiel anhand von Bildern entscheiden, an welchem Tag es welches Gericht gibt oder auf Nachfrage ihr Lieblingsgemüse zeigen, das dann in einer der nächsten Wochen in den Speiseplan aufgenommen wird.

Die Bedürfnisse aller Beteiligten zusammenzubringen, ist keine leichte Aufgabe. Oft ist das Thema Kinderernährung emotional besetzt. Ein übergeordneter Blick von außen kann helfen, verschiedene Anliegen in Einklang zu bringen. Wir beraten, bilden, informieren und vernetzen. Als unabhängige Ansprechpartnerinnen stehen wir allen beteiligten Akteuren zur Seite, moderieren die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte an Runden Tischen und in offenen Austauschformaten und stellen auf unserer Website umfangreiche Informationen zusammen.